Donnerstag, 4. Januar 2018

Mal wieder Umzug

Ist ja schon wieder alles mögliche vorbei. Weihnachten vorbei. Silvester vorbei. Jahreswechsel vorbei. Neujahr vorbei. Dritter Praktikumstag in der neuen Klinik vorbei. Dritter Tag des dritten Drittels des praktischen Praktischen Jahres vorbei. Wobei das derselbe dritte Tag war. Und der erste und der zweite sind natürlich auch schon. Vorbei.

Tja. Ich bin ziemlich fertig. Körperlich ausgelaugt. Es waren anstrengende drei Wochen. In denen andere sich erholt haben. In denen ich Weihnachten und Neujahr gefeiert habe. Aber in denen ich auch viel regeln musste, was ich eigentlich schon viel früher geregelt haben wollte. Und nun bin ich bereits wieder Vollzeit beschäftigt, muss nebenbei noch für die letzte Prüfung lernen. Es reicht.

Was sich im letzten Jahr gedanklich verdichtet hat: Ich werde erstmal nicht zu dir zurück kehren. Hamburg, meine hübsche Liebe, du musst in den nächsten Jahren ohne mich auskommen. In dir zu wohnen ist, wenn auch teuer, zwar schön, aber in dir wohnen einfach zu viele Idioten, die mich nicht in Ruhe lassen können. Keine Sorge, ich komme dich sicherlich immer mal wieder besuchen. Und ich werde auch hin und wieder mal in dir schlafen, wenn du erlaubst. Aber mehr ist im Moment nicht drin.

Zum 31.12. musste ich auch meinen Krempel aus meiner Bude am letzten Studienort räumen. Dort hatte sich natürlich mal wieder eine Menge angesammelt. Für das letzte Drittel penne ich anfangs noch in meiner Mini-Ferienwohnung an der Ostsee und pendel täglich mit dem Auto - das passt irgendwie. Während der Prüfungszeit werde ich mir am letzten Studienort ein Hotelzimmer nehmen, das ist günstiger, als die Wohnung noch ein halbes Jahr zu behalten. Am letzten Studienort hält mich nichts. Und ich bin ehrlich gesagt auch froh, dass das Kapitel beendet ist.

Im Moment wohne ich also in meinem gemütlichen Nest an der Ostsee, wo wir auch den Jahreswechsel gefeiert haben. Allerdings sind die Tage in dieser Mietwohnung ebenfalls gezählt, denn auch hier habe ich gekündigt. Ja, großer Umbruch. Hauptsächlich aus steuerlichen Gründen. Und weil die Wohnungsgröße zum dauerhaften Wohnen nicht reicht. Zumindest nicht, wenn frau im Rollstuhl sitzt. Für Ferien, für ein Wochenende oder mal eine Woche im Sommer war es super und die Wohnung ist mir auch sehr ans Herz gewachsen, aber ich brauche etwas, wo ich dauerhaft bequem wohnen kann.

Entscheidend war auch, dass ich mich zum Jahreswechsel um meine Kohle kümmern musste. Bis Ende 2015 profitierte ich noch von einer Geldanlage, die mir aufgrund der langen Laufzeit feste Zinsen in aus heutiger Sicht traumhafter Höhe eingespült hat. Nachdem die aktuelle Zinspolitik aber Vermögen auf Sparkonten verbrennt, habe ich 2015 meine Kohle in physisches Edelmetall und in Aktienfonds deponieren lassen. Das Metall hat in den letzten zwei Jahren jeweils über 6% an Wert gewonnen, die Aktien ziemlich genau 4%. Das Metall fasse ich nicht an, aber einen Teil der Aktiensumme habe ich nun, bevor der nächste Börsencrash kommt, in Wohneigentum verwandelt.

Etwa 10 Kilometer von meinem gemütlichen Nest entfernt hatte jemand barrierearm gebaut, sich dann aus privaten, beruflichen, finanziellen oder whatever Gründen aber anders entschieden. Ich habe keine Ahnung, warum man so etwas macht, vielleicht gab es eine Trennung oder einen Verlust - dieser Mensch wollte nur noch verkaufen. Ich habe diese Information von meiner Bank bekommen, die eigentlich nur nach einer Eigentumswohnung suchen sollte und meinte, barrierefrei finde sich in den nächsten fünf Jahren wohl nix. Eigentlich wollte man mich gar nicht kontaktieren, weil ich nach einer Wohnung gefragt habe... Danach ging alles relativ schnell. Wann bekommt man schonmal ein komplett barrierefreies Haus an der Ostsee angeboten, noch dazu zu einem relativ fairen Preis?

Es handelt sich um einen unterkellerter Bungalow mit ausgebautem Dachboden. Wohnfläche rund 160 m², Grundstücksgröße etwa 700 m², allerdings ist bis auf eine gepflasterte Auffahrt derzeit alles noch Acker. Gut isoliert, Gasheizung mit Brennwerttechnik, ergänzendes Wärmedings auf dem Dach, große Eckbadewanne, Dusche, Gäste-WC, großes Wohnzimmer, alles grau gefliest mit weißen Wänden, Einbauküche fehlt noch. Elektrische Rolläden vor allen Fenstern, hübscher Kamin im Wohnzimmer - was will man mehr? Achso ja, nicht alleine wohnen. Nein, Schatzi zieht nicht mit ein. Aber Marie hat sich dazu entschieden. Soll heißen: Es gibt ein großes Wohnzimmer mit (noch nicht) Küche und jeweils ein eigenes Zimmer für jeden von uns. Wobei sie erst richtig einziehen wird, wenn sie mit ihrer Prüfung fertig ist.

Plus ein Gästezimmer (wer will?). Und einen ausgebauten Dachboden. Der ebenfalls erstmal unbewohnt bleiben wird. Schaun wir mal.

Steuerliche Gründe hatte ich erwähnt. Bis jetzt habe ich nur auf die Zinsen, die ich bis 2015 für meine Sparverträge bekommen habe, kräftig Steuern gezahlt. Worüber ich mich überhaupt nicht beschweren will. In 2016 und in 2017 musste ich überhaupt keine Steuern zahlen, da ich ja kein eigenes Geld verdient habe. Bei der Umwandlung von den Aktien in Kohle für das jetzige Haus habe ich den Jahreswechsel optimal ausnutzen können. Soll heißen: Meine Bank war so freundlich, mir für zwei Wochen eine nicht unerhebliche Summe zu leihen. Das hat mich zwar etwas über 300 € gekostet, allerdings habe ich dadurch rund 7.000 € Steuern gespart, die ich hätte zahlen müssen, wenn ich die ganze benötigte Aktienkohle auf einmal umgewandelt hätte (also innerhalb eines Kalenderjahres, Stichwort: Abgeltungssteuer).

Ein Teil der Kaufsumme wird über einen staatlichen Zuschuss für Niedrigenergiebau finanziert, ein weiterer Teil über einen fast zinslosen Kredit aus dem gleichen Stall. Weil: Es gibt einen Tilgungszuschuss und die jährlichen Zinsen sind deutlich niedriger als die Inflation. Es wäre also ungünstiger, keinen Kredit aufzunehmen, selbst dann, wenn die Kohle vorhanden ist. Klingt verrückt, ist aber so.

Wenn ich jetzt im Sommer einen Job annehme, um damit meine Facharztausbildung zu bekommen, werde ich voraussichtlich unter der Woche wieder woanders wohnen müssen. Und dafür wieder Miete an dem Ort zahlen müssen. Das ist aus steuerlicher Sicht aber günstiger, als wenn ich zwei Wohnungen miete. Eine am Arbeitsplatz und ein kuscheliges Nest an der Ostsee. Klingt auch verrückt, ist aber auch so. Aber wenn ich Marie wieder in meiner Nähe habe, habe ich schon gewonnen.

Was jetzt noch dringend fehlt, ist ein vernünftiger Zaun um das Grundstück, ein gepflasterter Carport und ein Treppenlift im Haus. Der Häuslebauer hatte wohl geplant, den Dachboden für sich zu nutzen und seinen behinderten Angehörigen nur ins Erdgeschoss zu lassen, aber das ist nichts für mich. Ich muss auch in das Obergeschoss kommen. Allerdings nehmen Plattformlifte, auf die man mit dem Rollstuhl drauf fahren kann, zu viel Platz weg und sind zu teuer. Vermutlich wird es also ein einfacher Treppenlift - und oben steht dann ein zweiter Rollstuhl. In den Keller muss ich hingegen nicht unbedingt. Angesichts des Preises (wird fünfstellig), überlegt man sich schon zwei Mal, ob man einen oder zwei Lifte einbauen lässt. Und nach unten und nach oben sind halt zwei Lifte.

Und dann freue ich mich auf den nächsten Sommer. Wenn ich mit dem Handbike zehn Minuten zum Strand brauche.

Kommentare :

Zypresse hat gesagt…

Du brauchst doch sicher auch ein Arbeitszimmer, oder? Und wenn das unterm Dach ist, ja, dann ist das eine Förderung deiner beruflichen Tätigkeit, die mit finanziellen Zuschüssen verbunden sein könnte. Denk mal drüber nach!

jali hat gesagt…

Eine gute Entscheidung. Ich habe schon vor vielen Jahren gekauft, und hatte vor 5 Jahren die Gelegenheit, den Kredit vorzeitig abzulösen. Habe ich nicht gemacht. Bei dem derzeitigen Zinsstand zahle ich weniger Zinsen, als der Wertverlust meines Geldes ist. Das ist ziemlich gaga, aber leider die Realität.

Mit einem Hauskauf kannst Du meiner Meinung nach nicht viel falsch machen (es sei den Du kaufst eine Bruchbude, aber das ist ja scheinbar nicht der Fall). Ein Haus ist ein Haus, und wenn alle anderen finanziellen Stricke reißen, kannst Du drin wohnen. Ist ein schönes Gefühl.

Anonym hat gesagt…

Zinsen auf physische Edelmetalle? Edelmetalle können doch keine Zinsen einbringen, es kann sich nur der Wert verändern.

Und bei der Abgeltungssteuer spielt der Verkaufszeitpunkt doch keine Rolle, die Spekulationsfrist wurde mit Einführung der Abgeltungssteuer abgeschafft... (Und es handelt sich ja auch nicht um Altbestände der Beschreibung nach.)

Und ob die Zinsen niedriger sind als die Inflation spielt auch keine Rolle, vielmehr kommt es darauf an ob die Zinsen niedriger sind als andere Anlagemöglichkeiten, die du für dein Geld hättest.

Anonym hat gesagt…

@20.40: Bist du Herr Schlau-Schlau oder was? Wenn Jule als Laie von "Zinsen" beim Vergleich von Sparkonten schreibt, weiß wohl jeder, dass bei Edelmetallen die Wertsteigerung gemeint ist.

Und der Verkaufszeitpunkt spielt sehr wohl eine Rolle, wenn Jule nämlich sonst -wie sie schreibt- kein zu versteuerndes Einkommen hat und beantragt, dass der Gewinn mit dem persönlichen Steuersatz versteuert wird. Das macht immer dann Sinn, wenn der unter 25% liegt. Und insbesondere etliche Freibeträge wegen Schwerbehinderung dürften hier mit reinspielen (die ja bei der Abgeltungssteuer unberücksichtigt bleiben). Ich glaube schon, dass Jule sehr genau weiß, was sie tut.

Und wenn es für Jule eine Rolle spielt, ihre Kohle nicht entwerten zu lassen, so hat sie das ja beschrieben, dann spielt es für sie auch eine Rolle, ob die Zinsen höher oder niedriger sind als die Inflation. Möglicherweise hat das auch Auswirkungen auf ihre Risikobereitschaft (die ich bei Anlagen, die um die 5% bringen, nicht als sonderlich groß einschätze).

Anonym hat gesagt…

"Und wenn es für Jule eine Rolle spielt, ihre Kohle nicht entwerten zu lassen, so hat sie das ja beschrieben, dann spielt es für sie auch eine Rolle, ob die Zinsen höher oder niedriger sind als die Inflation. Möglicherweise hat das auch Auswirkungen auf ihre Risikobereitschaft (die ich bei Anlagen, die um die 5% bringen, nicht als sonderlich groß einschätze)."

Gerade das würde ja dafür sprechen den Kredit möglichst schnell zu tilgen, statt den Kredit offen zu lassen und stattdessen mit dem Geld bei anderen Anlagen auf einen höheren Zins als die Kreditzinsen zu spekulieren.

Anonym hat gesagt…

@ 21:33
Nun wenn der Gewinn mit dem persönlichen Steuersatz des Jahres 2018 besteuert wird, ist damit ja faktisch der Grenzsteuersatz gemeint. Und wenn Jule 2018 als Ärztin arbeiten wird (wenn auch nur in der zweiten Jahreshälfte), wird der wohl mindestens im Bereich von 10-15 % liegen. Bleiben also als Differenz zur Abgeltungssteuer von 25 % nur noch 15-10 % über. Bei einer Steuerersparnis von 7.000 EUR und einer angenommenen Differenz von 15 % würde es also um einen Kapitalertrag von 46.666 EUR gehen. Und da sie mit den Aktien einen Gewinn von 4 % erzielt habe, würde es sich demzufolge um eine Gesamtsumme von 1.166.666,66 EUR handeln. Es erscheint zweifelhaft ob der Bungalow tatsächlich so viel gekostet hat ;-)

Anonym hat gesagt…

Und wenn es jeweils 4 % in den vergangen zwei Jahren waren, also insgesamt 8 oder 8,16 % ist es zwar nur eine Summe von gut 500.000 EUR, aber da sie ja in 2017 auch schon Aktien verkauft habe, kommt es letztlich doch wieder aufs selbe raus...

Anonym hat gesagt…

@21.55: Steht dort ja nicht. Es steht, dass sie es auf 2017 und 2018 aufgeteilt hat. Damit ist deine Rechnung komplett hinfällig.

Als Ärztin wird sie anfangs nach Tarif rund 50.000 € pro Jahr verdienen, sind bei einem halben Jahr gerade mal 25.000 €. Davon mindestens 10.000 € frei wegen der Behinderung, Werbungskosten ab - bleiben 0% Steuern.

Da über die Höhe des Hauskredits (vermutlich KfW mit 0,5% Verzinsung) keinerlei Aussagen gemacht wurden, lässt sich wirklich gar keine seriöse Aussage über den Wert des Bungalows machen. Hätte Jule das erwähnen wollen, hätte sie es sicherlich getan.

Anonym hat gesagt…

@22.06
Sie schreibt, dass sie mit der Aufteilung 7.000 EUR Steuern gespart hat. Demzufolge ergibt sich, dass sie der Auffassung ist mit dem Verkauf in 2018 7.000 EUR weniger Steuern zu zahlen als mit einem Verkauf noch 2017.

Wie gesagt geht es um den Grenzsteuersatz (der Steuersatz den man auf jeden Euro mehr zahlt), und bei einem zu versteuerndes Einkommen von 10.000 EUR liegt der bereits bei 15 % ...

In Anbetracht dessen, dass sie explizit erwähnt hat, dass sich der Bungalow nicht in Hamburg befindet, erscheint ein siebenstelliger Betrag ja nun nicht gerade wahrscheinlich...

Olli hat gesagt…

Einerseits halte ich die Ostsee für das defekte deutsche Meer (weil immer da), andererseits freut die ergriffenen offensichtlich gute Gelegenheit auch mich.

Zum Thema Bank aus inzwischen überzeigter eigener Sicht ein Tipp für all die, die in der Velegenheit sind, nicht nur fünfstellige Beträge handhaben zu können: Quirin Privatbank. Da geht die Kundenberaterin wirklich auf einen ein, bringen einen dazu, sich selber erstmal über (Finanz-)Ziele klar zu werden und erarbeiten dann gemeinsam den bestmöglichen Weg. Die verkaufen gar eine Produkte, weil sie sich nicht von Provisionen abhängig machen wollen, sondern nur gegen Honorar Kundeninteressen vertreten. Sozusagen wir Anwälte.

Anonym hat gesagt…

@22.17: Fängst du schon wieder mit dem Millionenbetrag an? Ich glaube nicht, dass Jule sich einen Bungalow für 1 Million kauft.

Du hast in Deiner Gleichung mehrere Unbekannte. Du weißt nicht, was sie alles absetzen kann. Was willst du erreichen? Dass sie Dir das vorrechnet? Dass sie die Zahlen öffentlich auf den Tisch legt? Was soll das?

Anonym hat gesagt…

Wäre es nicht einfacher, wenn du irgendwie einen einfachen Fahrstuhl einbauen lässt? Eventuell auch außen am Haus, dort wo jetzt vielleicht schon eine Kellertreppe ist.

Ansonsten, du hast doch während des Studiums in einer betreuten Wohneinrichtung gewohnt oder?
Kommst du mittlerweile völlig ohne Hilfe durch dritte klar? Ganz alleine zu wohnen ist bestimmt halt trotzdem eine Herausforderung?

FiAsKo_ hat gesagt…

Hallo schau mal unter .

Die bauen einen Treppenlift, für den es reicht, wenn der Rollstuhl zwischen den beiden Geländern der Treppe durchnässt.
Die machen dann aus einen vorhanden Rollstuhl einen Sessellift!

ThorstenV hat gesagt…

Jule wird seßhaft. Alles Gute für dein neues Heim.