Donnerstag, 30. November 2017

Auf den Keks

Darf ich mal meckern? Also mal kollektiv? Freunde und Bekannte sagen ja immer, ich sei eine gute Autofahrerin. Sehr ruhig, besonnen, verausschauend. Üblicherweise rege ich mich nicht über andere Verkehrsteilnehmer auf. Es geht damit in der Regel dann sowieso nicht schneller und sich nicht aufzuregen, schont die Nerven. "Du hättest auch Fahrlehrerin werden können", meinte mal eine Bekannte zu mir, der ich vor einiger Zeit in den ersten Stunden nach Bestehen der Fahrprüfung damit geholfen habe, dass ich bei ihr im Auto mitgefahren bin und sie begleitet habe, bis sie sich auch in der Großstadt sicher genug fühlte. Begleitet, soweit ich Zeit und denselben Weg hatte.

Mich regen Fahrschüler vor mir selbst dann nicht auf, wenn ich es eigentlich eilig habe. Mich nerven auch keine Leute, die offensichtlich gerade erst ihren Führerschein haben und noch unsicher sind. Oder alte Menschen, die eher vorsichtig sind und vielleicht nicht sofort alles überblickt haben. Oder wenn ein Rettungswagen mitten in der Einbahnstraße steht und nichts mehr geht. Oder der Müllwagen im Schneckentempo durch die Straße fährt und vor jedem Haus stehen bleibt. Alles kein Problem.

Aber diese hier:

1. Die Chaoten. Hämmern mit viel zu hoher Geschwindigkeit durch die verkehrsberuhigte Zone oder fahren 130 dort, wo 70 erlaubt sind. Kennen jeden stationären Blitzer und haben möglichst noch irgendwelche Warngeräte installiert. Bremsen dann übertrieben auf 35 runter, obwohl 70 erlaubt sind. Liefern sich anschließend Wettrennen oder fordern mich an der Ampel zu selbigem heraus. Bringen mich um meine Nachtruhe, wenn sie um halb eins in der Nacht nochmal Vollgas geben und ihre unzulässig veränderte Auspuff-Anlage vor meinem Schlafzimmerfenster röhren lassen müssen. Müssen am Stau über den Standstreifen, eine riesige Staubwolke hinter sich her ziehend, vorbeikacheln. Möglichst jeden Morgen. Bestehen dann am Ende des Standstreifens auf das Reißverschluss-Prinzip, lassen aber andersherum niemanden einfädeln. Fahren völlig zugedröhnt mit lauter Musik bei Dunkelrot noch über die Ampel. Parken überall, vorzugsweise auf Behindertenparkplätzen, meistens mit Warnblinklicht, damit jeder weiß, dass sie wissen, dass es eigentlich verboten ist.

2. Die Abgelenkten. Machen alles außer Autofahren. Telefonieren während der Fahrt, eiern dabei durch alle Fahrstreifen. Bleiben bei grün an der Ampel stehen, um dann bei dunkelgelb loszufahren. Schaffen es nicht, auf 50 zu beschleunigen, sondern fahren 40 und bekommen nicht mit, dass sie deshalb an jeder Kreuzung die grüne Welle verpassen. Winken bei grüner Ampel erstmal von links und rechts Leute rein, anstatt sowas zu machen, wenn die Ampel rot ist und eh alle warten müssen. Fahren beim Abbigen nicht bis zur Kreuzungsmitte vor, sondern bleiben mit den Hinterrädern auf der Haltelinie kleben. Vor allem bei Ampeln, die nur kurz grün zeigen. Bremsen bei grünen Abbiege-Ampeln nochmal ab, weil sie sich gerade nicht sicher sind, ob der Gegenverkehr vielleicht auch grün haben könnte. Fahren im dicksten Nebel ohne Licht, weil sie ja einen Helligkeitssensor haben. Beschleunigen, wenn sie überholt werden. Wenn man sich dann wieder hinter ihnen einordnet, werden sie wieder so langsam, dass man erneut zum Überholen ansetzt. Bleiben bei Stau mitten in der Kreuzung stehen und blockieren so auch noch den Querverkehr.

Die gehen mir auf den Keks. Ernsthaft.

Kommentare :

Martha hat gesagt…

Ohhhh, ja. Da kann ich mitfühlen. Auch wenn ich mir grundsätzlich deutlich mehr aufrege als du.

Grade letztens wieder: Autobahn, ich fahre nachts von einem Konzert zurück (Autobahn ist entsprechend leer). fahre meine gemütlichen 120-130. Auf der rechten Spur ein Auto, das mit geschätzten 90-100 rumschneckt. Kein Problem, überholen leicht. AAAABER: Kaum bin ich neben ihm, da wird beschleunigt. Musste dann bis auf 150 hochgehen, um dran vorbeizukommen. Kurz drauf wurde ich von diesem wieder überholt und er zog von dannen...

Andere Situation, Autobahn, am Tag, wenig Verkehr, dreispurig. Auf der rechten Spur ein Auto, ich will auf der Mittelspur überholen. Da zieht die Tante einfach rüber. Ohne, dass es auf der rechten Spur irgendeinen Grund dafür gäbe (Gegenstand auf Fahrbahn, langsameres Fahrzeug, Tiere). Und v.a. ohne zu gucken und ich durfte voll in die Eisen steigen.

Das fällt mir in letzter Zeit sowieso immer mehr auf. Viele Leute fahren stur ihren Weg. Die gucken nicht rechts und nicht links was da so vor sich geht. Da wird einem die Vorfahrt mit einer Selbstverständlichkeit genommen, dass es mich echt fassungslos macht. Und die gucken noch nicht mal, ob jemand kommt. Würde ich nicht auch immer umsichtig und vorausschauend fahren, hätte es schon manches Mal gekracht...

Es geht mir auch auf den Keks.

FiAsKo_ hat gesagt…

Für die Bummler (40 statt 50...) gibt es eine einfache Erklärung!

Jeder PKW-Tacho zeigt mehr an, als das gefahren wird.
Weniger darf er nämlich nicht anzeigen.



0%-10% mehr anzuzeigen ist also Pflicht!

Wenn der vorausfahrende nun 10% und du selbst nur 1% hast, sieht das schon nach trödeln aus.

Psst: LKWs fahren mit einem geeichten Tacho