Montag, 29. September 2014

Oktoberfest

Lange habe ich sie nicht gesehen, aber nun haben wir es gerade noch einmal geschafft. Emma und Paula wollten zusammen mit mir auf das Münchener Oktoberfest. Marie und ich, für die in der nächsten Woche die Winter-Vorlesungszeit beginnt, wollten unbedingt am Studienort noch die letzten Vorbereitungen treffen und haben zuvor erstmal unsere neuen Bahncards ausgenutzt, um einen Party-Abend in der Bayerischen Landeshauptstadt zu verbringen.

"Wollt ihr uns ärgern oder herausfordern?", fragte uns der Zugbegleiter noch kurz vor München mit einem breiten Grinsen. Ich guckte ihn fragend an. Wir saßen auf den beiden Rolli-Sitzplätzen in Wagen 9 des ICE, also im Großraumwagen, direkt am Übergang zur 1. Klasse. Unsere Rollstühle standen uns gegenüber, wir hatten beide die Füße auf die Sitzfläche unserer Stühle gelegt und es uns bequem gemacht.

Ich dachte zuerst, die Frage bezog sich auf unsere lässige Sitzhaltung. Es wäre nicht das erste Mal, dass mich jemand anpflaumt, weil ich meine Schuhe auf dem Sitz habe. Auf meinem Sitz, wohlgemerkt. Und Schuhe, die noch keinen Zentimeter auf der Straße gelaufen sind. Unter der Sohle könnte also selbst nach 10 Jahren noch ein Preisschild kleben - sofern die Schuhe so lange halten. Allenfalls könnte man darüber diskutieren, ob man sich hier so hinlümmelt.

Der Zugbegleiter klappte sich den Klappsitz an der Wand gegenüber herunter, setzte sich hin und las unsere Karten ein. Marie fragte: "Was meinen Sie?" - "Na das hier, Bahncard 100 und dann im Rollstuhl sitzen. Das sieht für mich so aus, als wolltet ihr der Bahn unbedingt zeigen, wie weit wir hinter dem Mond sind. Mal unter uns: Damit rechnet in der Chef-Etage doch niemand." - Marie antwortete: "Womit? Dass ich mit Rollstuhl öfter als zweimal pro Monat lange Strecken mit der Bahn fahre oder dass ich meine Fahrten unbürokratisch per Flatrate bezahle?" - "Keine Ahnung, ihr seid jedenfalls die ersten Reisenden im Rollstuhl, die ich mit einer Netzkarte antreffe." - Aha. Das hätte ich jetzt nicht vermutet. Aber wer weiß schon, wie lange er für den Laden schon arbeitet. Ich lächelte freundlich. Bleibt nur zu hoffen, dass sich das jetzt nicht auf jeder Fahrt wiederholt...

In München wurden wir per Hebebühne aus dem Zug geholt. Emma und Paula warteten bereits auf dem Bahnsteig. Sie waren mit ihrem Zug rund 20 Minuten vor uns angekommen. Im Einheitslook begrüßten sie uns im bayerischem Dirndl und aufwändig frisiert. Obwohl ich eher nicht für Trachtenmode zu haben bin, muss ich zugeben, dass es alles andere als schlecht aussah. Allerdings erwartete zum Glück niemand, dass die Hamburgerinnen ebenfalls im Deerndl aufrollten. Wir gönnten uns für unser Gepäck ein gemeinsames Schließfach und machten uns auf den Weg. Das Wetter hätte besser nicht sein können, obwohl es bei untergehender Sonne bereits kühl wurde.

Mit dem Münchener Oktoberfest ist der Hamburger Dom nicht zu vergleichen. Ich bin keine Dom-Expertin, aber mehr als maximal drei Festzelte habe ich in Hamburg nie gesehen. In München sind es mindestens 15 riesige Zelte mit zum Teil bis zu 10.000 Sitzplätzen. Während man in Hamburg über den Dom geht, um Karussell zu fahren, wird in München eher Bier getrunken, Hähnchen und Würstchen gegessen und geschunkelt.

Einen Festzeltbesuch mussten wir uns natürlich auch antun, man will ja mitreden können. Es gab eine Rampe, jede Menge Rollstuhlplätze, es war rappelvoll, tierisch laut, eine Maß (ein Liter) Oktoberfest-Bier kostete wahnsinnige 10 Euro, es war die reine Massenabfertigung. Die Bestellung wurde quasi im Vorbeigehen aufgenommen, die Bierkrüge auf dem Rückweg im Vorbeigehen schwappend auf den Tisch gedonnert (die Anzahl stimmt, aufteilen könnt ihr alleine, warum habt ihr das Geld noch nicht passend in der Hand), eine Blaskapelle spielte "In München steht ein Hofbräuhaus" und "Solang der alte Peter" mehrmals im Wechsel, es wurde gegrölt und geschunkelt. Wir hatten noch nicht ganz aufgegessen, da wurde uns quasi schon der Teller weggezogen, die Frage, ob es noch ein Getränk sein dürfte, bekamen wir mindestens fünf Mal gestellt, obwohl unsere Eimer noch halb voll waren. Und auf Ex habe ich sie nicht runter bekommen ... mir war auch so schon etwas blümerant.

Das dürfte neben der Lautstärke vor allem an der schlechten Luft im Zelt gelegen haben. Die fressende und saufende Meute wurde von einigen Ordnern streng bewacht, sobald welche zu lustig wurden und auf den Holzbänken oder gar -tischen tanzen wollten, wurde kurzer Prozess gemacht. Auch die, die es nicht mehr geschafft haben, zum Kotzen das Zelt zu verlassen, wurden aufgefordert, zu gehen. Ein relativ großes Problem war, dass die Plätze weg waren, sobald man aufstand, sodass einige, denen übel wurde, bis zum letzten Moment warteten und dann nicht schnell genug durch die Menge nach draußen kamen. Und, es ist nicht übertrieben, es wurde reihenweise unter die Tische gelullert. Während oberhalb der Holzplatte das Hähnchen eingeworfen wurde, öffnete der Nachbar unterhalb der Holzplatte mal eben den Abwasserhahn. Zum Glück saß uns kein solches Ferkel direkt gegenüber, sonst hätte man sich vermutlich noch darum sorgen müssen, dass die eigene Hose nicht noch was abkriegt. Den lauwarmen Rest aus dem Bierkrug gleich dazu auf die Erde geschüttet und anschließend noch ein neues kühles Blondes bestellt. Platz genug war ja wieder.

Um kurz vor elf waren wir bereits wieder am Bahnhof und bekamen auch gleich einen Zug. Emma und Paula begleiteten uns noch ein Stück. Ich war, ehrlich gesagt, froh, als wir endlich zu Hause ankamen und frisch geduscht in der Falle verschwinden konnten. Ich habe nichts gegen Party, aber so ein Massenbesäufnis mit der entsprechenden Anzahl torkelnder Leute um mich herum ist nichts für mich. Da lobe ich mir doch, wie gesagt, ohne Volksfest-Fan zu sein, den Hamburger Dom oder auch den Bremer Freimarkt.

Sonntag, 28. September 2014

Sendepause

Nein, mir ist nichts passiert. Die Sorgen etlicher Leserinnen und Leser sind beinahe unbegründet. Der Rest des Wahnsinns ist ab sofort chronologisch nachlesbar ... sorry. Ich danke für die Nachfragen, die Anteilnahme während meiner Sendepause. Dass ich rund einen Monat nichts mehr veröffentlicht habe, hatte auch noch weitere Gründe, über die ich im Einzelnen öffentlich nicht viel schreiben möchte.

Ich habe mein Tagebuch inzwischen offline weitergeschrieben. Heute endlich veröffentliche ich mal wieder was, hoffentlich zur Freude jener geduldigen Leserinnen und Leser, die gerne hierher klicken. Und auch sehr zu meiner Freude, denn mein Hobby macht mir noch immer sehr viel Spaß. Und den lasse ich mir auch nicht nehmen.

Montag, 22. September 2014

Scooter vs. Tram

In Potsdam soll sich laut Zeitungsbericht aus letzter Woche ein Senior in einem Elektro-Scooter eines Vergehens schuldig gemacht haben. Elektro-Scooter sind jene drei- bis vierrädrigen Fahrzeuge für gehbehinderte Menschen, die mit 6 km/h führerschein- und kennzeichenfrei die überwiegend ältere Generation befördern, die selbständig in das Ding ein- und aussteigen kann und solche Gefährte oft gerne im Eingangsbereich von Supermärkten oder in engen Hausfluren abstellt.

Das Vergehen, das dem Rentner vorgeworfen wird: Verkehrsunfallflucht. Eine Straftat.

Das finde ich keineswegs witzig. Ich hasse Leute, die an fremden Autos Schaden anrichten und davon fahren. Wenn man schon den Umfang des eigenen Gefährts nicht richtig einschätzen kann und irgendwo entlang schrubbt, sollte man soviel Popo in der Hose haben, dass man für die Schadenregulierung aufkommt. Im Fall eines Elektro-Scooters kommt dafür in aller Regel die private Haftpflichtversicherung auf, so dass man nicht mal hochgestuft wird.

Wie das vermutlich bei der Kfz-Haftpflicht der Fall wäre. Also das mit dem Hochstufen. "Vermutlich" deshalb, weil ich bisher den Umfang meiner Fahrzeuge immer richtig einschätzen konnte und damit keine Erfahrungen sammeln musste. Oder mir rechtzeitig jemanden anlache, der mal draußen guckt und winkt.

Witzig wird es aber dennoch, wenn man dann weiterliest und realisiert, was sich dort zugetragen haben soll. Der Senior sei mit seinem Scooter bei Rot über die Ampel gefahren und mit einer Straßenbahn, genauer gesagt mit einer der Linie 94 in Potsdam, zusammengekracht. Um sich das vor Augen zu halten: So ein Scooter wiegt mit Akkus schlappe 150 Kilogramm, die Tram bis zu 60 Tonnen. Man kann also von Glück sprechen, wenn der Senior so einen Crash überlebt. Das war wohl der Fall, denn der Senior sei aufgestanden, habe seinen Scooter zurechtgerückt, sei dann mit der Höchstgeschwindigkeit von 6 km/h, also schnelles Torkeln bis langsames Schlendern, davongebraust und wurde nicht mehr gesehen. Das Tatfahrzeug wurde später verlassen aufgefunden.

Vermutlich wird an der Straßenbahn irgendwas kaputt gegangen sein. Eine Plastikabdeckung, was auch immer. Natürlich muss der Unfallverursacher, und das ist nunmal der Rentner, wenn er bei Rot fährt, für den Schaden aufkommen. Aber ich frage mich, wieso da niemand hinterher läuft und den Zündschlüssel abzieht. Oder einfach nur verdeckt dran bleibt, sich unterwegs noch unauffällig irgendwo einen Kaffee to go rausholt und über die 110 laufend eine Lagemeldung an die Einsatzleitstelle übermittelt. Oder vielleicht als Staat den Scooter einsackt, meistbietend versteigert und davon den Schaden an der Tram bezahlt.

Oder so. Oder so ähnlich. Herrlich.

Freitag, 19. September 2014

Richtfest

Pünktlich, um nicht zu sagen "überpünktlich" wurde heute Richtfest gefeiert. Bis zum 30.09.14 sollten Rohbau und Dachkonstruktion fertig sein, die Baufirma hat es aber rund 14 Tage früher geschafft. Wir sind bisher sehr zufrieden, von zwei, drei kleineren Pannen, die aber alle behoben werden konnten, abgesehen, hat es keine Probleme gegeben. Pünktlich vor dem ersten Frost können jetzt noch das Dach gedeckt, Fenster und Außentüren eingesetzt werden, so dass es mit dem Innenausbau planmäßig weitergehen kann. In vier Monaten soll das Haus bezugsfertig sein.

Maries Eltern haben sich um Tische, Bänke und einen riesigen Grill gekümmert. Ein Freund von ihnen hat solche Ausrüstung und auch gleich den passenden Anhänger dazu - und hat sich auch noch bereit erklärt, die Grillzange zu schwingen. Alle beteiligten Firmen eingeladen, sämtliche Nachbarn eingeladen, das Wetter war astrein, besser konnte die Party nicht werden. Die Zimmerleute hatten angeboten, Fleisch, Würstchen, Brot und Salate einzukaufen. Wenn sie das schon anbieten, sage ich natürlich nicht Nein. Die Rechnung für Essen, Trinken und Sprit lag knapp über 600 Euro, das hatte ich mir für die geplanten 70 Leute deutlich heftiger vorgestellt.

Der Nachbar, dem früher das Grundstück gehörte, bekam einen Ehrenplatz an der Tafel, das Ehepaar, das etwas weiter in der Straße wohnt und uns den Bauplatz vermittelt hatte, zwei weitere. Ich musste mich ein wenig wundern, wie viel Hochprozentiges die alten Leute trinken konnten. Aber es sollte ja Spaß machen.

Der größte Spaß war, als ein Zimmermann meinte, er müsste mich huckepack nehmen und mit mir auf das (noch ungedeckte) Dach klettern. Den letzten Nagel hätte er vergessen, den wollten wir zusammen einschlagen, anschließend wollte er mit mir dort oben anstoßen. Ich bin ja sonst für solche Spielchen überhaupt nicht zu haben, aber Andreas, so hieß er, sah aus, als würde er zu Hause die Waschmaschine eigenhändig in den dritten Stock tragen. "Komm her, Fliegengewicht", sagte er zu mir, setzte mich auf seine Schultern und ging mit mir durch das halb fertige Treppenhaus nach oben. "Stoß dir nicht die Rübe", meinte er. Er turnte aufrecht stehend über die Dachkonstruktion nach oben, hielt mich mit einem Arm an meinem Hosenbund fest. Mir rutschte das Herz in die Hose. Aber eine schöne Aussicht gab es hier oben. "Keine Angst, kleine Maus, die Balken, die ich hier zuletzt hochgetragen habe, wogen ein klein wenig mehr als du."

Er setzte mich auf einen Dachbalken, ich hielt mich fast krampfhaft an ihm fest. Er zog einen Hammer aus seinem Hosenbund. "Hier ist ein Hammer, hier ist der Nagel, der muss da rein." - Er hielt mich an den Schultern fest, ich hämmerte diesen Nagel in den Balken. Die Menge unten klatschte. Dann holte Andreas zwei Schnapsgläser aus der Hosentasche, einen Flachmann aus der anderen. "So. Und nun anstoßen."

Er füllte die Gläser, prostete mir zu, ich kippte das Zeug runter. Und das, obwohl ich sonst nie Schnaps trinke. Es brannte in der Kehle und im Magen. "So, und jetzt feuerst du das Glas mit ganz viel Kraft da vorne vor dem Haus auf die Erde und hoffst, dass es kaputt geht. Das bringt dann nämlich Glück." - Soso. Ich feuerte und das Glas zersprang in tausend Scherben. Die Menge klatschte und gröhlte. Andreas nahm mich wieder huckepack und turnte mit mir vom Dach als würde er gerade einen Spaziergang machen. Ich war froh, als ich wieder unten war und in meinem Stuhl saß.

Es war ein lustiger Nachmittag. Alle sind satt geworden, niemand ist in irgendeine Schachtgrube gefallen oder von halb fertigen Treppen gestürzt und die Nachbarn finden uns nett. Die bisher beteiligten Bauleute haben alle von uns noch einen Umschlag bekommen, somit sind eigentlich alle gut bezahlt worden und ich hoffe, alle haben ihre Arbeit gut gemacht. Bisher sieht es wirklich so aus. Bleibt zu hoffen, dass es so erfreulich weitergeht.

Dienstag, 16. September 2014

Neue Kraft für eine neue Saison

Der Sport hat mich aus einem der tiefsten seelischen Tiefs meines Lebens geholt. Das ist jetzt fünf Jahre, sieben Monate und ein paar Zerdrückte her. Über den Sport habe ich die ersten Kontakte zur Rollstuhl-Szene gefunden. Der Sport hat meinem Leben nach dem Unfall einen ersten Sinn gegeben. Ohne den Sport wäre ich heute nicht da, wo ich heute bin.

Dennoch habe ich mich am letzten Samstag nach einem sehr langen persönlichen Gespräch dazu entschieden, ab dem kommenden Jahr neue Wege zu gehen rollen. Die Gründe dafür waren weniger, dass ich aktuell nicht in Hamburg bin, schließlich komme ich ja zurück, sondern mehr, dass meine Vorstellungen vom organisierten Sport aktuell nicht mehr mit der örtlichen Realität unter einen Hut zu bringen sind.

Das soll nicht heißen, dass ich keinen Sport mehr machen möchte. Im Gegenteil, ich freue mich schon auf den ersten Triathlon-Wettkampf im neuen Jahr und nutze die Winterzeit eifrig für Training. Sondern das soll heißen, dass ich mich voerst nicht mehr in dem Umfang für gemeinsame Ziele einbringe, wie ich es einst versucht habe. Ich werde in dieser Hinsicht egoistischer und kümmere mich erstmal um mich.

Denn mein Engagement für andere Menschen im Sport scheint trotz bestem Willen zu lästig geworden zu sein. Ich habe wahrgenommen, sobald ich unerwünschte Fragen gestellt oder allzu kritisch kommentiert hatte, war es mit der Sachlichkeit vorbei. Vielleicht muss ich mir tatsächlich vorwerfen lassen, dass mir eine schriftliche Auseinandersetzung mit einer Sache mehr liegt und weniger emotional gelingt als eine mündliche, und ich insofern für persönliche Gespräche am Ende nicht mehr zur Verfügung stand. Vielleicht muss ich mir ebenfalls vorwerfen lassen, wegen der Probleme mit meiner Mutter nicht so offen mit meinen persönlichen Daten umzugehen wie es andere Menschen machen - politisches Engagement aus einer bestehenden Deckung heraus kann tatsächlich schwierig sein. Auch ich mache Fehler, auch ich lerne dazu.

Ich habe gehofft, etwas Gutes tun und etwas Besseres erreichen zu können. Es hat Kraft gekostet. Diese Kraft werde ich künftig anders einsetzen. Für mich. Und für meine Freunde, die meine Kraft und meine Gutmütigkeit teilen möchten.

Ich bin sehr froh, keinen Mannschaftssport zu treiben. Und im Triathlon auch am neuen Studienort so gut aufgestellt zu sein, dass der Schritt meine sportliche Laufbahn kaum beeinflussen wird. Ich habe allerdings auch dazugelernt und rechtzeitig persönliche Erfahrungen gemacht, die mich vor noch größeren Enttäuschungen bewahrt haben. So kann ich meine Energie anders verwenden und nach dem Winter mit neuer Kraft in eine neue Saison starten.

Eins noch: Ich führe hier für mich ein Tagebuch. Nicht mehr und nicht weniger. Ich führe es öffentlich, weil ich Menschen an meinem Leben, an meinen Gedanken und an meinen Träumen teilhaben lassen möchte. Ich wünsche mir allerdings von keinem Leser irgendeinen Aktionismus in dieser Sache. So aufgeheizt, wie die Stimmung hier ist, schadet das im Moment nur den Menschen, die mich jahrelang unterstützt haben. Und das wäre keineswegs in meinem Sinne.

Montag, 15. September 2014

Förderprojekt

Ich habe vor einiger Zeit in meinem Blog über die Aktion Mensch geschrieben. Den Anlass dazu gab ein aktuelles Projekt, das von der Aktion Mensch gefördert wird. Ich habe die Fragen in den Raum beziehungsweise in meinen Blog gestellt, die sich mir anlässlich dieses Förderprojektes stellten. Ich muss mir dabei möglicherweise vorhalten lassen, diese Fragen nicht zunächst direkt an die Aktion Mensch gestellt zu haben - möglicherweise auch nicht, denn Meinungen kann man auch in Form rhetorischer Fragen äußern.

Die Aktion Mensch hat auf meinen damaligen Blogeintrag reagiert. Stärker als ich es vermutet hätte. Zuerst in einer Weise, auf die ich mich nicht einlassen wollte. Später in einer Weise, die mir tatsächlich nachhaltig das Gefühl gegeben hat, man ist ernsthaft an meiner Meinung, meiner Kritik interessiert, und meine Message ist an der richtigen Stelle angekommen. Es hat ein sehr ausführliches Telefonat gegeben, es wurden dabei Fehler in der Zusammenarbeit mit mir eingeräumt, man hat um Entschuldigung gebeten - und damit soll es bei mir dann auch gut sein. So gut, dass ich nicht mehr möchte, dass mein alter Blog-Eintrag weiterhin mit der Aktion Mensch in Zusammenhang gebracht wird. Aus meiner Sicht wäre es unfair, etwas im Raum stehen zu lassen, was inzwischen ausgeräumt worden ist. Jeder darf mal einen Fehler machen, jeder soll die Chance bekommen, ihn zu korrigieren - und dann gehöre ich zu den Ersten, die einen Lappen rausholt und höchstpersönlich einmal durchwischt.

Aus diesem Grund habe ich mich aus freien Stücken dafür entschieden, den ursprünglichen Beitrag aus meinem Blog zu entfernen.

Freitag, 12. September 2014

Lotte

Ich kannte Lotte vom Triathlon, hatte lange keinen Kontakt mehr, umso überraschter war ich, als ich heute eine Mail von Lottes Schwester bekommen habe. Am Vortag abends von Lottes Account abgesendet. Lotte habe den Mann ihrer Träume geheiratet, lässt sie mich wissen. Ich freute mich, überlegte, ob ich gerne eingeladen worden wäre, las weiter. Sie sei schon seit Jahren mit ihm befreundet gewesen und sei nun in kleinster Runde und aus einem eher ernsten Anlass den Bund der Ehe eingegangen. Aus demselben Anlass arbeite sie auch seit einiger Zeit nicht mehr.

Sie schreibt, dass Lotte inzwischen in einer Klinik liege, sich gerne an unser Treffen erinnere, sich in meinem Blog verewigt sehe und mich gerne noch einmal sehen, sich von mir verabschieden möchte. Wegen einer Krebserkrankung werde sie künstlich ernährt und beatmet. Sie bekomme starke Schmerzmittel, die das alles erträglich machten. Der letzte Dienstag sei ein guter Tag gewesen, an dem Lotte auch eine Zeitlang ohne Beatmung ausgekommen sei und geredet habe. Dabei habe sie geäußert, Jule noch einmal sehen zu wollen. Es habe einen Moment gedauert, bis sie recherchiert habe, wer diese Jule sei.

Tränen schossen mir in die Augen. Es fühlte sich an, als würde mir jemand den Boden unter den Füßen wegziehen. Ich habe sie eigentlich nur von Wettkämpfen und Trainingslagern gekannt. Und von eben diesem einen gemeinsamen Tag. Diese wunderbare Frau.

Sie könne gut verstehen, schreibt sie weiter, wenn ich die Kraft nicht hätte, die sich Lotte von mir wünschen würde. Wenn ich Lotte in der Erinnerung behalten möchte, in der ich sie hätte. Dann solle ich bitte auch nichts neues in meinem Blog über sie schreiben. Ansonsten möge ich sie besuchen, solange das noch ginge. Und vielleicht vorher mit der Station einen Termin machen. Es dauerte fast eine Stunde, bis ich wieder einen klaren Gedanken fassen konnte. Ich rief die Nummer an, die in der Mail stand, und erfuhr, dass man täglich damit rechnet, dass sie erlöst wird.

Völlig verheult und mit zitternden Händen ging ich zu Marie in die Praxis. Ihre Mutter war unterwegs bei Hausbesuchen, Marie räumte noch auf. Ich gab ihr den ausgedruckten Brief und konnte zusehen, wie Marie die Farbe aus dem Gesicht wich. "Marie, ich möchte dorthin", sagte ich zu ihr.

"Ja. Klar. Wann? Jetzt sofort? Ich rufe Mama an und dann fahre ich dich dorthin. So fährst du jedenfalls nicht Auto." - "Ich habe dort eben angerufen. Morgen ist es vielleicht zu spät." - "Ja, dann los. Worauf warten wir? Wie lange fahren wir? Zwei Stunden? Zweieinhalb?" - "Zweieinhalb."

Maries Mutter sagte am Telefon, dass sie nicht möchte, dass Marie fährt. Vor allem nicht zurück. Wir sollten warten, entweder fahre sie oder Maries Papa. Sie versucht ihn zu erreichen. Am Ende fuhren wir alle vier. Maries Papa saß am Steuer, donnerte über die Autobahn ins südliche Niedersachsen, niemand sagte ein Wort.

Als wir dort ankamen, wurden wir von einer Mitarbeiterin in einen Intensivbereich geschickt. "Bitte Schutzkleidung anziehen", stand dort auf einem Schild. Kittel, Masken, Handschuhe, Schuhüberzieher lagen dort bereit. Maries Mutter schnappte sich Handschuhe. Während ich noch überlegte, wie wir das mit den Rollstühlen machen würden, kam eine andere Mitarbeiterin durch die andere Tür der Schleuse. "Kommen Sie durch, kommen Sie durch", sagte sie. Maries Mutter zog im Gehen ihre Schuhe aus und schoss sie in eine Ecke. "Ich bleib draußen", sagte Maries Vater.

Wir wurden zu einem Raum gebracht, der für einen sterilen Intensivraum sehr geschmackvoll eingerichtet war. In einem Intensivbett lag Lotte. An ihrem Bett saßen mehrere Leute. Ich glaubte, die Eltern zu erkennen. Lottes Gesicht war eingefallen und aufgedunsen zugleich. Sie schlief. Die Menschen, die an ihrem Bett saßen, standen auf, nickten uns ohne ein Wort zu, gingen raus. Ich war wie gelähmt. Der Anblick machte mich fassungslos. Ich biss mir auf die Lippe, um nicht laut loszuschluchzen.

Ich legte meine Hand auf ihren Arm. Der war eiskalt. Marie stand neben mir. Ich guckte Maries Mutter an. Tränen kullerten durch ihr Gesicht. Sie nickte in die Richtung eines Überwachungsmonitors. Blutdruck 60 zu 40, Puls 25. Sauerstoffsättigung (bei maschineller Beatmung) 52%. Alle Alarme aus. Ich guckte wieder in das Gesicht von Maries Mutter. Sie schüttelte den Kopf und schluckte einmal. "Wir verabschieden uns zügig von ihr und lassen die Eltern und den Ehemann wieder rein", sagte sie.

Mehr als ein "Tschüss, machs gut, und danke, dass ich dich kennenlernen durfte" war nicht drin. Ich rollte aus dem Zimmer. Draußen auf dem Flur wollte ich den Eltern noch was sagen, aber ich brachte kein Wort über die Lippen. Der Vater streichelte mir über die Schulter und ging wieder in den Raum. Eine Mitarbeiterin hielt uns die Tür zur Schleuse auf. Maries Vater guckte mich an und sagte nur: "Oh mein Gott, so schlimm?" - Er nahm mich in den Arm. Als die Tür hinter uns zugefallen war, sagte Maries Mutter: "Vielleicht noch eine Stunde, vielleicht auch zwei. Vermutlich aber nur noch ein paar Minuten."

Lotte ist die zweite innerhalb eines Jahres, die aus meinem Umfeld unerwartet und in so jungen Jahren verstirbt. Und obwohl ich sie nicht näher kannte, als eben vom Sport, tut es mir wahnsinnig weh. Ich habe mich später gefragt, warum ich mir das angetan habe. Und bin froh, dass ich sofort hingefahren bin. Bis ich die Bilder verarbeitet habe, werden wohl Tage, vielleicht auch Wochen vergehen. Aber ich konnte mich von ihr verabschieden. Und das ist mir wichtiger als alles andere.

Mittwoch, 10. September 2014

So einfach ist das

Ja, ich darf darüber schreiben. Hat Lisa gesagt. Es geht um Sexualität. Mit dem Wort sind alle vorgewarnt, die nichts über Sexualität lesen möchten.

Jeder Mensch erlebt Sexualität ja etwas anders. Damit meine ich nicht nur, dass jeder Mensch verschiedene Beuteschemata, Interessen, Vorlieben, vielleicht sogar Fetische hat. Damit meine ich vor allem, dass sich Paare, die zusammen sind und miteinander ins Bett gehen, relativ schnell auf ein gemeinsames Muster verständigen. Mitunter wird das am Anfang noch ein paar Mal gewechselt, vielleicht wird es irgendwann öde und daher entweder Grund für einen Seitensprung oder für den gemeinsamen Besuch im Sexshop - die Gefahr, sich in einem langweiligen Trott wiederzufinden und dabei das Gefühl zu schüren, eben aus diesem irgendwann ausbrechen zu müssen, wird, glaube ich, von vielen unterschätzt.

Ich erwähne nicht, wer mir neulich diese mal eben eingeschobene Geschichte erzählte: "Wir haben meistens Sonntagsmorgen Sex. Unter der Woche sind wir so kaputt, dass wir sofort einpennen, am Wochenende haben wir den Rhythmus der Woche im Blut. Die innere Uhr lässt mich um halb acht aufwachen, dann wälzen wir uns hin und her und würden am liebsten noch einen Moment weiterschnorcheln. Naja, und dann kommt irgendwann die Frage: 'Kannst du auch nicht schlafen? Wollen wir vögeln?' - Und anschließend knacke ich dann immer noch zwei Stunden weg."

Lisa ist mit ihrem Freund noch nicht so lange zusammen. Inzwischen habe ich auch ihn kennengelernt. Ich finde ihn sehr nett. Am Morgen im Bus, kurz vor dem Triathlon, plauderte sie aus dem Nähkästchen: "Sorry, ich bin gerade etwas rollig. Mit meinem Freund hätte ich jetzt Sex." - "Wieso ausgerechnet jetzt?", fragte ich verwundert. Und dachte dabei an die Geschichte von der Freundin, die regelmäßig Sonntagmorgen Sex hat. Lisa klärte auf: "Weil Morgen ist. Wir haben morgens fast immer Sex." - "Echt? Das wäre nichts für mich. Ich bin eher für abends zu begeistern, und dann gemeinsam einschlafen."

"Ich auch. Deswegen gehört mir auch der Sex abends. Da habe ich sozusagen den Hut auf und lasse mich kraulen und andere Sachen und dann schlafen wir zusammen ein. Und der Sex morgens gehört ihm. Und da ist es halt so wie er das gerne will. Rein, raus, Nikolaus. Glatte Nummer. Nicht nachdenken." - "Und du?" - "Ich brauch ja nur die Beine breit machen. Und danach kann ich super noch eine Runde weiterschlafen. Er fängt ja früh an zu arbeiten, ich hab ja noch ein bißchen mehr Zeit." - "Das ist deine Beziehung, ich würde mir da vielleicht ein wenig benutzt vorkommen. Ich weiß nicht." - "Ach was, das ist mir zu kopflastig. Sex ist ein Trieb, den man erfüllt oder eben nicht. Ich bin ehrlich, mir ist es lieber, wenn der Sack leer ist, wenn er zur Arbeit geht." - Ich musste einen Moment grinsen. Und fragte dann aber: "Denkst du, er geht sonst fremd?" - "Nicht er speziell. Alle Menschen sind nicht für Treue geboren. Die Moral der Kirchen ist out, was die Nachbarn sagen, ist auch egal, da kann es nicht schaden, andere Anreize zu geben und Bedürfnisse zu befriedigen. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste."

"Wenn du so glücklich bist, will ich dir da nicht dreinreden", sagte ich nachdenklich. Und Lisa: "Ja, bin ich. Nicht nur vom Rechnen. Früher hab ich masturbiert, aber Sex ist viel schöner. Und falls der mal nicht schön genug ist, kann ich ja trotzdem noch masturbieren. So wie früher. Also immer ein Plus. So einfach ist das."

Dienstag, 9. September 2014

Total verliebt

Als ich am Sonntagabend vom Triathlon wieder zurück war, zusammen mit Maries Eltern zu Abend gegessen hatte und mich langsam bettfertig machte, bekam ich eine Nachricht von Marie. Es würde noch länger dauern. Sie hängt mit dem Auto hinter einer Streckensperrung, der ganze Autobahnverkehr werde über eine völlig überlastete Landstraße umgeleitet, sie hatte bis eben gehofft, nun wieder auf die Autobahn auffahren zu können, aber die Umleitung gehe noch eine Ausfahrt weiter. Im Schritttempo. Irgendein umgestürzter Lastwagen, der seine Ladung quer über die Autobahn verteilt hatte. Zusammen mit dem Rückreiseverkehr und dem Dauer-Chaos vor dem Elbtunnel.

Marie war für ihr Studium bei einer Praxis-Einheit, die über das Wochenende andauerte. Als sie später völlig geschafft zu Hause ankam, meinte sie, es sei total schrecklich gewesen. Vor Ort seien fast ausschließlich Spinner gewesen, die sich gegenseitig in ihrer Coolness überbieten wollten. Auch das Klischee, dass Menschen mit Behinderung stinken, wurde mal wieder bedient. Als in einer Zweiergruppe am Mikroskop etwas untersucht werden sollte, habe ihre Gruppenkollegin sich hinter Marie gestellt, an ihr geschnüffelt und gemeint: "Mit der arbeite ich nicht zusammen, die stinkt nach Schweiß."

Maries Mutter verdrehte die Augen: "Oah, wie ätzend. Du bist dir aber sicher, dass das nicht aus Versehen der Einführungskurs Biologie für die neuen Sextaner war, den du da besucht hast?" - "Nein, bin ich mir inzwischen nicht mehr." - "Wie hast du reagiert?", fragte ich Marie. Sie sagte: "Ich habe mich umgedreht und in die glotzende Runde gerufen: 'Sie findet mein Parfüm toll!', und dann zu ihr: 'Such dir ein paar anständige Freunde zum Shoppen, dann riechst du auch nicht mehr nach Tropifrutti.' Aber das war eher kontraproduktiv, die anderen kannten sich schon jahrelang." - "Und hast du wirklich nach Schweiß gerochen?" - "Hab ich schonmal nach Schweiß gerochen?", gab sie die Frage zurück. Ich antwortete: "Nein, aber warum sagt die Kuh das?" - "Weil sie doof war und Aufmerksamkeit brauchte. Ich bin danach erstmal ins Bad gefahren. Erst habe ich geheult, weil ich so verletzt war, dann hab ich an mir gerochen, und dann hab ich geheult, weil ich so wütend war. Und mir nochmal extra Deo draufgetan, wohl wissend, dass heute noch mehr Leute an mir schnüffeln würden. Hat aber nichts gebracht, die anderen meinten auch alle, ich stinke nach Schweiß, Fisch, Imbiss-Bratfett, Moorleiche, was weiß ich. Das Fischige käme aber davon, dass ich wegen meiner Behinderung diese Omega-3-Fettkapseln futter. Meinten sie zumindest. Ich habe die zwar noch nie genommen, die würden ja nun bei Spina auch nichts bringen, aber egal. So helle waren sie nicht."

"Ich möchte mir lieber nicht vorstellen, wie diese Leute später ihre Patienten behandeln. Ich hoffe, sie werden noch rechtzeitig rausgesiebt", meinte Maries Mutter. Marie ging noch duschen, ich legte mich bereits ins Bett und guckte noch einen Moment irgendeine Quizsendung. Dann kam sie endlich ins Bett, krabbelte unter meine Decke und kuschelte sich an mich heran. Ich nahm sie in den Arm. Sie sagte: "Und dann bin ich gerade total eifersüchtig auf Lisa. Ich wäre so gern dabei gewesen und musste mich stattdessen zwei Tage lang beleidigen lassen, während ihr da ohne mich gefeiert habt. Ich habe dann auch noch geträumt, ich wäre dabei gewesen und ihr beide würdet mich nach einem Klogang nicht mehr zu euch in den Bus lassen und mich mobben, ich müsste nahezu unbekleidet irgendwo im Wald stehen und frieren, am Ende bin ich aufgewacht und habe tatsächlich gefroren, weil es in diesem komischen Herbergszimmer arschkalt war."

"Ach, Marie", erwiderte ich. Sie sagte: "Du brauchst gar nichts zu sagen, mein Kopf weiß ja, dass du mich gerne dabei gehabt hättest und es war auch alles richtig so, wie es war. Aber meine Seele ist trotzdem verletzt. Wäre der Kurs nicht so blöd gewesen, wäre das vermutlich auch alles anders. Aber ich wäre viel lieber mit dir zusammen gewesen als mit diesen Vollpfosten." - "Das kann ich gut verstehen." - "Sag mal, können wir vielleicht ein bißchen knutschen?" - "Knutschen?" - "Ja, so wie neulich mal im Pool. Ich brauche nach dem Wochenende dringend ein paar Endorphine, und spritzen wollte ich sie mir nicht." - "Spinnst du?" - "Ja. Völlig. Du auch?" - Ich saß plötzlich senkrecht im Bett. "Hast du dir schon mal was gespritzt?" - "Quatsch, bin ich bescheuert? Jule, echt mal jetzt." - "Ich weiß es ehrlich gesagt gerade nicht genau." - "Was weißt du nicht? Meinst du, ich nehme Drogen oder was?" - "Bis eben nicht, nur was sollte diese Bemerkung?" - "Das sollte lustig sein und über meine Unsicherheit hinweg helfen. Hat aber nicht geklappt. Sorry, wenn ich dich erschreckt haben sollte. Das war nicht meine Absicht. Und das ist auch heute nicht mein Tag. Gute Nacht."

Sie war völlig übermüdet. Das merkte ich in diesem Moment. Mir war wichtig, nicht in dieser angespannten Stimmung einzuschlafen. Oder noch stundenlang wach zu liegen und zu grübeln. Ich sagte: "Marie, können wir das bitte einmal klären?" - "Aus meiner Sicht ist da nichts zu klären. Es tut mir leid, wenn ich dich erschreckt haben sollte. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Ich möchte jetzt schlafen. Mach bitte das Licht aus." - "Boa, Marie, ich habe mich so gefreut, dich wiederzusehen, und dann sagen wir uns noch nicht mal vernünftig gute Nacht?" - "Ich habe dir schon eine gute Nacht gewünscht. Gerade eben." - "Warum bist du so angepiekst? Warum zeigst du mir die kalte Schulter?" - "Wer zeigt hier wem die kalte Schulter? Ich dachte, wir kuscheln noch einen Moment, und dann fängst du hier mit Drogen an, obwohl du genau weißt, dass ich mir vor jeder Kopfschmerztablette drei Mal überlege, ob ich meiner Leber das zumuten möchte." - "Marie, du hast damit angefangen. Du hast gemeint, du würdest dir nichts spritzen wollen." - "Das war ein Scherz, Jule. Wie schon gesagt, meine Unsicherheit über die Frage mit dem Knutschen." - "Aber dann mach mir doch bitte keinen Vorwurf, wenn ich nicht damit rechne, dass du mir mit Unsicherheit begegnest und das, weil ich das nicht einordnen kann, in einen falschen Zusammenhang stecke. Und dann irritiert bin und nachfrage."

"Habe ich dir einen Vorwurf gemacht?" - "Ja, hast du. Eben dass ich auf deine Unsicherheit falsch reagiert habe." - "Okay, kann sein. Ich möchte mich entschuldigen, ich bin völlig erschöpft. Ich sehe es ein und gebe mir dafür selbst einen Backs." - "Und warum bist du dir nun so unsicher?" - "Weil wir beste Freundinnen sind, weil ich dich als allerbeste Freundin behalten möchte, weil ich gerne nochmal mit dir knutschen möchte, weil mir das letztes Mal im Pool so viel Spaß gemacht hat, ohne dass ich mehr von dir will und ohne dass es sich irgendwie blöd auswirkt. Ich habe das Gefühl, ich strapaziere und missbrauche dabei unsere Freundschaft für ein körperliches Verlangen. Unsicher, ob Knutschen in die Schublade "Freundschaft" oder in die Schublade "Sexualität" gehört. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, dir sofort heute abend zu sagen, dass ich das Gefühl habe, noch nie in meinem Leben so eine enge Verbundenheit mit einem Menschen gehabt zu haben, dass ich Angst habe, dich zu verlieren, dass ich das Bedürfnis habe, meine Gefühle mit dir zu teilen, und was mir noch so alles stundenlang im Kopf herumkreist, wenn ich nachts in einem kalten Bett alleine aufwache. Stattdessen geht das nun völlig in die Hose und ich habe zudem noch die Angst, gerade etwas zu zerstören, was mir wichtiger ist als körperliche Zuneigung."

Ich schluckte. Drückte sie noch einmal fest an mich heran. Sie sagte: "Ich bin total verliebt in dich. Nein, nicht mit Schmetterlingen im Bauch. Nicht so, wie ich mich in einen Mann verlieben würde. Völlig anders. Eher so, wie ich in meine kleine Nichte verliebt bin. Oder wie ich meine Mutter liebe. Oder meinen Vater. Oder meine Oma. Oder unseren Hund. Ich möchte dich am liebsten den ganzen Tag in meinen Armen haben und dich nicht wieder loslassen. Du bedeutest mir so viel, dass ich es nicht in Worte fassen kann. Oder nur in schwachsinnige, wie die mit den Endorphinen. Ich will keinen Sex mit dir, aber ich möchte mit dir schmusen, in den Arm genommen und gestreichelt werden, vielleicht auch knutschen, aber vor allem dich festhalten. Möglichst die ganze Nacht."

Ich bin mir sicher, dass körperliche Zuneigung zu einer intensiven Freundschaft gehören kann. Ich bin mir auch relativ sicher, dass Rumknutschen einer intensiven Freundschaft nicht schadet. Auch dann, wenn wir nichts Sexuelles miteinander möchten. Kuscheln ist eine andere Ebene. Eben jene, auf der auch ein Hund stundenlang gekrault werden möchte. Auf der ein Hund mir am liebsten stundenlang durch mein Gesicht lecken würde. Ohne dabei eine Erektion zu bekommen. Aber selbst wenn ich mir darüber im Kopf unsicher wäre: Mein Herz irrt sich nicht. Und mein Herz sagt, alles ist gut und richtig, so wie es ist. Und ja, nach dieser Definition bin ich auch total verliebt!

Montag, 8. September 2014

Eine spannende Herausforderung

Ich habe die Nacht durchgeschlafen, am Morgen wurde ich vom Wecker geweckt. Neben uns auf dem Parkplatz hat mitten in der Nacht ein Wohnmobil geparkt, das habe ich gar nicht mehr mitbekommen. Noch drei Stunden bis zum Start. Pinkeln geht auch vom Baumstumpf, Zähneputzen auch mit Mineralwasser. Auf dem Weg zum Start kamen wir an einem Bäcker vorbei, der sogar schon geöffnet hatte. Wir konnten mit dem Auto direkt bis an den Start heranfahren und etwa fünfzig Meter daneben auf einer Wiese parken. Ein Wasserrettungsverein hatte Spaß damit, sich gegenseitig die Rücken-Klettschilder (wie "Einsatztaucher") überkopf aufzukletten. Ein Pavillon wurde aufgebaut. "Siehste, kommst ja doch noch zum Grillen. Krakauer Zwozwanzig", sagte ich zu Lisa. Sie antwortete: "Zum Frühstück? Pfui."

Wir begannen, unsere Rennrollstühle und Rennbikes rauszuholen und herzurichten. Es gab einige interessierte Leute, die sich für die Übersetzung, den Hersteller der Kettenblätter und die Frage interessieren, ob das Bike trotz Scheibenbremsen ruhig läuft. Dann fragte mich ein junger Mann, um die 20, nach dem Weg zu den Umkleiden. Ich konnte ihm die Frage nicht beantworten und schickte ihn zu einem Offiziellen. Wir begannen, uns genügend Flüssigkeit zuzuführen. Eigentlich viel zu spät. "Haben die eigentlich ein Rolliklo?", fragte ich Lisa. Lisa antwortete: "Ich glaube, die haben nicht mal ein normales Klo hier. Ich habe zumindest noch keins gesehen." - "Gehen die jetzt alle in die Büsche oder was?" - "Oder in den See. Dann ist es nachher wenigstens nicht ganz so kalt." - "Na legger. Und ernsthaft?" - "Irgendwo müssen die Dixis ja stehen."

Unerreichbar für uns gab es in der zweiten Etage des Bootshauses vier Unisex-Toiletten. Über dem spiegelglatten See lag dünner Nebel. Ein Rabe kam angehüpft, legte den Kopf schief und guckte uns einige Zeit aufmerksam zu. Irgendwann traute er sich bis auf einen halben Meter an Lisa heran. Sie fragte: "Na, wer bist du denn?" - Ich antwortete mit krächzender Stimme: "Ich bin der Jakob, und ich habe Hunger. Wenn du mir jetzt die Nutella-Brötchen-Krümel von deinem Schoß gibst, laufe ich dir noch mindestens eine halbe Stunde lang aufmerksam hinterher." - Lisa streckte mir die Zunge raus und wischte die Brötchenkrümel von ihrem Schoß. Auf den Moment hatte Jakob gewartet. Allerdings hatte er wohl gehofft, dass dabei etwas mehr als ein halbes Spatzen-Frühstück zusammenkommt.

Ein Ordner kam zu uns, legte seinen Arm um meine Schulter und wollte mir erklären, wo der Start ist. Ich sagte: "Oah, bitte nicht anfassen. Das habe ich nicht so gerne." - Er starrte mich entsetzt und fragend an. Ich fügte hinzu: "Ja, ist so. Sie können doch nicht einfach jeden anfassen." - Er schüttelte den Kopf und zog davon. Eine Frau mit einem Edding und unseren Nummern kam zu uns. "Guten Morgen, an unsere Theke kommen Sie nicht, da müssten Sie durch das hohe Gras, also komme ich zu Ihnen." - Wir bekamen unsere Chips, wurden angemalt, bekamen die Nummern mit Kabelbinder an den Bikes und Rennstühlen befestigt. Dann kam ein älterer Mann, geschätzt 60, zu uns. "Ich sammle Autogramme. Können Sie hier in meinem Büchlein unterschreiben?" - "Wer von uns?" - "Na beide!"

Wir starteten eine kurze Aufwärmrunde mit dem Bike. Warm werden, aber bloß nicht ins Schwitzen kommen, war die Devise. Als wir wieder zurück waren, zogen wir unsere Neos drüber und rollten zum Einschwimmbereich. Noch 30 Minuten. Sollten wir wirklich? Es war arschkalt und es fielen die ersten Regentropfen. Ein Ordner schob unsere Rennbikes und Rennstühle ins Bootshaus. "Was macht der denn jetzt?", fragte Lisa. Er kam anschließend zu uns: "Ich habe Eure Geräte mal ins Trockene gestellt, das wird ja sonst alles nass. Aber ich schiebe sie rechtzeitig wieder zurück." - Ähm. Bitte?! Man stelle sich jetzt nur mal vor, das würde jemand mit den Rennrädern eines Fußgängers machen. Und hoffentlich werden wir dafür nicht disqualifiziert. Denn eigentlich dürfen die Räder die Wechselzone nicht mehr verlassen. Nur wenn ich mich jetzt noch mit dem nächsten Ordner anlege, der es "nur nett" meint, gehe ich vermutlich nicht als eine der ersten beiden Rollifahrerinnen, sondern als Oberzicke in die Bücher der Veranstaltung ein. Also lächelte ich höflich und sagte ich dazu mal nichts.

Ein Moderator beschallte mit einer Lautsprecheranlage das gesamte Gelände. Gerade war "Samurai" von der Ersten Allgemeinen Verunsicherung verstummt, ich war ja froh, dass sie nicht aus Versehen "Burli" gespielt haben, da wurde angekündigt, dass das Wasser kalt, das Wetter scheiße und die Teilnehmerzahl nicht so hoch wie im letzten Jahr ist. Aber: "In diesem Jahr sind erstmals zwei Behinderte am Start. Begrüßt mit mir Lisa und Julia aus Hamburg!" - Die Menge klatschte und gröhlte. Lisa und ich klatschten und winkten einmal freundlich in die Menge. "Die beiden erkennt ihr an der orangenen Badekappe. Ihr habt alle eine gelbe, die beiden Behinderten haben eine orangene. Nehmt etwas Rücksicht und schwimmt sie nicht über den Haufen! Wir starten vom Strand, Lisa und Julia starten aus dem Wasser."

Lisa sagte leise: "Ach echt? Ich dachte, wir starten vom Steg." - "Wir werden es ja sehen." - "Ich bin so aufgeregt." - "Wird schon schiefgehen!", versuchte ich sie zu beruhigen. Daran war aber nicht zu denken: "Was meinst du, sind da tote Fische im See?" - "Zombies!", blödelte ich. - "Das ist Maries Witz." - "Stimmt, aber Marie ist nicht da." - "Die sollen mal hinne machen, ich muss dringend ins Wasser." - "Setz dich doch auf den Rasen. Dann kann einer der Ordner schonmal deinen Alltagsstuhl wegbringen." - "Gute Idee", befand Lisa. Ich setzte mich zu ihr, zwei Ordner, die zuvor auf das Flatterband aufgepasst hatten, rollten unsere Alltagsstühle in das Bootshaus.

Zur Freisetzung des letzten Fünkchens Motivation hielt dann noch der Bürgermeister eine Ansprache über das Mikrofon. Am Wochenende so früh aufstehen sei eine Sache, dann aber kilometerweit schwimmen, radeln und laufen, da bewundere er uns. Und ganz besonders bewundere er die beiden Rollstuhlfahrerinnen, die das alles ohne Einsatz ihrer Beine machen werden. "Können die beiden mal winken?" - Wir winkten. - "Ah, ich habe sie entdeckt. Ich wünsche Euch und allen anderen Sportlerinnen und Sportlern einen verletzungsfreien und fairen Wettkampf! Ich hoffe, dass ich alle am Ziel wiedersehen werde und übergebe das Mikro nun zurück an den Wettkampfleiter."

Lisa tickte mich an. "Spitzmaus und Spitzmaus", sagte sie und zeigte dabei zunächst auf mich und dann auf sich, "krabbelten ums Bootshaus. Wollten sich was kaufen ... wie geht es noch gleich weiter?" - "Keine Ahnung", antwortete ich. - "Na jedenfalls hatten sie kein Geld mit. Irgendwie so. Also: Wollten sich was kaufen, tralala, hab ich vergessen, und dann: Setzten sich ins grüne Gras und pieselten die Hosen nass." - Ich schüttelte den Kopf. Lisa lachte: "Triathlon! Wenn man muss, dann muss man." - "Ich kenne den Spruch mit der Dickmadam und der Eisenbahn." - "Das kenne ich auch, das diskriminiert aber dicke Leute, hat mal ein Lehrer von mir gesagt." - "Aha. Und der Biss einer Spitzmaus ist giftig. Musste ich gerade kürzlich lernen. Die Viecher verwenden das gleiche Gift wie ein Skorpion." - "Das ist ja widerlich. Dann bin ich lieber doch keine Spitzmaus."

Zwei kräftige Jungs in Neoprenanzügen kamen zu uns. "Wir sollen Euch ins Wasser tragen. Wen zuerst?" - Wir deuteten beide gleichzeitig aufeinander, sagten dann beide wie aus einem Mund: "Na gut." - Die Jungs im Neo lachten. "Ihr seid bestimmt so leicht, dass jeder von uns eine von Euch huckepack kriegt, oder?" - "Können wir probieren." - Wir klammerten uns um die Schultern, die beiden standen aus der Hocke auf, latschten mit uns ins Wasser. Wir waren kaum bis zur Brust drin, da kam das Startsignal. Ich schubste mich von meinem Träger weg und schwamm. Eine Frau paddelte auf einem Surfbrett liegend vorweg und zeigte den Weg zur nächsten Boje. Lisa und ich mussten anfangs etwas schräg schwimmen, um zum Hauptfeld zu kommen. Das sollte unseren Vorsprung, den wir dadurch bekommen hatten, dass wir ins Wasser getragen wurden, wieder ausgleichen. Ich befand mich dennoch in der Spitze eines Feldes aus rund 70 Personen und gab Vollgas. Konzentrierte mich nur auf das Schwimmen, konnte mich gut an der Frau auf dem Surfbrett orientieren, schluckte ein paar Mal Wasser, als eine Welle beim Einatmen mein Gesicht traf, verschluckte mich aber nicht. Alles lief super.

Die Schwimmstrecke verlief als Dreieck, man musste um zwei große Bojen herum schwimmen. Bei der ersten Boje gehörte ich noch zu den fünf Schnellsten. Ich schwamm, vorgegeben durch meinen Startplatz, auf der Innenseite des Feldes und bekam auf Höhe der Boje den Kampfgeist der anderen Teilnehmer zu spüren. Ein Kick in den Bauch, ein anderer gegen den Ellenbogen, das zwiebelte ganz schön. Dann schwamm irgendjemand fast auf mir. Vier, fünf Mal bekam ich seinen Arm in die Seite. Ich wich etwas nach links aus, das brachte aber nichts. Ich hörte den langen Pfiff einer Trillerpfeife. Galt der mir? Wohl eher nicht. Ich schwamm weiter. Der Typ, der eben noch halb auf mir lag, schwamm etwas weiter rechts. Inzwischen hatten mich einige Leute überholt. An der zweiten Boje war ich geschätzt noch unter den ersten fünfzehn. Das lief besser als gedacht. Und das, obwohl ich selten schlechter vorbereitet in einen Triathlon gegangen war. Hoffentlich würde ich das durchstehen.

Am Ende wartete bereits ein Helfer im Neo auf mich. Im hüfttiefen Wasser umklammerte ich seinen Oberkörper, er trug mich raus, lief mit mir über den Strand an die Stelle, wo eigentlich unsere Bikes stehen sollten. Er setzte mich etwas unsanft auf dem Boden ab. Ich begann, mich aus dem Neo zu schälen. Er wollte mir helfen. "Wo sind unsere Bikes? Die hatte vorhin jemand ins Bootshaus geschoben." - Das durfte doch nicht wahr sein. Der Typ im Neo flitzte los. Bis zum Bootshaus waren es rund 300 Meter. Während ich mich wie ein Käfer auf dem Rücken im Gras wälzte und meinen Neo auf links zog, kam Lisa bereits auf dem Rücken des anderen Helfers aus dem Wasser. Auf der anderen Seite kamen rund ein Dutzend Leute mit unseren Sportgeräten angelaufen. Jeweils vier Leute trugen sie, vermutlich war die Feststellbremse angezogen. Unglaublich. Ich krabbelte in mein Rennbike, klettete meine Beine fest, trocknete meine Hände ab und wischte den Sand weg, Helm auf, Sonnenbrille auf, Trinkflasche ausgerichtet, dann wurde ich über den Rasen zu dem Grundstück gezogen, über das wir die Wechselzone verlassen sollten. Vor der Garage stand noch ein Auto, was dort eigentlich nicht stehen sollte, so dass ich kurzerhand nicht über die Garagenauffahrt, sondern über den gepflasterten Weg rund um einen Fischteich das Gelände verließ. Dann war ich auf der Straße und konnte endlich Gas geben.

Die Straße war zwar für den Autoverkehr gesperrt, aber einige Leute hielten sich daran nicht. Zum Glück war die Fahrbahn breit genug, so dass wir uns nicht ins Gehege kamen. Einige Autofahrer wichen auch auf den Radweg aus und warteten dort. Die Straße war gut asphaltiert und hatte keine Löcher, so dass man vernünftig fahren konnte. Einige Leute auf Rennrädern überholten mich. An der Strecke standen einige Grüppchen und feuerten an. Die Straße war teilweise nass vom Regen und entsprechend rutschig. Zwei Leute hatten sich gleich in der ersten Kurve hingelegt. Man musste schon etwas langsamer werden. Die Strecke war gut ausgeschildert. Eine Bundesstraße wurde von der Polizei abgesperrt, das funktionierte einwandfrei. Die Lufttemperatur war genau richtig, die Sonne schien inzwischen ein wenig und wärmte angenehm. Meine Blase meldete sich in einer Tour, das war aber nach dem einen oder anderen tiefen Schluck aus dem See kein Wunder. Übel war mir aber nicht, mein Kreislauf spielte auch mit, nichts scheuerte, nichts tat weh, alles war gut.

Lisa war inzwischen etwa 500 Meter hinter mir, wie ich irgendwann zufällig bemerkte. Ich konnte die zweite Wechselzone am Ende der Straße sehen. Während Fußgänger nur bis zu einer Linie auf dem Rad fahren dürfen und ab dort ihr Rad schieben müssen, gilt für Paratriathleten, dass sie hinter dieser Linie nicht schneller als 12 km/h rollen dürfen. Ein Kampfrichter stand an dieser Linie und hielt - wie bei jedem Rennen - massenweise Teilnehmer an, die ihre Helme bereits vor dieser Linie geöffnet und teilweise auch schon abgenommen hatten. Die Regel ist, dass der Helm erst nach Abstellen des Rades geöffnet werden darf. So mussten sie alle dort anhalten, für die letzten 20 Meter ihren Helm wieder aufsetzen und nochmal ordnungsgemäß verschließen. Ich brüllte rechtzeitig, um nicht erst stoppen und mühsam wieder anfahren zu müssen: "Darf ich mal vorbei?" - Der Ordner brüllte zurück: "Und wenn Sie dabei jetzt noch die Frau im Rollstuhl behindern, werden Sie disqualifiziert!" - Hier herrscht Recht und Ordnung! Etliche Leute sprangen zur Seite.

Ich hielt direkt neben meinem Rennrollstuhl. Das Umsetzen dauerte keine Minute, nebenbei eine Banane in den Mund, Hände abtrocknen, Handschuhe an. Ich fuhr gerade los, da kam Lisa in die Wechselzone. Sie streckte mir einmal die Zunge raus. Ich grinste. Das Auto stand inzwischen nicht mehr auf der Auffahrt, mit dem Rennrolli wäre der Weg um den Fischteich auch etwas beschwerlicher geworden. Ab auf die Straße, erstmal loskommen. Ich kam nach einigen Metern an einem Wasserstand vorbei und ergatterte im Vorbeirollen einen Pappbecher. Die Hälfte des Inhalts schwappte mir wegen des weichen Bechers über die Brust, den Rest kippte ich in drei großen Schlucken in mich rein. Becher weg, weiter. Einen Kilometer weiter gab es einen Müsliriegel. Eingepackt. Tolle Idee...

Der Rest der Strecke lief fast automatisch. Ich versuchte, den möglichst optimalen Weg zu finden und konzentrierte mich auf ein möglichst gleichmäßiges Tempo. Da ich mit meinem Rennrollstuhl durchaus ein höheres Tempo erreiche als ein Fußgänger im Ausdauerlauf, überholte ich etliche der Leute, die mich zuvor mit ihrem Rennrad abgehängt hatten, wieder. Die drei Stufen vor dem Zieleinlauf kamen sehr überraschend, so dass ich ziemlich scharf abbremsen musste. Drei Leute mit gelben Westen fassten an und hoben mich mitsamt dem Stuhl über die drei Stufen. Ich rollte über einen gepflasterten Weg direkt auf die 400-Meter-Bahn der Anlage. Leider wurde die in Drehrichtung des Uhrzeigers befahren, also gegen die sonst übliche Richtung, so dass die im Rennrolli eingestellte Kurvenvorgabe wirkungslos war und ich mehrmals manuell gegensteuern musste. Über Lautsprecher wurde die halbe Anlage beschallt. "Und da kommt bereits die erste Rollstuhlfahrerin, ich habe noch nicht gesehen, ob es Lisa oder Tina ist, aber das ist im Moment auch egal, freuen Sie sich mit mir auf ihren Zieleinlauf." - Einige Leute klatschten. Ich fragte mich, wer Tina ist und wie überrascht man wohl sein würde, wenn es weder Lisa noch Tina ist, die da über die Ziellinie rollt.

Endlich auf der Zielgeraden. Auf einer Zuschauertribüne saßen geschätzt 200 Leute, die nun klatschten, von ihren Sitzplätzen aufstanden und mich anfeuerten. Hoffentlich passt mein Rennrolli durch den schmalen Zieleinlauf und ich fahre nicht noch ein Gitter um oder sowas. Oder dem Bürgermeister über die Füße. Vor allen Leuten sich auf den Schoß reihern wäre bestimmt auch klasse. Ich sah Lisa, die gerade vom gepflasterten Weg auf die Bahn rollte. Während ich über die Ziellinie fuhr, kam eine Ordnerin auf mich zugesprungen und wollte, dass ich meinen Chip an ein Lesegerät halte. Ein anderer Typ hielt mir ein Mikro unter die Nase. Drei Sekunden nach dem Überqueren der Ziellinie. "So, Julia, lese ich, wie war es?" - "Ich bin im Ziel, bin völlig außer Atem von einem Endspurt auf den letzten vierhundert Metern und sehe gerade, dass ich nur ganz knapp vor meiner Herausforderin ins Ziel gekommen bin.", hechelte ich. - "Kommen Sie mal ein kleines Stück mit mir, wie war die Strecke?" - "Lassen Sie mich erstmal fünf Minuten runterkommen, bevor wir ein Interview machen, okay?" - "Das ist natürlich völlig verständlich", sagte er, dann wurde dem Typen der Saft abgedreht und ein unsichtbarer Moderator erzählte weiter: "Die Julia werden wir nachher bei der Siegerehrung nochmal zu Wort kommen lassen, jetzt feuern Sie bitte erstmal Lisa an, denn die letzten hundert Meter sind die schwierigsten!"

Wenn auch sonst das eine oder andere etwas holprig verlaufen war, eine Sache hatte geklappt: Unsere Alltagsstühle hatte man vom Start zum Ziel befördert. Wunderbar. Ein Ordner kam, beide Stühle an der Rückenlehne schiebend, auf mich zu. Ich signalisierte ihm, dass wir den Transfer nicht vor allen Leuten machen würden, sondern dafür hinter die Tribüne rollen. Auch Lisa wurde beklatscht und lehnte das Interview mit einem hechelnden "Später, okay?" ab. Dann kam sie zu mir. Ich knuddelte sie erstmal, dann fuhren wir duschen.

Frisch gebürstet und gestriegelt tauchten wir dann bei der Siegerehrung auf, bekamen unsere Urkunden, eine Medaille und noch einmal das Mikro unter die Nase gehalten. Wir bedankten uns für die Organisation, für das tolle Erlebnis. Auf die Schwachstellen in der Organisation ging ich gar nicht erst ein, auch wenn ich explizit danach gefragt wurde. Vor Publikum musste das nicht sein, so dass ich nur sagte: "Es war ein schöner Tag, ihr seid ein tolles Team mit vielen hilfsbereiten Menschen hier, und dass beim ersten Mal noch nicht alles routiniert abläuft und das eine oder andere noch optimiert werden kann, ist völlig normal. Wir freuen uns, dass wir dabei sein konnten, und wir freuen uns über zwei tolle Zeiten und einen tollen Applaus im Ziel." - Der Organisator meinte dennoch: "Ich persönlich freue mich riesig, dass wir erstmals zwei Paratriathletinnen dabei gehabt haben und ich euch kennenlernen durfte. Es war eine spannende Herausforderung, ich bin froh, sie angenommen zu haben, denn ich habe heute so viele wichtige Dinge dazu gelernt wie auf den letzten zehn Veranstaltungen nicht. Ich bin ganz ehrlich, bis heute morgen fand ich mich cool, weil ich hier jedes Jahr mit meinem Team dieses Event auf die Beine stelle, aber heute musste ich feststellen, ich habe dabei nie an Menschen mit Behinderung gedacht und bin in diesem Trott über zehn Jahre lang völlig an der Realität vorbeigelaufen. Ich verspreche Euch, beim nächsten Mal haben wir für Euch den gleichen Standard wie für alle anderen Athletinnen und Athleten, und ich lade Euch schon heute ein, im nächsten Jahr dabei zu sein und uns mit anderen Triathlon-Events zu messen!"

Sonntag, 7. September 2014

Doch noch ein Triathlon

"Begleitest du mich auf den Triathlon am Wochenende?", fragte mich per Mail Lisa. Ja, jene Lisa, die ich alle fünf Minuten knuddeln könnte. Die oft nicht merkt, dass sie gerade wieder einen Witz nach dem nächsten reißt, und alle über sie lachen müssen, weil sie so herzerfrischend einfach ist. Keineswegs dumm, sondern einfach einfach. Dass das ein Unterschied ist, merkt der letzte spätestens dann, wenn ich erwähne, dass sie vor einem halben Jahr ihren Führerschein bestanden hat und inzwischen mit einer rund 20 Jahre alten Blechkiste Hamburgs Straßen unsicher macht. Und inzwischen mit ihrem Freund eine eigene Wohnung bewohnt. Ja, Zeiten ändern sich.

Eigentlich habe ich dafür so überhaupt keine Zeit, aber andererseits wäre das die Chance, wenigstens an einem Triathlon in diesem Jahr noch teilzunehmen. Meine Vorbereitung ist nicht optimal, Marie und Cathleen hatten auf gar keinen Fall Zeit - tja. "Die haben zum ersten Mal auch Rollifahrer dabei", sagte Lisa. Aber es sei alles mit dem Rolli zu machen. Sie habe mit dem Veranstalter telefoniert und es gebe wirklich keinerlei Stufen oder so. Es sei nur ein kleiner Triathlon, man müsste so rund 2 bis 3 Stunden mit dem Auto fahren und ... am besten dort auch schlafen.

"Ach, Lisa", sagte ich. - "Ach, Jule", sagte Lisa und ich bildete mir ein, ich konnte am Telefon ihre Wimpern klimpern hören. "Du musst keine Angst haben, ich werde dich nicht überholen, dafür bin ich viel zu langsam!" - "So wenig fit, wie ich bin, bist du von vornherein vor mir. Aber das ist nicht mein größtes Problem, sondern ich muss für die Uni noch so viel tun", antwortete ich. Lisa: "Och bitte. Ich bezahl auch deine Startgebühr und ich nerv auch nicht. Bitte! Alleine traue ich mich nicht."

Okay. Lisa. "Ich machs." - "Wow, super, grillen wir dann zusammen am Abend davor? Darf ich mit dir in deinem Bus schlafen? Und stellen wir den dann irgendwo hin, wo die Sonne romantisch untergeht?" - "Was hast du mit mir vor?" - "Nix, Jule. Nein, echt nicht! Ich guck ja die Sonne an und nicht dich." - "Während du mit mir schläfst?" - "Willst du mit mir schlafen?!" - "Nein, du hast gerade gesagt, du willst mit mir in meinem Bus schlafen." - "Ja, nein, also, ... Location, Jule, Location!" - Na, dann ist ja alles geklärt.

Ich bekam auch noch einmal bestätigt, dass auch Rollstuhlfahrer teilnehmen dürfen und man sich auf uns freue. "Wieviele Anmeldungen von Rollstuhlfahrern liegen Ihnen denn vor?", fragte ich den Organisator. - "Mit Ihrer sind es jetzt zwei", ließ er mich wissen. Eine Lisa nehme noch teil, ob ich sie kennen würde...

Nachdem wir am Freitag angereist waren, uns kaum verfahren hatten, wollte der Veranstalter mit uns nochmal alles genauestens besprechen. Wo geht es los, wo starten wir, kommen wir einen steilen Berg hoch, wo brauchen wir Hilfe, wie kommen wir über die Treppen, ... - "Treppen? Ich dachte, da wären keine Stufen!" - "Ja, sind ja auch nicht, nur zum Schluss geht es drei Stufen hoch zum Sportplatz, wo der Zieleinlauf ist." - "Also doch Stufen." - "Ja, aber da tragen wir Sie hoch." - "Aber dann sagen Sie doch bitte nicht am Telefon, da wären keine Stufen, wenn da Stufen sind, über die wir getragen werden müssen." - "Macht das einen Unterschied?" - "Wenn ich Ihnen sage, ich bezahle die Teilnahmegebühr, dann rechnen Sie damit, dass Geld auf dem Konto eingeht. Wenn ich aber in Wirklichkeit drei hochrangige Pressevertreter mitbringe, die über Ihre Veranstaltung berichten, und deshalb davon ausgehe, dass Sie mir die Startgebühr erlassen, ist das was völlig anderes." - "Wir haben das aber im Griff!" - "Ich meine Pressevertreter aber auch! Nein, mal im Ernst, das bestreitet auch niemand und das ist auch sehr nett und ich finde es toll, dass Sie sich so viele Gedanken unseretwegen machen! Nur wenn Sie mich irgendwo reinheben müssen während des Wettkampfs, würde ich das gerne vorher wissen, wenn ich schon explizit danach frage." - "Machen wir nächstes Jahr besser, okay?" - "Okay."

"Kommen Sie denn über eine Wiese?" - "Das kommt auf die Wiese an, würde ich mal sagen." - "Naja, die hier", sagte er und deutete auf einen Acker mit kniehohem Gras. - "Ausgeschlossen. Da kommen wir keinen Meter drüber." - "Ich dachte, Sie seien Sportler." - Ich setzte mich auf eine daneben stehende Holzbank. "Hier ist mein Stuhl, versuchen Sie, den über die Wiese zu schieben. Ohne jemanden drin ist es einfacher." - "Nein, davon habe ich ja keine Ahnung." - "Okay, würden Sie mit einem Fahrrad durch das Gras kommen?" - "Nein. Ach, kann man das ungefähr vergleichen?" - "Ja, ungefähr." - "Dann haben wir noch ein Problem, dann kommen Sie nämlich auch nicht durch den Sand auf der Laufstrecke." - "Wie tief ist der?" - "Naja, das ist so eine Art Strandabschnitt in der Wechselzone." - "Nee, da brauchen wir auch eine andere Lösung."

Immerhin haben wir das vorher alles noch besprochen und am Ende wurde improvisiert. Die Rollstuhlfahrer mussten nicht den steilen Hang am Schwimmausstieg hoch. Die mussten auch nicht über den Acker, der schon die Alternative für einen steilen Waldweg war, sondern ein Anwohner öffnete sein Grundstück, so dass wir beide über einen gepflasterten Weg und einmal quer über seine Garagenauffahrt fahren durften. Unsere Wechselzone wurde vom Strand auf einen Parkplatz verlegt. Dann konnte es ja losgehen. Unsere Rennrollis und Rennbikes konnten in einer Bootshalle eingeschlossen werden, so dass wir unsere Betten herrichten konnten. "Wenn ich mich nachts so drehe, dass ich quer liege, musst du mich einfach wegschieben", sagte Lisa, die sich inzwischen einen Schlafanzug angezogen hatte, auf dem in bunten Lettern geschrieben stand: "You make me happy!"

"Okay, grillen fällt aus, der Himmel ist auch bewölkt, ich glaube, wir machen schnell Licht aus und Augen zu. Was meinst du?", fragte sie mich. Ich nickte. Kaum war das Licht aus, fing sie an, über Gott und die Welt zu erzählen. Ich glaube, ich kenne inzwischen mehr als ihr halbes Leben. "Wollen wir mal schlafen? Das wird morgen bestimmt ein anstrengender Tag." - "Ja. Hast du Einschlafmusik?" - "Spezielle Einschlafmusik nicht, aber wir können ja noch leise einen Moment lang was hören." - Ich krabbelte nach vorne, machte das Radio an, ließ die Zufallsfunktion für 30 Minuten ein paar Songs von der Speicherkarte auswählen. Nach dem Sonnenstrahl von Schandmaul schnorchelte Lisa bereits. Bei Jan Delays St. Pauli ging nochmal ein Auge auf. "Heimatmusik", meinte sie. Und schlief weiter. An "Break My Stride" erinnere ich mich noch, danach muss auch ich eingeschlafen sein.

Mittwoch, 3. September 2014

Ostseefotos

Ich verspreche, ich habe auf meinem Rechner keine Programme installiert, mit denen man Bilder verändern kann. Entsprechend habe ich auch kein solches Programm verwendet. Sondern ich hatte tatsächlich mal im richtigen Moment die richtige Kamera zur Hand. Und bestimmt drei Dutzend Mal die Sonne hinter einer Wolke fotografiert. Mit unterschiedlichen Belichtungszeiten und unterschiedlichen Blenden. Und mit einem Graufilter. Was dabei rausgekommen ist ... ich möchte es niemandem vorenthalten.

Ich finde, das könnte auch ein springender Hund sein. Oder ein Einhorn, wenn man den Kondensstreifen auch noch mit verwursten will. Leider habe ich es nicht geschafft, die unzähligen Blitze, die aus der schwarzen Wolke unten rechts in Richtung Meer gefeuert wurden, vernünftig einzufangen. Aber dieses Bild hat es dennoch in sich, finde ich (kann man auch anklicken).


Wir haben übrigens keinen einzigen Regentropfen abbekommen. Das Gewitter zog an uns vorrüber und anschließend verwöhnte uns ein wunderschöner Sonnenuntergang (Handyfoto).


Ich weiß schon, was ich vermissen werde, wenn die Uni wieder losgeht. Und wenn Herbst wird. Oder Winter. Ich mag gar nicht daran denken. Die Ostsee ist übrigens noch warm!

Dienstag, 2. September 2014

Mal wieder Werkstatt

Soll ich es nochmal erwähnen? Mein Auto ist mal wieder in der Werkstatt. Nicht der Bus, der schlägt schlägt sich noch wacker, sondern wieder mal das Alltagsfahrzeug aus demselben Konzern. Die Handbedienung zum Bremsen und Gasgeben scheppert nach wie vor, das bekommen sie irgendwie nicht in den Griff. Beim freundlichen Händler steht das Auto nun noch einmal, weil die Lüftungsdüse, die schon einmal getauscht wurde, erneut knarzt. Somit wird es wohl nicht die Düse selbst sein, sondern irgendwas anderes. Und dann funktioniert die Hupe nicht mehr. So selten, wie ich sie benutze, kann es sein, dass die schon länger defekt ist, aufgefallen ist es mir, als mir ein Linksabbieger die Vorfahrt nahm und meinen Fahrweg kreuzte. Nicht wissend, ob ich mit der Vollbremsung noch vor ihm zum Stehen kommen würde, dachte ich mir so: "Hupen könnte nebenbei auch mal ganz nützlich sein."

Und dann ist da noch eine dritte Sache, und die ist schon fast kurios. Wenn der Beifahrer während der Fahrt seinen Sicherheitsgurt löst, also das Gurtschloss öffnet, leuchtet sofort eine Warnlampe auf und es ertönt ein akustisches Signal. "Pling, pling, pling", tönt es nervig und dauerhaft.

Wenn man dann anhält, hört zwar das akustische Signal auf, aber die Warnlampe blinkt noch weiter. Und wenn dann derjenige aussteigt, müsste eigentlich die Warnlampe erlöschen - tut sie aber nicht. Sie leuchtet weiter und sobald man über 20 km/h kommt, ertönt wieder das akustische Signal, obwohl niemand auf dem Beifahrersitz sitzt und ich auf dem Fahrersitz angeschnallt bin. Erst wenn man entweder das Gurtschloss auf der Beifahrerseite schließt oder das Auto an der nächsten Kreuzung einmal ausmacht und neu startet, ist das vorbei. Nun hat man so eine Situation ja nicht ständig, aber dennoch nervt es, denn das tritt nun jedes Mal auf, wenn sich ein Beifahrer zu früh abschnallt, beispielsweise weil er gleich schnell an der Ampel rausspringen will. Schnallt er sich hingegen erst ab, wenn das Auto bereits steht, ist alles in Ordnung.

Ich muss gestehen, dass ich so langsam sehr genervt bin. Es kann doch wirklich nicht sein, dass man mit einem Neuwagen, der nun auch nicht billig war und dessen Ausstattung auch nicht die einfachste ist, inzwischen öfter in der Werkstatt war als ich an den Fingern einer Hand abzählen kann. Oder!?