Samstag, 20. Juni 2015

Poststreik

Eine Packstation ist für mich als Rollstuhlnutzerin nur bedingt geeignet. Ich könnte zwar zu jeder Zeit mein Paket abholen, müsste dabei aber darauf hoffen, dass es nicht in einem Fach liegt, an das ich nicht heran komme. Üblicherweise lasse ich alles, was per Versand kommt, an die Praxisanschrift von Maries Mutter senden, dort ist im Zweifel auch dann jemand, wenn Marie und ich gerade in der Uni sind.

Nun streikt ja bekanntlich gerade die Post. Und DHL. Der Postbote kommt zur Praxis seit inzwischen über zwei Wochen nicht mehr, Laborwerte, Entlassungsberichte und ähnliches müssen in nervtötenden Telefonaten einzeln per Fax nachgefordert werden, nahezu keine einzige Rechnung wird zur Zeit mehr bezahlt, vermutlich weil die Privatpatienten sie gar nicht bekommen haben. Dagegen ist mein Problem, dass ich gerne meine bestellte Ware hätte, eher nebensächlich.

Immerhin hatte mir der Versender die Tracking-Nummer geschickt. Als ich im Onlineportal nachgucke, wo nach fünf Tagen meine Sendung wohl festklemmt, lese ich: "Die Sendung konnte nicht zugestellt werden. Der Empfänger wurde benachrichtigt. Die Sendung kann in der Filiale [...] abgeholt werden." - Dazu Tag und Uhrzeit, zu der Maries Mutter definitiv Sprechstunde hatte. Na super.

Eine Benachrichtigungskarte hat Maries Mutter nicht. Die Angestellten haben auch nichts angenommen. Also mache ich mich mit meinem Handbike und der Sendungsnummer auf einem Blatt Papier auf den Weg zur Postfiliale. Nach zehn Minuten bin ich an der Reihe. "Mit der Sendungsnummer aus dem Internet kann ich nichts anfangen", werde ich freundlich begrüßt.

"Ihnen auch einen guten Tag", denke ich mir. Ich antworte: "Die Benachrichtigungskarte haben wir leider nicht bekommen." - "Das kann am Streik liegen. Ich brauche die Adresse."

Ich nenne der Mitarbeiterin die Adresse der Praxis. "Und den Ausweis bitte", sagt sie. Den habe ich schon in der Hand und lege ihr den auf die Theke. "Da steht aber eine ganz andere Adresse, dann können wir das nicht aushändigen." - "Das ist eine abweichende Lieferanschrift." - "Was ist das für eine Anschrift?" - "Eine Arztpraxis." - "Haben Sie eine schriftliche Vollmacht dabei, dass Sie im Namen der Arztpraxis Pakete abholen dürfen?" - "Nein." - "Dann darf ich Ihnen das nicht aushändigen." - "Mein Name steht aber auf dem Paket." - "Moment, ich schaue nach."

Nach einiger Zeit kommt die Mitarbeiterin wieder zu mir zurück und sagt: "Da steht tatsächlich Ihr Name drauf. Dann darf ich Ihnen das auch aushändigen. Unterschreiben Sie bitte hier." - Am Ende habe ich mein Paket. Beim Dialog ließe sich sicherlich noch eine Menge verbessern. Stichwort: Negative Grundhaltung. Das ist mir, als jemand, die täglich mit sehr viel "geht nicht" konfrontiert wird, besonders aufgefallen. Mich nervt es, wenn Menschen immer erstmal sagen, dass etwas nicht geht, statt vorher die Sache zu prüfen. Ich musste ihr also drei Mal widersprechen, um am Ende meine bezahlte Ware zu bekommen. Ich finde, das müsste nicht sein.

Kommentare :

Anonym hat gesagt…

Bravo Jule, der Post"beamtin" mal gezeigt wo der Hammer hängt :)
Ich habe heute ähnliches mit einem großen Telekomunikatiosunternehmen hinter mir. Dort habe ich heute telefonisch meinen Vertrag verlängert und mich sogleich um das Versendeproblem gekümmert "wir versenden nur mit DHL" Der Hinweis, dass auf der Homepage auch GLS und UPS als Sendungs-ID-Rückverfolgung dargeboten wird wurde mit "wir versenden ausschließlich mit DHL" quittiert. Morgen rufe ich an und hoffe mal keine Zicke am Telefon zu haben.
Es wäre mir eigentlich egal - wenn es nicht gerade um eine Frist gehen würde welche mir Verluste einbringen würde.. Abe selbst hier "es ist uns nicht möglich ihnen die Daten vor erhalt des Paketes mitzuteilen." Juhu...

BigDigger hat gesagt…

Bei der Post soll eine negative Grundhaltung nicht nötig sein?

Eher lernst Du wieder laufen...

Philipp hat gesagt…

Dennoch bin Ich froh dass wir hier solche Verhältnisse haben bei denen bei solchen Sachen gerne auch mal überkorrekt gehandelt wird.

Man sieht am Beispiel vieler andere Länder dass es auch wesentlich schlechter geht.

Dann doch lieber drei mal nahhaken um ein Paket zu bekommen.

Grüße aus Dresden

Philipp

Alice hat gesagt…

Die Postangestellten in den Fillialen sind echt so eine Sache für sich, leider habe ich auch mehr schlechte als gute Erfahrungen vor allem in Sachen "geht nicht" gemacht. Dennoch, bei uns in der Kleinstadt sehe ich definitiv das Bemühen der Angestellten die Nerven zu behalten und freundlich zu bleiben/sein, aber hinter den Kulissen scheint da soooo viel schief zu laufen, dass vorne am Schalter öfter mal die geballte Frustration durchblitzt. Man kann nur hoffen, dass mit den Streiks nun was erreicht wird.

Anonym hat gesagt…

Ich glaube es geht weniger darum das das geprüft wurde, sondern eher um den Ton - ich spreche da aus Bitterer erfahrung, unsere Postfiliale in einer Kleinstadt ist auch grausig ... pure Beamtenmentalität.

Hinzu kommt: Unser Postbode liefert DHL-Pakete, insbesondere schwere, garnicht mehr ab, sondern nur noch eine Karte. Ist offenbar einfacher als zu Klingeln und zu warten, obwohl den ganzen Tag niemand hier ist.

Wirklich Problemlos ist hier nur Hermes. Das ist ein sehr freundlicher etwas Südländisch aussehender Mensch, der schnell aber immer freundlich seine Pakete ausliefert und auch gerne mal kurz 2,3 Worte mit einem wechselt.
Das einzige was mir immer Sorgen macht, ist die Frage ob sein alter Transit wirklich noch die ganze Straße schafft ;)

Jens Bonn hat gesagt…

Ja das mit der Post ist so eine Sache. Bestimmte Lieferanten werden von der Post aussortiert und bevorzugt behandelt. Das nutzt natürlich nichts wenn man einen Paketboten hat der streikt. Wir haben bei uns im Betrieb das Glück das sowohl Post- als auch Paketbote noch Beamte sind.

Mit meinen Pakten habe ich in der Regel keine Probleme - bei momentanen Bestellungen achte ich auf andere Lieferwege und ansonsten gibt es keine Probleme da ich an eine Firmenanschrift liefern lasse. Dort wird immer jemand sein zum Annehmen und wenn nicht, dann bringt der Bote es am nächsten Tag (egal welcher Dienst) - der einzige Fall vor längerer Zeit war mal eine Nichtzustellung durch einen Paketdienst der bei uns auch unsere Pakete abholt - das war aber nach einem kurzen Anruf geklärt. Wenn der keine Lust hat, dann ist das nicht unser Problem. Ausser Rosenmontag und wenn zwischen Weihnachten und Neujahr mehr als zwei Arbeitagstage sind ist bei uns immer offen.

Und die Dame von der Post kann man ja auch ein bisschen verstehen - die hat es bestimmt im Moment nicht einfacher. Was nicht heißt das man sich Unfreundlichkeit bieten lassen muss.

Michael hat gesagt…

Man sollte Deutschland in "Geht nicht"-Land umbenennen.

Anonym hat gesagt…

Hallo,

da kann ich ein Lied von singen. Ich wollte mal ein Paket abholen, was an meine eigene(!) Firma geschickt wurde. Leider ohne meinen Namen drauf, nur der Firmenname. Ich habs nicht bekommen, sondern mußte zurück und mir selbst eine Vollmacht schreiben. Mit der bekam ich dann endlich die Sendung. Damals war ich echt wütend, heute lach ich drüber. Ich glaube, jede und jeder könnte Bücher schreiben über den Behörden- und Beamtenwahnsinn in Deutschland ;-).

Grüße aus Bayern

Corinche hat gesagt…

Liebe Jule,
bin heute mal wieder auf die Suche nach deinem Blog gegangen und musste jede Menge "nachlesen" :-)

Er fesselt mich einfach. Ich liebe Deinen Schreibstil.

Was ist mit Phillip? Schon ne Weile nix gelesen....

Sei lieb gegrüßt

Corina