Donnerstag, 29. Mai 2014

Ostseetraining

Perfektes Wetter, um in der Ostsee zu schwimmen:


Nicht besonders heiß, kaum Wind, keine Wolke und keine Leute. Ideale Bedingungen für eine Vier-Kilometer-Trainingseinheit mit anschließendem Grillen am Strand. Ohne Neopren ist es derzeit noch ein wenig kalt, aber in einem Zwei- und Dreimillimeteranzug waren es perfekte Bedingungen. Das fanden auch die fünf anderen Leute aus meinem Hamburger Team, die sich spontan entschlossen hatten, mitzufahren.

Übrigens: Eine Stinkesocke ohne Meer ist keine Stinkesocke. Ich brauche salziges, welliges Wasser und den Blick in die endlose Weite. Und den Strand. Und den Sommer.

Freitag, 23. Mai 2014

Wellenlänge

Kleine und große Freaks gibt es überall. Im Norden wie im Süden. So hat ein junger Mann aus meiner neuen Nachbarschaft noch nicht bemerkt, dass ich ihn vom Balkon aus sehen kann, wenn er auf der Bank in einer Grünanlage sitzt und sich einen runterholt. Das macht er jeden zweiten bis jeden dritten Abend. Es ist dunkel, er beobachtet genau, ob irgendwoher Leute kommen ... und dann legt er los. Ich habe das jetzt schon mehrmals beobachten können. Er ist einige Meter weg, ich tippe mal auf 300 Meter, aber man kann trotz der Dunkelheit im Schein einer Laterne erkennen, was er dort macht. Vermutlich möchte er gar nicht, dass ihn jemand entdeckt, vermutlich möchte er eher das Gegenteil. Und das Gegenteil blüht ihm zu Hause. Keine Ahnung.

Das finde ich ein halbes Prozent besser, als wenn mein Nachbar im Aufzug furzt. Ja, in der Kabine. Nicht, während ich daneben stehe, aber wenn ich nach unten fahre, um den Müll wegzubringen, er hoch fährt und ich anschließend den Aufzug wieder rufe, dann ist das ziemlich eindeutig zuzuordnen. Finde ich. Widerlich.

Mit mir zusammen studiert eine 25jährige Frau. Sie studiert nicht Medizin, ich habe sie beim Schwimmen kennengelernt. Ich habe im Rahmen des Hochschulsports in der Schwimmhalle trainiert, wir waren in derselben Bahn, sie fragte mich beim Rausklettern, ob ich Hilfe bräuchte. So kamen wir ins Gespräch, unter anderem darüber, dass ich auch draußen trainiere und gerne in diesem Jahr noch einen (Para-) Triathlon absolvieren würde. Sie sagte, sie würde auch gerne draußen trainieren. Lange Rede, kurzer Sinn: Wir haben uns mehrmals verabredet und zusammen draußen trainiert. Zu zweit im See. Ausdauertraining, ich konnte ihr noch ein paar Tipps für ihren Kraulstil geben, ich finde sie nett, sie mich wohl auch.

Und sie erzählte mir von einer Erkrankung, die sie plagt. Eine Psychose. Sie hört Stimmen und sieht Bilder. Immer mal wieder, wenn sie aufgeregt ist. Woher ihre Halluzinationen kommen, weiß niemand so genau, zum ersten Mal sind sie mit 14 Jahren aufgetreten. Sie hat das gut im Griff, meint sie, manchmal ein wenig zu gut. Es kann sein, dass sie auf manche Fragen gar nicht erst reagiert, weil sie gerade denkt, dass sie Stimmen hört. Dass sie richtige Stimmen den Halluzinationen zuordnet, käme aber nicht oft vor. Ich finde das voll krass, vor allem, weil sie mir das auf Anhieb sehr ausführlich erzählte und auch erklärte. Sie meinte: "Ich verheimliche das nicht, es gehört zu mir. Aber meistens erwähne ich nur einmal die Diagnose. Dass ich jemandem die Bilder genau beschreibe, soweit sie überhaupt konkret zu beschreiben sind, kommt eher nicht vor. Außer bei Ärzten, als ich stationär in der Klinik war oder bei meinem ambulanten Psychiater. Aber deine Fragen sind so interessiert, so neugierig, so ernsthaft und so wertfrei. Weißt du schon, was du später werden willst? Interessieren dich Neurologie und Psychiatrie?"

Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Ich habe, auch ohne Starallüren, das Gefühl, gut mit Menschen reden zu können. Also insbesondere habe ich schon oft bemerkt, dass Menschen mir sehr schnell etwas anvertrauen, von dem sie sagen, dass sie es sonst nicht erzählen. Vielleicht wäre es passend, später einmal beruflich in einem besonderen Bereich zu arbeiten. Allerdings: Den ganzen Tag nur Gespräche zu führen, kann ich mir irgendwie auch nicht vorstellen. Zum Glück muss ich mich heute beinahe noch nicht festlegen. Denn bis nach dem 13. Semester ist alles gleich. Erst danach kann man sich durch eine vier- bis sechsjährige Facharzt-Ausbildung spezialisieren. Aber: Ich bin gefragt worden, ob ich nicht promovieren möchte. Ich müsste mich jetzt noch nicht entscheiden, aber ab dem nächsten Semester sollte ich mal Gedanken daran verschwenden.

Ehrlich gesagt: Mich reizt das sehr. Nicht, weil ich einen möglichen Doktortitel als Ausgleich für meine Behinderung sehe oder diesen für mein Ego brauche. Sondern weil ich ganz große Lust hätte, während meines Studiums auch an einer Sache zu forschen. Selbst Ergebnisse auf eigene Fragestellungen zu finden. Und damit meine ich zum Beispiel Themen, für die ich vermutlich nirgendwo einen Proff finden werde. Themen, die ich vielleicht später noch vertiefen könnte. Vielleicht sogar etwas, was mit Behinderung und Inklusion zu tun hat. Oder mit der Wellenlänge, auf denen Menschen, die sich verstehen und vertrauen, kommunizieren.

Mittwoch, 21. Mai 2014

Zu schnell ist nicht immer zu schnell

Es war kurz vor Weihnachten, als Maries Mutter zuerst notfallmäßig zu einem Hausbesuch gerufen wurde und anschließend wegen eines akuten Herzinfarktes notfallmäßig zurück in ihre Praxis musste. Der Herzinfarktpatient (oder eher dessen Frau) hatte sich darauf verlassen, während der Sprechzeit einen Arzt anzutreffen. Dass Maries Mutter zu einem Notfall unterwegs war, kommt vor.

Auf dem Rückweg von dem häuslichen Notfall in die Praxis, wo der akute Herzinfarkt wartete, wurde sie mit ihrem privaten Pkw geblitzt. Auf einer über Kilometer geradeaus verlaufenden Straße, die sich durch Felder hindurch zieht, gut ausgebaut ist, und auf der eigentlich 60 km/h erlaubt waren. Sie hatte nach Abzug der Toleranz 106 km/h auf dem Tacho, war also 46 km/h zu schnell. Die Bußgeldstelle hatte (nach altem Recht) ein Bußgeld von 160 € plus Gebühren gefordert und wollte 1 Monat Fahrverbot verhängen und 3 Punkte in Flensburg eintragen.

In solchen Fällen schaltet man am besten gleich einen Anwalt ein, vor allem dann, wenn man rechtschutzversichert ist. Das Verfahren wurde nicht eingestellt, sondern es kam zur mündlichen Verhandlung vor Gericht. Marie und ich wurden nicht als Zeugen geladen, was uns aber nicht davon abhielt, als Zuschauer dabei sein zu wollen. Geladen war der Ordnungsbeamte, der das Meßgerät bedient hatte, und noch ein anderer Mann von einer Behörde. Es war ein eher kleiner Raum, für Zuschauer standen ein paar Stühle herum, dann ging es los. Maries Mutter musste sich vor einen Tisch stellen, der Richter las die ganzen persönlichen Daten vor und fragte sie dann: "Was machen Sie beruflich?"

Okay. Dann musste der Ordnungsbeamte, der das Messgerät bedient hatte, vor die Tür. Der Anwalt von Maries Mutter wurde gefragt, ob Maries Mutter aussagen möchte. Sie wollte. Sie wurde gefragt, ob es zutreffend ist, dass sie 46 km/h zu schnell unterwegs war und dass sie auf dem Weg zu einem Notfall war.

"Was war das für ein Notfall?" - "Ein akuter Herzinfarkt in meiner Praxis." - "Wie haben Sie davon erfahren?" - "Meine Tochter rief mich an. Sie half an dem Morgen aus." - "Konnte Ihre Tochter erkennen, dass es sich um einen lebensbedrohlichen Zustand des Patienten handelte? Oder haben Sie das aufgrund von Schilderungen angenommen?" - "Beides. Meine Tochter studiert Medizin, damals im 4. Semester, und sie hatte mir am Telefon die Symptome beschrieben. Zudem war eine ausgebildete nichtärztliche Mitarbeiterin vor Ort, die die Lage genauso einschätzte. Es bestanden keinerlei Zweifel daran, dass sich der Patient in einem lebensbedrohlichen Zustand befand und sofortige ärztliche Hilfe benötigte." - "Sofortige ärztliche Hilfe? Das bedeutet, dass die sofortige Hilfe von nichtärztlichem Personal oder die spätere ärztliche Hilfe nicht ausreichend waren?" - "Richtig. Der Patient hätte von einer Sekunde auf die nächste sterben können. Nur ein Arzt durfte Medikamente geben, die das verhinderten." - "Das ist auch mein Verständnis von einem Herzinfarkt. Warum sind Sie 106 gefahren und nicht 90 oder 130?" - "Ich bin die Geschwindigkeit gefahren, die mir angesichts der Situation gerade noch vertretbar erschien. 130 wäre zu schnell gewesen. Die Straße war gut ausgebaut, es war niemand außer mir unterwegs, der gesamte Bereich war über mehrere Kilometer gut einsehbar." - "Das ist zwar für meine Entscheidung nicht wichtig, aber mich interessiert es trotzdem: Hat der Patient überlebt?" - "Ja." - "Und es spielt ebenfalls keine Rolle, aber ich möchte es trotzdem wissen: Waren Sie vor dem Rettungsdienst da?" - "Ja." - "Gibt es noch weitere Fragen?"

Nach allgemeinem Köpfe schütteln wurde der Ordnungsbeamte reingerufen. "Sie sind entlassen. Wir brauchen Sie nicht mehr."

Und dann wurde ohne Unterbrechung ein Urteil gefällt. Maries Mutter wurde freigesprochen, die Geschwindigkeitsüberschreitung war angemessen und nötig, um einem Menschen das Leben zu retten. Sie muss nichts bezahlen, den Führerschein nicht abgeben und fühlte sich natürlich bestätigt. Der Richter sagte: "Ich habe keine Zweifel, dass Sie bei der Ausübung Ihres Berufs nicht nur das eine Leben des Patienten im Blick hatten, sondern auch Ihr eigenes und das der anderen Verkehrsteilnehmer. Sie dürfen niemanden gefährden oder gar schädigen und Ihr fahrerisches Können nicht überschätzen. Nur dann bleibt eine solche Geschwindigkeitsüberschreitung auf dem Weg zu einem lebensbedrohlichen Notfall ohne Strafe. Daran müssen Sie immer denken, denn Sie können ja bereits in wenigen Stunden erneut in solcher Situation sein."

Das ganze Theater hat keine zehn Minuten gedauert. Zu schnell ist also nicht immer zu schnell. Was mir nicht ganz klar ist: Warum hätte man das nicht einfach nach Aktenlage entscheiden und einstellen können? Mir wurde übrigens erklärt, dass es keine Rolle spielt, ob parallel der Notarzt angeflogen kommt. Entscheidend ist nur die Frage, ob eine Möglichkeit besteht, dass Maries Mutter den Notfallort vor dem Notarzt erreicht. Nur wenn das völlig aussichtslos wäre, dürfte sie es nicht versuchen.

Dazu (in paralleler Argumentation) gleich noch eine andere Kuriosität aus Hamburgs ländlichen Gebieten: Falls mal nicht der Hubschrauber kommt, der in den ländlichen Gebieten Hamburgs gerne eingesetzt wird, sondern der fahrende Notarzt, brauchen sowohl der Rettungswagen als auch das Notarztfahrzeug über 10 Minuten zu der Praxis. Das hat zur Folge, dass darüber hinaus noch ein so genannter "First Responder" (Erstversorger) alarmiert wird. Im Bereich der Praxis von Maries Mutter nimmt diese Aufgabe die Freiwillige Feuerwehr wahr, die dann mit 8 bis 10 Mann und einem großen Löschfahrzeug parallel anrückt. In dem großen Löschfahrzeug ist ein Sanitätsrucksack und mindestens ein geschulter Sanitäter. Die Freiwillige Feuerwehr ist meistens 2 bis 5 Minuten vor dem Rettungswagen und 4 bis 7 Minuten vor dem Notarzt-Einsatzfahrzeug vor Ort.

Dienstag, 20. Mai 2014

Das Auto.

Da ist es endlich, mein neues Auto. Die Lieferzeit war vier Mal so lange als vorher zugesagt. Am Ende, nachdem ich den Händler gewechselt hatte, klappte alles wie am Schnürchen. Da ich als Mensch mit Behinderung ohnehin schon relativ viel Rabatt bekomme und als Ausgleich für die lange Wartezeit kein weiterer Rabatt mehr drin war, hat man mich unvorbereitet noch mit mehreren nicht bestellten und deshalb auch nicht berechneten Extras beglückt. So meinte man, mir mit zusätzlicher "Ambiente-Beleuchtung", was so viel heißt, dass der Dreck im Fußraum auch noch angestrahlt wird, und einem zusätzlichen "Ablagenpaket" einen Gefallen zu tun, ohne vorher zu fragen, ob die Ablagen nicht möglicherweise beim Verladen des Rollstuhls hinderlich sein könnten. Ich betone, dass das nicht vom zweiten Autohaus ausging, dort war man genauso verwundert darüber und fragte gleich, ob ich das so annehme oder ob der wieder zurück geht. Ich dachte, ich kriege einen Föhn.

Das dachte ich sowieso, denn der für mehrere tausend Euro eingebaute Umbau entspricht überhaupt nicht den Erwartungen, den ich an diesen Preis habe. Ja, ich weiß, ich bin nur am Meckern. Ist auch so. Wie bitte kann ein Einbau durch die Endabnahme kommen, der im Leerlauf scheppert? Und wie bitte kann ein Auto durch selbige kommen, wenn das Amaturenbrett knarzt und im Kofferraum irgendwas während der Fahrt klackert?

Das Autohaus bat um Verständnis, dass man mich zur Reparatur der Handbedienung zu einer Firma schickt, die diese Geräte verbaut. Man selbst wollte daran keine Reparaturen vornehmen, das sei in meinem Interesse, man habe keinerlei Schulungen in dieser Hinsicht bekommen und daher auch keine Ahnung davon. Damit kann ich leben - also fuhr ich zu einer Firma, die solche Geräte verbaut. Und war dort natürlich angemeldet. Erster Kommentar: "Das liegt daran, wenn man das ab Werk bestellt, statt das hinterher hier einbauen zu lassen." - Brauche ich das? Nein. Man fummelte eine gute Stunde an dem Teil herum, dann konnte ich vom Hof fahren. Beim Auffahren auf die Autobahn blieb dann das Gaspedal in der durchgedrückten Stellung stehen. Zum Glück beim Auffahren auf die Autobahn und nicht irgendwo in dichter Verkehrslage. Die Autobahn war frei, daher hatte ich genug Zeit, zu reagieren. Bei einem elektronischen Gaspedal konnte das ja nur zwei Ursachen haben: Entweder war die Feder defekt, die das Pedal wieder in die Ausgangsposition brachte, oder das Handbedienungsgerät war verklemmt. Ich drückte also den Hebel zum Gasgeben mit roher Gewalt in die Richtung, in die er eigentlich von selbst wieder zurückfallen sollte. Und das brachte auch gleich Erfolg. Meine zweite Maßnahme wäre gewesen, das Getriebe von "D" auf "N" zu stellen, was den nagelneuen Motor sicherlich erfreut hätte.

Warnblinklicht an, Standstreifen angesteuert, Auto aus. Per Handy die Firma angerufen. "Wir schicken Ihnen einen Abschleppdienst."

Der kam, wollte mich allerdings mit dem Abschleppseil ziehen, was ich aber ablehnte, denn ich könnte das Auto ja nur mit dem eingebauten Gerät abbremsen. Und das war ja nicht in Ordnung. Also fuhr der wieder weg und es kam ein Abschlepper mit Kran, der mein Auto auflud ... und weil ich in den Lkw vorne nicht rein kam, kam dann auch noch die Polizei mit einem Sprinter und holte mich mit meinem Rollstuhl von der Autobahn. Auf dem Gelände der Umbaufirma entschuldigte man sich ein paar Mal bei mir. Eine Kunststoffabdeckung sei nicht richtig verankert gewesen und habe sich verhakt. Man tausche sie komplett aus. Was ganze zwei Stunden dauerte. Anschließend bin ich vom Hof, zunächst war alles gut, nun scheppert es wieder im Leerlauf. Ein nächster Termin lässt noch auf sich warten, zunächst wurde mit dem Gerätehersteller Kontakt aufgenommen. Der stellte bereits in Aussicht, das Gerät komplett zu tauschen, ein defektes Gerät wolle man nicht auf sich sitzen lassen.

Das Knarzen im Amaturenbrett kam von einer Lüftungsdüse, die hat man ausgetauscht. Ein Klackergeräusch kam vom Beifahrersitz, das hat man behoben, ein weiteres kommt aus dem Kofferraum. Da meinte die Werkstatt, man habe die Abdeckung der Reserveradmulde im Verdacht und habe diese mit Klebefilz "entstört", es klackert aber noch immer. Außerdem ist mir aufgefallen, dass irgendwer, ich habe den Abschleppdienst im Verdacht, zwei stecknadelkopfgroße Beschädigungen am hinterhen Stoßfänger verursacht hat. Da ist nämlich bereits der Lack abgeplatzt. Eine Schraube an der Beifahrertür ist auch nur halb lackiert ... ich bin genervt.

Eigentlich ist das Auto total toll, wenn dieser Ärger nicht wäre. Den Turbodieselmotor und das DSG-Getriebe kenne ich schon vom Touran, der leichtere und windschnittigere Golf ist damit fast schon übermotorisiert. Das Getriebe schaltet, im Stadtverkehr, bei 60 km/h bereits in den 6. Gang und man kann ohne Probleme mitschwimmen. Im Gegensatz zum Touran hat der Golf nun auch eine Start-Stopp-Automatik, die ich teilweise etwas gewöhnungsbedürftig finde. Gerade wenn man von der Autobahn kommt und ein paar Kilometer mit 130 km/h gefahren ist, dauert es rund eine Viertelstunde, bis das Auto im Innenstadtverkehr wieder an Ampeln den Motor ausschaltet. Die Werkstatt meinte, das sei normal, das liege an einer zu hohen Temperatur der Ansaugluft nach einer Autobahnfahrt.

Besonders gut gefällt mit die Stop-And-Go-Funktion (Abstandsassistent), bei der das Auto einfach die Geschwindigkeit des Vordermanns übernimmt. Was im Stau absolut geil ist, weil man sich nur um das Lenken kümmern muss. Und es funktioniert sogar. Und sehr begeistert bin ich bisher vom Verbrauch, der mir schon beim Touran sehr gefallen hatte. Wenn man normal fährt (also nicht besonders sparsam), komme ich im Stadtverkehr nicht über 5 Liter. Wenn ich darauf achte, möglichst wenig zu verbrauchen, ist selbst im Stadtverkehr problemlos ein halber Liter weniger drin. Man könnte das sicher noch optimieren. Auf der Autobahn bin ich, von einigen 120er- und 100er- Beschränkungen abgesehen, die meiste Zeit mit Tempomat 160 gefahren, zu einer Zeit mit wenig Verkehr. Das war absolut entspannt, der Motor dreht bei etwa 3.000 U/min, also durchaus ruhig, und ich bin durchschnittlich nicht über 5 Liter pro 100 Kilometer gekommen. Damit bin ich sehr zufrieden.

Nun bin ich mal gespannt, wann mein Auto tatsächlich so "perfekt" ist, dass es nicht mehr ständig in die Werkstatt muss. Mindestens zwei weitere Termine zu jeweils einem ganzen Tag stehen noch an.

Sonntag, 18. Mai 2014

Eine Lektion für mich

Ich möchte nicht behaupten, dass ich mich bereits eingelebt hätte. Das wird noch sehr lange dauern, vermutlich wird es auch nie so ganz geschehen. Ich vermisse Hamburg.

Die Stadt, in der ich jetzt wohne, ist sehr schön. Sehr hübsch, auch schon etwas älter, sehr gepflegt. Die meisten Menschen sind sehr nett, wenngleich sich mein erster Eindruck weiter vertieft, dass viele Menschen im Süden nicht so leicht und tief zugänglich sind wie im Norden. Oder vielleicht auf eine andere Art und Weise, die ich noch herausfinden muss.

Die übliche Anzahl schräger Leute gibt es - entgegen meiner ersten Annahme - auch hier. Während der zweiten Woche meines Praktikums gab es einige Momente, in denen ich mich gefragt habe, welchen Weg einerseits der visuelle Reiz, der entsteht, wenn jemand mich erblickt, nehmen muss, um solchen Unsinn ungefiltert aus dem Mund schwappen zu lassen; andererseits: Was diesen Weg geprägt hat. Also was jemand erlebt oder nicht erlebt hat, um so zu denken und vor allem so zu reden.

Der Brüller war Gerda, eine Frau um die 60, die in Begleitung von Heinz in ihrem Privatpatienten-Zweibettzimmer saß und auf die Aufnahme wartete. Sie kam nicht als Notfall, sondern wollte sich durchchecken lassen und, wie jedes Jahr, an einer Ernährungsberatung teilnehmen. Gerda hatte Probleme mit ihrem Diabetes. Oder vielmehr hatte Gerdas Bauchspeicheldrüse Probleme mit Gerdas Ess- und Bewegungsgewohnheiten, so dass das entstanden ist, was der Mediziner Diabetes nennt. Und das machte wiederum Gerda Probleme, denn spritzen wollte sie sich nicht, und nur mit Tabletten eingestellt bestand ihr Blut hauptsächlich aus Zucker. Kein Wunder, wenn man den mit steigendem Blutzucker immer weiter zunehmenden Durst mit Cola und Brause stillt... Oder anders ausgedrückt: Dass ihr Teststreifen-Messgerät nur noch "HI" schreibt, was weniger eine Begrüßung, sondern mehr das Verlassen des Messbereichs nach oben anzeigt, sollte möglichst noch vor dem unmittelbar bevorstehenden Koma korrigiert werden. Erzählt hat sie davon erst, nachdem ich sie mit einem Blutzuckerwert von über 1.000 konfrontierte. Ihr privates Messgerät steige bei 600 aus und schreibe dann nur noch "HI", was sie für eine Fehlfunktion gehalten habe.

Zunächst aber zweifelte sie an meiner Fähigkeit, den Blutzucker richtig zu bestimmen und vor allem richtig zu bewerten. Ich meine, das ist ihr gutes Recht, immerhin bin ich nicht approbiert und habe damit erstmal nicht mehr zu melden als die Kollegin, die den Wischwagen vor sich herschiebt. Dennoch: Irgendetwas muss mir meine Anleiterin schon zutrauen, wenn sie mich solche Dinge zunächst alleine machen lässt. Insofern war der Befehl von Gerda etwas unangemessen: "Das kann ja gar nicht sein, ich habe es hierher geschafft, warum sollte ich ausgerechnet im Krankenhaus gleich umfallen? Holen Sie jetzt mal einen richtigen Doktor, am besten einen ohne Rollstuhl. Auf diese Spielchen hier habe ich keine Lust mehr."

Also ging ich meine Anleiterin suchen und fragte sie: "Können Sie mal bitte kommen? Die Patientin möchte ihren Blutzucker über 1.000 von einer Approbierten ohne Rollstuhl erklärt bekommen."

Und während sie sich (ohne Rollstuhl) auf den Weg machte, zog mich der Oberarzt zur Seite. "Sie sagen das mit einem gewissen Unterton. Das ist das gute Recht der Patientin und Ihr Ton erzeugt hier schlechte Stimmung. Das möchte ich nicht. Jeder Patient ist etwas besonderes und kommt nicht ohne Grund zu uns ins Krankenhaus. Wir nehmen seine Wünsche und Bedürfnisse ernst. Und 'wir' meint auch 'Sie', haben Sie mich verstanden?"

Ich dachte mir so: Nö. Gewiss nicht. Und antwortete eben auch genau so: "Verstanden habe ich Sie, ja. Was schlagen Sie vor, was kann ich tun, damit ich mich als Studentin auch ernst genommen fühle?"

Er guckte mich mit großen Augen an und polterte los: "Sie stecken erstmal Ihren Kopf ins Gras und fressen Scheiße. Und wenn Sie sich einen guten Ruf herausgearbeitet haben, dann dürfen Sie von mir aus auch erste Starallüren entwickeln. Also so in 15 bis 20 Jahren. Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte, ich habe keine Zeit für diesen Quatsch. Wenn Sie als Behinderte diesen Job machen wollen, darf Ihre Behinderung auch nicht im Wege stehen. Und das tut sie in dem Moment, wo Sie sich daran aufgeilen, dass Patienten aus einer Unsicherheit heraus Sie ablehnen. Das wird Ihnen immer wieder passieren, darauf müssen Sie sich gefasst machen, wenn Sie im Rollstuhl sitzen. Oder, wenn Sie das nicht können, dann wählen Sie einen anderen Beruf. Im Schockraum kann ich auch nicht über ein tätowiertes Hakenkreuz auf der Brust debattieren, nur weil meine jüdischen Großeltern von den Nazis hingerichtet wurden. Sie machen Ihren Job ohne Ansehen der Person und fertig, oder Sie haben hier nichts verloren."

Scheiße fressen? Aufgeilen? Habe ich das nötig? Nein. Ich holte zum Gegenschlag aus. "Nur dass das Hakenkreuz im Schockraum in der Regel nicht mit Ihnen spricht und sagt, es wolle nicht von einem Juden behandelt werden. Glauben Sie wirklich, dass Sie dann cool bleiben würden?" - Er hob seinen Kopf, guckte mit leerem Blick über mich hinweg. Ich befürchtete schlimmstes und zog in Gedanken schon den Kopf ein. Fünf, sechs Sekunden vergingen. Dann guckte er mich wieder an und sagte: "So habe ich noch nie darüber nachgedacht. Nein, dann würde ich vermutlich nicht cool bleiben. Aber auch wenn ich Sie vielleicht verstehen kann, ich will Ihren Zynismus hier nicht haben. Fragen Sie künftig die Kollegin, ob Sie Ihre Patientin bitte übernehmen kann, Sie kämen nicht miteinander klar. Geben Sie der Kollegin die Chance, unvorbelastet in das Gespräch zu gehen. Wir therapieren hier Krankheiten und keine ... keine ... Sie wissen schon."

"Starallüren?" - "Die Patientin darf sie haben. Ich auch. Sie nicht. Das müssen Sie lernen, sonst überleben Sie in diesem System nicht." - "Nun sagen Sie mal selbst: Krankes System, oder?" - "Machen Sie sich darüber nicht zu viele Gedanken. Funktionieren Sie. Sonst schaffen Sie später Ihren Alltag nicht."

Er eilte aus dem Dienstzimmer. Aha. Lektion gelernt?

Hinter der Tür stand ein Pfleger, Mitte 50, den ich erst jetzt entdeckte. Er war gerade damit beschäftigt, etwas in einer Akte zu notieren. Er gab der Tür mit dem Kugelschreiber einen minimalen Stups, so dass sie ein Stück weiter zufiel, verbeugte sich dann minimal vor mir und machte mit einer Hand am Kopf eine Geste, als lüftete er einmal seinen (nicht vorhandenen) Hut. Ich guckte ihn mit einem verschmitzten Grinsen an. Er sagte: "Lass dir hier bloß nichts gefallen, Mädchen. Du bist schon goldrichtig, so wie du bist."

Doch keine Lektion gelernt. Hmpf.

Sonntag, 11. Mai 2014

Keine zweite Chance

Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, wenn man täglich viele neue Leute kennenlernt. Ich meine den Kreis, mit dem man täglich zu tun hat. Genauso wie den Kreis derjenigen, von denen man erst herausfinden muss, dass man mit ihnen nicht täglich zu tun haben möchte. Alle Menschen, die mir neuerdings über den Weg laufen, zu beschreiben, wäre zu umfangreich - und auch nicht nötig. Will sagen: Es gibt in meinem neuen Umfeld sehr viele entspannend unkomplizierte Menschen. Zumindest wirkt es bisher so. Es wirkt außerdem so als wäre mein Idiotenmagnet etwas schwächer geworden.

Am letzten Wochenende hat mich eine Kommilitonin gefragt, ob ich mit ihr zum Rollstuhlbasketball wollte. Sowas ist mir ja noch nie passiert. Die Kommilitonin ist Fußgängerin und wollte von mir ... ja, was eigentlich? Egal, ich fand es nett. In Hamburg hätte ich mit Sicherheit gesagt: "Nö, lass mal. Das ist keine Sportart, die ich mir jetzt zwei Stunden oder länger ansehen müsste. Nicht, weil sie nicht sehenswert wäre, im Gegenteil. Nur bin ich eher selbst aktiv, statt still auf der Bank zu sitzen. Nicht im Basketball, sondern in anderen Sportarten. Aber hier und jetzt ... ich sagte spontan zu und so fand ich mich plötzlich über 100 Kilometer entfernt in einer großen Sporthalle am Spielfeldrand wieder. Meine Kommilitonin hatte einen klaren Favoriten - ich schloss mich an.

Nach dem Spiel sollte vor dem Spiel sein, wenn es nach dem Wunsch eines Sportlers gegangen wäre. Er kam nach dem Spiel auf mich zu, kannte mich nicht, erkannte mich nicht, sprach mich trotzdem an. Ich sehe so sportlich aus, ob ich schon mal Rollstuhlbasketball gespielt hätte. Ein paar wenige Male hätte ich es ausprobiert, antwortete ich. Er fand, ich müsste unbedingt in die Mannschaft kommen, ich würde das mit Sicherheit gut können und sie bräuchten noch Verstärkung. Vor allem weibliche. Der Typ war Mitte 40. Meine Kommilitonin und ich wurden eingeladen, mit der Mannschaft nach dem Spiel noch ein Bier zu trinken und eine Kleinigkeit zu essen.

Ich habe nie ernsthaft überlegt, in diese Mannschaft zu gehen. Über hundert Kilometer zum Training, für eine Sportart, wo harte Bälle fliegen, wo man mit Rollstühlen zusammenscheppert und umfällt - nö. Nicht mein Ding. Es ist meine persönliche Entscheidung, lieber als Einzelsportlerin unterwegs zu sein. Und trotzdem ging ich mit dieser Mannschaft in ein Restaurant und quatschte ein wenig. Meine Kommilitonin bekam gleich erzählt, dass auch Fußgänger mitspielen könnten. Und mitten in der anfangs sehr angeregten Unterhaltung kippte plötzlich die Stimmung so sehr, dass wir ziemlich schnell in Aufbruchstimmung kamen und später im Zug nach Hause auch eine Zeitlang nichts mehr sagten.

Ich habe lange überlegt, ob ich darüber schreibe. Aber es will mir einfach nicht aus dem Kopf. Die Geschichte von einem Mann, Mitte 30, der wegen einer Querschnittlähmung im Rollstuhl sitzt und auftrat wie ein König. Als gehörte ihm die Welt. Anfangs fand ich das noch irgendwie spannend, mit welcher Sicherheit er von sich selbst und seinem Leben sprach. Ziemlich bald, nämlich als er mich fragte, warum ich im Rollstuhl sitze, ich ihm meine Geschichte erzählt hatte und nachfragte, woher er seinen Querschnitt hatte, war ich völlig perplex. Er erzählte mir, er habe sein Auto in suizidaler Absicht in den Gegenverkehr gelenkt. Leider -aus damaliger Sicht- sei nur eine Querschnittlähmung dabei heraus gekommen.

Ich wusste, dass diese Frage ungeheuer großen Zündstoff liefern würde, konnte sie mir aber nicht verkneifen: "Und dein Unfallgegner?"

Er antwortete so beiläufig als hätte ihn jemand nach der Uhrzeit gefragt: "Tot. Ein Familienvater auf dem Weg zur Arbeit."

Ich guckte ihm in die Augen. Und sah Gleichgültigkeit. Die mich wiederum veranlasste, nachzufassen. Einfach weil ich hoffte, mich zu täuschen. Ich sagte: "Ach herrje." - Und musste gar nicht weiter reden. Er unterbrach mich quasi mit einem Schulterzucken: "Die Versicherung hat gezahlt."

Ich konnte das noch immer nicht glauben. Ich hakte nochmal nach: "Hat was gezahlt?" - Er antwortete: "Na, die hinterbliebene Familie hat ein Schmerzensgeld bekommen von meiner Versicherung."

Ich bohrte noch weiter: "Und du?" - "Ich nicht. Ich hab nichts bekommen von meiner Versicherung. Ich war gegen Unfälle aber auch nicht versichert. Damals."

Wollte der mich provozieren? Ich redete weiter: "Das wäre ja aber auch gar kein Unfall gewesen. Das meinte ich aber auch nicht. Ich meine vielmehr, ob das nicht eine unheimliche Last ist, die jemand auf sich lädt, wenn er in ein unbeteiligtes Auto reinlenkt. Ich frage mich: Warum ein Auto und kein Brückenpfeiler?"

Er antwortete: "Die Last darf man sich nicht aufladen, sonst hat man kein Leben mehr. Die Versicherung hat gezahlt und fertig. Ich bin damals angeklagt worden wegen Totschlags, war aber wegen einer psychischen Störung nur vermindert schuldfähig. Die Richter haben meine Querschnittlähmung eingerechnet und fanden, dass ich schon genug bestraft bin. Ich musste nie ins Gefängnis. Vielleicht auch deshalb, weil es damals kaum barrierefreie Gefängniszellen gab", sagte er und lachte. Ich guckte ihn an, ohne eine Miene zu verziehen.

Er sagte dann, aus seinem Lachen raus: "Ach komm, guck nicht so böse. Oder gehörst du auch zu denen, die finden, ich hätte keinen Anspruch auf eine Rehabilitation? Keine zweite Chance? Soll ich mich deiner Meinung nach lieber nochmal umbringen, oder was möchtest du mir jetzt raten? Mit dem Auto mache ich es nicht nochmal, das musste ich versprechen, bevor ich meinen Führerschein zurückbekommen habe."

Nein. Wie schon geschrieben, die Stimmung war so sehr gekippt, dass ich mich verabschiedete. Die Antwort auf die Frage bin ich ihm schuldig geblieben. Dafür war ich zu perplex. Aber inzwischen weiß ich sie: Jeder Mensch sollte eine zweite Chance bekommen, das denke ich schon. Und ich lasse mich auch nicht auf die "Einmal Täter, immer Täter"-Schiene lenken. Jedoch: Eine zweite Chance, so denke ich, muss man sich "verdienen". Durch Einsicht, Reue, Umkehr, Wiedergutmachung. Wenn die Feststellung, dass die Versicherung ein paar Kröten überwiesen hat, alles ist (neben der Erkenntnis, dass die Schuld nahezu unerträglich ist), dann fällt mir dazu nur eins ein: Ich möchte mit so einem Menschen nicht in einer Mannschaft spielen.

Diese arrogante Art des Gegenangriffs finde ich tausend mal schäbiger als eine von Reue getragene Lüge, man sei besoffen am Baum gelandet. Oder ähnliches. Bäh.

Montag, 5. Mai 2014

Vielen Dank

Das Chaos mit meiner Mutter hat irgendwie ziemlich viel durcheinander gebracht. Vor allem hat es mich davon abgehalten, meinen Blog zu füttern. Obwohl ich das eigentlich schon seit Wochen schreiben wollte, bin ich bisher nicht dazu gekommen. Und das, obwohl mir das sehr viel bedeutet. Es geht um mein Physikum, also den ersten Abschnitt der ärztlichen Prüfung.

Das Medizinstudium dauert mindestens 13 Semester (ein Semester ist ein Halbjahr), nach vier Semestern (so genannter vorklischer Teil) kann man den ersten Teil der ärztlichen Prüfung ablegen. Man muss ihn ablegen, wenn man im klinischen Teil des Studiums weitermachen möchte. Es werden insgesamt 320 Fragen zu sechs Schwerpunkten gestellt. Außerdem muss man vorher eine mündliche Prüfung (etwa drei Stunden) ablegen. In Hamburg ist es so, dass man zwar auch mit Nichtbestehen der mündlichen Prüfung zur schriftlichen antreten darf, dann muss man das aber extra beantragen. Ansonsten geht das Prüfungsamt davon aus, dass man nach Nichtbestehen der mündlichen auch nicht zur schriftlichen antritt. Man kann aber eben auch die mündliche ein halbes Jahr später nachholen, wenn man die schriftliche besteht - darf aber noch nicht in das fünfte Semester, also noch nicht mit dem klinischen Teil anfangen.

Den mündlichen Teil hatte ich bestanden, das wusste ich schon vor der schriftlichen Prüfung. Und den schriftlichen auch. Wie ich inzwischen erfahren habe.

Eine Frage wurde nicht gewertet, das hatte ich aber schon vermutet. Die war zu ungenau formuliert, so dass keine der vorgegebenen fünf Antworten (Multiple Choice) richtig war. Auch sowas kommt vor.

Somit konnte man 319 Punkte bekommen. 192 brauchte man, um zu bestehen. Bundesweit ist jeder Vierte durchgefallen, der schlechteste hatte gerade mal 54 Punkte geschafft. Allerdings haben von denen, die zum ersten Mal ihre (schriftliche) Prüfung gemacht haben, 95% bestanden. In Hamburg sind übrigens mehr als die Hälfte aller Leute durchgefallen. Schluck.

Absoluter Überflieger war eine Teilnehmerin aus Mainz, die 312 Fragen richtig hatte. Also nur 7 Fehler bei 319 Fragen - alle Achtung. Ich habe 284 Punkte erreicht. Damit bin ich leider um 4 Punkte an einem "sehr gut" vorbei geschrammt. Das ist ein wenig schade, aber insgesamt bin ich mit dem Ergebnis mehr als zufrieden und es ist viel mehr als ich gedacht habe. Mein schriftliches Prüfungsergebnis gehört zu den 100 besten deutschlandweit, und ich finde, bei 2.750 Teilnehmern kann sich das sehen lassen. Im einzelnen habe ich

16/20 Punkte in Physik (3+)
55/60 Punkte in Physiologie (1)
69/80 Punkte in Chemie/Biochemie (2)
20/20 Punkte in Biologie (1)
64/79 Punkte in Anatomie (2-)
60/60 Punkte in Psycholgie/Soziologie (1).

Marie hat übrigens 9 Punkte mehr als ich und hat das Physikum mit zwei Mal "sehr gut" (mündlich und schriftlich) bestanden. Was für mich klar war, als ich mein Prüfungsergebnis bekam. Dass sie besser sein würde als ich, war zu erwarten. Und dass ich ohne sie (und ihre Mama) nie im Leben auf 284 Punkte gekommen wäre, auch. Höchste Zeit, mich dafür bei beiden einmal herzlich zu bedanken!

Samstag, 3. Mai 2014

Ihr fragt, wir antworten!

Leider hat es länger gedauert als geplant. Und ich bin schuld. Daran, dass die Veröffentlichung der Antworten zu den 140 Fragen aus dem März so lange gedauert hat. Aber bei dem Drama mit meiner Mutter waren erstmal andere Dinge wichtiger, und aufgeschoben ist ja bekanntlich nicht aufgehoben.

So kommen sie heute, die 140 Antworten auf die 140 Fragen. Und was besonders ist: Insgesamt 10 Leute haben mitgemacht! Also sind es 1.400 Antworten - und damit jede Menge zu lesen.

Besonders ist daran, dass die Antworten alle untereinander stehen, soll heißen: Nach einer Frage antworten alle 10 Leute. Ich finde das sehr lustig und vor allem sehr interessant, gerade bei jenen Fragen, auf die ich nicht immer nur alleine antworten möchte. Für eine wissenschaftliche Arbeit reicht es aber noch nicht...

Weil es so viel ist, habe ich das -wie letztes Mal- nicht im laufenden Blog untergebracht, sondern auf einer Sonderseite. Ich möchte zunächst noch kurz die 10 Leute vorstellen:

Cathleen ist jene Cathleen aus meinem Blog.
Jule ist jene Jule mit diesem Blog.
Laura hat einen eigenen, diesen Blog.
Lena hat ebenfalls einen eigenen, diesen Blog.
letterkerl bloggt auch, nämlich hier.
Marie ist jene Marie aus meinem Blog.
Sallys Blog ist den meisten meiner Leserinnen und Leser bereits bekannt.
Steffi ist jene Steffi aus meinem Blog.
Tine schreibt ebenfalls einen eigenen Blog.
Willi ist ein Freund von mir (und Sally), der bisher in meinem oder ihrem Blog noch nicht vorkam. 38 Jahre, nett. :)

Lustig finde ich die Frage "Würdet ihr das doof finden, wenn ich euch ohne zu Fragen einen Joghurt aus dem Kühlregal holen würde?" und noch lustiger finde ich die Antworten darauf. Es herrscht fast genau dieselbe Einigkeit wie bei der Frage nach dem liebsten Ort fürs Masturbieren oder ob man es gerne vor dem Einschlafen macht.

Aber es gibt durchaus auch Fragen und Antworten, die trotz der Kürze sehr viel mehr Tiefgang haben. Ich verrate nicht zu viel, denn dann liest ja niemand mehr!

Achso, eins noch: Ich habe die Fragen sehr bald, noch im März, beantwortet. Daher sind die Fragen zu dem Kontakt mit meiner Mutter nicht aktuell.

Jetzt fehlt nur noch der Link zu den Antworten. Und der kommt hier. Ich freue mich, wie immer, über Feedback. Und auch über Verständnisfragen, falls meine Antwort mal nur mir klar sein sollte - viel Spaß!

Gut ist es

"Na, hast du dich schon gut eingelebt?" - Diese Frage habe ich in den letzten Tagen mehr als einmal gestellt bekommen. Die Antwort ist kurz und knapp: "Nein. Gut ist es, aber eingelebt habe ich mich noch nicht."

Was ist gut? Das, wovor ich die größte Angst hatte, ist erstmal nicht eingetreten. Ich bin nicht völlig einsam und niemand will mit mir zu tun haben. Wie schon geschrieben, kennen mich drei Kommilitoninnen bereits als Bloggerin. Soll heißen: Eine hat meinen Blog mal entdeckt, wie sie erzählt, im Rahmen einer Recherche für das Studium, hat ihn zwei Freundinnen empfohlen und ... lustig. Zu denen habe ich ein recht gutes Verhältnis. Sofern man davon nach wenigen Tagen sprechen kann. Bisher ist es sehr entspannt.

Der Rest derer, mit denen ich bisher zu tun hatte, war auch sehr nett. Sehr interessiert, sehr höflich, und, anders als in Hamburg, deutlich weniger häufig schroff und rüpelhaft. Mir fehlen "Digger, Alder, deine Mudder" schon. Die drei kamen zwar nicht permanent in Hamburg im Hörsaal vor, aber durchaus schon mehrmals täglich. Die Leute sind hier insgesamt sehr viel ruhiger und überlegter. Das gefällt mir. Zunächst.

In meinem Haus wohnen, soweit man das jetzt bereits beurteilen kann, auch nur nette Leute. Ein direkter Nachbar ist ein wenig eklig, weil er immer im Treppenhaus rülpst. Laut - um sich dann anschließend selbst zur Ordnung zu rufen. So vermutet man in einer Sekunde einen ausgewachsenen Hirsch vor der Tür, in der anderen hört man deutlich ein "Tsss. Na! Also sowas!" durch die geschlossene Wohnungstür. Vielleicht löst sich ja das Problem und es macht ihm keinen Spaß mehr, sobald ein paar Pflanzen dort stehen und den Schall so brechen, dass es nicht mehr so toll hallt.

Ein gemeinsames Grillen auf der halb gepflasterten Auffahrt haben wir bereits hinter uns. Ich habe einen Nudelsalat beigesteuert, von dem man merkte, "dass den eine echte Hausfrau gemacht hat! Ich weiß selbst, wie schwer das ist, an so ein Ding Geschmack dran zu kriegen!" - Siehste?!

Um sportliche Möglichkeiten kümmere ich mich in der nächsten Woche. Ein paar Leute haben mich bereits genötigt, nächste Woche zum Hochschulsport in die Schwimmhalle zu kommen. Ich bin gespannt, ob ich da mithalten kann, denn eine reine Rolligruppe gibt es hier nicht. Ansonsten freue ich mich, wenn ich bald mein Handbike und meinen Rennstuhl hier habe, um wieder vernünftig trainieren zu können. Ganz so platt wie in Hamburg ist das Land hier nicht, aber Mädels mit Muskeln sollen ja sexy sein.

Und sonst? In Hamburg ist schöneres Wetter als hier. Geschneit hat es hier zwar nicht, aber einige Leute mussten heute früh ihre Autos kratzen. Bäh! Ich dachte, das wäre erledigt und nun kommt der Sommer! Ich möchte endlich baden!

Und ja, ich vermisse meine Leute. Aber soziale Netzwerke machen das alles etwas erträglicher. Und ich hoffe, dass Marie sich das bis zum nächsten Semester nicht nochmal überlegt. Und dass ihre Mama sie für rund zwei Jahre ziehen lässt, denn ihr fehlt dadurch natürlich eine wichtige Arbeitskraft in der Praxis. Aber noch habe ich keinen Grund zur Sorge!