Samstag, 30. November 2013

Entspannter Praktikumstag

Der vierte Praktikumstag verlief ohne größere Zwischenfälle, was doch auch mal schön ist. Einzig aus der Reihe tanzte, Achtung Ekelalarm, ein Mann Mitte 20, der mit dem Rettungswagen eingeliefert wurde, völlig zugedröhnt und stark alkoholisiert. Der stank so pervers, dass es einem die Tränen in die Augen trieb. Dieser Mann hatte seine Bundeswehr-Cargohose und seine rote Daunenjacke vermutlich in den letzten 96 Stunden nicht ausgezogen. Weder zum Schlafen, noch ... richtig, zum Pinkeln und Kacken auch nicht.

Die Ärztin, die ihn untersuchen musste (wir mussten zum Glück nur zuschauen), meinte hinterher zu uns: "Bei der Ananmese braucht man nicht zu fragen, ob er in den letzten Tagen Stuhlgang hatte, wenn man sich da auch auf die eigene Nase verlassen kann."

Ansonsten waren nicht wirklich spannende Fälle dabei. Ein offenes Bein, zwei unterzuckerte Diabetiker, die aber schon wieder bei Bewusstsein waren, eine, die nicht wusste, ob sie schwanger sein könnte oder ob die Bauchschmerzen vielleicht vom Saufen kommen - und jede Menge betrunkenes Elend. Bei einer Frau mit rasselnder Lunge durften wir mit abhören, ansonsten haben wir nur zugeguckt und hinterher mal das eine oder andere gefragt.

Wie gesagt, es ist auch mal schön, wenn kein Alarm ist und keine von meinem Magneten angezogene Idioten mit mir Kontakt suchen.

Freitag, 29. November 2013

Polo oder Golf?

Altes Thema, noch immer keine Entscheidung: Ich muss mir bis zum Jahresende noch ein neues Auto kaufen, wenn ich die dafür bereits gezahlten Zuschüsse nicht verlieren möchte. Derzeit setzt sich immer mehr der VW Transporter mit entsprechend höherwertiger Ausstattung durch, endgültig sicher bin ich mir aber noch nicht. Ich möchte auf jeden Fall ein großes Auto haben, um meine ganzen Sportgeräte (für einen Triathlon brauche ich immer ein Rennbike und einen Rennrolli) auf einmal transportieren zu können. Vielen Dank für die vielen Rückmeldungen zu diesem Thema bislang.

Gleichzeitig liebäugel ich aber auch damit, für den Alltag nicht immer mit so einer riesigen Kiste durch die Gegend fahren zu müssen. Der Verbrauch, die Parkplatzsuche, das umständliche Ein- und Ausladen ... nichts, um mal eben einkaufen zu fahren. Die Lösung könnte sein, für den Alltag einen Kleinwagen zusätzlich anzuschaffen, der zwar erstmal zusätzlich kostet, allerdings am Ende wohl billiger ist, als ständig mit der großen und damit teuren Blechkiste herumzugurken.

Für mich kommen, wenn ich das mache, eigentlich nur Golf oder Polo in Frage. Ich bin mir nur noch nicht ganz sicher, ob ich mir mit einem zweitürigen Polo einen Gefallen tue. Wenn man da die Rückbank umgeklappt oder sogar ausgebaut lässt und ein Netz einbaut, hätte man sogar viel Platz für einen zweiten Rolli oder ähnliches. Eine Freundin im Rollstuhl hat ihn auch, sie kommt sehr gut damit zurecht, einer anderen Freundin im Rollstuhl war er viel zu eng, so dass sie jetzt auf den Golf umgestiegen ist. Da ich eigentlich keine großen Ansprüche an ein alltägliches Auto habe, möchte ich ungern so viel zusätzliches Geld in die Hand nehmen, das der Golf nunmal kostet. Als Diesel Automatik würde ich mit Rabatt und einschließlich Behindertenumbau für einen neuen Polo rund 20.000 € auf den Tisch legen müssen, für einen ähnlich ausgestatteten Golf rund 7.000 € mehr. Das ist mir für einen "Cityflitzer" eigentlich zu viel Geld.

In den nächsten drei Monaten kann man ihn hier ansehen, indem man "V6Z4KONE" bei "Volkswagen Code" eingibt. Allerdings muss ich mich in den nächsten 14 Tagen entscheiden. Ich bin irgendwie noch immer so gar nicht schlüssig.

Donnerstag, 28. November 2013

Behinderte Parkplätze

Diese Veranstaltung habe ich mir zwar nicht zugemutet, aber ich habe inzwischen von mehreren Leuten gehört, dass es ein absolutes Parkproblem vor Ort gab, nachdem die Verwaltungsbehörde keine Möglichkeit gesehen hatte, auf einen zeitlich erhöhten Bedarf von Rollstuhlfahrerplätzen zu reagieren. Der Veranstalter hatte bei der Stadt beantragt, etwa 20 öffentliche Parkplätze in 15 Behindertenparkplätze (also breitere, so dass Rollstuhlfahrer bei ausreichend Abstand zum nächsten Fahrzeug ungehindert ein- und aussteigen können) umzuwidmen. Die Kosten für die Anordnung und die Beschilderung wollte er zahlen - nur war das rechtlich nicht vorgesehen. Die Stadt sah darin eine Bevorzugung von behinderten Menschen. Der Veranstalter, der 200 Menschen mit Behinderung eingeladen hatte, sah darin einen Nachteilsausgleich, weil die üblicherweise gebauten Parkplätze für Menschen im Rollstuhl ungeeignet sind.

Vor allem weil es bei Möbeltransporten bei privaten Umzügen oder bei Filmaufnahmen oder ähnlichen Dingen überhaupt kein Problem ist, Parkplätze komplett mit Halteverbotsschildern zu sperren und für den Umzugswagen oder andere Fahrzeuge zu reservieren, sind nun Fragen aufgetaucht, ob man hier wirklich nichts für Menschen mit Behinderungen tun kann, ob man sie ausreichend bedacht hat, oder nicht solche Möglichkeiten geschaffen werden können.

Man muss anscheinend nur die richtigen Leute kennen, dann wird eine solche Sache ziemlich hoch aufgehängt: In Kürze muss sich die Bürgerschaft der Stadt Hamburg mit diesen Fragen befassen. Ein Abgeordneter, der, als er von der Sache Wind bekam, zunächst sich an den Kopf und anschließend eine entsprechende Anfrage in seinen PC getippt hat, hat den Stein ins Rollen gebracht. Ich bin gespannt, was dabei raus kommt.

Mittwoch, 27. November 2013

Nicht im Stehen

Wo ich gerade beim Thema "eklig" bin ...

Wenn man sich zu sehr über irgendetwas beschwert, man gleichzeitig aber mit Privilegien ausgestattet ist, kann es passieren, dass man diese Privilegien wegen der Beschwerde verliert. Wenn mir meine Oma also jede Woche zwei Euro Taschengeld zusteckt, sollte ich mir gut überlegen, worüber ich mich bei meiner Oma beschwere.

So ähnlich funktioniert es auch in der Politik. Wer Grund hat, sich zu beschweren, wird mit einem Privileg ausgestattet, damit er die Klappe hält. Hält jemand trotz Privileg die Klappe nicht, wird ihm das Privileg wieder weggenommen.

Toll ist es nun, wenn die sonst als selbstverständlich angepriesene Barrierefreiheit gegenüber den Menschen mit Behinderung bei Bedarf als Privileg verkauft wird. Oder wenn man behinderten Menschen Sonderrechte einräumt, um Dinge, die noch nicht so funktionieren oder die sich nicht so regeln lassen, wie es erforderlich wäre, zu kompensieren; dafür aber erwartet, dass niemand aufmuckt.

In dem Schwimmbad, in dem wir trainieren, gibt es einen barrierefreien Umkleideraum, eine barrierefreie Dusche und ein barrierefreies WC. Und Parkplätze für Rollstuhlfahrer. Dass man von den Rollstuhlparkplätzen nur durch schwere Feuerschutztüren in die Schwimmhalle kommt, die sich nur manuell öffnen lassen, kann man dadurch kompensieren, dass es einen Rufknopf gibt, mit dem man die Kassenkraft in die Tiefgarage bestellen kann. Dass eine weitere Brandschutztür abgeklebt und verkeilt wurde, weil sie so öffnet, dass alle Gäste und vor allem auch Rollstuhlfahrer einmal komplett um den Türflügel herum fahren müssen, kommentiere ich mal gar nicht erst.

Die gleiche Fehlplanung gibt es auch bei den barrierefreien Duschen. Die Brandschutztür und die Tür zum barrierefreien Umkleideraum kommen sich beim Öffnen so ins Gehege, dass man erstmal die eine Tür hinter sich zufallen lassen muss, zurückfahren, und dann die andere öffnen zu können. In den Umkleidekabinen fehlen seit Monaten mal wieder die Schlösser (huch, besetzt) ... aber das hier ist eigentlich die Höhe:


Seit mindestens zwei Monaten ist regelmäßig die einzige barrierefreie Toilette defekt. Mal funktioniert sie wieder für einen Moment lang, dann ist sie wieder aus. Einen wesentlichen Anteil daran dürfte haben, dass es sich um das weit und breit einzige WC handelt, das im Vereins- und Schulumkleidebereich befindet. Alle Leute, die mal eben dorthin müssen, benutzen das Behinderten-WC. Wenn ich mich umziehe, sind das in 10 Minuten meistens fünf bis sechs Leute.

Beim vorletzten Mal war es trotz "Bitte nicht benutzen"-Schild von oben bis unten vollgekotet, beim letzten Mal war es zwar unbenutzt, dafür aber gesperrt. Die Mutter einer neuen Teilnehmerin zog einen der Schwimmhallenmitarbeiter quasi an der Krawatte dorthin und regte sich tierisch auf. Daraufhin entfernte er das Schild und meinte, wenn sich die Toilette wieder beruhigt, funktioniert sie wieder, sie verstopfe nur ständig, weil behinderte Menschen und Mütter dort Windeln reinwerfen. Im Moment laufe sie nur langsam ab. Es täte ihm für die jetzt anwesenden Leute zwar leid, aber sie würde nicht glauben, welches Klientel hier teilweise einzöge. Dabei werde so viel getan für die Menschen mit Behinderungen. Sie würden immer mit offenen Armen empfangen. Und oft seien sie undankbar und würden sich über alles aufregen.

"Klopapier, Seife und Papierhandtücher wären schonmal ein erster Schritt, um die Aufregung zu legen. Und eine Grundreinigung. Und wenn es solche Probleme mit fremdem Klientel gibt, muss man sich eben was einfallen lassen, so dass die Türen nur noch mit einer Behindertenkarte zu öffnen sind." - Das ginge nicht, die Tür sei gleichzeitig ein Fluchtweg.

Aber mit der Grundreinigung hat sie schon recht, wie ich finde. Wenn man sich mal die Fugen ansieht, unter dem Spülknopf und auf dem Fußboden vor dem Becken ... auch wenn ich mich lieber nicht zu laut beschweren möchte, aber Rollstuhlfahrer haben da bestimmt nicht im Stehen gepinkelt.

Dienstag, 26. November 2013

Eklig und süß

Eklig ist ...

... wenn man in der Badewanne liegt, einen Kirsch-Joghurt löffelt und der ganze Kram baden geht. Der Joghurt soll ja gut sein für die Haut, aber die ganzen zermatschten Kirschen im Badewasser? Eklig!

... wenn man das Unigelände berollt, hinter einer Glastür plötzlich ein völlig besoffener Typ steht und einen auf den Mund küssen will. Küssen soll ja gut sein für die Seele, aber fremde Menschen mit schwarzen Zähnen? Eklig!

... wenn man bei einer Mitbewohnerin der WG im Zimmer steht und ihre Katze plötzlich eine fette Spinne knackend zerbeißt und runterschluckt. Spinnen sollen ja nützliche Tiere sein, aber wenn sie im Mund platzen? Eklig!

... wenn man in der U-Bahn steht, ein betrunkener Mensch zusteigt, einen tiefen Zug aus seiner Bierpulle nimmt und anschließend den Inhalt seines Mundes über die sitzenden Leute prustet. Bier soll ja gut sein für die Haare, aber bereits getrunkenes? Soooo eklig!

... wenn man im Restaurant sitzt, eine superleckere Pizza isst, und gegenüber ein junges Mädchen beim Warten auf ihre Pommes sich Popel als Vorspeise gönnt. Popel essen soll ja nicht ungesund sein, aber im Restaurant? Eklig!

... wenn man eine Tüte Kartoffelchips öffnet und in eine Schüssel umfüllt, dabei eine tote Assel zum Vorschein kommt. Asseln sollen ja nicht giftig sein, aber als Eiweißbeigabe im Knabberkram? Eklig!

... wenn man nach einem Wettkampf duschen will, auf dem Fußboden aber noch eingetrockneten Schaum vom Vortrag findet. Nun assoziiert man Schaum ja mit Seife, aber wenn sie bereits den Dreck von einem fremden Körper gelöst hat? Eklig!

... wenn man im Bus steht und jemand ohne Taschentuch und ohne etwas vor den Mund zu halten gegen die Glastür niest. Die Tür muss man ja, anders als in der Bahn, zum Glück nicht berühren, aber alleine der Anblick von langsam herablaufenden grüngelbem Lungensekret? Eklig!

... wenn man bei der Post in der Schlange steht, sich als Rollstuhlfahrerin auf Sitzhöhe direkt hinter einer laut furzenden Oma befindet. Pupsen kann ich auch gut, aber in Richtung fremder Leute in einer Schlange? Eklig!

... wenn man über das Volksfest rollt und in einer sich drehenden Schaukel jemand zu kotzen beginnt. Rückwärts zu essen an sich finde ich schon eklig, wenngleich man bei einem Medizinstudium echt abstumpft, aber auch noch in Rotation? Eklig!

Hmmm.

Süß ist ...

... wenn mir im Supermarkt eine alte Dame, die sich ohne ihren Gehwagen kaum noch auf den Füßen halten kann, die Tür aufhält. Eigentlich würde ich ihr die Tür aufhalten, ich habe die Kraft und sitze bequem, aber so? Süß!

... wenn ich von einer jungen Rollstuhlfahrerin (5 Jahre), mit der ich neulich in einer Wartezeit vor dem Sport "fangen" gespielt habe, hinterher ein Bild von uns beiden malt. Ich hätte zwar früher nie geglaubt, dass ich fremde gemalte Bilder mag, aber solche? Süß!

... wenn mir der alte Herr, der mich im Juli zu seiner Geburtstagsparty eingeladen hat, ein Päckchen mit Adventsplätzchen schickt. Man soll zwar verliebten Gockeln nicht aus der Hand fressen, aber der? Soooo süß!

... wenn mir die Nachbarin, von Gegenüber, die ich überhaupt nicht näher kenne, plötzlich selbst gestrickte Wollhandschuhe schenkt. Fahren kann ich damit zwar nicht, aber bunte Handschuhe, falls man irgendwo rumsteht? Süß!

... wenn Marie für ihre Familie einen Nudelauflauf macht und mir eine Tupperschüssel davon mit in die Uni bringt. Auch wenn ich lieber mit ihrer Familie zusammen esse - dass sie dabei an mich und meinen Auflauffetisch denkt: Süß!

... wenn ich zu einem Treffen eingeladen werde, bei dem jemand für eine Leistung ausgezeichnet wird, ich mich dafür aufbrezel und dann ein junger Mann ins Stottern kommt. Er ist zwar überhaupt nicht mein Typ und viel zu jung, aber seine Verlegenheit? Süß!

... wenn ich mich beim Schwimmtraining warm mache, ein kleines Mädchen aus der Vorgruppe zu mir ins Wasser hüpft, um mich zu begrüßen, nachdem ich ihr mal gezeigt habe, wie man trotz Querschnitt schwimmt. Ich mag keine Störungen beim Training, aber der kleine Wurm? Soooo süß!

... wenn Marie und ich bei Maries Eltern im Pool liegend die Sterne beobachten und der Hund angetapst kommt, einmal die Lage checkt und dann in Maries oder meinen Rollstuhl springt, sich mit seinen 35 Kilos auf dem Sitzkissen einrollt und weiterschläft. Ich mag zwar keine Hundehaare im Sitzkissen, aber dieser Hund? Soooo süß!

... wenn ich in meinen Kühlschrank gucke und dort plötzlich wieder Saft finde, weil Cathleen von sich aus einfach an mich gedacht hat und den Kram im Rucksack anschleppt. Ich mag zwar nicht bemuttert werden, aber dass Cathleen immer möchte, dass es allen gut geht: Soooo süß!

... wenn 2,27 Millionen mal meine Blogseiten aufgerufen werden, weil Menschen lesen möchten, wie es mir geht. Ich schreibe eigentlich nur Tagebuch, ich kenne die meisten Leser gar nicht, aber dieses Interesse und diese Anteilnahme? Süß!!!

Montag, 25. November 2013

Nicht schwul

Mit dem Auto zur Uni zu fahren, ist selbst dann keine gute Idee, wenn man einen blauen Parkausweis hat. Wenn es aber wie aus Eimern schüttet und ich etwas vortragen soll, ich also nicht unbedingt entweder pitschnass oder mit tropfender Regenkleidung im Gepäck dort ankommen will, mache ich schon mal eine Ausnahme. Oder besser: Marie macht eine Ausnahme. Sie war aus den gleichen Gründen mit dem Auto zu mir gekommen. Wir wollten noch etwas vorbereiten, anschließend gemeinsam zur Uni aufbrechen.

Obwohl ich selbst gerne Auto fahre, bin ich auch mal ganz froh, wenn ich nicht selbst lenken muss. Vor allem dann, wenn etwas passiert, was sonst nur wieder meinem Idiotenmagneten zuzuschreiben gewesen wäre. Diesmal hatte ich meinen definitiv nicht dabei.

Es schüttete nach wie vor, der Scheibenwischer rödelte auf höchster Stufe, die Scheiben waren dank Klimaanlage frei, sehen konnte man trotzdem nicht viel. Die Blechlawine quälte sich mit durchschnittlich 35 km/h von Ampel zu Ampel. Wir fahren über eine mehrspurige Straße, müssen rechts abbiegen. Noch ist rechts neben uns eine Busspur, dann kommt eine Bushaltestelle, bei der der Bus in der Busspur hält, direkt danach wird die Busspur zum Rechtsabbiegerstreifen. Die Markierung ist eindeutig: Die Busspur endet mit einer fetten, durchgezogenen, geschwungenen Linie.

Wir warten also im stockenden Verkehr auf Höhe der Bushaltestelle, Marie blinkt rechts und wartet brav, bis es weitergeht und sie nach rechts in die Abbiegerspur wechseln kann. Fährt an, schaut in den rechten Spiegel, schaut sogar über die Schulter, sieht nichts und zieht in Schrittgeschwindigkeit nach rechts. Nein, falsch, da kam kein Bus...

Aber ein anderer Chaot, der mit einer irren Geschwindigkeit über die kilometerlange Busspur rechts am Stau vorbei gedonnert ist und nun nicht damit gerechnet hat, dass dort, wo diese Spur endet und wieder für den allgemeinen Verkehr freigegeben wird, sich nun Leute einfädeln. Man hörte also nur das Schliddern von Reifen auf regennasser Fahrbahn, das nicht enden wollte. Marie hatte das auch sofort wahrgenommen und bremste. Da wir, wie gesagt, höchstens Schrittgeschwindigkeit fuhren, stand Maries Auto sofort. Ich war bereits völlig erstarrt, wartete innerlich auf das Knirschen, rechnete damit, gleich irgendwas oder irgendwen auf dem Schoß zu haben und ...

... sah lediglich, wie ein aufgemotzter Golf mit ultrabreiten Schlappen in einer unglaublichen Geschwindigkeit ohne uns zu berühren an uns vorbei rutschte und, sofort nachdem er an uns vorbei war, über den Radweg schlidderte, ein Verkehrsschild wie ein Streichholz umknickte und in ein paar Fahrradbügeln zum Stehen kam. Eine Horde Fußgänger sprang erschrocken in Deckung, einer ließ dabei seinen Regenschirm wegfliegen. Marie guckte mich völlig entgeistert mit großen Augen an. Ihre erste Frage war: "Wo kam der denn her?"

Ich antwortete: "Über die Busspur vermutlich. Keine Ahnung. Mach die Kiste aus, Warnblinker an, Bullen rufen." - "Was für eine Scheiße! Ich hab den wirklich nicht gesehen!" - "Marie, es ist niemand verletzt, alles andere klärt sich und du bist versichert. Warte erstmal ab und am besten sagst du erstmal gar nichts."

Der Typ stieg aus seinem Auto aus, brüllte wie am Spieß. "Das wird teuer, der schöne Wagen, gerade neu, kannst du mir Euro für Euro bezahlen, das kommt davon, wenn man Frauen Auto fahren lässt."

Da es ohnehin gefährlich ist, im Regen im fließenden Verkehr auszusteigen und dabei die Rollstühle zusammen zu bauen, entschlossen wir uns, dass es besser sei, einfach mal die Zentralverriegelung zu schließen und die Polizei zu rufen. Vor uns kam ein Renault Espace im Rückwärtsgang zu uns zurück, dessen Fahrer stieg mit einem Schirm in der Hand aus. Hinter uns hielt ein Pritschenwagen, ein Mann im Blaumann kam an Maries Tür gelaufen. Sie öffnete das Fenster ein Stück. "Lasst euch von dem Spinner nichts erzählen, wenn der Ärger macht, dann ruft mich an, hier ist meine Karte. Ich muss leider weiter zum Termin."

Als er wieder weg war, kam der etwas aufgedrehte Golffahrer an Maries Tür, zog am Griff, schlug mit der Faust gegen die Scheibe. "Mach auf, du verf...te Hure, oder soll ich reinkommen? Ja, ruf mal ruhig die Bullen, dann können sie dich gleich mitnehmen. Komm raus da jetzt, ich hab keinen Bock, hier stundenlang im Regen zu stehen nur weil du mir in die Karre fährst!"

Marie erzählte dem Beamten am Telefon, dass der Unfallgegner gewaltbereit ist und schon damit gedroht hat, die Scheibe einzuschlagen. Sie sei Rollstuhlfahrerin und könne sich nicht körperlich wehren. Da sie das Telefon laut gestellt hatte, konnte ich ihr Gegenüber hören: "Lassen Sie die Türen zu, ich schicke Ihnen sofort ein Fahrzeug dorthin. Bleiben Sie ruhig und machen Sie nichts, wir sind in wenigen Augenblicken bei Ihnen."

Als er aufgelegt hatte, murmelte Marie: "Sehr witzig. Machen Sie nichts, wenn er die Scheibe einschlägt und Sie auf die Straße zieht." - "Muss ja nicht gleich sein."

Der Typ sprang zu seinem Auto zurück und begutachtete den Schaden. Trat gegen irgendein Plastikteil, stampfte wie Rumpelstilzchen mehrmals mit dem Fuß auf. Marie rief ihren Vater an. Erzählte ihm, was passiert war. "Kannst Du mir helfen?"

Noch während sie telefonierte, kam von vorne, verkehrt herum über die Rechtsabbiegerspur, ein Polizeiauto angedüst. Als die Polizisten vor Ort waren, war der Typ plötzlich wieder lammfromm. Musste seine Papiere zeigen, stellte sich mit der einen Polizistin in das Wartehaus der Bushaltestelle und gestikulierte wild herum. Der andere Polizist beugte sich in Maries Auto, fragte, ob Marie nach dem Unfall noch vor- oder zurückgefahren sei. Was sie verneinte. "Dann bleiben Sie bitte noch einen Moment so stehen, ich mache einige Fotos und wenn ich Ihnen Bescheid sage, fahren Sie das Auto von der Straße auf den Radweg, damit die Fahrbahn wieder frei wird. Kriegen Sie das hin?"

Ich fass mich mal kurz: Es kam anschließend noch der Verkehrsunfalldienst. Die hatten wenigstens ein warmes Auto (mit einem ganzen Büro hinten drin, einschließlich Tisch und Computeranlage etc.), in das wir uns umsetzen durften. Die leeren Rollstühle blieben so lange unter dem Dach der Bushaltestelle. Ein Beamter setzte sich irgendwann mit hinein und plauderte, der Andere sei deutlich über 50, vermutlich sogar über 70 gefahren. Im Haltestellenbereich ist der Bordstein erhöht, an dem kompletten erhöhten Bordstein ist er mit mindestens einem Rad entlang geschrubbt, bevor der Bordstein wieder flacher wurde und er nach rechts in die Fahrradständer gedüst ist. Da das Auto kein ABS hat, spreche das Fahrverhalten des Autos auf den ersten Blick dafür, dass die Bremsanlage nicht ordnungsgemäß funktioniert hat. Die Hupe ging auch nicht, weil er ein Sportlenkrad nachträglich eingebaut hatte. Das Auto wurde sichergestellt und wird durch einen Gutachter untersucht. Einen Führerschein hatte der Typ aber wenigstens.

Marie stand übrigens mit dem rechten Vorderrad noch auf ihrer bisherigen Spur. Der Polizist meinte aber, Marie solle sich einen Anwalt nehmen. Der Gegner habe Anzeige gegen sie erstattet, weil sie einen Fehler beim Spurwechsel gemacht habe. Diese Anzeige müssten sie auch so aufnehmen. Es könne sogar sein, dass die Bußgeldstelle Marie ein falsches Abbiegemanöver zum Vorwurf mache. Es könne auch sein, dass sie am Ende eine Teilschuld bekäme, vielleicht sogar den Hauptteil der Schuld. Er meinte: "Sie hätten vor dem Abbiegen wenigstens einmal in den Spiegel und über die Schulter gucken müssen, ob die Spur frei ist." - Marie antwortete tapfer: "Ich habe Ihnen doch gesagt, dass ich mich zur Sache jetzt nicht äußere."

Einen Moment später klopfte es an der Tür. Maries Vater öffnete sie, kam rein. In Uniform. Umarmte Marie und sagte: "Meine Tochter steht unter Schock und sagt jetzt nicht aus." - "Sie hat auch noch nichts gesagt. Sie kann nach Hause, wenn sie will."

Er nahm Marie auf den Arm. Draußen stand der Mann mit dem Golf, der sofort losbrüllte: "Ach nee, war ja klar. Erst zu behindert zum Autofahren und jetzt trägt die Polizei sie noch auf Händen." - "Nicht die Polizei, sondern der Vater trägt sie. Entspannen Sie sich mal." - "Das ist ja noch schöner. Und am Ende gibt die Polizei mir die Schuld, weil ihr euch alle kennt. Aber ich kann schon jetzt sagen, dass ich mehrere Anwälte beauftragen werde, um zu meinem Recht zu kommen." - "Wer Schuld hat, wird am Ende ein Richter klären und nicht die Polizei." - "Deine Tochter hat doch schon den Vorteil, dass ihr Vater Bulle ist." - "Was hat das denn damit zu tun? Warum holt dein Vater dich denn nicht ab, wenn du ihn anrufst?" - "Ey ich ruf doch wegen so einer Kacke nicht meinen Alten an, bin ich schwul oder was!" - "Keine Ahnung? Marie! Bist du schwul?!" - Marie: "Och Papa..."

Mein Vortrag in der Uni hatte sich inzwischen erledigt. Maries Papa fuhr uns zu Marie nach Hause. Maries Mama kam uns entgegen: "Geht es euch gut? Was ist denn passiert?" - Der Papa antwortete: "Irgendso ein heterosexueller Wahnsinniger kam mit über 70 Sachen über eine Busspur gebügelt, um einen Stau zu überholen. Die Busspur war nur leider schneller zu Ende als er bremsen konnte. Anstatt Marie reinzudonnern, hat er freundlicherweise auf ein paar Fahrradständer gezielt. Jetzt ist seine tiefergelegte Seifenkiste ein Haufen Schrott und nun weint er." - "Wurde jemand verletzt?" - "Nur sein Ego ist etwas angekratzt, weil man ihm nicht, wie Marie, aus dem Auto geholfen hat und weil er nicht von seinem Daddy abgeholt wurde. Ist aber ein Klacks gegen das, was jetzt noch kommt. Viel zu schnell bei strömendem Regen, über eine Busspur überholt, Bremsen defekt, nur ein Scheibenwischer, der nicht eingetragen war, Hupe defekt, kein vernünftiges Lenkrad dran und Licht brannte wohl auch nicht, stattdessen nur blaue LEDs. Sieht zwar cooler aus, hilft aber nicht wirklich, wenn der Gegner aussagt, er habe ihn bei schlechter Sicht nicht gesehen."

Maries Mutter fragte: "Das heißt, der andere hat Schuld?" - "Kann man so nicht sagen. Marie wollte die Spur wechseln und hat bereits in die Richtung gelenkt. Das war nach seiner Aussage der Anlass für sein Ausweichmanöver. Am Ende brauchen wir wohl einen Anwalt, der dem Gericht erklärt, dass das Ausweichmanöver nicht nötig gewesen wäre, wenn er vernünftig gefahren wäre, Licht angehabt hätte und sein Auto technisch in Ordnung gewesen wäre. Damit konnte Marie schließlich nicht rechnen. Ist mir aber auch scheißegal, Hauptsache, ich habe meine Tochter in einem Stück wieder!", sagte er und nahm Marie noch einmal auf den Arm und warf sie durch die Gegend. "Papa, hör mal auf damit! Ich bin doch kein Ball!"

Danach kam er zu mir, drückte mich und sagte: "Und dich natürlich auch." - Hmm... mich hätte er gerne mal so rumwerfen dürfen, das hat mit mir noch keiner gemacht!

Sonntag, 24. November 2013

Beitragsstau II

So langsam gewöhne ich mich dran, dass es nur nach nach etlichen Login- und Logout-Vorgängen möglich ist, neue Beiträge zu posten. Ich habe heute endlich mal wieder mein Passwort geändert, vielleicht war das ja der Grund, warum es beim Klick auf "Veröffentlichen" immer wieder zu solchen


Fehlermeldungen kam. Und wenn man dann auf "Ja, ich möchte mich wieder anmelden" oder auf "Schließen" klickte, kam:


Ähm ja. Schreiben konnte ich trotzdem, Kommentare freischalten ging auch, nur Posten funktioniert verzögert. Und im Moment klappt es vorwiegend an Sonntagen. Es nervt.

Samstag, 23. November 2013

Pendelndes Toastbrot

Wie es jenem Doc geht, der letzte Woche übersehen hatte, dass die Patientin nicht am Oxymeter hing, haben wir nicht erfahren. Unser dritter Tag des Praktikums, das wir zur Zeit vorbereitend für das nächste Semester ableisten müssen, war völlig entspannt. Am kuriosesten war eine junge Frau, die auf der Untersuchungsliege lag und meinte, ein pendelndes Stück Brot bringe sie am Samstag über die Notaufnahme in den Behandlungsraum.

Marie: "So, bei Ihnen pendelt was. Dann erzählen Sie mal." - "Ich hab heute morgen ein Toast mit Marmelade gegessen. Und einige Stunden später bekam ich Bauchweh. Weil ich öfter Bauchweh habe, habe ich ein Stethoskop zu Hause. Und da habe ich meinen Darm auskultiert und dabei das Brot hier" - sie zeigte auf eine Stelle knapp unterhalb der untersten Rippe - "wiedergefunden. Genau da, wo die Schmerzen sind. Und es mag komisch klingen, aber es pendelt immer wieder hin und her. Blubb, blubb, blubb", beschrieb die Patientin.

Marie fragte genauer nach: "Und woher wissen Sie, dass es sich dabei um das Toastbrot von heute morgen handelt? Und nicht vielleicht ... sagen wir mal ... das Schnitzel von gestern mittag?"

Die Patientin brauste auf: "Wollen Sie mich verarschen?" - Marie beschwichtigte: "Keineswegs. Ich kann es auch weniger bildlich formulieren: Woran erkennen Sie das Toastbrot in dem Nahrungsbrei?" - Die Frau antwortete: "Na das hört man doch! Sie vielleicht nicht, Sie sind ja noch nicht fertig, wie man hier lesen kann. Also holen Sie endlich einen echten Arzt, bevor es noch schlimmer wird!"

Die diensthabende Ärztin hörte den Bauch ab, sagte dann: "Das ist ganz eindeutig ein pendelndes Toastbrot. Ich schlage vor, wir geben Ihnen eine Infusion, damit sich der Darm an der Stelle wieder beruhigt. Leider müssen Sie danach auch noch einige Zeit liegen bleiben, weil das Medikament manchmal Kreislaufprobleme macht." - Die Ärztin fragte sie nach Operationen und eingenommenen Medikamenten, zog dann aus einer Ampulle mit Kochsalzlösung eine Spritze auf, spritzte sie in einen Beutel Elektrolytlösung, beschriftete den Beutel und legte der Patientin einen Zugang...

Eine Stunde später war alles wieder gut. Kein pendelndes Toastbrot mehr. Die Patientin umarmte die Ärztin und befand, sie sei eine Wunderheilerin. Hinterher erzählte uns die Ärztin, dass die Frau regelmäßig am Wochenende in die Notaufnahme käme und pendelnde Toastbrote im Bauch habe. Man könne ihr widersprechen, dann lege sie für einen Tag den halben Betrieb lahm, man könne ihr auch einfach glauben und die nötigen Schritte einleiten - dann sei sie nach zwei Stunden wieder draußen und für das nächste Vierteljahr therapiert.

Donnerstag, 21. November 2013

Nicht so verwerflich

Dass es nicht leicht ist, das Auto einer Rollstuhlfahrerin anzuhalten, weiß ich ja inzwischen. Solange die Rollstuhlfahrerin trotzdem ihre gerechte Strafe bekommt (und die Verwarnung, bei der es bleiben sollte, wurde ja ausgesprochen, bevor man wusste, dass ich Rollstuhlfahrerin bin), ist das ja okay. Das Gefühl. Menschlich.

Wenn ich jetzt Geld bräuchte und, auf der Suche danach, die Hausbriefkästen in meiner Umgebung durchkämme, ist das schon einigermaßen dreist. Wenn mir dabei zufällig eine frische EC-Karte in die Hände fällt, ich danach auf die PIN warte, die einige Tage später bekanntlich kommt, sie ebenfalls aus dem Briefkasten friemel, mit Karte und PIN zu verschiedenen Banken gurke, innerhalb von fünf Tagen in 65 Einzelaktionen über 20.000 € vom Konto abhebe, davon die Hälfte in der Spielhalle verzocke ... dann lande ich dafür, so dachte ich bisher, im Knast.

Es sei denn, ich bin Rollstuhlfahrer. Und bin auf einem Auge blind. Und kann die Richterin überzeugen, dass die 20.000 € nur die erste Rate waren für eine Augen-OP, die mir die Sehkraft wiedergeben soll (zumindest steht das so immer in den Illustrierten).

Wie gut, dass ich keine Richterin bin. Ich hätte es nicht glaubwürdig gefunden, dass ein 32jähriger mit Muskelschwund auf der Suche nach 80.000 € die Post aus Briefkästen klaut. Sondern ich hätte angenommen, dass da jemand seine Behinderung zur Ausrede macht, nachdem er eine EC-Karte gefunden hat, auf der so viel Geld drauf war. Und dass jemand 11.000 € verspielt, in der Hoffnung, da werden 80.000 € draus? Naja, das soll ja auch bei nicht behinderten Menschen passieren. Der Mensch ist mittellos, das Geld ist weg. Immerhin hat die Versicherung der Bank dem Opfer den Schaden ersetzt. Das Urteil: Ein Jahr auf Bewährung. Weil sein Motiv "nicht so verwerflich wie bei anderen Taten" sei.

Das passierte gerade in Hamburg. Und in Berlin? Da stand auch ein Rollstuhlfahrer vor Gericht. Ich schreibe bewusst "stand", denn er saß nicht. Zumindest am Ende des einjährigen Verhandlungsmarathons nicht. Nicht mehr. Mehrmals bekam ich von meinen Leserinnen und Lesern einen Link auf entsprechende Zeitungsmeldungen geschickt. So häufig, dass ich nun doch einmal darauf eingehen möchte, obwohl eigentlich klar sein sollte, was ich davon halte.

Was ich davon halte, wenn jemand vorspielt, er habe MS. Seine Beine nur noch zucken lässt, eine Hand nur noch schlaff herabhängen lässt, rumsabbert und einen wirklich bemitleidenswerten Eindruck macht. Nein, es geht nicht um all jene Leute, die finden, ihr Körper sei zu Unrecht gesund. Ähnlich wie die Frauen, die darunter leiden, kein Mann zu sein. Oder umgekehrt. Es geht um Leute, die sich in den Rollstuhl setzen, um Geld zu bekommen. Ich würde es nicht so krass formulieren, wenn es kein Geständnis gegeben hätte, das am Ende die Haftstrafe auf vier Jahre und sechs Monate gedrückt hat.

Über mehrere Jahre hat ein heute 45 Jahre alter Mann in Berlin auf behindert gemacht. Und monatlich neben seiner Grundsicherung auch Pflegegeld und ergänzend Sozialhilfe erhalten, um die angeblich 10 Stunden am Tag benötigte Assistenz bezahlen zu können. Monatlich kamen so 5.000 € zusammen, über die Jahre sind summa summarum eine Viertelmillion Euro aufgewendet worden.

Zwischenzeitlich soll er einige Geliebte gehabt haben, eine davon habe ihn angezeigt. Bei der Festnahme stellte die Polizei neben sieben teuren Uhren und elf Apple-PCs auch das Auto sicher, mit dem er vorwerfbar 56 Mal ohne Führerschein unterwegs gewesen sein soll. Ein Schaltwagen ohne behindertengerechten Umbau. Was mich wundert, denn das müsste doch mal jemandem auffallen. Richtig kränk finde ich aber den Elektrorollstuhl für 16.000 € ... daran merkt man spätestens, wie behindert der Typ ist. Wenn Maria schon Probleme hat, einen Elektrorollstuhl im unteren vierstelligen Bereich genehmigt zu bekommen, warum braucht dieser Mann dann unbedingt einen so teuren? Hätte es nicht, wenn das schon sein muss, um die Legende des Schwerkranken zu untermauern, auch ein einfacher für 2.800 € getan?

Und was mich am meisten ankotzt, ist die Tatsache, dass es oft so unglaublich schwer ist, benötigte Leistungen und Hilfen zu bekommen. Ich erinnere mich da nur an Cathleens Pampers oder an Marias Assistenz. Vielleicht brauchen Cathleen und Maria einfach nur etwas mehr schauspielerisches Talent...

Dienstag, 19. November 2013

Es macht keinen Spaß

Sollte man nicht machen. Eine Kurve schneiden. Nachts. Im Gewerbegebiet. Auch nicht, wenn nachts alle Ampeln in Betrieb sind. Sechs an der Zahl, und außer mir ist fast niemand unterwegs. Und alle sechs sind so geschaltet, dass man mit 50 km/h eine "Rote Welle" hat.

Da juckte es mir in den Fingern. Hab ich natürlich noch nie vorher gemacht... zügig anfahren, auf etwa 65 km/h beschleunigen, vor dem Schneiden der Kurve schauen, dass niemand von vorne kommt und auch gerade niemand überholt, und dann alle sechs Ampeln in dem Moment passieren, wo sie von Grün auf Gelb umschalten. Strike!

Und sich über den Passat Kombi wundern, der hinter mir heran braust und die Ampeln aber sicher bei dunkelrot nimmt. Und an der nächsten Ampel, drei Kilometer weiter, neben mir steht. Zwei Typen sitzen drin, das hatte ich vorher schon im Rückspiegel gesehen. Im Augenwinkel sah ich, wie auf der Beifahrerseite die Scheibe runter ging. Der Fahrer hupte. War meine Zentralverriegelung zu? Ja, war sie. Bloß nicht hingucken. Nachts in Hamburg. Im Gewerbegebiet. Als Frau mit blonden Haaren. Hinterm Steuer.

Man hupte nochmal. Fuhr dann zwei Meter vor. Bei Rot über die Linie, halb vor mich. Mein Blutdruck stieg. Was wollten die Typen vor mir?

Die Frage klärte sich sofort. Der Beifahrer hatte eine rot leuchtende Kelle in der Hand. Zeigte mir dem Zeigefinger der anderen Hand auf den Text, der dort geschrieben stand. Waren die beiden echt?

Sie stiegen aus. Beide trugen zivile Kleidung. Einer kam an meine Tür, machte eine kurbelnde Handbewegung. Noch nie was von elektrischen Fensterhebern gehört? - "Ausweis", sagte ich in seine Richtung und hoffte, er könnte Lippen lesen. Konnte er. Beide hielten ihre Chipkarte vor mein Fenster und einer von den beiden zog seine Jacke ein Stück zur Seite. Ein Schulterholster wurde sichtbar. Ich öffnete das Fenster.

"Guten Morgen! Etwas flott unterwegs, oder? Ihren Führerschein und die Fahrzeugpapiere hätte ich gerne mal gesehen. Motor können Sie laufen lassen, ist ja saukalt draußen."

Ich händigte ihm die Dokumente aus. Er ging damit zu seinem Fahrzeug, holte ein Handfunkgerät heraus und laberte etwas hinein. Inzwischen sagte sein Kollege: "In der Stadt ist 50. Außer dort, wo die Schilder mehr erlauben. Wir belassen es bei einer Ermahnung, weil Sie danach 50 gefahren sind, obwohl sie uns nicht erkannt haben und die Ampeln dort wirklich beknackt geschaltet sind. Es ist aber kein Grund, schneller zu fahren oder Kurven zu schneiden. Beim nächsten Mal müssen Sie mit einer Anzeige rechnen. Haben Sie das verstanden?"

"Jawohl", sagte ich.

Er rieb sich die Hände. "Mensch, ist das bloß kalt geworden! Was haben Sie da? Einen Lenkraddrehknopf?"

"Ja, ich bin Rollstuhlfahrerin und fahre nur mit den Händen." - "Oha. Das wusste ich nicht. Das ist faszinierend, dass es sowas gibt. Also dass man ein Auto nur mit den Händen bedienen kann. Glauben Sie mir, das hat man nicht alle Tage. Und es macht auch nicht unbedingt Spaß, eine Rollstuhlfahrerin anzuhalten."

Nanu? Ich fragte: "Warum? Ich bin doch ganz nett!" - "Ja, so meine ich das auch nicht. Für Sie bedeutet Ihr Auto doch große Mobilität, und da ist es zumindest für mich schon mit einem faden Geschmäckle verbunden, dort einzugreifen." - "Gleiches Recht für alle." - "Ja, trotzdem. Spaß macht das nicht."

Sein Kollege kam zurück, fragte mich: "Was sind das für Eintragungen im Führerschein? Sind Sie schwerbeschädigt?"

Ich verkniff mir ein Grinsen. Beschädigt bin ich zwar nicht, aber ich wusste ja, was er meinte. Ich antwortete: "Ich bin Rollstuhlfahrerin."

Sein Kollege sagte: "Haben wir schon geklärt. Liegt was vor? Dann gute Fahrt." - Der andere Polizist war etwas verdattert, gab mir die Papiere zurück und sagte: "Jaja, gute Fahrt."

Sie stiegen ein. Und weg waren sie. Soso. Es macht keinen Spaß, eine Rollstuhlfahrerin anzuhalten.

Sonntag, 17. November 2013

Komischer Messwert

Der zweite Praktikumstag ist vorbei. Er war deutlich spannender als der erste. Und deutlich emotionaler. Oder, um es anders zu beschreiben: Dieses Mal waren nicht mehr alle Kollegen nett zu uns. Wir mussten unsere erste Duftmarke setzen und entsprechend gibt schon den ersten Kollegen, der uns hasst. Beim Frühstück sollte man das übrigens nicht lesen, es wird super-eklig. Und etwas Zeit braucht man auch.

Wir sollten auf einer gastroenterologischen (also Magen-Darm-Krankheiten) Station mit der Stationsärztin mitlaufen und darüber hinaus nach Möglichkeit bei allen Notfällen, die von der zentralen Notaufnahme in die am Wochenende nur für Notfälle geöffnete Ambulanz einzeln herübergeschickt werden, dabei sein. Unsere Anleiterin sollte gegen 10 Uhr erscheinen, wir mussten allerdings um 8 Uhr auf der Matte stehen und sollten so lange schonmal einem ihrer Kollegen hinterherrollen.

Der Kollege war Anfang 40, gebürtiger Italiener, sprach mit deutlichem Akzent sehr einfaches Deutsch, etwa 165 cm groß, schlank, muskulös, braungebrannte Haut, kurze schwarze Haare. Er wirkte auf mich als hätte er zu viel Kaffee getrunken. Aufgekratzt, wirbelig. Nervig. Er begrüßte uns mit: "Ah die beiden eifrigen Studentinnen, die mir jetzt noch meine letzte Stunde mit ihren vielen Fragen auf die Nerven gehen und alles besser wissen. War nur ein Spaß. Stehen Sie mir heute bloß nicht im Weg rum, warum wollen Sie eigentlich Arzt werden, wenn Sie im Rollstuhl sitzen, das ist doch gar nichts für Sie? Haben Sie keine andere Aufgabe gefunden, Sie sind doch bestimmt nicht dumm? Ich muss jetzt noch kurz in mein Zimmer und dann will ich mir mal eine Patientin ansehen von der Station, sie hat Probleme mit ihrem neuen Stoma, Sie dürfen dabei sein, aber Sie haben Sendepause, damit wir gleich richtig abgesprochen sind, das ist hochsensibel, und Sie stellen sich vor das Fenster und lassen mich meine Arbeit machen. Avete capito?"

Marie murmelte sich ein "Si capisce!" in den nicht vorhandenen Bart, woraufhin er noch irgendwas auf Italienisch plapperte und dann mich mit seinem Handrücken von vorne an der Schulter anstieß und meinte: "Sie wissen, was ein Stoma ist?" - Ich musste an das höhenverstellbare Klo denken. Und fragte zurück: "Na sicher. Hat die Patientin ein Kolo- oder ein Ileostoma?" - Seine Antwort: "Ja, finden Sie das mal heraus! Wir treffen uns in 20 Minuten im Untersuchungsraum 1 im Erdgeschoss, umgezogen in grüner Arbeitskleidung. Und vergessen Sie nicht ...", sagte er, während er mit ausgestrecktem Zeigefinger mehrmals an meinen Button tippte, der auf meiner Brust klemmte, "Ihren 'Ich lerne noch'-Aufkleber an der anderen Kleidung zu befestigen. Nicht, dass man Sie für wichtiger hält als Sie sind."

Die Tür schloss sich hinter ihm, Marie seufzte einmal und sagte: "Das kann ja heiter werden." - Ich antwortete: "Na komm, die zwei Stunden stehen wir durch. Danach wird es schlagartig besser."

Nach dem Umziehen rollten wir in einen riesigen Untersuchungsraum. Im Raum wirbelte eine Krankenschwester herum und hatte bereits alles mögliche vorbereitet. Sie begrüßte uns freundlich. Ich schätzte sie auf Mitte 50. Sie fragte: "Sind Sie gleich bei der Untersuchung dabei?" - Wir nickten. - "Schauen Sie zu oder assistieren Sie?" - "Nee, wir schauen nur zu." - "Sonst hätte ich den Tisch gleich noch ein wenig weiter rübergezogen, damit wir auf der Seite genug Platz haben." - "Nee, wir haben schon Anweisung bekommen, uns mucksmäuschenstill vor das Fenster zu stellen." - "Vor das Fenster? Da sehen Sie doch nichts. Ich zieh den Tisch ein Stück weiter rüber. Bums, aus. Konnte ich ja nicht wissen. Stellen Sie sich mal dorthin."

Einen Moment später sagte sie: "Ich rufe jetzt die Patientin auf." - Sie verschwand, kam kurz danach wieder. Hinter ihr trottete eine etwa 35 Jahre alte Frau im Klinik-Nachthemd, auf Birkenstock-Schuhen, gestützt von einem Mann, nach erster Vermutung ihr Freund oder Ehegatte. Sie schlich deutlich gekrümmt und schien starke Schmerzen zu haben. Sie war leichenblass und wirkte auf mich wie eine Hochschwangere in den Wehen. Sie setzte sich auf den Untersuchungstisch. Dann guckte sie zu uns. Ich rollte den einen Meter auf sie zu, stellte mich vor, gab ihr die Hand und fragte: "Wir sind heute im Rahmen unseres Studiums Gast auf dieser Station. Haben Sie etwas dagegen, wenn wir bei der Untersuchung anwesend sind?" - "Selbstverständlich nicht."

Die Frau war den Tränen nahe. Sie war völlig aufgelöst. Marie gab ihr auch die Hand. Dann fing sie zu heulen an. Und ohne dass jemand sie fragte, redete sie: "Ich habe solche Angst vor dem, was jetzt kommt. Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen, habe mich im Bett hin und her gedreht, wusste vor Schmerzen nicht, wie ich liegen soll. Am besten ging es eine Zeitlang im Vierfüßlerstand. Mir ist seit gestern abend übel ohne Ende, ich habe mich zwei Mal übergeben. Fieber habe ich nicht. Ich war vor zwei Tagen unterm Messer, mein Pouch aus den 1990er-Jahren wurde stillgelegt, aber belassen. Ich habe ein Stoma bekommen, sowas hatte ich vor vielen Jahren schon einmal. Damals hatte ich alle Hoffnung in den Pouch gesteckt, aber der hat sich auch ständig entzündet und nun versuchen wir nochmal, ihn ein paar Monate zu entlasten, aber vermutlich wird er nie wieder angeschlossen. Und das neue Stoma funktioniert irgendwie überhaupt nicht. Da kommt höchstens mal ein bißchen Schleim."

Ach. Du. Scheiße. Ich konnte ihr so halb folgen, Marie wohl auch. Eines darf man in einem anspruchsvollen Studium nicht falsch machen: Im Zweifel gilt es immer, die Klappe zu halten und später nachzulesen. Sind Fragen unvermeidbar, sollte man sie überlegt stellen. So sollte man niemals fragen: "Was ist ein Pouch?" - Sondern lieber: "Was für einen Pouch haben Sie?" - Die erste Frage suggeriert, dass man überhaupt keine Peilung hat, die zweite, dass man weiß, dass es verschiedene gibt. Falls nicht, kommt man da schneller wieder raus als wenn erstmal alle denken, man sei betriebsblind.

Sie antwortete: "Einen J-Pouch. Also den üblichen. Ich habe den 1995 bekommen, nachdem man mir in einer Not-OP den gesamten Dickdarm entfernt hat. Es hatte sich über Nacht ein toxisches Megakolon gebildet." - Okay. Ein toxisches Megakolon ist eine Komplikation bei der Colitis ulcerosa (chronische Dickdarmentzündung), die absolut lebensbedrohlich ist. Ein Pouch, so mutmaßte ich in dem Moment, und das bestätigte sich dann später auch, ist ein vom Chirurg angelegtes Resevoir im Bauchraum, das aus Dünndarmschlingen genäht wird und zwischen Dünndarm-Ende und After eingesetzt wird, um salopp gesagt zu erreichen, dass der flüssige Dünndarmstuhl gehalten und eingedickt werden kann. Der Pouch ersetzt also quasi den Dickdarm - nur leider entzündet er sich meistens genauso wie bislang der inzwischen entfernte Dickdarm.

Der begleitende Ehemann sagte: "Und jetzt hat meine Frau Angst, dass hier wieder etwas lebensbedrohliches ist. Als der Dickdarm entfernt wurde, hat man auch viel zu lange rumgeträumt und dann war plötzlich das Theater groß. Ich verstehe nicht, warum man sie nicht schon gestern abend untersucht hat."

Marie antwortete: "Das weiß ich auch nicht. Das kann ich aber auch überhaupt nicht beurteilen, dafür bin ich noch viel zu unerfahren. Ich drücke Euch aber die Daumen, dass der Doktor Ihnen gleich helfen kann und es Ihnen gleich besser geht." - Die Frau nahm Maries Hand und strich ihr über den Handrücken. Die war völlig fertig. Um das zu erkennen, mussten Marie und ich kein abgeschlossenes Studium haben. Um so erstaunlicher, dass kurz danach der Arzt reingepoltert kam, auf den wir alle warteten. Und der erste Spruch war: "Na, haben Sie schon die Anamnese erhoben? Sie sollten sich doch dort vor das Fenster stellen."

Bevor Marie und ich antworten konnten, sagte die Schwester: "Vor dem Fenster ist schlecht, da kriegen sie ja nichts mit. Ich hatte die beiden hierhin gestellt, das geht auch, oder?" - Und bevor er etwas antworten konnte, hakte ich ein: "Anamnese haben wir uns mit Blick auf den Zustand verkniffen. Wir sind davon ausgegangen, dass die bekannt ist, wenn sie in dieser Klinik schon mindestens eine Nacht verbracht hat."

Der Arzt fragte: "Welchen Zustand?" - "Naja, sie weint. Es geht ihr schlecht." - "Sie beiden müssen noch viel lernen. Aber dafür sind Sie ja hier. Sie fahren jetzt vor das Fenster und haben jetzt Sendepause!"

Während wir vor das Fenster rangierten, sagte die Patientin: "Falls Sie dort unten spiegeln wollen, möchte ich bitte unbedingt ein Schmerzmittel bekommen, ich halte es so schon kaum noch aus vor Schmerzen. Und am liebsten würde ich schlafen." - Der Arzt ließ sich zwei Spritzenampullen mit Pethidin und Midazolam aufziehen, dröhnte ihr jeweils was davon in die in der Armvene steckende Kanüle. Die Patientin nickte sofort weg. Marie und ich gingen davon aus, dass der Arzt weiß, was er da tut, es mutete aber schon sehr seltsam an. Ich hätte erstmal gefragt, was jetzt das akute Problem ist, aber vielleicht wusste er das ja schon.

Ich kenne die Gründe nicht, aber es machte schon einen merkwürdigen Eindruck, wenn jemand ein Video-Endoskop verwendet, dann aber das Bild nicht auf den Monitor übertragen lässt, sondern extra nur auf ein digitales Okular. Oder anders ausgedrückt: So, dass nur er gucken kann, obwohl andere auch gerne was sehen würden. Marie und ich haben zum ersten Mal in unserem Leben live einen künstlichen Darmausgang gesehen. Aus einem Meter Entfernung halt. Der Arzt meinte, der sehe normal aus, noch etwas angeschwollen nach der OP, im Inneren sehe auch alles gut aus, soweit er das sehen könne. Auch der Pouch sei gut. Dass bisher noch kein Stuhl aus dem Ausgang fließe, sei nicht beunruhigend - jeder Darm sei ein hochsensibles Organ und einige Därme spucken danach wie ein Wasserfall, andere gönnen sich drei Tage Ruhe. Panik sei ein schlechter Weggefährte.

Wenn seine Frau jetzt nach der Operation Schmerzen hätte, sei das ebenfalls normal. Dann müsste sie halt öfter um Schmerzmittel bitten, er mache nochmal einen Vermerk in die Akte, dass die Schwestern darauf achten sollten. So eine frische Sache brauche ein paar Tage Ruhe und Geduld, man solle jetzt bloß nicht in Hysterie verfallen. Als Mann solle er etwas beruhigend auf seine Frau einwirken. Dann entschuldigte sich der Arzt, er habe seit einer Stunde Feierabend und würde jetzt gerne nach Hause. Falls im Laufe des Tages noch Fragen auftauchen sollten, würde der diensthabende Kollege beraten - seine Frau käme jetzt in einen Aufwachraum und sei in zwei Stunden wieder wach und könnte dann auf die Station zurück. Mittagessen könnten die beiden also zusammen, wobei die Frau nach der Operation natürlich noch nicht wieder alles essen dürfe. Ob die Ernährungsberaterin schon da gewesen sei, wollte er wissen, und als der Ehemann das bejahte, sagte er: "Sehen Sie, es geht alles seinen Weg."

Von uns verabschiedete er sich nicht, wünschte uns aber viel Spaß mit seinen Kollegen. Dann war er weg. Die Schwester schrieb noch einige Zeit an einem Protokoll, dann fragte der Ehemann: "So, und jetzt?" - "Jetzt schieben wir Ihre Frau gleich in den Aufwachraum und nach ein, zwei Stunden kann sie dann zurück auf die Station."

Der Bericht wird so irre lang, weil ich gerne alles aufschreiben möchte, was passiert ist. Und ich habe das Gefühl, nur alles zusammen ergibt die richtigen Zusammenhänge und Emoitionen. Mir kam diese ganze Sache so unheimlich falsch vor. Ich guckte Marie an und ich hatte ohne jedes Wort im Gefühl, dass sie ebenfalls ziemlich ratlos war. Wenn diese Patientin sich schon die ganze Nacht vor Schmerzen im Bett hin- und hergewälzt hatte, wieso hatte sie dann keine stärkeren Schmerzmittel bekommen? Wieso ist das die einzige Therapie und was hatte der Arzt gerade gemacht? Mit dem Endoskop kann ich in den Dünndarm so gut wie gar nicht hinein. Er hat sich einen normalen Befund anzeigen lassen und den Rest als Hysterie abgetan. Ist diese Frau, die leichenblass und gekrümmt in das Untersuchungszimmer kam, wirklich hysterisch? Oder gibt es noch ein ganz anderes Problem und hat sie nach der Vorgeschichte vielleicht einen richtigen Riecher? Oder ist das einfach eine fiese OP und man muss die ersten Tage die Zähne zusammenbeißen, womit diese Frau ob ihrer bewegten Vergangenheit einfach Schwierigkeiten hat?

Ich rollte an die Position, an der vorher der Arzt gesessen hatte. So ein Endoskop würde ich ja gerne mal selbst in der Hand halten. Ob es wohl schwer ist? Bloß nicht anfassen, dafür ist es noch viel zu früh. Aber es sieht schon interessant aus und ist so teuer wie ein Neuwagen ... wieso zeigt das Pulsoxymeter auf dem Monitor gegenüber eigentlich nur Null-Linien an? "Marie? Komm mal bitte. Guck mal", sagte ich und deutete auf den Monitor. Der Ehemann guckte auch dorthin und fragte: "Oh nein! Ist sie tot?" - "Quatsch", sagte ich und merkte ein leicht panisches Gefühl in mir aufsteigen, "das Gerät misst nicht. Sie atmet, das sieht man doch."

Ich fühlte an ihrem Hals den Puls. Der raste. Ich hob das Bettlaken, mit dem sie zugedeckt war, hoch. Der rot leuchtende Fingerclip lag lose neben ihrer Hand. "Da hat sich nur der Clip gelöst. Ich mach den kurz nochmal dran." - Die Schwester guckte mich entsetzt und ratlos zugleich an. Es dauerte zwei, drei Sekunden, dann wurden Werte auf dem Monitor angezeigt. Puls um die 130, Sauerstoffsättigung 82%. Diese beiden Werte wurden abwechselnd normal und invers dargestellt und normalerweise würde zumindest der zweite von einem ohrenbetäubenden Pling-Pling, Dingel-Dongel-Dingel-Dongel, Tututututututut oder wenigstens Dauermöööööp begleitet werden. Warum das nicht passierte, konnte man rechts oben lesen: "Alarme aus!" stand dort, deutlich sichtbar. Geil.

Ein Messfehler? Hatte sie lackierte Fingernägel? Nee, hatte sie nicht. Eine Blutarmut nach der OP oder nach der langen entzündlichen Phase vor der OP? Und hätte das Einfluss auf den Wert? Wie war das noch gleich? Und wie passte der hohe Puls dazu? Doch wohl nur, weil das Herz versucht, so schnell wie möglich sauerstoffreiches Blut zum Hirn zu bringen, weil das, was da vorbei kommt, nicht ausreichend gesättigt ist. Oder? Andere Ursachen? Was weiß denn ich?!

Ruhe bewahren. Ich sagte zu der Schwester: "Sauerstoffsättigung 82%, Puls 130. Da sollte nochmal ein Arzt draufgucken." - Die Schwester kam so um den Untersuchungstisch, dass sie den Monitor sehen konnte. Und fragte: "Ist der Clip richtig dran? Ich mach ihn mal an die andere Hand." - Dieselben Werte. Dann sagte sie: "Dann rufe ich mal auf der Station an, der Herr Dr. [...] hat ja jetzt Feierabend." - "Piepen Sie mal bitte die Frau [...] an." - "Die Chefin kann ich dafür nicht holen, die dreht mir ein Gewinde in den Hals." - "Unsinn. Das ist unsere Anleiterin und wir haben Order, sie immer zu fragen, wenn wir nicht weiter wissen. Ich nehme das auf meine Kappe, ich sage, dass ich darauf bestanden habe. Oder noch besser: Sagen Sie mir mal bitte die Nummer, ich mache das selbst. Dann können Sie ihr schonmal eine Sauerstoffmaske auf das Gesicht setzen."

Das war ja noch nie da. Die Schwester gab mir die Kurzwahlnummer für den Pieper unserer Professorin, wetzte zum Schrank, holte eine Einmalmaske für die Sauerstoffinhalation raus, steckte das Ding samt Befeuchter in den Wandanschluss, hängte ihr das um das Gesicht. Der Ehemann guckte mit großen Augen. "Was ist mit meiner Frau?" - "Der eine Wert auf dem Monitor gefällt mir nicht. Ich bin aber zu unerfahren, um zu entscheiden, was das bedeutet. Deshalb kommt jetzt nochmal ein Arzt und guckt nach ihr. Solange bekommt sie ein wenig Sauerstoff um die Nase, damit ihr das Atmen etwas leichter fällt." - Und damit das, was sie atmet, der vermutlich dringend benötigte Sauerstoff ist, fügte ich in Gedanken hinzu.

"Sie hat doch Midazolam bekommen - ziehen Sie mal bitte einen Flummi auf", fügte Marie hinzu. "Nicht geben, sondern schonmal bereithalten." - Die Schwester tat es. Holte eine Ampulle Flumazenil aus dem Schrank und füllte sie in eine Spritzenampulle um, beschriftete sie und legte sie neben der Patientin auf den Tisch. Man merkte, dass auch sie aufgeregt wurde. Dann endlich der Rückruf. Meine Anleiterin. "Oh können Sie bitte kommen, wir sitzen hier noch neben der Patientin von Dr. [...], die soll in den Aufwachraum, aber sie hat auf dem Monitor nur 82% Sauerstoffsättigung und hier ist kein Arzt." - "Vermutlich spinnt das Gerät. Klemmen Sie das Ding mal an den großen Zeh, unterhalb des Nagels. Haben Sie mal einen Puls gemessen?" - "130, auch gefühlt, das Herz rast." - "Rufen Sie mal nach einer Schwester, sie soll Sauerstoff dranhängen. Ich komme sofort. Kein Grund zur Panik, okay?"

Das aus ihrem Mund ... also war die Situation so ernst wie wir vermutet haben. Ich sagte: "Sie kommt mal eben vorbei." - Meine Finger zitterten. Wenn wir hier jetzt Scheiße gebaut hatten und das alles eine harmlose Erklärung hätte, könnten wir uns wohl warm anziehen. Wie stehen wir vor dem Ehemann und der Schwester? Und wenn nicht? Darüber wollte ich nicht nachdenken, schob den Gedanken zur Seite. Ich nahm mir das Stethoskop, das neben dem Monitor hing, legte die Membran auf die Pulsader an ihrem Handgelenk und zählte. Puls 130 könnte wirklich hinkommen. Achja, die Klammer sollte ja an den großen Zeh.

Kurz darauf ging die Tür auf. Unsere Anleiterin kam rein. Ja, die war flott unterwegs gewesen. Sie fragte ausgerechnet mich und nicht die Schwester, was hier los sei. Mir schwante schon Böses. Sollte ich jetzt selbst darauf kommen, indem ich das alles noch einmal wiederholte? Egal. Ich stotterte mir zurecht: "35-jährige Patientin nach radikaler Kolektomie 1995. Bekam einen Pouch." - "Totale Kolektomie mit Pouchanlage, ja. Weiter?" - "Ja, nach toxischem Megakolon." - "Spielt jetzt keine Rolle. Akut?" - "Akut ist Zustand nach Anlage eines Ileostomas zur Entlastung des Pouch, weil der sich ständig entzündet hatte." - "Chronische Pouchitis. Weiter?" - "Die OP war vor zwei Tagen, jetzt Klagen über massive Schmerzen, hat sich die ganze Nacht hin und her gewälzt, im Vierfüßlerstand geschlafen, sich übergeben, konnte..." - "Übergeben? Wie oft?" - "Zweimal, glaub ich." - "Geruch? Konsistenz?" - "Keine Ahnung."

Der Ehemann mischte sich ein: "Widerlich. Wie Kuhscheiße." - "Wie hat der Kollege jetzt befundet?" - "Stoma leicht geschwollen, Pouch ohne krankhaften Befund. Hatte Dr. [...] gespiegelt." - "Sono?" - "Keine Ahnung." - "Kein Sono eben?" - "Nein." - "Nicht gemacht oder nicht gesehen?" - "Nicht gemacht."

Sie fragte den Ehemann: "Hat man ein Ultraschall von dem Bauch Ihrer Frau gemacht in den letzten Stunden?" - "Nein."

Während sie fragte, untersuchte sie die Patientin von Kopf bis Fuß. In einer atemberaubenden Geschwindigkeit. Gefühlt hier, gedrückt da, abgehört da, den Stomabeutel ab, kurz drunter geguckt, wieder draufgeklickt. Dann: "Was hat die Patientin für Medikamente bekommen zur Spiegelung?" - "Pethidin und Midazolam." - "Midazolam?" - "Ja." - "Sicher?" - "Ja! Er hat es gesagt und es war kein Propofol, denn es war keine milchige Flüssigkeit, die er gespritzt hat."

Die Schwester sagte: "Ja, Midazolam. Drei Mal 10 und am Ende nochmal 5, weil sie sehr unruhig war. Außerdem 50 Pethidin." - "Ziehen Sie mir mal bitte Flumazenil auf. Wir bereiten dem Spuk jetzt hier mal ein Ende." - "Liegt hier schon bereit." - "Sehr gut." - "Das kam von der jungen Dame dort", sagte sie und zeigte auf Marie. - "Noch besser", sagte unsere Anleiterin. Die Schwester bereitete das Ultraschallgerät vor, dann nahm unsere Anleiterin den Schallkopf in die Hand und innerhalb von 10 Sekunden hatte sie drei Bilder ausgedruckt. "Das muss jetzt mal zack-zack gehen, ich zeige Ihnen das ein anderes Mal", sagte sie zu uns. Einen Moment später war die Patientin hellwach. Als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Sie war panisch, versuchte, sich die Maske vom Gesicht zu nehmen.

"Ganz ruhig bleiben, die Untersuchung ist vorbei. Lassen Sie die Maske mal drauf, das ist nur Sauerstoff, damit Sie leichter Luft bekommen." - Sie drehte ihren Kopf, ihr Mann hielt ihr die eine Hand, mit der anderen Hand griff sie nach der Hand von Marie. Die Ärztin fuhr fort: "Frau [...], Sie haben vermutlich einen Ileus. Das ist ein Darmverschluss. Vermutlich durch die Schwellung im Zusammenhang mit der Operation. Ist Ihnen aktuell noch übel?"

Die Patientin wurde wieder panisch, fing an zu weinen. "Ich hatte das schonmal, muss ich nochmal operiert werden?" - "Im Moment nicht. Im Moment werden wir versuchen, das zu entlasten und dann ein paar Tage abwarten, ob die Schwellung zurückgeht. Ist Ihnen aktuell noch übel?" - "Ja, ich habe ganz heftigen Druck auf dem Magen und ich habe das Gefühl, ich muss jeden Moment spucken."

Zur Schwester sagte sie: "Holen Sie mal eine Spuckwanne. Eine große. Und eine große Spritze, am besten eine Blasenspritze oder sowas." - Und dann zu der Patientin: "Ich werde Ihnen gleich eine Nasensonde legen. Also einen kleinen Schlauch durch die Nase in den Magen, damit die Soße abfließen kann. Das wird einmal einen Moment lang richtig unangenehm, aber danach fühlen Sie sich wie neu geboren und alles ist vorbei. Das Problem ist, dass der Darm an einer Stelle zugeschwollen ist und wenn es in die eine Richtung nicht weitergeht, transportiert der Darm alles in die andere Richtung. Deswegen liegt der gesamte Nahrungsbrei jetzt bei Ihnen im Magen und will raus. Und deswegen geht es Ihnen so schlecht. Okay?"

Die Frau weinte: "Ich möchte aber keine Nasensonde."

Die Ärztin sagte: "Das geht nicht anders. Es geht Ihnen in fünf Minuten sehr viel besser, das verspreche ich Ihnen. Es gibt nur noch ein kleines Problem. Die Narkose eben haben Sie nicht gut vertragen. Wir haben Ihnen ein Gegenmittel gespritzt, das die Narkose aufhebt. Damit können wir Ihnen nicht noch eine neue Narkose geben. Die würde nicht wirken und andere Mittel, die wirken würden, kann ich Ihnen nicht ohne Anästhesist und nicht ohne Schlauch in die Lunge geben. Das wäre alles unverhältnismäßig und eine reine Quälerei. Deswegen würde ich Ihnen gerne die Sonde kurz ohne Narkose legen. Ich gebe mir ganz viel Mühe und es wird ganz schnell vorbei sein."

Die Schwester kam mit einer großen Plastikwanne für Instrumente wieder. Die Ärztin forderte mich auf, mich auf Befehl mit dem ganzen Körpergewicht auf die Füße der Patientin zu legen. Schwester und Ehemann sollten jeweils einen Arm festhalten. "Sie wird mit Händen und Füßen um sich schlagen und treten, Sie müssen richtig gut festhalten. Richtig gut. Okay?" - Die Patientin stimmte zu. Ich setzte mich mit dem Po auf das untere Ende des Untersuchungstisches, griff ihre Fußgelenke und stützte mich mit meinem gesamten Körpergewicht dagegen. Die Ärztin bereitete alles vor, dann ging es los. "Festhalten! Und schlucken, schlucken, schlucken, schlucken!"

Die Frau versuchte zu zappeln, aber alle hielten fest. Nach fünf Sekunden war alles vorbei. Die Ärztin zog eine eklig braune Flüssigkeit mit der Blasenspritze durch den Schlauch und plötzlich wurde der Druck so groß, dass der Kolben der Spritze rausploppte und sich die ganze Soße schwallartig in die Wanne ergoss. "Falls jemand kotzen muss, bitte direkt auf den Fußboden. Nicht über die Geräte und nicht hier erst noch rumlaufen und hinfallen. Einfach auf den Fußboden", sagte unsere Anleiterin. Ein bestialischer Gestank breitete sich aus. Die Schwester hielt sich einen Ärmel vor das Gesicht, ging zur Tür und betätigte die Lüftung. Nachdem der größte Teil der Brühe rausgelaufen war, zog die Ärztin den Rest des Mageninhalts mit der Spritze nach draußen. Nach drei bis vier Minuten war alles draußen, dann drückte die Ärztin der Schwester die Wanne in die Hand und sagte: "Bitte sofort vernichten."

Die einzige, die das alles toll fand, war die Patientin. Sie bekam wie auf Bestellung rosa Farbe ins Gesicht und wurde richtig fröhlich. Sie bekam die Sonde festgeklebt und wurde kurz danach auf ihre Station zurückverlegt. Unsere Anleiterin sagte anschließend zu uns: "Wer von Ihnen ist eigentlich auf die Idee mit dem Flumazenil gekommen?" - Ich deutete auf Marie. Die Ärztin sagte: "Woher wussten Sie das? Das können Sie eigentlich noch gar nicht wissen." - "Meine Mutter ist Ärztin und ich habe schon als ich 14 war immer bei ihr in der Praxis geholfen und Blutanalysen mitgemacht und so weiter. Alles, was mit Medizin zu tun hat, sauge ich auf wie ein Schwamm und das behalte ich auch. Ich habe meine Mutter mal gefragt, warum die Rettung von Michael Jackson so schwer war und am Ende gescheitert ist. Da hat sie mir von der geringen therapeutischen Breite von Propofol erzählt und dass es dagegen kein Antidot gibt, man also nur immer weiter beatmen kann, bis die Wirkung raus ist. Während man bei Midazolam einfach ein Gegenmittel geben kann, wenn da was falsch läuft."

"Und warum nimmt man Midazolam heute eigentlich nicht mehr, Jule?" - "Weil es so einen langen Überhang hat, es dauert Stunden, bis die Patienten aus der Kurznarkose wieder wach sind. Man braucht ein zusätzliches starkes Schmerzmittel, die Patienten dämmern vor sich hin - bei Propofol geht es wie mit einem Lichtschalter. Narkose an, und wenn man nicht nachdosiert ist kurz danach die Narkose vorbei." - "Und woher wissen Sie das? Das war doch noch gar nicht dran im Studium." - "Ich stand daneben, als Maries Mutter das erklärt hat." - "Okay. Marie, was muss man denn beachten, wenn man das Flumazenil gegeben hat? Stichwort: Wirkdauer?" - "Es wirkt kürzer als das Midazolam, deswegen muss sie später vermutlich noch was nachgespritzt bekommen." - "Sie wissen beide, dass Sie der Frau gerade sehr geholfen haben, ja?" - "Naja, ohne uns hätte das Gerät im Aufwachraum gepiept oder sie hätte dort alles vollgekotzt." - "Oder sie hätte auf dem Weg dorthin in Rückenlage erbrochen und die ganze Soße wäre in die Lunge gelaufen. Warum haben Sie mich eigentlich erst bei 82% gerufen?"

Ich antwortete, und ich weiß, dass mich der italienische Arzt dafür vermutlich immer hassen wird: "Das war der erste Wert, den das Gerät anzeigte, als ich es angeschlossen habe. Davor zeigte es nur Nullen an, weil der Clip neben dem Finger lag."

Das gibt vermutlich noch jede Menge Stress. Stressfrei verlief der Tag nach diesem ersten Schreck. Von dem Moment abgesehen, als wir noch einmal bei der Patientin am Zimmer klopften und fragten, wie es ihr inzwischen gehe. Die Frau schlief (endlich), aber der Ehemann sagte mit Tränen in den Augen: "Ich bin Ihnen beiden so dankbar. Ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn Sie das nicht übernommen hätten. Und der Ärztin bestellen Sie das bitte auch. Die war richtig top." - Und wieder denke ich: Ich hab doch eigentlich gar nix gemacht. Außer jemanden angerufen, weil mir ein Messwert komisch vorkam.

Samstag, 16. November 2013

So leicht kann einfach sein

Und noch ein Nachtrag zum Thema "Assistenz" und "Freibetrag für Vermögen auf dem Konto" - einen, bei dem vermutlich selbst dem Amtsschimmel das Wiehern im Hals stecken bleibt.

Maria bucht seit einiger Zeit ihre Pflege- und Assistenzleistungen nach ihrem Bedarf in unserem Wohnprojekt und finanziert sie über ein so genanntes "trägerübergreifendes persönliches Budget". Das ist im Grunde nichts anderes, als dass der Gesamtbedarf ermittelt wird, in einem Plan festgehalten wird, die verschiedenen Kostenträger (Krankenkasse, Pflegekasse, Sozialamt) sich untereinander klar werden, wer wieviel leistet - und dann kleckern nicht alle einzeln herum, sondern es gibt eine Gesamtzahlung von einem Träger und ihre Erstattungsansprüche regeln sie untereinander.

Soweit, so gut. Im Oktober hat nun Marias Krankenkasse ihr EDV-System umgestellt. Und deshalb die Zahlung für den Monat November bereits 14 Tage früher als üblich an das Sozialamt angewiesen. Natürlich steht im Verwendungszweck, dass es sich um das Geld für November handelt, aber: Irgendeine dämliche Vorschrift beim Sozialamt besagt, das Geld ist dem Monat zuzurechnen, in dem es erwirtschaftet wurde.

Das bedeutet (die folgenden Zahlen sind nur beispielhaft): Die Krankenkasse zahlt monatlich 750 €, die Pflegekasse zahlt monatlich 2.000 €, das Sozialamt zahlt monatlich 3.500 €. Zusammen sind das 6.250 € jeden Monat. Am 01.10.13 hat das Sozialamt 6.250 € auf Marias Konto überwiesen. 2.750 € haben Kranken- und Pflegekasse dem Sozialamt erstattet.

Wegen der Umstellung in der EDV haben Kranken- und Pflegekasse nun am 16.10.13 noch einmal 2.750 € überwiesen - und zwar für November bestimmt. Das Sozialamt hat dieses Geld gleich an Maria durchgereicht, allerdings in der Akte vermerkt, dass im Oktober 2.750 € zusätzliches Geld eingegangen ist und einen Bescheid erlassen, dass im Monat Oktober nur Anspruch auf (3.500 € - 2.750 € =) 750 € gegen das Sozialamt besteht. Da am 01.10. bereits die 3.500 € vom Sozialamt ausgezahlt worden sind, sei eine Überzahlung entstanden, die im Monat November ausgeglichen wird. Im November zahlt das Sozialamt also nur 750 €...

Man kann das natürlich so machen, wenn es kompliziert sein soll. Dann müsste man aber berücksichtigen, dass vor dem 01.12.13 ja kein Geld mehr von der Kranken- und Pflegekasse kommt. Damit müsste dann das Sozialamt diese 2.750 € nun doch wieder zahlen. - Das ist aber nicht vorgesehen, die Leistung ergebe sich aus der Vereinbarung und sei entsprechend gedeckelt. Maria wurde auf ein Schreiben von Frank aufgefordert, sorgsamer mit ihrem Geld zu haushalten...

Und als wäre das noch nicht genug: Als Kompromiss hat man Maria angeboten, die "zuviel" benötigte Leistung als Darlehen zu erbringen. Gleichzeitig wird Maria aufgefordert, die Kontoauszüge des Budgetkontos und des privaten Kontos vorzulegen. Auf dem Budgetkonto ist eine Schwankungsreserve von 3.000 € nicht zu überschreiten; auf dem privaten Konto dürfen maximal die schon bekannten 2.600 € als Vermögen liegen. Wird beides überschritten, kürzt sich die Dezemberzahlung erneut um das, was im Oktober zuviel auf den beiden Konten war.

Erst als sich der Dezernent der Behörde in das Verfahren eingeschaltet hatte, kam Licht ins Dunkel: Die Sachbearbeiterin, die das sonst macht, ist krank, die Vertretung ... ich schreibe nicht weiter. Lösung: Maria erstattet die 2.750 €, die am 16.10.13 für November von der Kranken- und Pflegekasse über das Sozialamt auf ihr Konto gezahlt wurden, an das Sozialamt zurück, weil es sich dabei um eine Fehlbuchung handelte. Anschließend werden dieselben 2.750 € vom Sozialamt wieder auf Marias Konto zurück überwiesen, denn jetzt ist ja bereits November.

Hurra! Wenn doch alles so einfach wäre...

Fairerweise sollte ich erwähnen, dass man sich in einem persönlichen Telefonat mit Maria für die Panne entschuldigt hat.

Freitag, 15. November 2013

Sieben Mal die Zwo

Oh, sieben Zweien auf einmal! Nein, nicht in der Klausur und 2.222.222 ist weder meine IP-Adresse noch ist 2222222 meine Telefonnummer. Das ist war los:


Ich nehme diese Schnapszahl zum Anlass, meinen treuen Leserinnen und Lesern, genauso wie den spontanen Besucherinnen und Besuchern, einen Sekt anzubieten: Prost!

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Käsewürfel anybody?


Haut rein!

Zweihundert Euro

Marie und ich ziehen mit einigen anderen Leuten aus unserem Sportverein unsere Bahnen im Wasser. Wir sind genervt, weil nicht nur die barrierefreie Dusche mal wieder außer Betrieb ist, sondern auch der Duschraum für die Damen neu gefliest wurde und daher nicht betreten werden darf. Alle anderen Frauen sollen im Saunabereich duschen, wir können das nicht, weil wir dafür über Stufen müssten.

Wir wundern uns schon längere Zeit über einen Typen, Anfang 40, der in unserer Bahn in unserem Tempo seine Runden dreht. Normalerweise kümmert uns das nicht, es kann ja sein, dass Tatjana, unsere Trainerin, uns gleich noch ein neues Gesicht vorstellen will. Plötzlich, ich bin gerade am Beckenrand und warte darauf, dass die Schwimmerin vor mir genügend Abstand hat, tippt mir dieser Typ von hinten auf die Schulter. Er sagt: "Die Dusche ist gesperrt!"

Ich antworte: "Weiß ich schon!", und schwimme weiter. Fünf Bahnen später gibt es am Beckenrand eine tierische Aufregung. Unter anderem wartet Marie am Ende der Bahn auf mich und fragt mich: "Was ist das für ein Typ, den ich nicht kenne?" - "Keine Ahnung." - "Der hat mir und einigen anderen gerade 200 Euro angeboten, wenn jemand mit ihm in die Dusche geht." - "Waaaas?"

Ende vom Lied: Er ist so unauffälig verschwunden wie er plötzlich da war. Wir haben Tatjana Bescheid gesagt, einer von unseren Fußgängern ist gleich durch die Umkleiden hinterher, der Schwimmeister hat sogar die Polizei gerufen - aber von dem Typen weit und breit keine Spur.

Marie meinte hinterher: "Jetzt sind mir doch glatt die 200 Euro entgangen. Dabei wollte ich mir diesen Monat noch eine Winterjacke kaufen." - Worauf Tatjana antwortete: "Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?" - "Natürlich nicht. Ich frage mich nur gerade, ob das eine spontane Idee war, oder ob derjenige mit dieser Tour schon einmal oder sogar mehrmals Erfolg hatte."

Und ich frage mich, was er wohl der Polizei erzählt hätte, hätte man ihn geschnappt. Maries Vater, selbst bei dem blau-weißen Verein, sagte, als Marie ihm das zu Hause erzählte: "'Da hat Marie etwas gänzlich missverstanden. Ich habe einen Zweihundert-Euro-Schein vor der Damendusche gefunden und wollte wissen, ob das ihrer ist. Ich hatte gesehen, dass sie dort längs gefahren ist und mir war so, als wäre er aus ihrem Rollstuhl geflattert.' Und dann übergibt er den Polizisten als Fundsache den Schein, den Marie für das Beine breit machen bekommen sollte."

Marie guckte ihn entgeistert an: "Nee, oder?" - "Doch, alter Hut. Wenn du clever bist, sagst du gleich: 'Tatsächlich, da ist ja mein Geld!'"

Maries Mutter erzählte bei der Gelegenheit, dass sie, als sie noch studiert und später im Krankenhaus gearbeitet hat, über die Jahre mehrmals einschlägige Angebote von Kommilitonen, Kollegen und sogar Vorgesetzten bekommen hätte. Wahrscheinlich bin ich zu naiv. Ich bin ja inzwischen so drauf, dass ich einen One-Night-Stand (oder vielleicht auch mehrere) mit dem richtigen Typen nicht mehr kategorisch ausschließe. Aber sich dafür bezahlen lassen? Mal eben so nebenbei? Unter Freunden? Unter Kommilitonen? Unter Kollegen? Mit Vorgesetzten? Was geht denn jetzt ab?!

Donnerstag, 14. November 2013

Leider geil

Ich glaub das nicht! Da steht man an einem kalten Abend an einem großen Busbahnhof in Hamburg und dann das:


Der Humor des Busfahrers: Leider geil!

Mittwoch, 13. November 2013

Dringender Reformbedarf

Die Sozialhilfe soll ein menschenwürdiges Leben ermöglichen. Sie steht in der Regel an letzter Stelle, ist also fast immer nachrangig. Die Gewährung von Sozialhilfe setzt immer eine Bedürftigkeit voraus. Wer sich selbst helfen kann, muss sich auch selbst helfen. Ein eigenes Einkommen ist muss verwendet werden, bevor Sozialhilfe gezahlt wird. Gleiches gilt für Vermögen, für das Einkommen des Ehemannes, unterhaltspflichtiger Kinder und Eltern.

Für Leistungen zur Sicherung des Grundbedarfs, einer persönlichen Existenz, klingt das logisch. Aber insbesondere durch Steffi, die Assistenzleistungen, die sie eigentlich bräuchte und die sie auch bewilligt bekäme, nicht in Anspruch nimmt, um sich aus eigenen Mitteln ein Auto und einen Jahresurlaub zu finanzieren, habe ich in den letzten Tagen sehr viel nachgedacht und mir einige Fragen gestellt, deren Antworten ich nicht kenne und deren Antworten ich auch nicht neutral ermitteln kann, denn meine Meinung ist pro Steffi gefärbt.

Ich frage mich wirklich ernsthaft, ob es angemessen ist, von einem Menschen, der täglich Pflege und Assistenz in einem Umfang benötigt, wie er nicht (mehr) durch die Pflegeversicherung abgedeckt ist, zu verlangen, diese Leistungen selbst zu bezahlen. Oder sie von Ehepartnern, Kindern oder Eltern bezahlen zu lassen. Dabei rede ich nicht von Wahl- und Zusatzleistungen, sondern von Grundleistungen zur Sicherung eines menschenwürdigen Lebens. Ich frage mich auch, ob es korrekt ist, hier von Sozialhilfe zu sprechen.

Ist es wirklich gerecht, dass ein Mensch, der so schwer pflegebedürftig ist, dass die Mittel aus der Pflegeversicherung nicht reichen, für seine Pflege mit eigenem Geld aufkommen muss? Gibt es einen Unterschied zu der Behandlung akuter Krankheiten, wo ja auch nicht nach der Schwere oder den Kosten unterschieden wird?

Aktuell liegt der Freibetrag, den jemand, der trotz Assistenzbedarf einen Job hat, auf dem Sparbuch haben darf, bei 2.600 €. Sobald ein Euro mehr auf dem Sparbuch ist, muss man für Kosten, die über der maximalen monatlichen Leistung der Pflegeversicherung benötigt werden, und für Assistenzleistungen selbst aufkommen. Damit ist klar: Familien, in denen ein Mitglied hohen Pflege- oder Assistenzbedarf hat, haben ein Leben lang nur das Nötigste zum Leben und niemals Geld auf dem Sparbuch. Ist das gerecht?

Heiratet mich jemand, wenn ich Assistenzbedarf habe? Würde es sich, wenn ich Pflege- oder Assistenzbedarf hätte, überhaupt lohnen, einen Beruf zu lernen oder zu studieren? Mich dort anzustrengen, um die Karriereleiter hochzuklettern? Brauchen wir überhaupt die Bemühungen, auch Menschen mit Einschränkungen auf Regelschulen zu beschulen und sie in vernünftige Jobs zu bringen, wenn sie mitunter am Ende das Geld, das sie verdienen, doch nur für ihre Pflege verwenden? Bringt das was?

Ich frage mich ernsthaft, ob sich hinter diesem Thema nicht auch eine Chance verbirgt, etwas für die Wirtschaft zu tun. So gut verdienen Assistenz- und Pflegekräfte nicht, dass zu befürchten ist, dass sie Geld unter der Matratze oder im Ausland horten. Also geben sie es aus - das ist doch genau das, was unsere Politik möchte, oder? Und bei der Gelegenheit werden eben nicht nur ein paar neue Bahnhöfe gebaut, sondern Menschen leben in Würde.

Ich weiß nicht, ob man bei dieser Leistung einen Freibetrag braucht. Ich bin keine Expertin auf diesem Gebiet. Aber eines sagt mir der gesunde Menschenverstand: Der Staat, wir alle, haben nicht einen Cent mehr zur Verfügung, wenn jemand wie Stefanie auf Assistenz verzichtet, weil da mehr als 2.600 € auf dem Konto sind. Und was auch sehr wundert: Selbst bei Hartz IV (Arbeitslosengeld II) gibt es erheblich höhere Freibeträge.

Wie schon gesagt, meine Meinung ist gefärbt. Aber ich sehe hier einen dringenden Reformbedarf.

Montag, 11. November 2013

Letzter Wettkampf 2013

Es war vermutlich der letzte Wettkampf vor dem ersten Schnee. Mit mageren vier Leuten aus Hamburg sind wir gestern morgen ins benachbarte Schleswig-Holstein gefahren, um an einem Handbikerennen für Jedefrau und Jedermann teilzunehmen. Im Vordergrund sollte der Spaß stehen, das hatten auch fast alle begriffen. Die Betonung liegt auf "fast", denn es gab deutlich mehr Ausschlüsse und Disqualifikationen als bei jedem anderen Rennen, an dem ich vorher teilgenommen hatte. Und ich habe durchaus schon an Wettkämpfen teilgenommen, die Teil einer bepunkteten Serie waren, die internationale Athleten am Start und die entsprechend auch ein strenges Wettkampfgericht hatten.

Leider haben etliche Leute nicht verstanden, dass auch bei einem Spaßturnier einige Regeln gelten. So wurde eine Frau Mitte 40 ausgeschlossen, weil sie sich geweigert hatte, ihre Ohrringe rauszunehmen. Was nun wirklich albern ist, denn jedes Kind weiß, dass beim Sport kein Schmuck getragen wird. Drei Leute produzierten nacheinander je zwei Fehlstarts, beim siebten Start und drei Teilnehmern weniger klappte es denn nun endlich, dafür bekam Marie nach 500 Metern einen Trinkbecher von einer Konkurrentin vor den Kopf geworfen, was dieser zunächst eine Zeitstrafe, und als sie -kaum zu glauben, aber wahr- noch einer anderen Teilnehmerin aus Sachsen ebenfalls einen Becher an den Kopf warf, natürlich wieder aus Versehen, war auch ihr Rennen zu Ende. Eigentlich. Uneigentlich fuhr sie einfach weiter, was bei einem offiziellen Wettkampf ganz schnell mit einer Sperre belegt wird - nur das war ja eher eine Just-for-Fun-Veranstaltung, so dass sie hinterher auch noch zu Marie meinte: "Auch wenn meine Zeit nicht offiziell auftaucht, ich bin besser als du."

Ich hatte den Eindruck, da hatten sich ein paar Leute versammelt, die lediglich Stunk machen wollten. Ich habe aber nicht herausgefunden, warum. Schade eigentlich, denn ansonsten war die Veranstaltung wirklich gelungen.

Sonntag, 10. November 2013

Erster Praktikumstag

Die Patientinnen und Patienten, die gestern in die internistische Notaufnahme eines großen Hamburger Krankenhauses kamen, mussten einiges über sich ergehen lassen. Nicht jene, die gleich in den Schockraum kamen, damit hatten wir nichts zu tun. Aber durch die Behandlungsräume, wo diejenigen waren, die nicht aus dem letzten Loch pfiffen, rollten zwei eifrige Rollifahrerinnen und wollten was lernen.

Marie und mich gab es nur im Doppelpack: Immer abwechselnd stand eine von uns daneben und schaute zu, die andere musste die Patientinnen und Patienten aufrufen, sie in den Behandlungsraum begleiten, das akute Problem erfragen, zusammen mit einer Schwester je nach Problem Blutdruck, Puls, Temperatur und Blutzucker messen, die Vorgeschichte grob aufschreiben, der Internistin Bescheid sagen und dann zugucken oder sogar assistieren, also irgendwas aus den Schubladen holen oder ähnliches.

Die Reaktionen auf uns waren sehr vielfältig. Es gab eine etwa 70jährige Frau, die Angst vor mir hatte und von mir nicht behandelt werden wollte. Das war krass, aber ich hatte das Gefühl, sie war auch schon etwas durch den Wind. Die Internistin, bei der wir im Moment Praktikum machen, sagte: "Warum wollen Sie sich denn von meiner Kollegin nicht untersuchen lassen?" - "Die ist krank und ich komme damit nicht zurecht. Sie macht mir Angst."

Ein Mann hatte einen kleinen Dachschaden, das merkte man aber nicht sofort. Erstmal wurde er richtig giftig. Wir müssen alle einen Button tragen, dass wir noch lernen. Sofortiger Brüll-Kommentar: "Ich möchte von einem Doktor der Chirurgie behandelt werden, Sie müssen einen Doktor rufen, es ist wichtig!!" - Auch mit der Schwester wollte er nicht reden. Die rief die Ärztin, erklärte ihr, dass der Patient nicht mit uns reden wollte. Woraufhin er wiederholte: "Ich kann nur mit einem Doktor der Chirurgie reden, drunter mach ich es nicht." - Unsere Ausbilderin stand noch in der Schiebetür, eine Hand am Griff, antwortete: "Der Herr guckt zu viel Schwarzwaldklinik. Jetzt sag ich Ihnen mal was: Ich bin Doktorin. Professorin sogar. Und du kannst mich mal. Du sagst jetzt der Schwester schön deinen Namen oder du kannst hier warten, bis du schimmelst." - Marie und ich guckten uns mit großen Augen an, während neben uns die Tür ins Schloss fiel. Kurz danach kam der klinikeigene Security-Mensch in unser Zimmer und stellte sich in die Ecke, bis die Schwester mit Blutdruckmessen fertig war. Wo denn sein Problem liege, wollte sie wissen. Der Typ meinte: "Mir sitzt ein Pups quer. Hier oben." - Dann packte er Zigaretten aus, wollte rauchen. Der Security-Mensch nahm ihm die Schachtel weg: "So. Raus." - Spuk beendet.

Ansonsten waren sehr viele alkoholisierte und damit kotzende Leute da. Einer wurde mit Unterbauchbeschwerden mit einem Taxi gebracht, als er auf der Liege saß, kippte er plötzlich nach hinten weg, fing an zu krampfen und einen Moment später setzte er sich wieder hin und spuckte mindestens einen halben Liter Blut diagonal durch den Raum. Zum Glück stand niemand von uns in der Schussbahn. Was für ein Schweinkram, und wie das stank! Boa, pfui Teufel. Wir mussten natürlich sofort raus. Was aus dem Typen geworden ist, wissen wir noch nicht.

Eine weitere Gruppe: Viele Obdachlose, die zum Teil sehr merkwürdige Beschwerden hatten. Die Ärztin meinte, oft kämen sie auch, weil es draußen kalt und ungemütlich ist. Dann sei es im Krankenhaus warm und trocken, ein sauberes Bett ... nur da müsse man hart sein. Wenn sich das rumspricht, hätten wir hier bald ein Obdachlosenhaus und das sei halt nicht unser Zweck. Da sei die Stadt gefragt, den Menschen vernünftige Betten zu geben. Das entbinde einen allerdings nicht von der Pflicht, sehr genau zu schauen. Man dürfe nie das Vorurteil haben, dass jemand komme, um nicht draußen schlafen zu müssen. Und bei der Frage, ob man jemanden einen Tag lang zur Beobachtung aufnimmt, müsse immer derselbe Maßstab gelten, so dass selbstverständlich auch jeder Mensch ohne festes Zuhause zur Beobachtung aufgenommen werden könne, wenn die Beschwerden unklar seien. Wem sagte sie das?

Die Mehrzahl der Leute, die an dem Abend da waren, hatte Beschwerden, die man auch einen Tag zuvor beim Hausarzt hätte klären können. Viele Patienten haben Marie oder mich in der Zeit, wo wir auf die Ärztin gewartet haben, angesprochen und gesagt, dass sie das toll finden, dass wir uns von unseren körperlichen Einschränkungen nicht den Berufswunsch diktieren ließen. Das ist natürlich nett gemeint, ich reagiere darauf auch immer mit einem "Dankeschön"; es zeigt aber andererseits auch, dass es eben für die meisten Menschen nicht selbstverständlich ist, was mir machen. Insgesamt hat der Tag Marie und mir sehr viel Spaß gemacht. Es war einer von sieben Terminen, die wir samstags im Rahmen eines Vorbereitungspraktikums ableisten müssen. Die Kolleginnen und Kollegen sind allesamt sehr nett und auch erstaunlich gut gelaunt, es ist beim Personal bisher niemand dazwischen, mit dem man nicht irgendwie zurecht kommt. Beim Personal war es auch deutlich entspannter: Wir waren nicht die ersten Studentinnen, die im Rollstuhl sitzen. Das fand ich sehr angenehm. Das Haus ist zudem sehr gut ausgestattet, soweit ich das beurteilen kann. Wenngleich mir der Samstag eigentlich so gar nicht passt, freue ich mich schon auf den nächsten Termin.

Freitag, 8. November 2013

Noch keine Idee

Ich werde mir bis zum Ende dieses Jahres auf jeden Fall noch ein Auto bestellen, um Zuschüsse und Vergünstigungen nicht zu verlieren, und um endlich meine Sportgeräte (Rennrolli, Rennbike) wieder vernünftig transportieren zu können. Und dabei auch noch Platz für zwei oder drei andere Leute zu haben.

Im Moment spricht bei mir vieles für den Transporter von Volkswagen. Der wäre für 48.000 € zu haben, und zwar in sehr hochwertiger Ausstattung und mit behindertemgerechten Umbau.

Ich habe sehr viele Reaktionen bekommen. Überwiegend habe ich gehört, dass man mit dem Transporter nichts falsch machen kann. Als Alternative wurde mir entweder der Caddy in der Langversion vorgeschlagen oder der Renault Grand Espace. Der Caddy kommt für mich allerdings nicht in Frage, da der Einstieg hinten im Bereich der Füße sehr eng ist und meine Sportgeräte nicht ohne Umklappen der Sitze reinpassen, so dass ich wieder nur maximal eine Person mitnehmen kann. Der Renault ist mir zu teuer: Diesel mit Automatik und behindertengerechtem Umbau kosten mich deutlich mehr als der Transporter. Kaum zu glauben, aber wahr.

Ich könnte mir eher vorstellen, mich mit dem Transporter auf diese Fahrten zum Sport, zu Wettkämpfen, zum Übernachten irgendwo zu beschränken und mir für den Alltag noch einen Polo oder Golf anzuschaffen. Marie meint, ich solle mir einen Audi R8 holen. Eine richtig gute Idee habe ich noch nicht. Ich denke noch nach und überlege. Nein, nicht wirklich über den Rennwagen...

Donnerstag, 7. November 2013

Nicht vorgesehen

Wie bereits erwähnt, war ich gestern bei einem Freund, um mit ihm über ein paar organisatorische Details zu einer Sportveranstaltung zu sprechen. Ich habe ihm natürlich von meiner gestrigen Begegnung mit dem hilfsbereiten Herrn, der mich beinahe dorthin geschoben hätte, wohin ich gar nicht wollte, erzählt. Da er selbst auch Rollstuhlfahrer ist, fand er es nur lustig. Er sagte: "Ich frag mich nur immer, was mit den Menschen passiert, die schüchtern sind und sich nicht so wehren können. Die finden sich plötzlich irgendwo wieder, wo sie niemals hinwollten." - Ich ergänzte: "Im falschen Bus, im Heim, bei der Polizei oder vielleicht sogar im Puff."

Er erzählte mir bei der Gelegenheit von einer mindestens ebenso unglaublichen Story, die ihn gerade seit einigen Wochen beschäftigt und die bereits einige Kreise gezogen hat. Er hat eine Versammlung zu organisieren, zu der rund 200 Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer eingeladen werden sollen. Sie soll in einem Haus stattfinden, das gerade mit großem Aufwand saniert wurde. Da dort auch öffentliche Aufgaben wahrgenommen werden, muss das Haus barrierefrei sein. Die Stadt hat sich mit einer sechsstelligen Summe an den Baukosten beteiligt. Ein dort vorhandener großer (inzwischen auch barrierefreier) Tagungsraum eignet sich sehr gut (um nicht zu sagen optimal) als Veranstaltungsraum - er kann, da die veranstaltende (private) Organisation mitgliedschaftlich mit jener Organisation verbunden ist, der das Haus gehört und deren Haussanierung mit öffentlichen Mitteln unterstützt wurde, für die Veranstaltung sogar auch noch kostenlos genutzt werden.

Die Sache hat aber einen Haken: Auf die Einladung der 200 Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer rechnet dieser Freund mit etwa 50 bis 70 Anmeldungen. Die meisten Leute können auf öffentliche Verkehrsmittel verwiesen werden, bei aber rund 15 Personen handelt es sich um Leute, die beispielsweise ständig beatmet werden oder die kaum Armkraft oder Rumpfstabilität haben, so dass sie nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren können. Diese werden mit einem Fahrdienst gebracht oder kommen mit dem eigenen Auto. Selbstverständlich haben diese Personen alle einen blauen Parkausweis für Rollstuhlfahrer.

Nun hat dieses 1950 erbaute und mitten in der City gelegene Haus aber keine eigenen Parkplätze. Im Umkreis von 100 Metern um das Haus befinden sich etwa 200 öffentliche Parkplätze. Also solche, diei für jedes Auto einfach nutzbar sind. Einfach Auto reinstellen, Parkticket am Automaten lösen, in die Scheibe legen, fertig. Nur auf diesen Plätzen kann ein Rollstuhlfahrer nicht ein- und aussteigen. Sie sind nicht breit genug. Am einfachsten wäre es wohl nun, wenn man für die drei Stunden, die die Veranstaltung dauert, von den 200 Plätzen rund 20 wegnimmt und als 15 deutlich breitere "Behindertenparkplätze" kennzeichnet. Also einfach drei Schilder aufstellen: "Parken nur mit blauem Parkausweis für Schwerbehinderte sichtbar im Fahrzeug, am nächsten Dienstag von 18 bis 22 Uhr." - Jeweils ein Schild mit einem Pfeil drunter, fertig ist die Laube.

Geht nicht.

So etwas ist in den Gesetzen und Vorschriften nicht vorgesehen.

Und jetzt kommt es: Wenn ich an dem Abend umziehe und eine 50 Meter lange Halteverbotszone brauche, weil dort zwei Möbelwagen quer parken müssen, schließlich habe ich ja eine ganze Bibliothek und einen Steinway-Konzertflügel zu transportieren, dann ist das kein Problem. Wenn ich Hobbyfilmer bin, mir für 15 Euro einen Gewerbeschein hole und dann beantrage, an dem Abend auf dem Hausdach Filmaufnahmen machen zu wollen und dafür ein Teleskopmastfahrzeug quer über 15 Parkplätze stellen zu müssen, bekomme ich die dafür nötige Genehmigung auch. Selbst wenn bei der Veranstaltung jemand Hunger hätte und die Frikadellen aus feuertechnischen Vorschriften nicht im Veranstaltungraum gebraten werden können, sondern im Cateringbus vor der Haustür, gäbe es die Möglichkeit, Parkplätze für den Cateringbus nebst separatem Generatorfahrzeug abzusperren. Alles, was man braucht, ist eine straßenverkehrsbehördliche Anordnung. Und die gibt es dann auch.

Für Rollstuhlfahrerparkplätze aber nicht. Das sei, so die Verkehrsbehörde, im Gesetz und in den dazugehörigen Verwaltungsvorschriften nicht vorgesehen.

Der zuständige Beamte habe zwar, wie er gesagt haben soll, einen gewissen Ermessensspielraum, nur hier verbiete ihm das Privilegierungsverbot eindeutig eine entsprechende Anordnung. Es sei nicht möglich, Parkplätze für bestimmte Personen vorzuhalten.

"Was ich ja gar nicht will", führte mein Kumpel aus, "es geht schließlich nicht darum, Parkplätze für namentlich zu benennende Autofahrer zu reservieren. Es geht darum, auf einen temporär erhöhten Bedarf an rollstuhlgerechten, also breiteren Parkplätzen zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort zu reagieren und einer Benachteiligung jener Menschen, die auf einem Parkplatz für Fußgänger nicht ein- und aussteigen können, für die Dauer des Bedarfs entgegen zu wirken."

Nichts zu machen. Argument des Beamten: "Würde man das gestatten, könnten Sie sich ja vor Ihrer Stammkneipe jeden dritten Freitag im Monat 50 barrierefreie Plätze im öffentlichen Parkraum reservieren lassen, um mit Ihren Kumpels einen Saufen zu gehen."

Da eine sachliche Diskussion hier nur schwer möglich zu sein scheint, schweife ich auch mal vom Thema ab: Ich kenne keinen einzigen Rollstuhlfahrer, der sich nach einem Tropfen Alkohol noch hinter das Steuer setzt. Ausnahmslos allen Leuten, die ich kenne, ist der Lappen so heilig, dass sie das nicht tun würden. Damit sage ich nicht, dass es in der Szene keine Trunkenheitsfahrten gibt. Damit sage ich lediglich: Ich habe davon noch nie gehört. Sondern ich höre ständig das Gegenteil.

Wie dem auch sei, ich bin jedenfalls gespannt, wie das an dem Abend wohl wird, wenn alle, die einen blauen Parkausweis haben, sich im Umkreis des Hauses in das eingeschränkte Halteverbot stellen. Dort dürfen sie mit dem Ausweis nämlich drei Stunden parken. Wollen wir mal hoffen, dass dadurch nicht der Busverkehr zum Erliegen kommt...

Mittwoch, 6. November 2013

Plötzlich ein Loch

Mein Idiotenmagnet funktioniert gerade mal wieder besonders gut. Die Stinkesocke stand heute mittag neben einer riesigen Baustelle. Im Gehweg war ein metertiefes Loch, die Wände wurden durch riesige Metallwände abgestützt. Ganz unten sah man einige Leute an einer Leitung arbeiten. Eine Treppe, die vorher an dieser Stelle war und die höher gelegene Straße mit einer niedriger gelegenen Sackgasse verband, war weg. Ich hatte mich mit einem Freund verabredet, der mit mir ein paar organisatorische Details zu einer Sportveranstaltung klären wollte. Da ich viel zu früh war, guckte ich den Bauarbeitern beim Arbeiten zu. Ein alter Mann guckte mich an und sagte: "Na, wonach die hier wohl graben mögen?"

Bevor ich etwas erwidern konnte, kam ein zweiter Mann, sehr viel jünger, angelaufen und rief: "Kann losgehen, kann losgehen! Zu zweit können wir sie viel besser halten. Wollen Sie vorne oder hinten?"

Der ältere Mann verstand nur Bahnhof. Ich ehrlich gesagt auch, hatte aber nebenbei noch begriffen, dass es wohl um mich ging. Der jüngere Mann, ganz außer Atem, fuhr fort: "Es ist unverantwortlich. Diese Bauarbeiten hier sind nicht angekündigt worden. Plötzlich war hier ein Loch. Und ich habe keine Ahnung, wer sich vorstellt, wie Menschen wie Sie diese steile Rampe dort hinter dem Haus runter- oder sogar wieder raufkommen sollen. Aber jetzt sind wir ja da. Wollen wir gleich starten oder wollen Sie noch einen Moment gucken, ich habe etwas Zeit, mein Bus kommt erst in 11 Minuten?"

Der ältere Mann guckte ganz verdattert und ging weiter. Der junge Mann sprang hinterher: "Nun warten Sie, wir brauchen Sie! Laufen Sie nicht weg!"

Ich mischte mich dann mal ein: "Hallo! Tschuldigung, aber ich will keine Rampe runter und ich brauche auch keine Hilfe. Ich habe..."

Der junge Mann lief aufgeregt zu mir zurück: "Sie können da nicht alleine runter, Sie stürzen! Ich helfe Ihnen."

Ich erwiderte: "Ich will da gar nicht runter! Ich bleibe hier oben und warte nur auf jemanden. Ich brauche keine Hilfe. Und jetzt lassen Sie mich gefälligst los. Sofort!"

Woraufhin ich zur Antwort bekam: "Sie sind so unfreundlich. Sie dürfen sich nicht wundern, wenn Ihnen bald niemand mehr hilft. Schönen Tag noch."

Der ältere Mann war in etwa 10 Metern Entfernung stehen geblieben und hatte sich wieder umgedreht. Jetzt, wo der jüngere Mann empört schnaufend wegzuckelte, hob er eine Hand vor sein Gesicht und machte eine Scheibenwischergeste. Hätte ich einen ganz schlechten Tag erwischt, hätte ich für fünf Sekunden denken können, die gelte mir. Aber ich wusste, was er meinte.

Dienstag, 5. November 2013

Das Waschbecken

Ich schulde ja noch eine Auflösung ... Was hängt an der Wand und schützt vor Brechdurchfall?

Ich erwähnte ja bereits, dass ich viel zu kompliziert gedacht habe. Im ersten Moment habe ich an irgendwelche Bakterien gedacht, die möglicherweise ihre krankheitserregenden Kolleginnen und Kollegen bekämpfen. Nach einer Sekunde habe ich mich dann auf den Desinfektionsmittelspender besonnen, der bei mir zu Hause zwar nicht an der Wand hängt, dafür aber im Krankenhaus. Alles zu kompliziert. Es ist: Das Waschbecken.

Hände waschen hilft. Allerdings sollte man auch Seife dazu nehmen, nur einmal mit Wasser bespritzen hilft nicht wirklich.


Und noch was: Die Rolle samtweiches Klopapier, die an diejene Leserin oder an denjenigen Leser gehen sollte, der mir die Funktion "Gesamtes Toilettenbecken um einen Meter anheben" erklären kann, bleibt bei mir. Die richtige Antwort war nicht dabei. Dafür waren mir etliche Leser schon wieder zu aggressiv, so dass ich schon wieder zum Rundumschlag ausgeholt und mindestens 10 Kommentare gelöscht habe, darunter auch jenen mit dem Fo...-Schimpfwort, das mir galt, weil jemand den Eindruck gewonnen hatte, ich könne mir ja nicht vorstellen, dass es neben Rollstuhlfahrerinnen auch noch Leute gibt, die Hüftprobleme haben und sich nicht so tief setzen können.

Doch, das kann ich mir vorstellen. Selbst, wenn das nicht so wäre, wäre ich wohl damit nicht automatisch eine "Fo..." oder eine "dumme Sau". Ich habe aber schließlich nicht gefragt, warum es höhenverstellbare Toiletten gibt. Ich habe nach der Funktion "um einen Meter anheben" gefragt, denn ich konnte mir nur nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die 4,50 Meter groß sind. Das auf dem Bild zu sehende Waschbecken hängt in rund 80 Zentimeter Höhe. Wenn nun das Toilettenbecken höher heben lässt als das Waschbecken hängt, braucht jemand eine Unterschenkellänge von rund einem Meter, um in der höchsten Position des Toilettenbeckens im Sitzen noch die Füße auf die Erde zu stellen.


Ich habe allerdings eine E-Mail bekommen, in der mir jemand erklärt hat, was das soll: Es gibt Menschen, denen der Dickdarm entfernt worden ist. Ohne Dickdarm bekommt man keinen geformten Stuhl. Einige dieser Menschen haben dann ein (Ileo-) Stoma, also einen künstlichen (Dünn-) Darmausgang durch die Bauchdecke. Davor hängt ein Beutel, der von Zeit zur Zeit geleert werden muss. Dafür hat er unten eine Klammer, die man aufmacht und dann läuft die Soße unten raus. Damit man das nicht im Waschbecken machen muss und sich auch nicht auf einen dreckigen Fußboden vor das WC knien muss (oder sich alternativ eine gesprenkelte Hose holt), kann man das WC bis auf Bauchnabelhöhe anheben. Voilà.