Freitag, 31. Januar 2014

Trautlinde

Das war mal wieder eine Woche, um die mich nur gehässige Menschen beneiden würden. Gehässige Menschen in meinem Umfeld? Gibt es. Zwar zum Glück nur vereinzelt, aber dennoch absolut ausreichend.

Weil ich in meinem Blog grundsätzlich keine vollen Namen nenne (und die wenigen, die ich nenne, um einfacher und in besserer Kontinuität schreiben zu können, sind Nicknamen), fühlte sich eine Kollegin aus dem Sportverein (zum Glück nicht aus meinem Team) von einem Beitrag persönlich angesprochen und hat ein riesiges Fass aufgemacht, fing gleich an mit der Forderung nach einer Unterlassungserklärung und ähnlich überzogenen Reaktionen. Da es keinen Dialog zwischen uns beiden gab, sondern der Alarm gleich an einen zehnköpfigen Mailverteiler (einschließlich aller wichtiger Funktionäre) versendet wurde, war zwar zum Glück niemand von denen aufgeregt, aber dennoch not amused über eben diese Welle, die mit meinem Namen in Verbindung stand. "Wir sehen keinen Grund, uns in Ihr Privatleben einzumischen. Wir möchten Sie aber bitten, in einem persönlichen Dialog mit der Beschwerdeführerin auf breiter Linie Frieden zu produzieren und die durchaus gefährliche Dynamik aus dieser Sache zu nehmen", hieß es knapp.

Nachdem es in der Vergangenheit schon etliche hässliche Aktionen dieser Person gab, nicht nur gegen mich, aber eben auch, und ich immer wieder meine viel zu feine Sensibilität als Ursache für meine anschließende Übellaunigkeit bemüht und anschließend die Kröte geschluckt habe, während auf anderer Seite nicht mal Platz für eine Entschuldigung war, habe ich die Worte zum Anlass genommen und dieses Mal etwas anders gemacht: Nämlich sie beim nächsten Schwimmtraining schon bei ihrem ersten Luftholen mit den Worten "du kannst mich mal" übergebügelt, links liegen lassen und sie anschließend ignoriert. Sieben oder acht Leute standen in unmittelbarer Nähe. Die haben mich beim Reinkommen schon angestarrt, so dass ich mir sicher war, dass vorher bereits einmal ordentlich über mich abgelästert worden ist. Wie gesagt, zum Glück ist es nicht meine Sportgruppe. Es ist schon sehr befremdlich, dass es Menschen gibt, die sich scheinbar darüber definieren, dass sie besser sind als andere. Und besser ist, wer schlecht machen kann.

Ich bin voller Erwartung, ob ich die Bitte, dieses Mal anders mit der Sache umzugehen als in der Vergangenheit, richtig umgesetzt habe. Am Dienstagnachmittag habe ich einen zehnminütigen Telefontermin mit einem wichtigen Organ aus unserem Sportverein. Natürlich wird sich da niemand aus dem Fenster lehnen und in meine Privatangelegenheiten einmischen - aber ich bin sehr gespannt, ob man versuchen wird, mich einzufangen. Dann werden wir uns allerdings mit der Frage beschäftigen müssen, warum man immer nur von mir eine Deeskalation erwartet und somit nur Stinkesocken aber nie Stinkstiefel zur Ordnung ruft. Wie gesagt, ich bin gespannt. Nicht, weil ich mich gerne streite, sondern weil ich mir nicht mehr alles gefallen lassen möchte.

Achso, fast hätte ich es vergessen: In dem betreffenden Beitrag wurde natürlich nicht nur kein Name, sondern auch kein Nickname genannt. Es ist also nicht etwa so, dass ich im Blog über eine reale Auguste, die ich fiktiv Trautlinde nannte, geschrieben hätte und eine reale Trautlinde sich wegen ihres Namens, des selben Sportvereins und der räumlichen Nähe angesprochen fühlen würde. Es steht überhaupt kein Name in dem betreffenden Beitrag, weder ein realer, noch ein Nickname, und auch die Handlung passt aus tatsächlichen Gründen überhaupt nicht zu der, die sich jetzt aufregt. Es ist ungefähr so, als würde sich jemand, der wegen einer Skiverletzung sein Bein temporär schonen muss, sich in einem Beitrag über einen Rollstuhlfahrer beim Segeln gespiegelt sieht.

Wenn ich nun noch über die stressige Uni schreiben würde, bedauert mich am Ende noch jemand. Und das möchte ich nicht.

Also schreibe ich über etwas Schönes, das fällt mir im Übrigen auch sehr viel leichter: Über mein Aushelfen beim Kinder- und Jugendschwimmen. Und über Anna.

Samstag, 25. Januar 2014

Weil sie nicht im Rollstuhl sitzen

"Wo bleibt dein Humor?", war eine anlässlich meines letzten Postings mehr als einmal gestellte Frage. Weil ich über den blöden Witz mit dem Schuhband nicht lachen konnte. Und weil ich es befremdlich fand, von wildfremden Menschen auf meine Unterwäsche angesprochen zu werden. Nun, ich möchte mich nicht rechtfertigen, warum ich manchmal nicht (mehr) den Humor habe, der solche Situationen geschmeidiger auflösen würde. Aber wenn solche Fragen gestellt werden, möchte ich es gerne erklären. Und ganz am Ende mal einen Versuch starten.

Ich lache sehr gerne. Über mich, über meine eigene Dusseligkeit, über meine Missgeschicke, über Situationskomik, über Witze, über Dinge, die komisch aussehen - ich halte mich für einen sehr fröhlichen Menschen und das Lachen kommt von ganz alleine. Dieses Lachen tut mir gut. Es gibt aber auch noch ein zweites Lachen (oder besser: Lächeln), jenes aus Anstand. Und das ist einmal okay, ein zweites Mal auch, aber dann wird es irgendwann anstrengend. Und wer über einen langen Zeitraum angestrengt ist, wird irgendwann müde.

Genauso ist es mit Unterhaltungen. Ich könnte und kann mich stundenlang mit netten Menschen unterhalten. Ein Thema ergibt das andere, wir vergessen die Zeit. Solche Gespräche finde ich toll, sie geben mir Kraft, sie machen mich glücklich. Es gibt aber auch noch etwas anderes, das nennt sich Small Talk, Gespräche aus Höflichkeit. Die sind auch okay, hin und wieder, aber ich bin keine Dauer-Small-Talkerin. Sinnloses, oberflächliches Gelaber möchte ich nicht den ganzen Tag ertragen, weder aktiv noch passiv. Das strengt mich an, das macht mich ebenfalls müde.

Und dann gibt es noch etwas: Achtung und Höflichkeit voreinander, Toleranz im Umgang miteinander und eine gewisse Distanz zueinander. Ich gebe zu, mir fällt es nicht immer leicht. Aber optimalerweise ergänzen sich zu wenig Achtung und zu wenig Höflichkeit durch die Toleranz des anderen und die Distanz, die zwischen den beiden Menschen steht. Ich empfinde es so, dass ich im Alltag sehr häufig (um nicht 'extrem häufig' zu sagen) eine mangelnde Distanz anderer zu mir, mangelnde Achtung und fehlende Höflichkeit vor mir durch ein großes Maß an Toleranz kompensiere. Meine Behinderung liefert häufig den Anlass, aber die Verbindung meiner Behinderung mit meiner Person (zu 'Die Behinderte') ist es, was mich oft wütend macht. Für die meisten Menschen im Alltag bin ich 'eine Behinderte', und nach wie vor die meisten Menschen im Alltag können entweder nicht damit umgehen, dass ich eine körperliche Einschränkung habe, oder dass meine körperliche Einschränkung nicht der Mittelpunkt ist, um den sich mein ganzes Leben dreht.

Es werden auf diese Zeilen vermutlich wieder einige mit der Frage reagieren, ob ich zu lange nicht richtig durchgevögelt worden bin. Oder weniger ordinär ausgedrückt: Ob ich keine anderen Sorgen habe, meine Tage bekomme oder meine Gedanken nicht etwa einer zunehmenden und überflüssigen, schädlichen Verbittertheit geschuldet sind. Ich möchte auch das beantworten: Ja, ich bin untervögelt. Man könnte fast schon von einem chronischen Leiden sprechen. Allerdings: Ich habe auch noch andere Sorgen. Meine Tage sind nicht fällig und die Frage, ob meine Auseinandersetzung mit dem Thema überflüssig und schädlich ist, möchte ich mal verneinen. Schädlicher fände ich, an nicht ausgesprochenen Schwierigkeiten tatsächlich zu verbittern.

Ich bin, und das gebe ich zu, über einiges chronisch genervt. Etwa darüber, dass mir Leute jeden Tag denselben Unsinn erzählen und empört sind, wenn ich darüber nicht mehr lachen kann und auch nicht täglich lächeln möchte. Etwa wie die Kassiererin an der Supermarktkasse, die sich von jedem dritten Kunden in dem Moment, in dem sie einen Artikel mehrmals über das Scannerfenster halten muss, bevor er endlich erfasst wird, anhören darf: "Oh, gibt es den heute umsonst?" - Mit dem Unterschied, dass sie für ihre Arbeit und ihre Höflichkeit bezahlt wird. Würde man ihr das übel nehmen, wenn sie auf den Spruch nur müde lächelt oder gar nichts sagt und die nicht gelesenen Ziffern per Hand eingibt? Und erst wieder lächelt, wenn der Kunde einen gerade aus dem Automaten gezogenen Geldschein mit den Worten: "Hab ich heute morgen frisch gedruckt!" übergibt?

Ich bin eigentlich ein total schüchterner Mensch. Ich möchte in der Öffentlichkeit nicht angesprochen werden. Ich möchte auch keinen Dialog mit fremden Menschen führen. Ich möchte mich in die hinterste Ecke des Busses setzen, meine Musik hören und in Ruhe gelassen werden. Schal bis über die Nase, Mütze bis über die Augenbrauen. Ich bin auch mal zu früh aufgestanden, vielleicht sogar mit dem falschen Bein, mir ist kalt, mich nervt der halb geräumte und mit Tonnen von Salz und Sand bestreute Schnee auf dem Gehweg, die ganzen losen Platten, Fugen, Pfützen, Hundehaufen und falsch parkenden Autos, ich habe Schiss vor irgendeinem Vortrag, den ich gleich halten soll, bin wegen meiner Zwischenprüfung angespannt und habe Hunger.

Jede andere Studentin in meinem Alter würde man einfach in Ruhe lassen. Sicher, sie müsste ihre Fahrkarte zeigen, wenn im Bus eine Kontrolle ist. Sie müsste artikulieren, welches Brötchen sie kaufen möchte, wenn die Verkäuferin sie anschaut. Aber sie würde nicht permanent dichtgelabert werden, müsste nicht ständig ihren Knopf aus dem Ohr ziehen und auf irgendwas reagieren - unter den Blicken Dutzender Menschen, die, ohne fachlich versiert zu sein, prüfend schauen, ob ich die eine oder andere Alltäglichkeit hinbekomme, sofort bereit zu einer Erklärung oder einer Hilfestellung. Klar, es ist nett gemeint. Aber 'nett gemeint' ist nicht immer nett. Sondern eben manchmal auch nervig. Ich vermisse es oft, dass meine Mitmenschen sich eine völlig simple Frage stellen: "Würde die Frau überleben, wenn ich jetzt nicht da wäre?" - Mein Alter sollte die Frage beantworten: Ich bin schon groß.

Zurück zu denjenigen, die mich ansprechen (ich meine damit nicht die Fragerunden in meinem Blog, sondern persönliche Dialoge auf der Straße): Da stehen Dutzende Leute am Bahnsteig. Warum wird der Typ mit dem Gangsterblick nicht gefragt, ob seine Unterhose warm ist? Warum streicht der Frau mit dem Kinderwagen und dem Partner an der Seite niemand durch die Haare? Warum wird die Schülerin nicht gefragt, ob sie ihre Tage bekommt und gerne Strings trägt? Warum will niemand von dem älteren Mann mit dem Stock wissen, ob seine Prostata ein Nachträufeln bedingt? Warum wird der Uniformierte nicht gefragt, woher seine Narbe an der Stirn kommt? Warum schenkt dem Mann in Schlips und Kragen keiner Geld? Warum fragt die Frau mit Kopftuch niemand, ob sie ihre Gebärmutter noch hat und ob der Sex mit ihrem Mann sie befriedigt? Warum bedauert niemand den Schüler, der mit seinen gerade erst 15 Jahren schon Legasthenie hat? Warum fasst niemand der Busfahrerin an die Hüften und schiebt sie durch die nächstbeste Tür? Warum will von der Polizistin niemand die Oberweite wissen?

'Weil sie nicht im Rollstuhl sitzen?' - Das kann doch nicht die richtige Antwort sein.

Ich habe mir mal den Spaß gemacht, wollte einen Tag lang mitschreiben. Ich hatte einen kleinen Block und einen Kugelschreiber in der Tasche und wollte bei jeder Gelegenheit Notizen machen über die Dialoge mit wildfremden Menschen. Auch auf die Gefahr hin, dass mich den ganzen Tag lang nur wenige Leute ansprechen und die Liste abends völlig langweilig ist. Wer möchte, darf mal reinlesen - ich habe nach 3 Stunden abgebrochen. Und nein, es war kein außergewöhnlicher Tag. Aber auch kein gewöhnlicher.

Mittwoch, 22. Januar 2014

Nix Psychiater!

Das ist wieder ein Tag! Der große Schneefall blieb aus, Hamburg liegt lediglich unter einen dünnen Puderzucker-Schicht, die auf den Fahrbahnen schon weggeweht ist. Dafür liegt vor unserem Haus eine gefühlte halbe Tonne Salz - in kleinen Häufchen.

An der Bushaltestelle spricht mich eine ältere Dame an: "Na, junge Frau? Ganz schon kalt heute morgen, ja?" - "Winter halt!" - "Ist Ihnen das nicht zu kalt?" - "Meine Jacke ist sehr dick. Das passt schon." - "Ich meinte eher die Hose, die sieht sehr dünn aus. Haben Sie wenigstens einen dicken Schlüpfer drunter? Nicht, dass Sie sich die Blase verkühlen!"

Möchte ich mit wildfremden Frauen auf der Straße über meine Unterwäsche diskutieren? Nein. Aber Pampers halten warm. Falls das einer wissen möchte. Ich stelle mich an das andere Ende der Haltestelle, stecke mir Stöpsel ins Ohr. Endlich kommt der Bus. Und ... zum Glück steigt die Frau nicht mit ein, sondern wartet weiter auf die andere Linie. Brav!

Zweiter Akt: Ich stehe vor der Uni an der Bushaltestelle und warte auf den Bus. Inzwischen ist mittags. Es schneit nicht mehr, aber Hamburg ist in die hübschesten Grautöne gefärbt. Ein Mann, geschätzt 65, spricht mich an. Ich verstehe ihn nicht, fummel einen Stöpsel aus dem Ohr. "Wie bitte?" - "Ihr Schuhband ist offen!" - "Mein Schuhband?" - "Ihr Schuhband ist offen!" - Ich lehne mich nach vorne, gucke über meine Knie auf meine Füße. Im gleichen Moment sagt er: "Haha, etwas Spaß muss sein, finden Sie nicht?" - Ich gucke ihn böse an. - "Oh, finden Sie nicht. Sehr bitter. Lachen hilft aber!"

Sagt er und geht mit wackelnden Hüften und leise pfeifend davon. Ohne ein weiteres Wort stecke ich mir meine Stöpsel wieder in die Ohren. Lachen hilft. Gegen Verbitterung? Gegen Behinderung? Gegen dumme Sprüche? Wohl kaum. Was mir heute noch fehlt, ist jemand, der mir erzählt, dass er auch schon einmal sechs Wochen in so einem Ding saß. Oder sein Nachbar. Vielleicht sollte ich mir doch noch das T-Shirt aus dem Laden neben der Hochschule kaufen, auf dem steht: "Ich nix Psychiater!"

Sonntag, 19. Januar 2014

Stubbe in Rente

Nun ist Stubbe also in Rente. Nach 20 Jahren spielte seine fünfzigste und letzte Folge im Rollstuhlbasketball-Milieu und wurde in Hamburg gedreht. Ich habe sie gestern zum ersten Mal sehen können und ich fand sie insgesamt sehr gelungen. Wer sie in der Mediathek schnell noch ansehen will, sollte sich diesen Beitrag nicht durchlesen, denn sonst geht die Spannung verloren.

Apropos: Blickt man auf den Spannungsbogen und auf die kriminalistische Handlung, fand ich die Folge eher durchschnittlich. Es kamen von vornherein etwa vier Tatverdächtige plus der große Unbekannte in Frage, wenn man gleich davon ausgeht, dass die Laienschauspieler keine Hauptrolle übernehmen würden. Der große Unbekannte schied ziemlich schnell aus, weil es an Nebenhandlungen fehlte. Wobei das kein Vorwurf an den Autor sein soll, denn in einer letzten Folge ist ohnehin schon jede Menge Handlung enthalten, die da einfach reingehört, wenn man jemanden wie Stubbe pensionieren will. Ein Stubbe wird eben nicht fünf Minuten vor Ende erschossen oder fällt mit seinem Auto eine Steilküste hinab, sondern Stubbe geht schnuggelig in seinen wohlverdienten Ruhestand, mit sich, seiner Familie und seinem Job im Reinen und mit seiner Liebsten im Arm.

Das alles unterzubringen, einige tagträumerische Rückblicke auf die vergangenen fünfzig Folgen einzuflechten und nebenbei dem Rollstuhlsport noch eine angemessene Präsentationsplattform zu geben, geht einfach etwas zu Lasten der Krimispannung. Aber ich fand, das störte überhaupt nicht. Es war eine wunderschöne Samstagabend-Unterhaltung, die völlig nebenbei ein tolles Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung zeigte, von dem sich viele Regisseure eine dicke Scheibe abschneiden können. Und ich habe meinen Leuten in der WG, die mit mir zusammen den Film per Beamer an der Wand des Gruppenraums guckten, bis zum Schluss nicht erzählt, wer da gemordet hat. Die Ersten kamen erst in dem Moment, als David mit seinem Rollstuhl in der Halle umkippte und Judith ihn auf ihre Art motivierte, wieder aufzustehen, auf die richtige Fährte. "Die hat doch einen an der Waffel", äußerten sie und sollten Recht behalten. Eifersucht auf die erfolgreiche und beliebte Maria (Jana Reinermann) sollte die bemutternde Judith (Jule Böwe) auf einen ausgeklügelten und vernichtenden Plan bringen. Fast ganz zum Schluss kommt raus, was viele schon einige Zeit ahnten: Judith hat eine völlig gestörte Wahrnehmung, erlebt sich in einen Arzt verliebt, hasst die von ihr getötete Maria, weil sie ihr leichtfertig den Doctore ausgespannt hat - und muss dann auf Stubbes Frage, ob Dr. Riedel ihre Liebe je erwidert habe, zugeben: "Er hat es nicht mal gewusst."

Ein richtiges flüssiges Basketballspiel ist leider nicht dargestellt, dafür ist zu viel geschnibbelt worden. Aber das tut der Sportart keinen Abbruch, denn einzelne Spielzüge sind durchaus erkennbar. Die professionellen Schauspieler, allen voran Trainer Niklas (Uwe Bohm), haben hart trainiert, um Bewegungsabläufe im Rollstuhl so authentisch und flüssig wie möglich wirken zu lassen. Was gelungen ist. Die Rollstühle passten, waren qualitativ hochwertig, die Inhalte waren stimmig, die gespielten Bewegungsmuster passten zu den erwähnten Lebensgeschichten und Verletzungen (Motorradunfall etc.). Einige gute Kompensationstechniken (Aufheben eines Balls, Ein- und Aussteigen aus dem Sportrollstuhl, Ausladen des Rollstuhls aus dem Auto, Öffnen von Türen und vieles mehr), waren sehr realistisch gespielt. Es gab einige Szenen, wie das gegenseitige Umarmen in der Halle beim Gedenken an Maria oder die abschließende Spielszene, die ich emotional sehr berührend und insbesondere von den Laien wunderschön gespielt fand.

Der eher gemütliche Stubbe (Wolfgang Stumph), der nach einer gemeinsamen Zech-Einlage kaum noch geradeaus gehen kann und sich auf Trainer Niklas abstützt ("Man hilft, wenn einer an den Rollstuhl gefesselt ist") und am nächsten Morgen mit einem Seil an den Rollstuhl gefesselt aufwacht ("Was soll der Scheiß? Danke für die Belehrung") wird mir, obwohl ich die Serie früher nie geschaut habe, künftig fehlen. Sein Kollege Zimmermann (Lutz Mackensey) ist genauso herrlich auf dem falschen Dampfer und steif ("Mit Minderheiten lieber eine Spur zu korrekt") wie man ihn schon als Kriminalrat Iversen in alten Wiederholungen des Großstadtreviers schätzen gelernt hat. Uwe Bohm in der Rolle des Niklas wächst als eher arschiger Trainer in der Szene um seine potentielle Impotenz über sich hinaus ("Meinst du, dass ich keinen mehr hoch kriege?"), Jule Böwe spielt ihre Rolle (Judith) einfach hervorragend und auch Jana Reinermann (Maria) fand ich in ihrer Rolle (beliebt, erfolgreich, sexy, keck und mit Hamburger Dialekt) nur traumhaft.

Nicht ganz so professionell waren einige Kleinigkeiten, die mich aber eher zum Schmunzeln gebracht haben: Während in der Halle noch die Tote liegt und man draußen den Hausmeister Müll sammeln sieht, heißt es später, der Hausmeister sei vor dem Todeszeitpunkt nach Hause gegangen. In der Rechtsmedizin wirkt es für eine Sekunde lang so, als wenn die tote Maria grinst. Als David auf der Intensivstation liegt, spricht der Arzt draußen von "schweren Schlaftabletten", mit denen er versucht habe, sich umzubringen, was ich als Medizinstudentin mal vorsichtig belächeln möchte, ohne weiter darauf einzugehen. In einer Szene, als Stubbe auf einen Loyalitätskonflikt für das Davids Schweigen zu den Tatumständen kommt, hat seine Enkeltochter für einen Moment lang die Hosen nass. Und als Stubbe ganz am Ende in die Sporthalle geht, um nachzustellen, wie sich der Mord abgespielt haben könnte, spiegelt sich für einige Sekunden ein Beleuchtungskran und ein Lkw mit Filmequipment in der Fensterscheibe der Sporthallentür. Aber sowas sieht man vermutlich auch nur, wenn man sehr genau hinschaut. Schade war auch, dass der Abspann nicht vernünftig zu lesen war, weil bereits Werbung für den nächsten Film lief.

Meine Mitbewohnerinnen und Mitbewohner fanden den Film allesamt sehr gut gelungen. Ich habe viele positive Mails bekommen. Aus unserem Sportverein kamen auch überwiegend positive Rückmeldungen. Und, und damit möchte ich dann nun endlich abschließen: 8,57 Millionen Zuschauer schauten den letzten Stubbe (26,3 Prozent Marktanteil) und ließen die anderen Sender (5,43 Millionen Volksmusikfans auf ARD und 5,29 Millionen DSDS-Bohlen-Freunde auf RTL) weit zurück. Schön, dass ich für einen solchen Film inspirieren durfte.

Freitag, 17. Januar 2014

Mit 66 Alben

Okay, okay. Wenn es denn so interessiert, lege ich hier mal wieder einen Striptease hin. Peinlich wird es unter Garantie, denn ich habe auch schon Musikalben gekauft oder mir zum Geburtstag gewünscht, als ich noch nicht meinen heutigen Geschmack hatte. Und ich habe welche geschenkt bekommen (nein, keine Ausrede!), die ich nicht höre, die ich aber auch nicht weggebe. Aber zu alledem stehe ich.

Ich habe darüber hinaus noch sehr viele Klassiker als Single, meistens als mp3. Und, und deswegen ist die Liste nicht gerade repräsentativ für meinen aktuellen Musikgeschmack, die letzten Jahre kaufe ich meistens nur noch einzelne Songs als mp3.

Folgende 66 CD-Alben stehen in meinem Regal (und nee, die Hausdurchsuchung wird nur Originale finden) - ich hoffe, ich habe keins übersehen.

01 ABBA
02 Ace Of Base
03 Adele
04 A-Ha
05 Alanis Morissette
06 Amy MacDonald
07 Anastacia
08 Beatles, The
09 Belinda Carlisle
10 Beyoncé
11 Black Eyed Peas
12 Bon Jovi
13 Boney M
14 Bonnie Tyler
15 Bosse
16 Clueso
17 Cranberries, The
18 Crash Test Dummies
19 Cyndi Lauper
20 Die Ärzte
21 Dire Straits
22 Element Of Crime
23 Elton John
24 Evanescence
25 Fettes Brot
26 Genesis
27 Gisbert zu Knyphausen
28 Gossip
29 Heinz Rudolf Kunze
30 Herbert Grönemeyer
31 Ich + Ich
32 Jan Delay
33 Jennifer Rush
34 Joana Zimmer
35 Joe Cocker
36 Juliane Werding
37 Justin Timberlake
38 Klaus Lage
39 Laith Al-Deen
40 Lady GaGa
41 Linkin Park
42 Lotto King Karl
43 Madonna
44 Marit Larsen
45 Marius Müller-Westernhagen
46 Marteria
47 Michael Jackson
48 Mutabor
49 Peter Fox
50 Phil Collins
51 Pink
52 Pohlmann.
53 Rihanna
54 Rolf Zuckowski
55 Roxette
56 Sandra
57 Seeed
58 Silbermond
59 Simon & Garfunkel
60 Sixpence None The Richer
61 Söhne Mannheims
62 Timbaland
63 Tonbandgerät
64 Udo Lindenberg
65 Westernhagen
66 Wir sind Helden

Fehlt was? Achja, von dem einen oder anderen habe ich sogar mehr als ein Album. Achso, und wenn ich ganz ehrlich bin, stehen in zweiter Reihe auch noch welche von David Hasselhoff, Andy Borg und Matthias Reim. Ich weiß, das durfte jetzt nicht auch noch kommen. Andy Borgs "Adios Amor" fand ich als Kind mal ganz toll, das hatte meine Oma gerne im Auto gehört und mich damit angesteckt.

Und für David Hasselhoff und Matthias Reim schäme ich mich so sehr, dass ich immer froh bin, wenn das niemand findet. Nein, es ist keine dumme Ausrede: Ich habe beide Alben vor Jahren mal beim Schrott-Wichteln gewonnen.

Donnerstag, 16. Januar 2014

Laut und unbequem (Nachtrag)

Ich mache das selten, aber heute möchte ich einen Nachtrag zu meinem gestrigen Beitrag hinzufügen. Denn die Bundesregierung hat genau zu meiner gestrigen Frage, warum ihre Wahl auf Verena Bentele gefallen ist, Stellung bezogen. Sie führt aus:

"Frau Bentele verfügt als unmittelbar Betroffene [...] über eine entsprechende Lebenserfahrung. Sie hat es als Mensch mit einem Sehhandicap geschafft, Abitur zu machen und zu studieren, und sie hat zwölf paralympische Medaillen gewonnen. [...] Das ist hinreichend Beleg für ihre Qualifikation und auch für die Überzeugungskraft, die sie bei solch einer Aufgabe haben muss. [...] Es ist sehr selten, als vollständig blind geborener Mensch Abitur zu machen, ein Studium zu absolvieren und derart herausragende sportlerische Leistungen zu zeigen."

Schade, kann ich dazu nur sagen. Ich hätte erwartet, dass unsere Bundesregierung schon einen Schritt weiter ist. Aber dann gebe ich meinen Mitmenschen die Zeit, die sie brauchen. Ich hoffe, dass Verena Bentele es schafft, andere davon zu überzeugen, dass sie eben nicht deshalb außergewöhnlich ist, weil sie als blinder Mensch ein herausragendes Abitur, ein bestechend abgeschlossenes Studium und eine einmalige sportliche Karriere hingelegt hat; sondern weil ihr einmaliger Lebensweg einen Menschen geformt hat, der weiß, wie man andere Menschen bewegt und Menschen mit Behinderung davon überzeugen kann, dass es sich lohnt, weiterhin für ein gleichberechtigtes Miteinander und damit gegen jede Behinderung zu kämpfen. Ich wünsche ihr dafür viel Kraft und drücke ihr meine Daumen.

Auch meine Frage, ob Verena Bentele künftig überhaupt vor dem Parlament sprechen darf, weil sie eben kein Mandat hat, ist aufgegriffen worden: Diese Frage werde derzeit noch geprüft. Und noch etwas: Anders als bisher angenommen, soll die Tätigkeit nicht im Ehrenamt, sondern mit einem regulären Arbeitsvertrag ausgeführt werden, was ich mit Blick auf die Bedeutung der Tätigkeit sehr begrüße. Bleibt nur zu hoffen, und das meine ich ehrlich und ohne jeden Unterton, dass Frau Bentele für ihre Tätigkeit keine persönliche Assistenz benötigt (die ihr zum Beispiel was vorliest), denn sonst bleibt ihr -als Mensch mit Behinderung- von diesem Gehalt nicht viel mehr als der Sozialhilfesatz übrig.

Mittwoch, 15. Januar 2014

Laut und unbequem

Das Bundeskabinett hat heute beschlossen, die blinde frühere Biathletin und Skilangläuferin Verena Bentele (31) zur neuen Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen zu bestellen. Die Amtszeit ist an die Wahlperiode des Bundestages gebunden. Der bisherige Inhaber des Ehrenamts, Hubert Hüppe, scheidet turnusmäßig nach vier Jahren aus.

Ich muss vorweg nehmen, dass ich Verena Bentele überhaupt nicht kenne. Ihr Name ist mir als Sportlerin mit Behinderung selbstverständlich ein Begriff, aber ich habe sie bislang weder live gesehen noch hatte ich irgendwelche persönlichen Schnittpunkte mit ihr, ihrem Sport oder ihrem Beruf. Entsprechend habe ich ein völlig neutrales Bild von ihr. Oder salopp gesagt: Ich finde sie weder gut noch schlecht. Ich würde sie durchaus gerne mal kennen lernen.

Ich habe die Zeitungsmeldung über ihre Bestellung als Behindertenbeauftragte heute mit großem Erstaunen zur Kenntnis genommen. Aus zwei Gründen: Erstens bin ich bisher immer davon ausgegangen, dass dieses Amt ein hohes Maß an Verständnis für behindertenpolitische Fragestellungen erfordert. Ich möchte, und das möchte ich ganz deutlich zum Ausdruck bringen, Verena Bentele dieses Verständnis nicht absprechen. Aber eben auch nicht zusprechen. Zumindest nicht nach dem, was ich bisher gelesen habe.

Nämlich nichts. Vielleicht habe ich bisher nur auf den falschen Seiten gesucht, aber ich habe nirgendwo etwas darüber gefunden, welche Ansichten sie überhaupt vertritt. Wie sie sich zu vielen aktuellen und brennenden Themen positioniert. Wo bei ihr die politische Korrektheit aufhört und wo ihre persönlichen Ambitionen beginnen, auf die Politik Einfluss nehmen zu wollen.

Und da wären wir auch beim zweiten Punkt: Einfluss nehmen. Hubert Hüppe war wegen seines CDU-Mandats Mitglied des Bundestages, hatte also konkrete Rede- und Antragsrechte. Er wusste, wie Politik funktioniert, denn er hat Verwaltungsrecht studiert, ist seit 40 Jahren politisch aktiv, davon seit rund 20 Jahren im Deutschen Bundestag. Er hatte verschiedene Spitzenämter in der Politik inne, bevor er Behindertenbeauftragter wurde. Er hat selbst ein Kind mit angeborener Querschnittlähmung.

Verena Bentele ist selbst aufgrund einer Erbkrankheit blind und hat diverse Medaillen bei den Paralympischen Spielen (1998 bis 2010) abgeräumt. Sie ist Botschafterin verschiedener Blindenprojekte. Ihre politische Karriere begann 2012 mit dem Eintritt in die SPD. Sie soll nun die Gesetzgebung auf Bundesebene und all jene Vorhaben, die mit Menschen mit Behinderung zu tun haben, begleiten. So sei sichergestellt, dass die Interessen behinderter Menschen angemessen vertreten werden.

Tatsächlich? Werden die Menschen mit Behinderung so angemessen politisch vertreten? Ich befürchte nämlich, dass bei der Auswahl von Verena Bentele ihr Ansehen und ihr Name in der Öffentlichkeit als ehemalige Leistungssportlerin mit Behinderung zu großen Ausschlag gegeben haben. Ich befürchte, man wollte eine salonfähige bewundernswerte Frau "zum Vorzeigen", die einerseits innerhalb "ihrer" Behindertenszene den Weg der großen Koalition vertritt, andererseits als politisches Gewissen für nicht ganz so soziale Entscheidungen dient. Diese Angst drängt sich mir, und leider nicht nur mir, sondern auch vielen Menschen, mit denen ich heute über das Thema gesprochen habe, aus einem Bauchgefühl heraus auf. Und nochmal: Ich freue mich, wenn sich diese Angst nicht bestätigt.

Ich finde es gut, dass die Behindertenbeauftragte selbst eine Behinderung hat. Ich finde ihr "Ja" zu diesem Amt sehr mutig und ich bitte sie, sich mit den vielen anderen Menschen mit Behinderung eng zu verknüpfen, sich viele Verbündete zu suchen, deren Sorgen und Wünsche in die Politik einzubringen und vor allem mit den Menschen zu diskutieren, um ihre Meinungen zu erfahren. Ich wünsche mir, dass sie sich nicht verheizen lässt, sondern an den richtigen Stellen auch richtig laut und unbequem kämpfen wird, und bei den vielen brennenden Fragen, die sich die Politik stellen muss, in die richtige Richtung lenken kann. Ich wünsche ihr einen guten Start.

Haschitägs

Wenn ich jetzt plötzlich #Haschitägs in meine #Texte einbaue, könnte es daran #liegen, dass ich seit gestern einen #Twitteraccount habe. Wenn ich mich verfolgt fühle, könnte es daran liegen, dass meine dort verbreiteten #Kurznachrichten innerhalb von 24 Stunden mehr als 125 Personen abonniert haben. Ich wäre, als ich das Getümmel nach der Uni kurz vor dem Schwimmen sah, beinahe aus dem Stuhl gekippt. Damit hatte ich ernsthaft nicht gerechnet. Ich sollte aufpassen, dass ich nicht noch zur Onychophagin mutiere.

Nein, ernsthaft: Gestern gab es in meinem Blog rund 4.700 Seitenaufrufe. Daran bin ich inzwischen aber gewöhnt, das macht mir kein Lampenfieber. Aber die Vorstellung, dass über 100 Leute meine Kurznachrichten mitlesen wollen, macht mich gerade ein wenig nervös. Okay, in fünf Jahren vielleicht auch nicht mehr. Falls ich überhaupt so lange #durchhalte.

Durchhaltevermögen war heute allerdings schon beim Schwimmtraining gefragt. Tatjana, unsere Trainerin, hatte derart schlechte Laune und sich so derbe über einige alberne Kolleginnen aus meinem Team aufgeregt, dass sich unser Pensum mal eben auf 5 Kilometer erhöht hat. Wir haben leider nur kurze Bahnen, insofern war das völlig überfüllte Becken wesentlich nerviger als das Zählen bis 200.

Auf dem Rückweg meinte dann noch jemand, in der U-Bahn die Notbremse ziehen zu müssen, so dass ich den letzten Anschlussbus auch noch verpasst habe und mir ein Taxi rufen musste. "War dein Rollstuhl ein Unfall?", wollte der Taxifahrer von mir wissen. - "Och komm", antwortete ich, "soooo schlecht sieht er auch nicht aus, oder?"

"Deinen Humor hast du wenigstens behalten", meinte er. Ich gab noch einmal raus: "Nee, durch das Ding erst entwickelt. Du glaubst gar nicht, wie oft man auf lustige Fragen antworten muss." - "Doch, das kann ich mir vorstellen. Für viele Leute ist jemand im Rollstuhl bestimmt ungewohnt. Für mich nicht, ich wäre beinahe selbst ..."

Ich grätschte dazwischen: "... beinahe selbst schon einmal in so einem Ding gelandet?" - Er stockte, überlegte einen Moment und fragte dann: "Sind wir schonmal zusammen gefahren?" - "Vielleicht?!", zwinkerte ich ihm zu. Er wurde rot, kratzte sich ein paar Mal an der Nase und sagte dann: "Ich erinnere mich nicht mehr. Aber das kann an meinem Beruf liegen, da erlebt man so viel..."

Nach zwei leckeren Scheiben Brot und einem letzten Blick in das Nebelwetter da draußen werde ich nun mit meinem superflauschigen Schlafanzug ins Bett gehen und mich von dem Wellengang in meinem Vestibularorgan in den Schlaf schaukeln lassen.

Dienstag, 14. Januar 2014

Stubbe kommt!

Zum letzten Mal wird Stubbe (Wolfgang Stumph) am kommenden Samstag um 20.15 Uhr mit einer neuen Folge im ZDF zu sehen sein. Es ist Stubbes letzter Fall. Im "Mordfall Maria", der in der Rollstuhlsport-Szene spielt, stirbt eine junge Medizinstudentin. Der Hauptkommissar taucht ein in eine ihm unbekannte Welt. Er steht außerdem vor einer schweren Entscheidung: Bleibt er nach seiner Pensionierung in Hamburg oder geht er nach Dresden zurück?

Der Autor Peter Kahane hat sich beim Schreiben des Drehbuchs unter anderem von meinem Leben und aus meinem Blog inspirieren lassen. Auch wenn ich kein Basketball spiele, die eine oder andere Parallele ist sehr offensichtlich und ich freue mich, dass ich inspiriert habe und vor allem inspirieren durfte. Ich habe den Film noch nicht gesehen und bin sehr gespannt.


Auf dem Bild oben: Wilfried Stubbe (Wolfgang Stumph) befragt die Rollstuhlsportlerin Judith (Jule Böwe).


Auf dem Bild oben: Trainer Niklas (Uwe Bohm) streitet mit der später ermordeten Maria (Jana Reinermann).

Montag, 13. Januar 2014

Sockengezwitscher

Nach fünf Jahren und über 700 Blog-Beiträgen versucht die Socke sich auch mal im Zwitschern. Nein, bisher steht da noch nicht viel. Und ja, es kann sein, dass ich das nach drei Monaten wieder sein lasse, weil es mir nicht gefällt. Aber bis dahin gilt erstmal:


Folgst du mir?

Zu verschenken

Ich mache noch etwas völlig ungewöhnliches: Ich verschenke was.

Ja, richtig gelesen. Ein Mitbewohner ist zum 30.09. ausgezogen und hat uns mehrere Kartons Klebewindeln hinterlassen. In einer Größe (L), die niemandem von uns passt, der sie gebrauchen könnte. Es handelt sich um ein Markenprodukt und nein, es ist kein Krankenkassen-Eigentum. Der Kollege war privat über die Eltern versichert und hatte diese Kartons im Rahmen seiner Selbstbeteiligung komplett selbst bezahlt. Er möchte sie nicht mehr haben, das Nachsenden wäre teurer als der Sachwert, meint er. Wir sollten sie vernichten. Ich glaube, ich spinne!

Wer sie haben möchte, darf sie abholen. Geschenkt, originalverpacktes Markenprodukt in höchster Saugstärke. Standort: In einem Ladengeschäft im Osten Hamburgs. Für die genaue Adresse bitte einen Kommentar mit Antwort-Mailadresse hinterlassen. Wer zuerst kommt, bekommt den Kram. Wollen gleich mehrere, bekommt jede(r) einen oder zwei Kartons. Achso, der Rechtsweg ist ausgeschlossen und nein, ich bin nicht da nicht vor Ort...

Jetzt bin ich aber mal gespannt!

Master des Autogenen Trainings

Der heutige Morgen begann mit einem Fanfarenkonzert vor der Tür. Im Nachbarhaus hatte jemand den Notarzt gerufen. Was genau da los war, weiß ich nicht, interessiert mich auch nicht. Peinlich wurde es nur, als ein Fahrdienst, der jemanden aus unserer WG (mit Elektrorollstuhl) zum Arzt fahren wollte, sein Auto so beknackt geparkt hatte, dass der Rettungswagen nicht vom Parkplatz kam. Zum Glück hat sich das schnell geklärt und wir haben mit dem Fahrdienst auch nichts weiter zu tun. Lange nicht so fremdgeschämt wie bei der Aktion. Wie kann man nur einen Rettungswagen, der mit offener Tür und blinkenden Lampen irgendwo steht, zuparken?

Als wir anschließend beim Frühstück darüber sprachen, wurde ich auf einen Zeitungsartikel aufmerksam gemacht, der eine ähnliche Aktion in Hamburg beschreibt. Da parkte vor einiger Zeit ein Rettungswagen auf einem Behindertenparkplatz. Der eigentliche Parkplatznutzer war gerade unterwegs und kam zurück, war über die Fehlbelegung seines Platzes so erbost, dass er den Rettungswagen zuparkte und auch auf Klingeln keine Anstalten machte, dort wegzufahren. Der Patient befand sich unterdessen in einem lebensbedrohlichen Zustand, konnte aber nicht abtransportiert werden. Nach einer Fensterdiskussion quer durch die Straße riefen die Sanitäter die Polizei hinzu, die dann wohl kurzen Prozess machte.

Inzwischen wurde der Beschuldigte verurteilt. Zu 120 Tagessätzen, insgesamt 3.600 € Geldstrafe. Strafmildernd war berücksichtigt worden, dass er an dem Tag seine Frau ins Pflegeheim eingeliefert hatte und damit in einer Ausnahmesituation war. Eigentlich gehörte der Behindertenparkplatz übrigens seiner Frau... Strafverschärfend kam hinzu, dass er kurz zuvor schon einem Parkplatzwächter beim Hamburger DOM (Volksfest) ein paar Mal gegen das Schienbein gefahren war, weil der ihn nicht auf einen überfüllten Parkplatz lassen wollte.

Ich maße mir keine Befähigung zum Richteramt an. Ich weiß aber, dass er bei mir seinen Lappen abgegeben hätte, und zwar mindestens bis er einen Master im Autogenen Training vorlegen kann.

Sonntag, 12. Januar 2014

Mobbing wie aus dem Buch

Das war ein Wochenende, das so schnell nicht wiederholt werden muss. Begonnen hatte der Samstag sehr nett mit langem Ausschlafen und abendlichem Kinobesuch. Wir waren mit Nadine, Marie, Cathleen und mir, also vier Rollstuhlfahrerinnen vom Sport, dort und haben uns "Fack Ju Göhte" reingezogen. Naja, die Feuerzangenbowle hatte mehr Niveau, ist aber nicht so modern und hatte einen anderen Humor. Vergleichen kann man die beiden Filme nicht, trotzdem finde ich, man sollte beide gesehen haben. Die Ideen sind schon nicht schlecht und es werden, was mir ja immer recht gut gefällt, mal wieder jede Menge Klischees bedient.

Anschließend waren wir in der Sternschanze noch etwas essen. Wir sind keiner Demo begegnet und auch nicht verkloppt worden. Dafür aber auf der Straße dem Pärchen, das Marie am 2. Weihnachtstag rausgeworfen hatte, begegnet. Es begann damit, dass der Sprücheklopfer sich bei Marie entschuldigte. Ich muss das nicht lange ausführen, er hat sich von seinem damaligen Verhalten distanziert und Marie hat ihm verziehen. Mir steht es nicht zu, darüber zu urteilen, das ist Maries Ding. Ich habe mir entsprechend keine Gedanken gemacht, wie ich mich verhalten hätte.

Die beiden schlossen sich uns an, setzten sich mit uns an den Tisch und waren zunächst mal ganz nett. Leider blieb das nicht lange so: Keine halbe Stunde war vergangen, da gab es bereits wieder die ersten Sprüche über den Hut eines Gastes, über die Beine der Bedienung, über potentielle Geschmacksverstärker und billige Fette im Essen. "In der Küche arbeiten nur Schwarzarbeiter mit ungewaschenen Händen, die regelmäßig ins Essen spucken." - Ich hatte keine Lust, mich schon wieder zu streiten, deshalb habe ich meine Klappe gehalten. Marie und ich waren uns aber bereits einig, dass das vorerst das letzte Mal gewesen ist, dass wir etwas mit den beiden zusammen unternommen haben. Wir verabschiedeten uns und machten uns auf den Weg nach Hause.

Auf dem Rückweg standen wir mit vier Leuten in der S-Bahn. Während Marie und Nadine in eine Richtung fuhren, fuhren Cathleen und ich mit dem Paar in die andere. Er habe sein Auto am Bahnhof stehen, meinte er. Er hoffe, dass sein Auto noch kratzerfrei dort stünde, denn er habe vorhin einen anderen Wagen eingeparkt, der verbotenerweise auf dem Behindertenparkplatz stand. Ich hatte keine Lust, das zu kommentieren. Einen Moment später kamen mehrere Fahrkartenkontrolleure in den Wagen. Ich kramte meinen Ausweis raus, Cathleen ebenfalls, seine Freundin hatte ihren Ausweis vergessen und er meinte plötzlich, er fahre als Begleitperson bei mir mit.

Daraufhin sagte der Kontrolleur: "Junger Mann, das geht nicht. Sie können als jemand, der selbst eine Begleitperson frei mitnehmen kann, nicht selbst Begleitperson sein." - Dann gab es eine Diskussion, die von dem Kontrolleur sehr sachlich, von unserem Schwarzfahrer beleidigend geführt wurde. "Wieviele Ausbildungen muss man abgebrochen haben, um Fahrausweise kontrollieren zu dürfen?"

Als erstes wollten sie meine Personalien haben. Da habe ich nur mit dem Kopf geschüttelt: "Ich sehe keinen Grund. Ich habe einen gültigen Fahrausweis, mehr muss ich Ihnen nicht zeigen." - "Naja, Sie leisten Beihilfe zu einem Leistungsmissbrauch." - "Durch meine Anwesenheit? Das ist nicht Ihr Ernst. Ich habe nicht gesagt, dass er meine Begleitperson ist." - "Ist er es denn nicht?" - "Nein." - "Tja, was nun? Ihre Freundin hat Sie hängen gelassen. Das kann ich gut verstehen, auch ohne abgebrochene Ausbildung." - "Ich bin nicht die Freundin, wir kennen uns nur vom Sehen." - "Du bist ein dummes Arschgesicht. Komm du mir nochmal in meine Nähe."

Die beiden Schwarzfahrer mussten aussteigen, Cathleen und ich fuhren weiter. Als wir ausstiegen, trafen wir auf eine Horde Fußgänger, die wir ebenfalls vom Training kennen. Sie wollten in eine Cocktailbar und haben uns spontan eingeladen. "Warum eigentlich nicht?", fragte ich Cathleen. Cathleen klatschte begeistert in die Hände und krähte lachend: "Cathleen und Jule gehen mit einer Horde heißer Typen Cocktails trinken!" - Na das konnte ja heiter werden...

Während wir darauf warteten, dass sich ein Teil der Gruppe von einer nahe gelegenen Tankstelle noch etwas zum Vorglühen kaufte, sahen wir aus einiger Entfernung die beiden Schwarzfahrer aus der nächsten Bahn aussteigen. Zum Glück achteten die anderen nicht darauf, denn dass die beiden sich nun auch noch anschlossen, darauf hatte ich so gar keine Lust. Die beiden verschwanden in Richtung Parkplatz, dann gingen wir schonmal vor zur Bahn. In 12 Minuten sollte sie kommen, die Tankstellen-Plünderer bekamen eine SMS, sich zu beeilen, und als der Zug einfuhr, kamen sie die Treppe heraufgestürmt. In der Bahn sagten sie dann zu uns: "Wir haben eben eure beiden Kollegen vom Rollisport getroffen. Denen haben sie das Auto abgeschleppt. Jedenfalls ist es nicht mehr da. Er hat geschimpft wie ein Rohrspatz, weil die Polizei wohl seinen Ausweis im Auto übersehen hat."

Ich antwortete: "Oder er hat jemanden zugeparkt." - "Meinst du? Das glaube ich nicht. Jenachdem, wie schnell sie ihr Auto wiederkriegen, kommen sie eventuell noch nach."

Ich bekam eine SMS von Marie, die wissen wollte, ob wir gut nach Hause gekommen seien. Ich antwortete ihr: "Wir haben es uns gerade anders überlegt und gehen spontan noch ein paar Cocktails trinken. Wir wollen ins ..." - Dann war mein Akku leer, allerdings war Cathleen noch erreichbar. Falls Marie also auch noch nachkommen wollte, wüsste sie ja den Ort und würde es wohl irgendwann bei Cathleen probieren, wenn sie merkt, dass ich nicht mehr antworte beziehungsweise nicht mehr ans Handy gehe.

Die erste halbe Stunde in der Bar war sehr lustig. Ich habe mir erstmal keine alkoholischen Cocktails bestellt, denn das Angebot an alkoholfreien Cocktails war zur Happy Hour verlockender und ich bin auch kein Promillefan. Die Jungs waren allesamt sehr nett, da das Klo im Keller war, trugen sie uns zwischendurch mal nach unten. Sie waren interessiert, wir quatschten viel, es wurde gerade richtig schön, als die beiden Nervensägen auftauchten. Ja, man habe ihm das Auto abgeschleppt, sagte die Polizei, es koste um die 280 € für 24 Stunden. Da er getrunken habe, könne er sein Auto nicht selbst abholen. "Die Bullen haben schon gleich gefragt, ob ich getrunken habe. Ich habe dann gesagt, dann gehe ich eben noch ein wenig feiern und hole das Auto morgen. Ich will an einem Abend ja nicht nur dumme Arschgesichter sehen", grinste er mich blöde an. Ich grinste blöde zurück und setzte mich an einen anderen Tisch.

An dieser Stelle muss ich mich entscheiden. Entweder einen Cliffhanger oder einen Schnitt. Ene mene muh ... Schnitt.

Ich war wieder zu Hause, steckte mein Ladekabel ins Handy und bekam mehrere SMS von Marie, drei oder vier Anrufversuche, eine SMS von Maries Mutter. Marie wollte wissen, ob wir zu viert los sind, obwohl die sich so benommen haben. Und eine Stunde später meinte sie: "Das hast du nicht gerade wirklich zu Cathleen gesagt, oder? Bitte sag, dass das nicht stimmt." - "Warum meldest du dich nicht? Bitte ruf mich an. Jetzt sofort. Ich liege hier und heul mir die Seele aus dem Leib." - Die nächste SMS kam von ihrer Mutter, noch eine Stunde später: "Jule, hör mal, Marie geht es schlecht. Ich weiß nicht, was bei Euch los ist, es geht mich auch nichts an. Ich möchte mich in Euren Streit auch nicht einmischen, was Inhalte angeht. Aber entweder Cathleen oder Du, eine von Euch verhält sich gerade extrem widerlich und ich lege Dir als in mein Herz geschlossenen Menschen sehr nahe, Dich schnellstmöglich klar zu positionieren. Am besten wirst Du vorher nüchtern." - Geschrieben vor einer Stunde, gegen 2.20 Uhr. Ich konnte da jetzt unmöglich anrufen.

Ich rollte zu Cathleen. Sie war schon fast im Bett. Ich zeigte ihr mein Handy und fragte: "Darf ich die SMS sehen, die du an Marie geschrieben hast, während wir in der Cocktailbar waren?" - "Ich habe keine SMS geschrieben." - "Sie bezieht sich auf irgendeine Nachricht und ich möchte wissen, was du da gemacht hast." - "Ich habe keine Nachricht geschrieben!" - "Darf ich dein Handy sehen?" - "Glaubst du mir nicht?" - "Doch. Aber ich glaube Marie auch. Und beides passt nicht zusammen. Und da wäre es am einfachsten, das hier an Ort und Stelle zu klären. Du hast mein Handy auch in der Hand."

Die letzte Nachricht, die Cathleen an Marie geschickt hatte, war tatsächlich: "Wir gehen schon rein!" - Das war vor der Kinovorstellung. Ich fragte sie: "Hattest du dein Handy die ganze Zeit in der Hand?" - "In der Tasche, auf dem Schoß oder in der Hand, außerdem kann man das nur mit Passwort entsperren. Da war kein anderer dran, falls du das meinst, auch nicht, als ich auf Klo war. Ich weiß wirklich nicht, was Marie da gelesen haben will."

Da in dem einen Cocktail Alkohol war, rief ich mir ein Taxi und ließ mich zu Marie bringen. In ihrem Zimmer brannte Licht. Es war wenige Minuten nach vier. Ich schrieb ihr eine SMS: "Ich stehe vor deiner Tür. Ich bin nüchtern und ich habe nichts gemacht. Lediglich mein Akku war leer. Ich weiß nicht, was da schreckliches passiert ist, ich kann mir nicht erklären, was bei dir los ist. Bitte lass mich zu dir."

Zwei Minuten später ging die Tür auf. Marie sah schrecklich aus. Völlig verheult, blass. Ich wollte sie umarmen, aber sie rollte zurück. "Erst möchte ich wissen, was los ist, vorher fasst du mich nicht mehr an."

Ich mache noch einen Schnitt. Auch Maries Mutter war wach, kochte uns einen warmen Kakao und setzte sich zu uns in die Küche. Ich las mit Schrecken zwei Mails von Cathleen, in denen sie schrieb, dass ich in der Bar voll über Marie ablästern würde und froh sei, dass Marie nicht dabei wäre. Ob Marie nicht gewusst habe, dass schon während des Essens geplant war, dass wir hinterher mit den beiden noch Cocktails trinken. Ich hätte gesagt, Marie sei zu dumm dazu, sowas zu merken. Und dass Cathleen glaube, der unmögliche Typ wolle was von mir und riskiert für mich die Beziehung zu seiner Freundin. Wir würden unter dem Tisch fummeln und seine Freundin säße daneben. Cathleen hoffe, dass das nur der Alkohol ist, der mich gerade so verändert. Ich hätte außerdem gesagt, ich wäre mit Marie nur befreundet, weil Marie ein Dummchen sei und nicht merke, wenn man sie ausnutzt. Also ein liebenswertes Dummchen. Cathleen fühle sich verpflichtet, Marie das zu erzählen.

Mir rollten die Tränen über die Wangen. Ich konnte vor Fassungslosigkeit kaum einen klaren Gedanken fassen. Mein Herz raste, mein Kopf fühlte sich an, als würde er jeden Moment wie eine überreife Melone platzen. Cathleens Mails habe ich mir auf ihrem Handy nicht anzeigen lassen. Sollte sie wirklich so dreist sein und mir die SMS präsentieren, während sie per Mail so einen Mist schrieb? Das war wirklich nur schwer zu glauben. Außerdem war es völlig unüblich, dass Cathleen Mails schrieb.

"Warum hast du Cathleen denn nicht angerufen und nach mir verlangt, als du bei mir nicht durchkamst?", fragte ich sie. Sie zuckte mit den Schultern. "Ich habe gedacht, du wirst Gründe haben, wenn du dein Handy ausschaltest. Und ich habe gehofft, dass das alles nicht stimmt und Cathleen lügt."

Ich kann nicht beweisen, wer, aber irgendwer hat sich, während wir in der Bar saßen, ein Mailkonto bei einem kostenlosen Anbieter völlig neu auf Cathleens Namen eingerichtet und von dort Mails verschickt. Als ich nämlich auf "Eigenschaften" klickte, wurde mir eine völlig unbekannte Mailadresse angezeigt. In der Vorschau war natürlich Cathleens richtiger Name. Da hat sich also jemand tatsächlich die Mühe gemacht, sich eine falsche Mailadresse einzurichten, um Marie und mich zu mobben. Jemand, der wusste, dass wir vorher zusammen essen waren und der auch wusste, dass mein Handyakku leer war. Ich habe zwar (noch) keine Beweise dafür, aber für mich ist klar, wer dahinter steckt. Ich fragte: "Was hätte der gemacht, wenn du da plötzlich aufgetaucht wärest, um mir ein paar in die Fresse zu hauen? Oder wenn du Cathleen auf dem Handy angerufen hättest?" - "Bezahlt und schonmal nach Hause gefahren", sagte Maries Mutter. Das ist Mobbing wie es im Buche steht. Ich denke, da werden wir uns mal anwaltlich beraten lassen."

Marie konnte nicht oft genug hören, wie lieb ich sie habe. Ich habe ihr eingebläut, dass sie nie wieder so etwas glauben soll, bevor sie es nicht aus meinem Mund live hört. Ich habe, ich finde auch zurecht, ein wenig sauer darauf reagiert, dass sie das überhaupt für möglich gehalten hat. Aber ich muss gestehen, ich weiß nicht, wie ich selbst reagiert hätte. Vermutlich wäre ich tatsächlich vorbei gefahren und hätte sie zur Rede gestellt.

Marie nahm gegen ihren Dröhschädel eine Kopfschmerztablette. "Bitte schlaf heute nacht bei mir", bat sie mich. Als wir endlich beide im Bett lagen, nahm sie mich in den Arm, drückte mich ganz fest an sich heran und wollte mich nicht mehr loslassen. Als ich ihr den Kopf gestreichelt habe, fing sie wieder an zu weinen. Kurz danach wurde ich darauf aufmerksam, dass ich mein Handy noch nicht lautlos gestellt hatte. Cathleen wollte wissen: "Was ist denn nun mit Marie??? Geht es ihr gut? Ich mache mir Sorgen!" - So eine Aufregung brauche ich nicht noch einmal.

Freitag, 10. Januar 2014

Der Tatortreiniger

Was für ein genialer Schwachsinn! Nachdem ich heute morgen fast aus dem Schnellbus geflogen wäre, weil der Busfahrer meinte, er dürfe mich nicht mitnehmen, weil ich mich in meinem Rollstuhl nicht anschnallen könnte (wohl gemerkt: Es ging nicht darum, den Rollstuhl zu befestigen, sondern mich an einem nicht mal zehn Kilogramm schweren Fahrzeug festzubinden), räumte Schotty heute abend mit allen Vorurteilen rund um Rollstuhlfahrer auf.

Ich wusste nicht, dass es sich beim Tatort-Reiniger um eine Comedy-Sendung handelt, ich dachte, das wäre irgendein Schweinkram, den ich mir ganz bestimmt nicht im Fernsehen ansehen will. Als mir diese Wissenslücke aber mit einer heißen Empfehlung geschlossen wurde, war es umso spannender. Der spleenige und im Umgang mit behinderten Menschen reichlich verkrampfte und völlig pragmatisch denkende Schotty kommt als Tatortreiniger in der Wohnung einer ebenfalls spleenigen Rollstuhlfahrerin an, die als bekennende Veganerin versucht, die Welt zu verändern. Ich kenne bisher nur diese eine Folge, "Fleischfresser" heißt sie, und ich muss sagen: Selten so gelacht. Wir haben uns fast auf der Erde gekugelt.

Die Folge ist derzeit noch in der Mediathek des NDR zu finden.

Mittwoch, 8. Januar 2014

Buckelnder Amtsschimmel

Cathleen braucht einen neuen Rollstuhl. Das kommt bei Menschen im Rollstuhl hin und wieder vor. Bei jungen Menschen häufiger, wenn sie nämlich rauswachsen, bei älteren Menschen nicht mehr so häufig. Der, den Cathleen fährt, ist fünf Jahre alt. Als sie ihn bekommen hatte, war sie Jugendliche, gerade ausgewachsen. Inzwischen müsste er für mehrere tausend Euro repariert werden, die teuersten Punkte wären eine neue Sitzbespannung (die alte ist eingerissen und löst sich auf) und ein Rahmen (der alte ist weich und verzieht sich immer mehr, knarzt und knackt bei jeder Bewegung). Die Räder müssten auch neu eingespeicht werden, verschiedene Lager sind schwergängig, knacken - das Ding ist einfach fertig. Die Krankenkasse hat eine Reparatur abgelehnt, da "die Reparaturkosten den Zeitwert des Stuhls vielfach überschreiten und eine nachhalte Wiederherstellung des Stuhls trotz umfangreicher Reparaturarbeiten nicht sichergestellt werden" würde.

Daraufhin musste Cathleen eine Stellungnahme ihrer Hausärztin (Maries Mutter) einreichen, dass sie noch immer auf einen Rollstuhl angewiesen ist... Die tippte sich nur an die Stirn. Als das Rezept vorlag, wurde sie vom Medizinischen Dienst eingeladen, der zu der Frage Stellung nehmen sollte, ob sie alleine fährt oder geschoben wird. Das war Anfang Oktober mit einem Gutachten abgeschlossen. Der Gutachter, in dem Fall ein Orthopäde, empfahl eine besonders hochwertige Versorgung, um Cathleens Mobilität, Selbstständigkeit und Unabhängigkeit von Pflege bestmöglich zu unterstützen und, mit Blick auf das langjährige dauernde Sitzen, Fehlhaltungen vorzubeugen. Außerdem müsse ausreichend dem Wundsitzen vorgebeugt und ausreichend auf ihre von den Standardmaßen abweichende Körpergröße (unter 150 cm) eingangen werden. Mit Blick auf Cathleens Körpergröße schrieb er vorsorglich: "Die Versorgung mit einem Kinderrollstuhl ist bei einer erwachsenen Frau nicht angemessen."

Ein befreundetes Sanitätshaus erstellte daraufhin einen Kostenvoranschlag über einen fest verschweißten Aktivstuhl nach Maß im Sonderbau plus Anti-Dekubitus-Sitzkissen im Gesamtwert von rund 4.900 € und schickte diesen, ebenfalls Anfang Oktober, an die Krankenkasse. Davon genehmigte die Krankenkasse am 20. Dezember insgesamt 1.800 € für den Stuhl und 360 € für das Sitzkissen. Eigenanteil für eine mittellose Schülerin: 2.700 € für den Stuhl und 150 € für das Sitzkissen. Plus 2 x 10 € Zuzahlung, denn Rollstuhl und Sitzkissen sind jeweils ein Hilfsmittel, zu dem die gesetzliche Zuzahlung zu leisten wäre. Cathleen könnte nicht mal die 150 € für das Sitzkissen bezahlen. Der Genehmigungsbescheid kam Montag bei Cathleen an.

Heute nun waren Cathleen und ich bei Maries Mutter und haben was fürs Leben gelernt. "Bitte wählen Sie mal diese Nummer und stellen durch", sagte sie zu ihrer Mitarbeiterin. - "Warum wählst du nicht selbst?", fragte ich sie. - "Psychologischer Trick. Der Sachbearbeiter hat in aller Regel kein Vorzimmer, sondern muss selbst wählen, damit ist die Rangordnung von vornherein abgesteckt. Ich bin zwar kein Fan von solchen Manövern, aber wenn in einer Behörde der Amtsschimmel schon buckelt, kann meine Verstärkung ihn ruhig schonmal ans Halfter legen."

Das Telefon läutete. Es ginge um ihre Patientin Cathleen, da liege ihr jetzt die Entscheidung über den Rollstuhl auf dem Tisch und da sei irgendwas in den Sieben der Bürokratie hängen geblieben. Sie habe gerade so gar keine Zeit für irgendeine Paragrafenreiterei und die Patientin könne jetzt nicht auch noch ein weiteres Vierteljahr auf die nächste Entscheidung warten, daher möchte sie gerne von ihm als Fachmann wissen, wie "wir die Patientin resourcenschonend zu einer angemessenen Versorgung" bekämen. Die Antwort war denkbar einfach: Sie müsse nur das verordnen, was der Gutachter in sein Gutachten geschrieben hätte. Also einen fest verschweißten Aktivrollstuhl nach Maß im Sonderbau unter Berücksichtigung der besonderen ergonomischen Verhältnisse. Wenn sie eine solche Verordnung vorab faxe, mache er noch heute die Bewilligung fertig.

Dienstag, 7. Januar 2014

Julius wird skaten

Anfang Oktober letzten Jahres habe ich etwas gemacht, was ich sonst eher nicht mache: Auf Julius aufmerksam gemacht, der Geld für einen speziellen Skate-Rollstuhl sammelte. Innerhalb weniger Stunden waren damals die benötigten rund 1.600 € zusammen gekommen.

Seitdem ist der Flitzer bestellt, Anfang letzter Woche gab es eine neue Nachricht: Der Stuhl ist fertig gebaut und wird nun zu ihm nach Hause geschickt. In etwa zwei Wochen wird er den neuen Stuhl in der Halfpipe ausprobieren können. Bis dahin kann er sich nur jeden Abend vor dem Einschlafen die Bilder ansehen, die er mir stolz geschickt hat. Sieht echt heiß aus, das Teil.



Ich hoffe, wir werden den Flitzer dann noch einmal im Einsatz sehen.

Montag, 6. Januar 2014

Sie haben nur noch genervt

Lange ist sie schon nicht mehr zum Training gekommen. Von einem Tag auf den anderen fehlte sie. Niemand wusste, warum. Eine über diese oberflächliche sportkameradschaftliche Bindung hinaus gehende Beziehung hatte ich zu ihr nie. Ob es nun altruistische oder in meiner Neugierde begründete Beweggründe waren, die mich dazu veranlasst haben, ihr einen unangekündigten Hausbesuch aufs Auge zu drücken, finde ich nachträglich nicht mehr heraus. Fakt ist, dass jede Kontaktaufnahme ohnehin scheiterte: Meine zahlreichen SMS beantwortet sie nicht, ans Handy geht sie nicht, auf der Festnetz-Leitung kommt nur noch "kein Anschluss unter dieser Nummer". Ich hatte es schon lange im Gefühl, dass da etwas vorgefallen sein muss. Sie war nicht der Typ, der plötzlich untertaucht.

Ich sehe mich gerade im Hausflur eines dreizehn Stockwerke hohen Gebäudes um, als plötzlich besagte Trainingskollegin hinter mir wie aus dem Nichts auftaucht. Sie betritt den Aufzug, sagt mir, dass es ihr gut ginge und sie irgendwann auch mal wieder zum Training komme, aber ich fasse nach. Weil die Aufzugstür ständig zugehen will, blockiere ich die Lichtschranke. Irgendwas stimmt mit ihr nicht. Und ich habe das Gefühl, sie will mir unbedingt was sagen, traut sich aber nicht.

"Soll ich mit hochkommen?", frage ich sie. Sie öffnet ihre Umhängetasche, händigt mir wortlos eine silberne Pistole aus. Ich bin völlig perplex. Ist die echt? Ist sie. Unerwartet schwer ist sie. Ich spüre mein Herz rasen. Sie hat irgendwas damit angestellt, das spüre ich. Jetzt bloß nicht die Nerven verlieren. Auf der Fahrt mit dem Aufzug in die Wohnung erzählt sie mir, dass sie ihre Eltern im Bett erschossen hat. Beide. Vor etwa vier Wochen. Wir kommen im sechsten Stock an, sie schließt die Wohnungstür auf. Wie ein Automat bewege ich mich in die Wohnung, bin auf das Schlimmste gefasst. Zwei Leichen, die irgendwo vier Wochen herumliegen ... auch wenn ich schon ahne, dass der Anblick mich tagelang nicht schlafen lassen wird, schaue ich hin. Und meine schlimmsten Befürchtungen bestätigen sich. Ich kannte die Eltern vom Sehen. Das Schlafzimmer war abgedunkelt, beide waren säuberlich zugedeckt. Blut war nicht zu sehen.

Ich hatte die Waffe. Gab es noch eine? Würde sie mich bedrohen, wenn ich jetzt die Polizei rufe? Würde sie sich was antun, wenn ich sie jetzt alleine lassen und mich erstmal in Sicherheit bringen würde, aus dem Auto den Notruf wähle? Ich fragte sie: "Warum?" - Sie antwortete: "Sie haben einfach nur noch genervt." - "Genervt?!"

Irgendwas stimmte hier nicht. Normalerweise riechen Leichen doch unerträglich. Vor allem, wenn sie hier schon wochenlang liegen. Irgendwie roch es hier gar nicht. Höchstens nach frischen Brötchen. Schlagartig wurde ich wach. Es war zehn Minuten nach fünf. Stockfinstere Nacht. Ich machte das Licht an. Keine Leichen, keine Brötchen. Aber, wie nach jedem Albtraum, Schweiß auf der Stirn und ein pitschnass gepisstes Bett. Jetzt bloß wach bleiben, bevor das weiter geht.

Nein, wir vermissen niemanden beim Training. Und soweit ich weiß, gibt es auch niemanden unter meinen Trainingspartnern, der im 6. Stock eines Hochhauses wohnt. Geschweige denn jemand, dem ich zutrauen würde, dass sie oder er seine Eltern erschießt. So eine gequirlte Kacke. Nicht zuletzt halte ich es für völlig respektlos, unangekündigt bei jemandem auf der Matte zu stehen, um irgendwas zu erzwingen. Wenn sie nicht zum Training kommt und auf SMS nicht antwortet, habe ich das zu respektieren und sie nicht zu Hause zu überfallen. So ein Verhalten käme mir nie in den Sinn. Ich habe keine Ahnung, wie der Film in meinem Kopf gekommen ist.

Sonntag, 5. Januar 2014

Siebenhundert

Hat jemand mitgezählt?

Es sind tatsächlich schon 700 Beiträge, die mein Blog umfasst. Zeit für ein paar Zahlen? Hatten wir doch lange nicht.

Also:

5 Jahre schreibe ich jetzt, jawohl. Derzeit werden meine Seiten monatlich zwischen 75.000 und 105.000 Mal aufgerufen, das sind rund 3.000 täglich. Der Zähler steht bei 2,37 Millionen. Als eindeutige Besucher werden pro Tag zur Zeit zwischen 1.000 und 1.650 Personen gezählt, etwa 18% sind "neue Besucher". Die meisten Leserinnen und Leser kommen zwischen 20 und 21 Uhr auf meine Seite, die wenigsten zwischen 3 und 4 Uhr. Insgesamt sind über 7.000 Kommentare veröffentlicht, also durchschnittlich 10 pro Beitrag.

Die häufigste Suchanfrage, die Menschen eingeben, um meinen Blog zu finden, ist nach wie vor (wen wundert es) "Jule Stinkesocke".

Die häufigsten Suchanfragen, die Menschen, die meinen Blog nicht kennen, auf meine Seiten führen, sind: Behindertenwitze, geile Hintergrundbilder, Muschi lecken und stinkende Socken. Hmpf. Vielleicht sollte ich mal ein paar Keywords verbindlich einstellen...

Bei dem einen oder anderen Suchergebnis weiß ich ja, wo diese Suchworte in meinem Blog stehen. Ich finde es zugegebenermaßen recht lustig, mir vorzustellen, dass Menschen auf der Suche nach beispielsweise "Muschi lecken" hierher gelangen, um dann feststellen zu müssen, dass hier niemand geleckt hat und auch niemand geleckt wurde. Ich stelle mir auch manchmal vor, wie peinlich es wohl sein muss, wenn eine Freundin oder ein Freund sich dort mal an den PC setzt, eine Suchmaschine öffnet und dann beim ersten "M" die letzten Suchanfragen als Vorschläge präsentiert bekommt...

Bei einigen Suchanfragen, die Leute auf meine Seiten gespült hat, weiß ich aber nach wie vor nicht, warum das mit meinem Blog verknüpft wurde. Zum Beispiel:

- du hälst jetzt dein schnauze antoine
- geile krankenschwester
- gurke im arsch
- vielen dank für ihre aufmerksamkeit noch fragen
- entschuldigung für die schule wegen krankheit
- erektion in der sauna
- massage gutschein spruch selbst gestalten
- mädchen turnen spagat
- entweder du holst mich oder der zug tut es
- herbstdrachen zum ausmalen
- junge und mädel küssen sich bei sonnenuntergang
- immer wenn er pillen nahm
- frauen kacken schöner
- hör auf zu onanieren und räum dein zimmer auf
- ich will am 31.12 um 23.59 einen kuss
- jetzt machen wir erstmal nichts und dann warten wir ab
- nicht jetzt bier ich muss lernen
- toiletten schilder zum ausdrucken kostenlos

Und dann wären da noch die beliebsten Beiträge aller Zeiten. Die kann man aber inzwischen immer in der rechten Spalte sehen. Daher erwähne ich es nur noch einmal, damit der heutige Stand fest im Archiv verankert ist: "Die Finsternis einer Behinderung" steht nach wie vor vor "Nur die Augen" und "Feuer ohne Mitleid". An 4. Stelle steht "Ein neues Semester".

In diesem Sinne: Nicht jetzt Bier, ich muss lernen!

Frohes Neues Jahr

Ich bin ...

... wieder im Lande. Es ist alles noch dran, ich habe keine Krankheiten eingeschleppt und der Sand hinter den Ohren ist auch bereits abgeduscht. Wir haben den Urlaub ohne große Einschläge überstanden, niemand ist ertrunken und keiner wurde verhaftet. An den letzten Tagen hatten wir wunderbaren Sonnenschein bei 24 bis 26 Grad, das Meer war mit 23 Grad verhältnismäßig kühl geblieben. Alle hatten sich lieb, es war sehr schön - aber nun freue ich mich auch, wieder zu Hause zu sein. Auf Dauer wäre so ein relaxtes Leben nichts für mich.

Nein, öffentliche Fotos gibt es keine. Da muss ich enttäuschen. Ich hatte weder eine große Kamera noch mein Handy mitgenommen - man stelle sich das mal vor. Eine Woche keine SMS, kein soziales Netzwerk, kein "wo bist du gerade" und vor allem: Keine internationalen Roaming-Tarife. Dafür aber WLAN im Zimmer, insofern ist "kein soziales Netzwerk" nicht ganz korrekt. Aber fast. Und Postkarten habe ich auch nicht verschickt. Maries Papa hat ein paar Tausend Fotos gemacht, geschätzt und gefühlt, ...

Das Silvesterspektakel war einigermaßen lustig, wenngleich auch abgehoben. Um den Rekord des "größten Feuerwerks der Welt" aufstellen zu können, wurde Silvester extra eine halbe Stunde vorverlegt. Pünktlich um 23.30 Uhr (Ortszeit) hat man über die gesamte Höhe des Burj Khalifa (das ist ein über 800 Meter hoher Wolkenkratzer, ich glaube, aktuell sogar der höchste, der derzeit fertig gestellt und bewohnt ist) tausende Raketen waagerecht in die Luft geschossen. Die Farben waren koordiniert, es war ein ziemliches Spektakel, allerdings eben sehr separiert, da das eigentliche Feuerwerk (das dann wiederum für deutsche Verhältnisse eher mager war) erst begann, als Burji bereits fertig war.

Wir haben uns bis halb drei Uhr auf einem Galadinner vergnügt. Etwa 70 Leute im feinen Zwirn waren anwesend. Bevor der knurrende Magen beruhigt wurde, gab es zunächst eine Präsentation über den Bau der Ferienanlage. Auf nahezu akzentfreiem Englisch konnte man zwanzig Minuten lang staunen, anschließend einen Bildband für umgerechnet 75 Euro erwerben. Bei einem Drei-Gänge-Menü war es letztlich ein netter Abend an einem Vierertisch, im Hintergrund dudelte etwas Musik, und als die ersten Leute so viel Alkohol intus hatten, dass sie auf dem Boden krabbelnd eine Polonäse anstimmen wollten, sind wir langsam in Richtung Bettchen aufgebrochen.

Zurück in Deutschland kam es zwei Uniformierten am Flughafen etwas arabisch vor, dass wir nichts zu verzollen hatten. Prompt wurden wir (neben einem älteren Ehepaar und einer Frau um die 50) angesprochen und gebeten, mitsamt aller Taschen in einen Nebenraum zu kommen. Etwas später kam dann noch ein junger Mann dazu, der von zwei Zivilbeamten begleitet wurde. Nachdem sie dann meine Badesachen auf links gedreht und Maries Einmalkatheter genauestens unter die Lupe genommen hatten, waren sie überzeugt, dass wir weder ein paar Millionen Euro in bar noch einen halben Elefanten im Koffer hatten, und durften gehen. Die anderen Kandidaten räumten allerdings mit hochroten Köpfen alle möglichen Sachen aus ihren Taschen, die sie da besser nicht drin gehabt hätten. Die eine Frau hatte mindestens 10 Stangen Zigaretten im Gepäck.

Ich habe in der einen Woche ein wenig Farbe bekommen, bin völlig entspannt und werde mich nun auf meine erste große Prüfung vorbereiten, die in der zweiten Märzhälfte ansteht. Da muss ich zwei Tage lang in je vier Stunden insgesamt 320 Fragen beantworten, die es in sich haben. Wer sich ein Bild machen möchte: Erster Tag, zweiter Tag. Ja, ich sagte doch, die haben es in sich. Mir graut schon davor. Und dann kommt noch ein mündlich-praktischer Teil, dabei werden in der Regel Dreiergruppen drei Stunden lang von mehreren Profs ausgequetscht. Schaun wir mal.