Samstag, 31. August 2013

En Klacks för son Hamborger Deern

Marie hatte eine Einladung zur Gartenparty einer Freundin, einer ehemaligen Mitschülerin bekommen. Anlass waren die Geburtstage der Freundin und ihrem Verlobten, die in den letzten vier Wochen waren und nun gefeiert werden sollten. Eigentlich sollte Training stattfinden, da aber zu viele Leute krank sind, wurde das abgesagt. Marie fragte mich, ob ich spontan dorthin mitfahren möchte, dann wäre sie nicht so alleine. Sie kenne den Verlobten nicht und die Freundin hätte sie auch schon länger nicht mehr gesehen, und sie habe mit Begleitung eingeladen. Ich sagte: "Dann frag aber lieber nochmal, ob es auch okay ist, wenn du eine Freundin mitbringst. Nicht dass sich die Einladung nur auf deinen Verlobten bezogen hat."

Nein, es war kein Problem. Zumindest zunächst nicht. Als die Freundin aber erfuhr, dass ich nur eine Freundin sei, allenfalls eine gute Freundin, aber nicht die Freundin im Sinne einer Partnerschaft, musste sie uns dann doch nochmal mitteilen, dass das so eigentlich nicht gemeint war. Hinzu kam dann noch der Kommentar eines anderen weiblichen Partygastes, der für uns deutlich hörbar sagte, dass sie es gut fände, dass auch Marie eingeladen wurde und so dabei sein könnte. Zwei der herumstehenden Leute fassten sich erstmal unbeholfen an die Nase, ein dritter kratzte sich am Ohr. Ich flüsterte Marie ins Ohr: "Deine Freundin ist sooo ein guter Mensch."

Getränke sollte jeder selbst mitbringen, anstelle eines Geschenks. Der kleine Bruder der Gastgeberin hatte das koordiniert. Wir waren mit einer Kiste Bier und einigen Fruchtsäften dran. Lässt sich im Rollstuhl natürlich auch viel besser transportieren als eine Flasche Hochprozentiges... Wir konnten Maries Vater überreden, uns kurz rumzufahren. Naja, ein paar Blumen und was Süßes haben wir dann noch dazu gepackt, immerhin waren wir zu zweit - hätten wir aber nicht getan, wenn wir gewusst hätten, dass wir an dem Abend hungern müssten. Es gab für 24 Gäste plus die Gastgeberfamilie insgesamt zehn Fladenbrote, 30 Bratwürste und zwei Flaschen Ketchup. Keine Soße, kein Dip, kein Salat, ...

Als sich die ersten relativ früh wieder verabschiedeten, sagte der Vater, der am Grill gestanden hatte: "Was, so früh schon, wir wollten jetzt das Fleisch rausholen!" - Das sollte aber ein Witz sein. Auf dem Weg zur S-Bahn meinte Marie: "Das war das letzte Mal. Das hatte ich mir beim letzten Mal schon geschworen, aber irgendwie musste ich ihr noch eine Chance geben. Wir haben uns früher mal so gut verstanden. Aber uns verbindet nichts mehr."

Ein Pärchen, das auch auf der Feier war, stand oben am Bahnsteig und wartete auf die S-Bahn. Die beiden grinsten uns mit einem Döner in der Hand an und sagten mampfend: "Sorry, aber wir hatten Hunger."

Sie nahmen eine andere S-Bahn als wir. Als wir im Wagen saßen und der Zug angefahren war, deutete Marie mit einem Kopfnicken zu einer Frau rüber, die sich in einer Ecke verkrochen hatte und bitterlich weinte. Eine Mütze tief ins Gesicht gezogen, den Kragen der Jacke hochgekrempelt. Geschätzt Anfang 30. Extrem gut aussehend. Würde sie nicht heulen, würde ich denken, sie sei auf dem Weg zu einer Party. So war sie jedenfalls gekleidet. An der Station Langenfelde stieg ein Kontrollteam ein. "Die Fahrausweise bitte!"

Die Frau hatte keinen. So wild, wie sie ihre Taschen abtastete, eine immer ernstere Miene bekam und schließlich eher verzweifelt die Hände vor das Gesicht nahm, war das offensichtlich. Nur war das Team noch nicht bei uns angekommen. Ich rollte zu ihr hin. "Was ist los mit Ihnen? Brauchen Sie Hilfe?"

"Meine Monatskarte, mein Hausschlüssel, mein Ausweis, das liegt alles im Auto von meinem Freund. Wir wollten feiern gehen aber wir haben uns gestritten, ich bin einfach ausgestiegen und jetzt bin ich auf dem Weg nach Hause. Heute ist einfach nicht mein Tag. Heute geht alles schief. Ich glaube, ich besauf mich gleich noch und dann geh ich ins Bett."

Die Fahrkartenkontrolleure kamen auf uns zu. Einer starrte mich an. Ich fragte: "Wollen Sie meinen Ausweis sehen?" - Er schloss die Augen, formte seine Lippen zu einer Art Kussmund und schüttelte langsam mit dem Kopf. Einige Sekunden später hielt die Bahn und das Kontrollteam stieg aus. Die Frau guckte mich mit großen Augen an: "Was war das denn jetzt? Kanntest du den?"

Ich schüttelte den Kopf. "Nee. Rollstuhlfahrer werden meistens nicht kontrolliert, weil die meisten von ihnen kostenlos befördert werden." - "Was?! Das wusste ich auch noch nicht. Cool." - "Und eine Begleitperson dazu auch. Er hat wohl gedacht, du wärest meine Begleitperson."

Plötzlich fiel mir diese Frau um den Hals und drückte mich. "Danke, danke, danke." - "Hey, keine Ursache. Aber es wären auch nur 5 Euro gewesen. Einmal die Monatskarte nachreichen in den nächsten Tagen. Kann doch jedem mal passieren." - "Da steckt für mich ein bißchen mehr dahinter. Aber das kann ich dir nicht erklären. Jedenfalls danke, dass du das für mich gemacht hast. War echt anständig von dir."

Marie sagte: "Wir haben uns unseren Abend eigentlich auch anders vorgestellt. Wir kommen gerade von einer Party einer ehemals guten Schulfreundin und bis auf eine Grillwurst pro Person gab es nichts zu essen und nur dumme Sprüche und geschmacklose Witze. Über Homosexuelle, Behinderte, Farbige, Juden, ... war alles dabei. Ich hab die dumme Kuh mal so gemocht, aber im Moment ist mir auch gerade zum Heulen zumute."

Ich sagte: "Ich hab eine Idee. Wollen wir nicht spontan zu dritt erst mal kurz was essen gehen und dann gehen wir ne Runde tanzen auf dem Kiez?"

Die Frau sagte: "Nett gemeint, aber ich weiß nicht. Ich habe nicht mal mein Portmonee dabei." - "Egal, ich lad dich ein. Na komm, immernoch besser als sich zu besaufen oder wegen eines blöden Freundes sich den Abend verderben zu lassen, oder?", konterte Marie.

Zwanzig Minuten später fanden wir uns in einem etwas teureren Burgerladen in der Nähe des Hauptbahnhofes wieder. Als die Frau ihre Mütze abnahm und ihre Jacke auszog, kurz auf Klo ging, um sich ein wenig das verheulte Gesicht zu rekonstruieren, sagte Marie: "Das könnte doch noch ein toller Abend werden."

In einer ruhigen Ecke futterte sie einen Salat. Sie seufzte und sagte: "Das ist ein Tag heute. Erst benimmt sich mein Freund wie ein Arsch, dann werde ich fast noch verhaftet und jetzt gehe ich mit zwei Rollifahrerinnen tanzen." - "Na wenn das keine Steigerung ist."

Wieder draußen, wir überquerten die Straße, blieb ich natürlich mal wieder mit einem Vorderrad an einer Gehwegplatte hängen. Es ist aber auch so ätzend: Auf neu gepflasterten Wegen werden die Gehwegplatten oft einen Zentimeter höher verlegt als der Bordstein, vermutlich, weil sie sich noch etwas setzen. Und als Rollifahrer bleibt man dann, nachdem man beim Bordstein schon aufgepasst hat, an eben dieser Kante hängen. Zack, lag ich auf der Fresse. Als Marie sah, dass ich mich nicht verletzt hatte, fing sie zu gackern an. Unsere Begleiterin nahm die Hände vor ihr Gesicht und sagte: "Um Himmels Willen!"

Ein Mann stürmte herbei, trat mir fast auf die Hand, latschte aufgeregt auf und ab und holte sein Handy aus der Tasche. "Sind Sie verletzt, soll ich einen Arzt rufen?" - Marie stellte sich neben ihn, tickte ihn von der Seite an und fing an zu singen: "As se opsteiht, seggt se: 'Hett nich weeh doon, das n Klacks för son Hamborger Deern.'" - Und während ich mich bemühte, von der Erde wieder in den Stuhl zu gelangen, tanzten sich unsere Begleiterin und Marie Rücken an Rücken an und sangen zusammen: "Klaun, klaun, Äppel wüllt wi klaun, ruck zuck övern Zaun. Ein jeder aber kann das nicht, denn er muss aus Hamburg sein."

Und anschließend den Refrain sogar nochmal zweistimmig. Das klang richtig toll. Einige Leute blieben stehen und waren mit der Situation völlig überfordert. Musste das so sein, dass eine Behinderte im Dreck liegt und zwei andere Leute laut singend daneben stehen? In der S-Bahn in Richtung St. Pauli fragte ich sie: "Singst du eigentlich regelmäßig? Im Chor oder so? Du hast eine total tolle Stimme."

"Ich verdiene mein Geld damit." - "Mit Singen?" - "Ja. Finde ich aber gut, dass du das nicht wusstest. Ich trenne gerne privates von beruflichem und im Moment bin ich privat unterwegs und das soll auch so bleiben." - "Ich gehe eher selten ins Theater oder in Oper oder so, ich hoffe, du nimmst mir das jetzt nicht krumm", versuchte ich mich zu entschuldigen. Und wie ich später merken sollte, habe ich mich damit eher noch tiefer in den Schlick hineinmanövriert. - "Nein, nein, es ist absolut okay so wie es ist", antwortete sie und grinste.

Die Frau war eher klein, hatte aber einen auffällig gut trainierten Oberkörper. Nicht die Oberarme, auch keine große Oberweite, aber Brustkorb und Schulterbereich erinnerten ein wenig an eine Leistungsschwimmerin. Okay, jetzt verstand ich auch, warum sie solche Angst vor der Fahrkartenkontrolle hatte. Wenn ich sie hätte kennen können, wäre eine Zeitungsmeldung über eine Schwarzfahrt einer Opern- oder Musicalsängerin oder ähnliches vermutlich zumindest in der Boulevardpresse ein paar Zeilen wert - oder sie befürchtete das zumindest.

Es war ein total toller Abend. Wir waren in einer Bar am Hamburger Berg tanzen, sind dann in einer großen Disko auf der Großen Freiheit gewesen, anschließend noch in einer Karaoke-Bar am Hans-Albers-Platz, wo allerdings niemand von uns gesungen hat. Auch mit den Klos hat alles vernünftig geklappt (vorbereitet war ich auf den Abend ja eher nicht). Als wir uns dann am Nachtbus voneinander verabschiedet hatten, konnte ich mir nicht verkneifen, ihren Namen in die Suchmaschine einzugeben. Keine Opernsängerin. Auch niemand aus einem Musical, was in Hamburg ja auch durchaus hätte sein können. Sondern jemand, der mal ein Studioalbum herausgebracht und tatsächlich mehr als 100.000 Mal verkauft hat.

Die tatsächliche Chance, ein Album von ihr in meinem Regal oder auf meinen PC zu haben, ist allerdings sehr gering, da ihr Musikstil überhaupt nicht meiner ist. Sie hat sich meine Handynummer aufgeschrieben. Ihre hatte sie nicht dabei ... egal. Es war ein schöner Abend und Marie und ich sind uns einig, einen sehr netten Menschen kennen gelernt zu haben. Wenngleich wir ihn vermutlich nie mehr wiedersehen werden. Aber, wie gesagt, es war ein schöner Abend und der Rest ist okay so.

Donnerstag, 29. August 2013

Ein hartes Stück Brot

Heute bekam Maria (nein, nicht die ermordete aus dem Kriminalfilm, sondern die echte) Besuch von einer Freundin, die sie über das Internet kennengelernt hatte. Und zwar in einer Gruppe bei Fratzenbuch, der sich einige Leute mit ihrer Erkrankung zum Erfahrungsaustausch angeschlossen haben. Maria bat mich, sie zu diesem Treffen zu begleiten, da sie sich nicht sicher war, ob die Person wirklich diejenige ist, für die sie sich ausgab. Man muss ja immer vorsichtig sein, und lieber zu vorsichtig als sich plötzlich mit bösen Überraschungen konfrontiert sehen. Aber alleine die Tatsache, dass diese Frau Maria zu sich in die Hotellobby "bestellt", ließ es schon unwahrscheinlich erscheinen, dass da etwas ganz komisches passieren würde.

Diese Frau kam aus einem tiefbayerischen Dorf, dort wohnt sie in einem Pflegeheim, und sie hat ihr Taschengeld gespart, um den "König der Löwen" live sehen zu können. Der Flug und die Eintrittskarte waren eher die günstigen Komponenten der Reise; ebenso das Hotel: Es war eins der billigsten, die man in Hamburg bekommen kann. Alleine 450 Euro hat es sie gekostet, dass sie eine Assistenzkraft von Donnerstagmorgen bis Samstagnachmittag nach Hamburg begleitet und sich rund um die Uhr persönlich um sie kümmert.

Da Marie und ich noch einiges in der Stadt besorgen wollten, hatten wir vereinbart, dass wir Maria beide zu dem Hotel begleiten, einmal mit schauen, ob alles in Ordnung ist und uns dann von ihr verabschieden. Mit der Freundin war auch alles in Ordnung - nur mit dieser Assistentin nicht. Ich bin echt froh, wie "verwöhnt" wir hier mit unserem Assistenzmodell und vor allem den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind. Wenngleich ich persönlich das fast nie nutze. Diese Freundin von Maria bekommt sonst die übliche Pflege aus dem Alltag eines Pflegeheims. Die Assistentin hatte sie über eine Vermittlung für Reiseassistenz gebucht. Und diese Assistenin veranlasste Marie und mich tatsächlich, doch erstmal vor Ort zu bleiben.

Was für ein Drache! Marias Freundin meinte, sie sei etwas "grantig" zu ihr. Und im ersten Moment wusste ich nicht, ob Marias Freundin vielleicht sehr sensibel und penibel sein könnte. Aber dann: Marias Freundin fragte die Assistentin, ob sie ihr bitte ein Geschenk, das sie Maria geben wollte und das vor ihr eingepackt auf dem Tisch lag, hochreichen könnte. Eine Kleinigkeit, ein Mitbringsel aus Bayern. Marias Freundin konnte es wegen ihrer Behinderung nicht greifen. Die Assistentin fragte, ob sie es nicht gleich Maria geben solle. "Nein, ich möchte es ihr geben."

Es ist nur eine Kleinigkeit, aber diese Assistentin hat es nicht begriffen. Ich glaube, ich muss das nicht erklären.

Maria hatte ihrer Freundin ein Buch mitgebracht: Hamburgisch für Anfänger. Darin ist erklärt, dass man in Hamburg zum Beispiel "Feudel" sagt und nicht "Wischtuch". Eingepackt in Geschenkpapier. Marias Freundin bat ihre Assistentin, das Papier für sie zu öffnen. Was macht die Assistentin? Reißt das Geschenkpapier auf, packt das Buch aus und fängt an, darin zu lesen. Und das zu kommentieren: "Ah, das ist ja spannend. Ach schau mal, das wusste ich auch noch nicht." - Und Marias Freundin, die sie bezahlt, steht daneben. Ein Unding! Maria, inzwischen nicht mehr so schüchtern wie früher, sagte: "Ähm, eigentlich hatte ich meiner Freundin das Buch geschenkt. Würden Sie ihr das bitte geben?"

Maria und ihre Freundin wollten in die Hafencity, sich den neuen Stadtteil anschauen, eventuell den alten Elbtunnel besuchen und vielleicht eine Hafenrundfahrt machen. Nachdem die Assistentin dann aber noch einen Kommentar wegen fehlender Wanderschuhe abgelassen hatte, haben Marie und ich spontan angeboten, dass wir das zu viert machen, der Assistentin frei geben und abends, bevor wir Marias Freundin wieder zurück ins Hotel bringen, noch kurz shoppen fahren, damit Marie und ich dann kurz unsere Besorgungen machen. "Shoppen ist sowieso cool", meinte Marias Freundin.

Es war total toll. Marias Freundin wusste gar nicht, wohin sie zuerst und wohin zuletzt gucken sollte. Ihre Wangen glühten vor Aufregung. "Ich bin in meinem Leben noch nie alleine mit der U-Bahn gefahren! Bei mir im Kaff fährt nicht mal ein Bus!"

Irgendwann war der Punkt gekommen, an dem Marias Freundin gerne ihre Geldbörse haben wollte. Sie bat mich, sie ihr aus dem Rucksack herauszuholen, der an der Rückenlehne ihres Elektrorollstuhls befestigt war. Nun wühle ich ja nicht so gerne in fremden Rucksäcken. Zum Glück habe ich mir angewöhnt, erstmal einen Blick hinein zu werfen, bevor ich in ein scharfes Messer oder eine offene Spritze fasse. Eine halb verschlossene Tüte mit einer nassen Unterhose würde mir auch schon reichen. Wenn man im Krankenhaus Praktikum macht, lernt man was für das Leben. Eine Lektion: Fasse nie blindlings in fremde Beutel, Rucksäcke, Handtaschen, Reisetaschen, Koffer. Auch dann nicht, wenn der noch so seriöse Eigentümer oder die noch so adrette Eigentümerin noch so hilflos aussieht und dich darum bittet.

So war es auch hier: Die Assistentin sollte Marias Freundin offenbar einige Brote belegen und ihr einpacken, damit sie was dabei hat, wenn sie unterwegs Hunger bekäme. So dachte ich zuerst. Denn die lagen im Rucksack. Allerdings unverpackt zwischen Geldbörse, Stadtplan, Reiseführer und einem Umschlag mit Theaterkarten. Ich wusste erst nicht, ob ich sie darauf ansprechen sollte, entschied mich aber dann, doch mal zu fragen: "Sag mal, willst du dein Schinkenbrot nicht lieber in eine Tüte packen, bevor sich die Butter im ganzen Stadtplan verteilt? Marie hat eigentlich immer so kleine Mülltüten dabei, vielleicht gibt sie dir eine." - "Liegt da ein Brot im Rucksack?!" - "Mehrere. Schinken, Käse und ich würde mal sagen irgendwas mit Lachs." - "Pfuiteufel! Kannst du das bitte sofort rausnehmen? Alles? Das gehört mir nicht!" - Ich ließ mir von Marie Einmalhandschuhe und einen kleinen Müllbeutel geben, nahm den Rucksack von der Rückenlehne und fing vor ihren Augen mit dem Umräumen an: "Oh, hier ist auch noch Schnittlauch lose, der gehört bestimmt auch dazu!"

Wie sich herausstellte, gehörten die drei Brote der Assistentin. Sie hatte sie beim Flug abgestaubt und einfach so in dem Rucksack verschwinden lassen. Lediglich eine durchgeweichte Serviette lag halb dazwischen... Der einzige Kommentar von Marias Freundin: "Wie widerlich! Und dafür bezahl ich Geld?"

Als wir Marias Freundin nach einem total schönen Nachmittag wieder am Hotel ablieferten, war der erste Kommentar der Assistentin: "Na? Alles noch dran? Rollstuhl noch heil, Füße noch warm und Hose noch trocken?" - Marias Freundin lächelte nur müde. Die Assistentin fuhr fort: "Hast bestimmt nichts getrunken den ganzen Nachmittag."

"Doch, Jule hat mir einen Tee so festgehalten, dass ich ihn mit dem Trinkhalm trinken konnte." - "Na dann hast du ja Glück gehabt."

Marie sagte später auf der Rückfahrt: "Ich hätte ihr als allererstes das Duzen abgewöhnt." - "Meinst du, das hätte was gebracht?", fragte ich sie. - "Zumindest mehr Distanz." - "Kann sie nicht zwei Nächte bei uns schlafen?", überlegte ich laut. Maria guckte skeptisch. Marie antwortete: "Jule, du kannst nicht die ganze Welt retten. Lern es endlich." - Ein hartes Stück Brot.

Mittwoch, 28. August 2013

Mordfall Maria

Maria ist jung, hübsch, keck, modern, selbstbestimmt, temperamentvoll und kämpferisch. Sie wohnt in einer WG und führt trotz ihrer Behinderung ein aktives und erfülltes Leben. Sie spielt Rollstuhlbasketball und studiert Medizin. Sie ist bei ihren Freundinnen und Freunden beliebt, wohnt in Hamburg und wird plötzlich ermordet. Warum und von wem, das wissen bisher nur ganz wenige, und die, die es wissen, werden das natürlich vor Januar 2014 nicht verraten. Denn im Januar 2014 ermittelt Kriminalhauptkommissar Wilfried Stubbe mitten unter uns Rollstuhlfahrern und damit in einem ihm bisher unbekannten Milieu. Es wird Stubbes letzter Fall (Arbeitstitel: "Mordfall Maria").

Für Maria, die ermordete Rollstuhlfahrerin, setzt sich Jana Reinermann in den Rollstuhl. Genau, jene hübsche Berlinerin, die im letzten Jahr die sexy Nanny aus "Kokowääh 2" so herrlich naiv und ungeniert gespielt hat. Weitere Rollen dieser letzten Folge sind mit Uwe Bohm und Jule Böwe besetzt. Ich kann es gar nicht erwarten, die 50. Stubbe-Folge im Fernsehen (ZDF) zu sehen. Ich selbst spiele in dem Film aber nicht mit.

Drehbuchautor dieser Folge, der gleichzeitig auch Regie führt, ist Peter Kahane. Er hatte, wie er mir sagte, schon lange die Idee, einen Kriminalfilm in der Rollstuhlszene zu drehen. Da eine bloße Idee bekanntlich nicht reicht, um so einen Film zu produzieren und ins Fernsehen zu bringen, sondern eben auch viele andere Leute überzeugt sein wollen, hat es lange gedauert, bis aus dieser Idee ein konkretes Projekt wurde. Ich kann mir vorstellen, dass spätestens seit den Paralympics 2012, die in die Medien und in die öffentliche Wahrnehmung weiter vorgedrungen sind als sämtliche Paralympics je zuvor, das Interesse und sogar auch die Lust, einen Spielfilm über selbstbestimmt lebende Menschen mit Behinderungen auszustrahlen und anzusehen, endlich groß genug waren.

Im letzten Jahr wurde das Vorhaben also so greifbar, dass Peter Kahane konkret mit dem Schreiben begann und damit jeder seiner Filmfiguren nach und nach Leben und Charakter eingehaucht hat. Ich stelle mir das sehr schwierig vor: Einerseits darf so eine Gruppe nicht zu groß werden, andererseits wollen die handelnden Personen möglichst interessant sein und irgendwie miteinander verzahnt. Andererseits ist immer nur Friede, Freude, Eierkuchen stinklangweilig. Eine spannende Handlung muss auch noch her, so realistisch wie möglich und dabei doch möglichst außergewöhnlich soll es auch noch sein - keine einfache Aufgabe. Und eine der wohl schwierigsten Hürden in diesem Fall wähne ich darin, etwas darzustellen, was vor allem von der dargestellten Szene, sprich: den Rollstuhlfahrern, abgenommen wird. In ihr vermute ich die schärfsten Kritiker.

Peter Kahane hat sich aus meinem Blog für seine Maria viele Inspirationen geholt. Es ist mir eine Ehre, dass ich ihm bei seinem Projekt helfen durfte und, wie er sagt, auch geholfen habe. Auch hat er meinen Blog den Schauspielern und Mitarbeitern als Lektüre empfohlen. Er sei "ein starkes Dokument" und, ehrlich gesagt, bin ich darauf auch etwas stolz.

Seien wir doch realistisch: Nicht wenige Menschen können sich auch heute noch nicht vorstellen, dass eine Querschnittgelähmte ausgerechnet Medizin studiert, Kinder bekommt, fremdgeht, Auto fährt, ein Haus baut oder einfach nur glücklich ist. Ich sage nicht, dass die Mehrzahl der Menschen so denkt. Ich sage auch nicht, dass Peter Kahane so denkt. Aber ich weiß, dass er weiß, dass es Menschen gibt, die so denken. Wenn es ihm mit seinem Film gelingt, auch nur einen dieser Menschen zum Nachdenken anzuregen, freue ich mich, dass ich Inspirationen und Bestätigungen geben durfte. Ich bin mir sicher, es wird ein guter Film.

Über den genauen Ausstrahlungstermin (derzeit ist der 18.01.14 grob geplant) werde ich rechtzeitig informieren.

Dienstag, 27. August 2013

Man sucht mich mal wieder

Es gibt doch fast keinen schöneren Anlass als den 2.000.000. Seitenaufruf, um mal wieder einen Blick auf die Suchstatistiken zu werfen. Nein, nicht schon wieder das Suchmaschinenspiel, das hatten wir gerade. Ich meine die richtigen Anfragen.

Suche auf meiner Seite:

- Jule inkontinent (251 Mal im letzten Monat):
*seufz*

- Jule nackt:
*nochmal seufz*

- Pobacken gespreizt:
*nochmal seufz*

- Wie oft masturbierst du:
*nochmal seufz*

- Blog von Jürgen im Rollstuhl:
Hier nicht.

- Ein Witz über Jule:
Erzähl mal!

- Habe erfahren, dass Frauen auch masturbieren:
Ja, aber erzähl es nicht weiter!

- Latexschürzen:
Bei uns in der WG gibt es Papierschürzen für das Pflegepersonal, gehen die auch?

- Mit Leggings schwimmen:
Mach mal Fotos davon und dann sagst du mir Bescheid, wo ich sie angucken kann, okay?

- Laut gerülpst aus Versehen:
Nicht so viel Cola trinken!

- Meine gelähmten Beine sind schön:
Echt? Meine auch.

- Keine Arme, keine Füße!:
Nee, es heißt: Keine Arme, keine Kekse!

- Angst vor Rollstuhlfahrern:
Ich bin ganz lieb!

- Ärger wegen geliehenem Geld:
Einfach zurückzahlen!

- Baden in sexy Leggings:
Noch mehr Bilder machen!

- Bezahlen die Krankenkassen Oxybutynin:
Als Tablette ja, als Instillation nur im Ausnahmefall.

- Bin Windelfetischist:
Bin Stinkesocke!

- Blasendruck im Neoprenanzug:
Hoffentlich ist es dein eigener.

- Blindenhund im Schwimmbad mit ins Wasser?:
Eher nicht.

- Bloggen über dein geklautes Smartphone:
Ich klaue keine Smartphones!

- Colaflaschen mit Namen Stinkesocke:
Das wäre doch mal eine Idee!

- Druckstelle an der Scheide durch zu enge Jeans?:
Das kann tatsächlich passieren!

- Es erregt mich im Park vor Fremden zu pissen:
Du Ferkel!

- Es gibt zu viele Behinderte:
Das stimmt. Bau Barrieren ab, dann sind es weniger. Schönen Tag noch!

- Estrichstufe reparieren:
Davon habe ich keine Ahnung und davon will ich auch keine Ahnung haben!

- Feinstrumpfhosen und Gipsbein lieben:
Mach ruhig.

- Frauenwettbewerb im Weitstrullen:
Mit männlichem Schiedsrichter?

- Gehst du in gemischte Sauna:
Ja, auch.

- Geistig Behinderte finde ich eklig:
Alle?

- Haftet das Ordnungsamt für Vogelkot auf Privatparkplatz:
WTF?

- Handbike warum benötigt man es:
Ein Handbike ist wie ein Fahrrad. Warum benötigt man ein Fahrrad?

- Hans-Albers-Platz Kotze:
Von mir ist die nicht!

- Ich männlich Rollstuhlfahrer fahre gerne nackt:
Na dann mal los. Auch draußen?

- Im Einteiler gefesselt:
Oha. So schwierig sind die doch eigentlich gar nicht auszuziehen, oder?

- Ist es normal, dass 15jährige noch Pampers tragen:
Nein.

- Jule aus Hamburg fickt alles und jeden:
Aktiv? Wie macht sie das denn? Mit einem Umschnallpenis?

- Jule Badeshorts runterziehen:
Ich trage keine Badeshorts.

- Jule arbeitet im Geschirrspüler:
Nee. Aber Angie arbeitet in der Waschmaschine!

- Kann man bei 19 Grad in der Ostsee baden:
Ich habe auch bei 14 Grad schon drin gebadet. 19 Grad ist angenehm.

- Kinderturnen reicht Badeanzug:
Häh? Wie wäre es mit Hose und Shirt?

- Kostenlose Sexfilme an öffentlichem Badesee:
Wo gibt es denn sowas?!

- Krankenhausessen voll pupsen:
Bestell dir Schonkost!

- Mädchen in engen Reithosen sahst du früher auch so sexy darin aus:
Bestimmt.

- Mann im Badeanzug:
Sieht bestimmt auch sexy aus.

- Masturbation als Rollstuhlfahrerin im Sitzen anstrengend:
Leg dich aufs Bett!

- Masturbation im Neoprenanzug anstrengend:
Zieh das enge Ding doch aus!

- Mehrzahl Taxi:
Taxis?

- Mein Nachbar hört gute Musik, egal ober will oder nicht:
Ahja :D

- Meine beste Freundin trägt zum Turnen Gymnastikanzug:
Macht dich das an?

- Meine Freundin trägt geile Leggins, wo viel zeigen, das erregt mich:
Und dann sitzt du noch immer vor dem PC?

- Neoprenanzug, muss man ihn auf dem Klo ausziehen?:
Du kannst ihn auch vor dem Klo ausziehen.

- Neoprenfetisch, wer steht drauf:
Erzähl mal.

- Pferde schwimmen mit Klamotten schonmal gemacht:
Mein Pferd hatte nie Klamotten an, aber wenn du wissen willst, ob ich mal mit Reitsachen im Wasser war: Ja, sogar öfter.

- Rollschuhgerechte Wohnungen in Hamburg:
Eine Inliner-Wohnung sozusagen?

- Rückennarbe Querschnittlähmung Unfall:
Ein relativ sicheres Erkennungszeichen.

- Sauna Azubi Ständer:
Was es alles für Fantasien gibt...

- Schweinchenfilme auf Jules PC:
Nee, keine.

- Thrombosespritzen bei gelähmter Person:
Ja, wenn sie im Bett liegt, sollte man die nicht vergessen.

- Video, Mama zeig mir deine Harnröhre:
Auweia. Das toppt ja noch den Azubi.

- Warum ist mein Stuhlgang in der Toilette:
Weil du gerade zum Abführen auf Klo warst?

- Was machen Handbiker:
Handbiken?

- Wer würde da nicht gerne mal in einem Rollstuhl sitzen:
Tu dir keinen Zwang an!

- Wie befriedigt man sich mit einer Socke:
Finde es selbst heraus! Kleiner Tipp: Nimm frische Socken.

Montag, 26. August 2013

Die zweite Million

Es war einer meiner Lieblingsleser, der am 12. Februar 2013 um 9:58 Uhr vorhersagte: "Spätestens im Juli haste die zweite Million Besucher zusammen..."

Nicht ganz. Es hat genau bis zum 26.08.13 gedauert. Aber heute war es so weit:


Die zweite Million ist voll. Ein Jahr und 12 Tage nachdem die millionste Besucherin oder der millionste Besucher am 14. August 2012 auf meinen Blog blickte und sich über die sechs Nullen im Zähler mit mir freute. Heute waren wieder die sechs Nullen da. Und wieder habe ich mich gefreut.

Pro Tag kommen zur Zeit durchschnittlich 1.450 eindeutige Besucher auf meine Seite, die zusammen knapp 3.200 Seiten aufrufen und sich durchschnittlich 4:30 Minuten hier aufhalten. Davon sind rund 82% Stammleser, rund 18% sind neue Besucher.

Leider gibt es dieses Mal keine frischen Mettbrötchen. So früh am Montagmorgen hatte ich leider keine Gelegenheit, schon einzukaufen. Sorry. Und welche vom Freitag wollte ich nun meinen Lesern nicht ... auch wenn ich manchmal nicht ganz frisch bin, mit Lebensmitteln sollte man immer vorsichtig sein, nä? Gerade bei der Wärme...

Ich hätte da aber eine Schüssel voll Buchstabengebäck - greift zu!


XXX,
Jule

Samstag, 24. August 2013

Lassen Sie mich durch!

"Lassen Sie mich durch, ich bin Aufsichtsrat!"

Einfach unglaublich, was sich in den letzten Tagen auf dem Parkplatz eines großen Hamburger Sportvereins abgespielt haben soll. Zumindest behauptet das die Boulevardpresse in einem bebilderten Artikel. Ein Aufsichtsrat soll sich am letzten Dienstagabend auf dem Arenaparkplatz mit einem Ordner eine Rangelei geliefert hat, weil der Ordner seinen Ausweis sehen wollte, bevor er ihn auf ein gesperrtes Areal lässt. Ich finde das irgendwie peinlich.

Wenn ich im Rahmen meines Studiums auf irgendeiner Station arbeite, habe ich, auch wenn ich die ganze Zeit nur dumm irgendwem hinterher rolle und zugucke, einen Ausweis deutlich sichtbar am Hemd zu tragen. Wie alle anderen Mitarbeiter dort auch. Ob Professor, ob Sozialschwester, ob Verwaltungschef, ob Putzfrau - wer auf dem Gelände ein- und ausatmen möchte und dabei kein Patient oder Besucher ist, braucht dafür seine Chipkarte. Ansonsten ist der Wachdienst, der übrigens auch einen Ausweis sichtbar an der Frau, am Mann oder auch am Hund trägt, gehalten, einen konsequent durch die nächste Tür ins Freie zu begleiten.

In der S- und U-Bahn darf fast jeder Rollstuhlfahrer frei mitfahren. Die meisten Prüfer, die von Zeit zu Zeit durch die Waggons laufen und die Fahrkarten kontrollieren, verzichten darauf, meinen Behindertenausweis sehen zu wollen und winken gleich ab, wenn ich beginne, ihn rauszukramen. Trotzdem würde ich nicht auf die Idee kommen, irgendeinen dummen Spruch zu machen, wenn ihn doch mal jemand sehen will.

Ich würde sagen, es gehört eine gehörige Portion Überheblichkeit dazu, wenn man einem Wachdienst auf Nachfrage verweigert, seinen Ausweis zu zeigen, gerade wenn man Dinge vorhat, die nur einem bestimmten Personenkreis überhaupt erlaubt sind, und zur Überwachung der Einhaltung dieser Differenzierung extra ein Wachdienst beschäftigt wird. Der vermutlich seinen Job verliert, wenn er einfach jeden durchgehen lässt, der behauptet, er sei im Aufsichtsrat. Wo ist also das Problem, einen Ausweis vorzuzeigen? Wo ist das Problem, höflich zu bleiben? Wie kommt jemand auf die Idee, es "im Dienst" auf eine körperliche Auseinandersetzung anzulegen? Selbst wenn man, was hier gar nicht zur Debatte steht, seinen Ausweis vergessen haben sollte, hat spätestens der Wachmann ein Handy, mit dem man kurz auf der Geschäftsstelle anrufen und die Frage nach den Personalien klären könnte.

Vielleicht kann man von einem Wachmann erwarten, dass er sich mit den Gesichtern der Personen vertraut macht, für die eine bestimmte Regel nicht gilt. Vielleicht sollte man das dann in die Arbeitsplatzbeschreibung des Wachmanns hinein schreiben und ihm ein aktuelles Fotoalbum zum Auswendiglernen an die Hand geben. Die Möglichkeiten, darauf Einfluss zu nehmen, sollte man als Aufsichtsrat wohl haben. Oder?

Freitag, 23. August 2013

Halligallicom

Mein Mobilfunkvertrag lief ab. Nach zurückgelegten 24 Monaten war ich mal wieder mittendrin im Mobilfunkbasar. Ohne es wirklich zu wollen, wurde ich bombadiert mit allen möglichen Dingen, die nur sehr wenig zusätzlich kosten und nur sehr wenig zusätzlich nützen. Aber die ich unbedingt bräuchte! Und die neuen Handys können auch alle sehr viel mehr als die alten!

Ich hatte mir vor einem Jahr ein Smartphone neu gekauft. Bar vor Ort bezahlt, nachdem das vorherige, auch bar bezahlt, seinen Geist aufgegeben hatte. "Das will ich, kein anderes, hier ist das Geld, wo ist mein Handy, danke, bitte, tschüss."

Ich passe nicht in diese Welt. Ich will einfach nur, dass mein Vertrag bei meinem Mobilfunkprovider weiter läuft. Zu denselben Konditionen. Sich einfach verlängert. Um ein Jahr, wenn es sein muss auch um zwei Jahre.

Geht nicht. Der Tarif werde künftig nicht mehr angeboten. Ich würde automatisch umgestellt werden.

Ich will keinen Rechtsstreit, darum nenne ich den Namen nicht. Am Ende habe ich irgendwo ein Komma vergessen und werde verklagt, darauf habe ich keinen Bock. Ist auch nicht nötig. Jedenfalls handelt es sich nicht um einen Billigvertrag aus dem Discounter, sondern schon um "was vernünftiges". Soviel sei gesagt.

Ich spinne einfach mal ein paar Zahlen in die Tüte: Da wäre eine Festnetzflat, eine Mobilfunkflat im gleichen Netz, 2 Stunden frei telefonieren in andere Netze, eine SMS-Flat und 2 GB surfen. Alles zusammen, ohne ein Handy, für 30 Euro im Monat. So war es bisher, so war es gut.

Künftig wäre da eine Festnetzflat, eine Mobilfunkflat im gleichen Netz, 2 Stunden frei telefonieren in andere Netze, eine SMS-Flat und 2 GB surfen. Alles zusammen, ohne ein Handy, für 30 Euro im Monat. So wäre das Angebot für die nächsten 2 Jahre, so wäre es gut.

Der alte Tarif hieß Halligalli 30, der neue heißt jetzt Gallihalli 30. Damit ist es leider nicht mehr derselbe Tarif, man erkennt es ja schon am Namen, und damit kann man leider nicht verlängern. Sondern nur neu abschließen (oder automatisch umstellen lassen).

Womit einmal 49 Euro für einen Neuabschluss fällig werden. Aber man kann mir ein Angebot machen: Ich könne meine Rufnummer kostenfrei mitnehmen und spare mir die Portierungskosten in Höhe von 15 Euro. Na, wenn das nix is!!! Ich kann aber auch eine völlig neue Rufnummer haben. Das stelle man mir frei.

Stinkesocke rechnet: 24 Monate Gallihalli ohne neues Handy kosten mich also 769 Euro. Diese einmalige Gebühr schon eingeschlossen.

Wenn ich aber 24 Monate Gallihalli und ein neues Handy nehme, in diesem Fall das gleiche noch einmal, was ich schon habe und was ich gar nicht ein zweites Mal brauche, kostet mich Gallihalli 30 nur noch 22 Euro monatlich. Und die Anschlussgebühr fällt weg, stattdessen müsste ich für das neue Handy 1 Euro anzahlen und monatlich die Anschaffungskosten mit 10 Euro abstottern. Summa summarum also auch 769 Euro. Ähm...

Ich könnte aber auch 24 Monate Gallihalli und ein anderes neues Handy nehmen, in diesem Fall ein billiges, was ich gar nicht brauche und vor der Tür in den Mülleimer werfe, dann kostet mich Gallihalli 30 ebenfalls nur noch 22 Euro. Die Anschlussgebühr fällt auch weg, stattdessen zahle ich für das neue Handy 49 € an und monatlich die verbleibenden Anschaffungskosten mit 5 Euro ab. Summa summarum nur 697 Euro. Gebt mir mal ein Fernglas, ich möchte nach der Seriösität Ausschau halten!

Okay. Was macht also die Stinkesocke? Fragt bei einem Handyhöker im S-Bahnhof, der nach dem ersten Eindruck unter dem Ladentisch mit Sicherheit auch noch Dinge verkauft, die er auf dem Ladentisch niemals verkaufen dürfte, was er mir für das konkrete Handy zahlen würde. Neu verpackt, unbenutzt, allerdings mit SIM-Lock. Freundschaftspreis, weil ich so hübsch bin und trotzdem im Rollstuhl sitze: 220 Euro.

Stinkesocke rechnet: 22 Euro monatlich, 0 Euro Anschlussgebühr, 1 Euro Anzahlung, 10 Euro für das Handy monatlich, abzüglich 220 Euro macht: 549 Euro insgesamt oder 23 Euro monatlich. Was sagt Frank dazu? "Bevor du das neue Handy nicht komplett abbezahlt hast, darfst du es nicht weiterverkaufen." - Auweia. Und wer ist nun der größere Bagalut? Die Firma Halligallicom oder die Stinkesocke?

Donnerstag, 22. August 2013

Keine Affen im Baum

Dieses Mal bin ich ohne Krankenhausaufenthalt und ohne größeres Theater durch einen Magen-Darm-Infekt gekommen. Man lernt ja dazu. Ich tippe auf eine Algenbelastung in einem Badesee, in dem Marie, Cathleen und ich am Montag schwimmen waren. In dem wir sonst nie schwimmen, der laut Hinweisschild aber zum Baden freigegeben war ("Wasserqualität: Ausgezeichnet"), der mir aber im Nachhinein nicht geheuer war. Auf jeden Fall lagen wir danach alle drei flach. Wer eklige Details nicht lesen möchte, beschränkt sich nur noch auf diesen Satz: Mir geht es wieder gut!

Ich war an dem Abend wieder zu Hause, hatte gerade etwas gegessen und saß vor meinem PC. Als ich mich zum dritten Mal innerhalb von fünf Minuten über einen lauten Pups erschrak und feststellen musste, dass außer mir niemand im Raum ist, den ich dafür verantwortlich machen könnte, rollte ich vorsichtshalber schonmal in Richtung Klo. Während ich mich umsetzte, ging das los, was ich gerne im Klo gehabt hätte, weil es in der Hose einfach eklig ist; erst recht, wenn es oben aus dem Hosenbund quillt. Leider kam ich nur nicht mehr dazu, meine Hosen runterzuziehen.

Bevor mir erst wieder schlecht wird und mein Kreislauf verrückt spielt oder die ganze Situation unkontrollierbar wird, rief ich eine Etage tiefer im Dienstzimmer an und hoffte, irgendjemand wäre da, der mir helfen könnte. Und möglichst jemand, der es nicht noch unerträglicher macht. Ich hoffte auf eine ganz bestimmte Person ... und die ging tatsächlich dran. Eine Assistentin, die eigentlich hauptsächlich Maria betreut. "Ich komme sofort", meinte sie.

Als sie mit ihrem Schlüssel in mein Zimmer kam, hatte ich einen dicken Kloß im Hals. Ich versuchte, mich zusammenzureißen und kämpfte mit den Tränen. Sie klopfte an die halb geöffnete Badtür und kam rein. Es muss ein seltsames Bild gewesen sein, wie ich wie ein Häufchen Elend voll bekleidet auf dem Klo sitze und sie anstarre, in den Augen die Wörter geschrieben: "Bitte sag" links, und rechts "jetzt nichts!"

Ihre erste Frage: "Hi, was ist los bei dir? Eingekackt?" - Ich nickte kaum sichtbar. Und sagte dann: "Das krieg ich auch alleine wieder sauber. Ich habe nur die letzten Male, als das so los ging, ziemlich schnell Kreislaufprobleme bekommen und musste dann auch jedes Mal in die Klinik." - "Okay, dann pack ich dich ins Bett und mach dich dort sauber?"

"Mir wäre es am liebsten, wenn wir erstmal bei meiner Hausärztin anrufen könnten. Ich denke, dass ich wieder eine Infusion brauche und vermutlich auch was, was den Darm ruhig stellt. Das ist bei mir immer sehr heftig, wenn mein Darm verrückt spielt. Und dann können wir das auch in der Dusche versuchen, solange du mich halten kannst, wenn mir schwindelig wird."

"Gut, dann rufst du bei deiner Hausärztin an und ich hol mir schnell Handschuhe und ein paar Sachen und dann duschen wir? Ich bin sofort wieder da."

Maries Mutter wollte vorbei kommen. Marias Assistentin kam wieder, hatte einen fahrbaren Lifter dabei, zog sich nackt aus, zog sich einen noch halbnassen Badeanzug an, Einmalhandschuhe und Mundschutz dazu. "Was machst du denn?", fragte ich sie erstaunt. Sie antwortete: "Ich komm mit duschen. Das mache ich mit Maria auch immer so. Jeden Morgen. Dann kann ich sie am besten festhalten. Es sei denn, es stört dich." - "Mich? Du weißt schon, wie eklig ich gerade bin, oder?" - "Eklig? Na komm. Das diskutier ich jetzt nicht. Ich ekel mich nicht vor dir. Ich muss nur aufpassen, dass ich mich nicht anstecke, deshalb der Mundschutz und die Handschuhe. Entspricht zwar nicht den Hygienevorschriften, aber du musst es ja keinem erzählen." - "Ich schreibe das in meinen Blog." - "Okay, ich werde es immer dementieren."

Sie hob mich vom Klo auf den Duschsitz und fing an, mich auszuziehen. "Du hältst dich nur fest, ich mach den Rest", befahl sie mir. Während sie mir am Bauch herumfummelte, um mit den Handschuhen den Knopf meiner Jeans aufzubekommen, fühlte sich meine Blase auch noch angesprochen und machte die Sauerei komplett. Marias Assistentin zog blitzschnell ihren Fuß weg und fing an zu lachen. "Mach erstmal fertig", meinte sie. "Und lach mal drüber. Oder hast du Bauchweh?" - "Ich kann darüber nicht lachen, ich mag dieses Unkontrollierbare nicht." - "Jule, nimm es einfach mit Humor. Du brauchst dich vor mir nicht zu schämen. Und ich verpetz dich auch nicht."

"Darum geht es gar nicht. Es ist mir einfach unangenehm, wenn mich andere Leute so schwach sehen, ich auf ihre Hilfe angewiesen bin und nichts dagegen tun kann." - "Du bist nicht schwach. Du hast nur einen Querschnitt. Und einen gelähmten Darm. Das hat nichts mit Schwäche zu tun. Das sind körperliche Gegebenheiten, mit denen unsere Gesellschaft schlecht umgehen kann. Als wir noch in den Bäumen von Ast zu Ast geschwungen sind, hätte sich niemand drüber aufgeregt, wenn du dabei was verloren hättest. Heute, wo wir meistens nicht mehr nackt sind und alles steril und geordnet ist, fallen die auf, die ihren Mist nicht kontrolliert in ein Abwasserrohr plumpsen lassen." - "Im Wald würde ich gar nicht mehr leben." - "Im Wald hätte dich kein Auto angefahren." - "Dann wäre ich eben vom Baum gefallen. Es ist doch eine sehr weit hergeholte Argumentation. Wir sind keine Affen im Baum." - "Wir alle wollen dich unter uns haben. Dich gibt es aber nur ganz oder gar nicht. Also müssen wir auch eine gemeinsame Lösung finden, wenn du einen gelähmten Darm hast. Mein Vorschlag dazu war: Wir duschen zusammen und ich mach dich sauber. So einfach ist das."

Sie hatte mich gerade so sauber, dass sie mich abtrocknen wollte, als es wieder losging. Ich war lediglich froh, mich nicht auch noch übergeben zu müssen. Sie sagte: "Am besten ist wahrscheinlich, wenn du hier sitzen bleibst, bis deine Ärztin dir was gegeben hat und das aufhört, oder? Ich spül dich jetzt nochmal sauber, tupf dich trocken und heb dich aufs Klo." - Ich wurde bereits zittrig.

Maries Mutter kam 20 Minuten später. Die Assistentin hatte bereits Desinfektionsmittel in die Dusche gekippt und die Fliesen mit einem Schrubber bearbeitet und sich wieder angezogen. Sie hatte sich eine Papierschürze umgebunden und nahm aus meiner verdreckten Hose eine Stuhlprobe für Maries Mutter, bevor sie den ganzen Schweinkram auswusch und die Sachen mit zur Waschmaschine nahm. Ich bekam 30 Tropfen Opiumtinktur in ein Schnapsglas mit Wasser aufgefüllt, pfui Teufel. Aber das wirkt wenigstens. Maries Mutter legte mir einen Zugang in die Vene, stöpselte einen Tropf dran und bat Marias Assistentin, alle halbe Stunde nach mir zu sehen. Dann bekam ich eine Pampers angezogen, einen Schlafanzug ... Decke drüber, gute Nacht. Wer nach 30 Tropfen Opiumtinktur noch länger als 20 Minuten die Augen offen hält, kriegt von mir einen Keks. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Zu meinem gestrigen 21. Geburtstag habe ich mich zum ersten Mal wieder länger als 10 Minuten aus meinem Bett rausgetraut und mir von Marie die Nadel ziehen lassen. Es scheint wieder alles gut zu sein.

Montag, 19. August 2013

Schengen

Lange nichts Kurioses mehr passiert, das geht so nicht. Ich sitze in einem Schnellbus der Linie 31 stadteinwärts, als zwei Jugendliche, geschätzt 16 Jahre, auf mich zukommen. Vorher hatten sie mich schon mehrmals längere Zeit angeschaut, anfangs sogar einmal auf mich gezeigt und sich angeregt unterhalten. Einer der beiden baut sich vor mir auf und sagt mit verstellter, tiefer Stimme: "Hallo!"

Dabei gibt er sich, als wäre er geistig unterbelichtet. Der andere von den beiden legt sich eine Hand auf den Kopf und kratzt sich mit der anderen unterm Arm, macht dabei Uh-uh-uh-Geräusche wie ein Orang Utan mit Hormonüberschuss. Ich fummel mir den Knopf aus einem Ohr und kann es mir nicht verkneifen: "Na? Seid ihr behindert?"

Der Orang-Utan-Typ stockt, guckt mich an und sagt: "Ey, du Opfer, ich geb dir gleich 'behindert'!" - "Nö lass mal, ich hab schon."

Der andere Typ sagt, plötzlich mit normaler Stimme: "Ich hab da mal eine Frage. Kannst du uns sagen, in welcher luxemburgischen Stadt wurde 1985 ein Vertrag unterzeichnet, dass die Kontrollen an den Grenzen weniger werden? Wir hatten das heute morgen im Test und sind uns nicht sicher."

"Naja, wenn das im Test vorkommt, habt ihr das doch bestimmt im Unterricht gehabt, oder?" - "Ja, aber wir erinnern uns nicht." - "Ich würde mal auf Schengen tippen."

Im gleichen Moment fuhr der Bus an die Haltestelle. Bevor die beiden Jungs aussteigen, sagt einer laut: "Siehste, ich hab dir gesagt, die kann nur nicht laufen."

Seufz. Du mich auch.

Donnerstag, 15. August 2013

Zwei Mal Justitia

Ziemlich genau vor einem Jahr verunglückte nahe unserer Trainingsstrecke ein Rennradfahrer bei seinem Straßentraining tödlich, als er mit einem entgegen kommenden Lkw kollidierte. Drei weitere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Der Lkw-Fahrer war in eine Kolonne aus 30 Rennradfahrern gecrasht. Uns erreichte diese Nachricht damals im Trainingslager. Den getöteten Radfahrer haben wir nicht gekannt, die Strecke nutzen wir nicht, unsere (während unseres nächtlichen Trainings für den Autoverkehr gesperrte) Handbike-Trainingsstrecke ist aber nicht weit von dem Unfallort entfernt.

Gestern nun wurde in dem Prozess das Urteil gesprochen. Der Lkw-Fahrer hätte nach Überzeugung des Gerichts an dieser Stelle, an der die Straße nicht mal sechs Meter breit ist, nicht überholen dürfen. Die Kollision mit den -vorschriftsmäßig- in Zweierreihen (etwa 1,30 Meter) fahrenden Rennradfahrern war demnach vorprogrammiert. Das Gericht ging von einer tragischen Fehleinschätzung des Lkw-Fahrers aus. Ein grob rücksichtsloses, verkehrsgefährdendes Verhalten sei aber nicht feststellbar gewesen, auch dadurch nicht, dass der Lkw-Fahrer kurz zuvor noch ein anderes Fahrzeug in einer engen, unübersichtlichen Kurve mit überhöhter Geschwindigkeit überholt und sich vierzehn Tage vorher bereits aus ähnlichem Anlass eine Prügelei mit zwei anderen Rennradfahrern geliefert hatte. Auch die drei Einträge im Verkehrszentralregister, alle wegen zu schnellen Fahrens, hätten mich sehr nachdenklich gestimmt, hätte ich in dieser Sache etwas zu entscheiden. Habe ich aber nicht, ich bin noch nicht einmal fach- und sachkundig.

Das Urteil: 10 Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Und noch eine Sache ist aus juristischer Sicht abgeschlossen. Die ehemalige Mitarbeiterin, die am 13. November 2012 unserer Maria zwei Ohrfeigen verpasst und das später auch zugegeben hatte, kommt halbwegs ungeschoren davon. Das Verfahren wurde gegen Zahlung einer freiwilligen Spende in Höhe von 250 € zu Gunsten einer Beratungsstelle für Gewaltprävention eingestellt. Insbesondere die Tatsache, dass sie seit ihrer letzten Entlassung keinen neuen Job gefunden hat, soll die Höhe der Zahlung plausibel machen. Um einem zivilrechtlichen Verfahren über Schmerzensgeld vorzubeugen, hat die ehemalige Mitarbeiterin Maria über ihren Anwalt ebenfalls 250 € angeboten. Wer sich auskennt, weiß, dass das möglicherweise bis zu 250 € mehr sind, als man je vor einem Zivilgericht für zwei Ohrfeigen erstreiten könnte. Ich finde, da kann Maria nur froh sein, dass sie ihr nach den Ohrfeigen keinen Stinkefinger gezeigt hat. Das wäre vermutlich teurer geworden. Für Maria. Mehr fällt mir dazu nicht ein.

Mittwoch, 14. August 2013

Ein kleines "M"

Wenn ich fast fünf Jahre lang Tagebuch schreibe und das auch noch online, dann wird es in dieser weiten Welt Menschen geben, die mich besser kennen als ich. Sagte mir kürzlich ein Kumpel aus dem Sportverein. Ob er damit richtig liegt, weiß ich nicht. Was ich aber weiß, ist, dass ich in den fünf Jahren nach meinem Unfall über vieles nachgedacht habe und auch viele Verhaltensweisen, Werte und Einstellungen überdacht, zum Teil auch angepasst und verändert habe.

Nicht, weil ich das dringende Bedürfnis hatte, mal durchzulüften. Auch nicht, weil ich, frei nach den "Ärzten", eine Attitüde in mir kochen sah, die, wiederum frei nach "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupéry, den Blick meines Herzens auf das Wesentliche eintrübte. Sondern weil ich als kleine unbedarfte Stinkesocke ungefragt und plötzlich mit Dingen konfrontiert wurde, die meine Kinder- und Teenie-Augen zuvor nie bewusst wahrgenommen und die auch mein Herz noch nie gesehen hatten.

In der Eile, in der ich selbständig werden musste, kam ich mir anfangs oft vor wie eine Einsiedlerin. Wie jemand, der vom Himmel in eine neue Welt geplumpst ist, in der die Uhren anders ticken. Der mit alledem, was sonst Halt gibt, sei es Familie, sei es Freunde, sei es die Dazugehörigkeit zur Gesellschaft, nichts anfangen konnte. Die sich von dem einen oder anderen distanzieren musste und distanzierte. Der zweite Schritt, nämlich zu erkennen, dass ich keine Einsiedlerin bin, die sich nun einsam in eine fremde Welt etablieren muss, sondern allenfalls ein wenig anders, wie viele andere Menschen auch, war vielleicht deshalb etwas schwieriger, weil ich mich erstmal mit meiner neuen Fortbewegungsart anfreunden musste. Einige Radumdrehungen später habe ich erfahren, dass ich in einer Gesellschaft lebe, die gerade versteht, dass das "fahrende Volk", genauso wie alle anderen, die irgendwie anders sind, dazu gehört. Dass jeder Mensch, der irgendwie anders ist, die Gesellschaft bereichern kann. Und dass jeder Mensch tatsächlich irgendwie anders ist.

In Metaphern zu sprechen oder zu schreiben, kann insbesondere bei großen Problemen sehr hilfreich sein. Finde ich. Findet meine Psychologin auch. Solange der Bezug zum Wesentlichen nicht völlig verloren geht und sich am Ende der Kreis wieder schließt. Selbst Melvin Udall, der liebenswürdige Neurotiker aus "As Good As It Gets", der sich kürzlich anlässlich eines Videoabends in unserem Gruppenraum an eine weiße Wand werfen ließ, stimmte dem indirekt zu, als er sich mit einem provozierenden "Ich finde, Leute, die in Metaphern sprechen, können mir den Schritt shampoonieren" seinen Tisch in seinem Lieblingsrestaurant zurück eroberte. Und wer könnte das besser wissen als er?!

Wobei ich nach vier langen einleitenden Absätzen nun endlich beim Thema wäre. Nein, nicht die Metaphern. Ich weiß, ich bin gerade ein kleines Schweinchen.

Sex.

Ich habe, angesprochen auf das Thema "Sex" immer geantwortet, dass Sex für mich nur mit einem Partner in Frage kommt. Dass es etwas ganz besonderes ist. Dass ich mir Sex zwar außerhalb einer Ehe vorstellen kann - ganz so brav und konservativ bin ich dann doch nicht. Aber eben nicht außerhalb einer festen Beziehung - so brav und konservativ bin ich dann doch. Glaubte ich zumindest.

Ich denke in den letzten Wochen oft und viel über dieses mein Attitüdchen nach, und darüber, ob es möglicherweise zu schnell entstanden ist. In eben dieser erwähnten Phase nach meinem Unfall. Fakt ist, dass ich gerne eine Beziehung hätte. Zu einem Prinzen. Aber leider sind zur Zeit irgendwie keine Prinzen auf dem Markt. Zumindest keine, die Stinkesocken suchen. Fakt ist auch, dass ich gerne Sex hätte. Aber leider verbietet mir eben dieses mein Attitüdchen, mich überhaupt darauf einzulassen oder sogar aktiv zu werben. Denn Fakt ist drittens, es gäbe schon den einen oder anderen Typen, den ich körperlich absolut lecker finde und charmant und kuschelig - den ich auch mal einen Tag lang oder eine Woche lang gut um mich haben könnte; mit dem ich mir aber keine dauerhafte Beziehung vorstellen kann. Nur würde ich mich dabei wohl zwischen Freundschaft oder F...ögeln entscheiden müssen, denn beides zusammen klappt vermutlich nicht.

Ich könnte das einfach heimlich ausprobieren. Niemandem davon erzählen. Nicht mal meiner besten Freundin. Aber so ein Mensch bin ich nicht, wenngleich ich mir meine Meinung sicherlich nicht vorschreiben lassen möchte. Aber eben weil ich innerlich so hin- und hergerissen bin, ist mir wichtig, was meine Freunde über dieses Thema denken.

Ich spiele vor allem immer wieder mit dem Gedanken, ein klitzekleines "M" zu ergänzen. Aus dem Satz "Ich kann mir Sex nur innerhalb einer Partnerschaft vorstellen" könnte vielleicht ein "Ich kann mir Sex nur innerhalb meiner Partnerschaft vorstellen" werden. Was weiterhin bedeutet, dass ich meinem Partner treu bin, auch dann, wenn wir vielleicht -aus welchen Gründen auch immer- keinen Sex haben können, und dass ich auch mit niemandem etwas anfange, von dem ich weiß, dass er eine Partnerschaft hat. Was aber -was so ein kleiner unschuldiger Buchstabe nicht so alles verändern kann- nicht mehr bedeutet, dass ich, solange ich solo bin, niemanden ran- und schon gar reinlasse.

Ich werde mit Sicherheit weder zu einer Schlampe noch zu einer Dorfmatratze mutieren. Letztes alleine schon deshalb nicht, weil Hamburg die zweitgrößte Stadt Deutschlands ist und damit alles andere als Dorfcharakter hat. Es muss ja auch nicht gleich zum Äußersten kommen. Aber sollte ich mir weiterhin verbieten, einen leckeren Typen anzubaggern und mit ihm intensiv zu flirten und vielleicht auch rumzumachen, nur weil ich vorher weiß, dass ich mir mit ihm keine Beziehung vorstellen kann? Wird ein späterer Prinz, sofern doch mal wieder einer im Angebot ist, das von mir erwarten? Wird er meine "Jungfräulichkeit" zu schätzen wissen? Tut mir diese "Diät" wirklich gut?

Samstag, 10. August 2013

Spastische Attacke

Die eine oder andere Veränderung gibt es immer in unserem Wohnprojekt. Bei insgesamt 21 Personen, die sich über drei Etagen verteilen, ist das aber auch kein Wunder. Zwei Zimmer wurden frei, nachdem die beiden Bewohnerinnen außerhalb Hamburgs eine Ausbildung beziehungsweise ein Studium beginnen und dadurch in ein Internat beziehungsweise in ein Studentenwohnheim ziehen. Zum 01.08. bekamen wir nach längerem Auswahlverfahren und Probewohnen einen neuen Bewohner und eine neue Bewohnerin dazu, er ist 23 und wegen einer vererbten Erkrankung ständig, also auch innerhalb der Wohnung, Rollstuhlfahrer, sie ist 16 und Spasti, fährt längere Strecken außerhalb des Hauses im Rollstuhl.

Die junge Frau kommt direkt aus einer psychiatrischen Klinik zu uns. Was sie auch jedem relativ rasch und offen erzählt und sich selbst als "Psychospaste, waschfest und lichtecht" beschreibt. Ich finde sie süß, auch wenn ihr Lieblings-T-Shirt den Spruch "Ich bin nicht süß!" trägt. Und wäre das Wort "keck" noch nicht entdeckt oder erfunden worden, wäre dafür spätestens jetzt großer Bedarf. Ein kleiner Wirbelwind mit Sommersprossen im Gesicht, eine kleine Nase, kinnlange dunkle Haare und eine sehr schlanke Figur fallen beim ersten Hinsehen auf. Das Jugendamt wurde intensiv tätig, um uns davon zu überzeugen, sie auch in dem Alter und mit der Vorgeschichte bei uns aufzunehmen. Selbst der behandelnde Klinikpsychologe kam persönlich hier vorbei, da es ihm, wie er sagte, eine Herzensangelegenheit sei, dass sie eine vernünftige Wohnung und damit zur Ruhe finde. Ich glaube, die Worte sind eindeutig.

Unterschiedlicher können die beiden Neulinge nicht sein. Trotzdem feierten sie ihren Einstand gestern abend gemeinsam mit einem feudalen Nudelauflauf. Mit allen, die spontan Zeit hatten. Und während der junge Mann keinen externen Besuch bekam, nahmen die Eltern und die Großeltern der jungen Frau an dem Essen teil. Insbesondere die Großeltern wollten sich anschauen, wo ihre Enkelin künftig lebt, und da wir strikt gegen "Besichtigungen" sind, schließlich wohnen wir hier nicht im Streichelzoo, haben wir das gemeinsame Essen zum Anlass genommen, sie gezielt einzuladen und uns dabei kennenzulernen.

Damit das niemand falsch versteht: Jeder darf hier Besuch empfangen, wann er will und wen er will. Aber dann in seinem Zimmer. Es gibt auch kein Problem damit, wenn der Besuch mitkommt in die Küche oder in den Gruppenraum, mit kocht oder mit fernsieht. Und wenn sich dabei jemand bekleckert, wird auch niemand meckern, wenn man kurzfristig die Jeans eines Besuchs durch die Waschmaschine schickt. Aber Führungen durch alle Etagen, gerade noch mit mehreren Peronen, mal eben alle Bewohnerinnen und Bewohner kennen lernen, an alle Zimmer anklopfen und reinschauen wollen, wie das öfter von Organisationen und interessierten Personen angefragt wird, lehnen wir kategorisch ab. Das würde jemand aus einem Mietshaus oder einer großen Mehrgenerationen-/Patchwork-WG auch nicht einfach so mit sich machen lassen wollen.

Der Nudelauflauf schmeckte mir recht gut, den Eltern unseres Neuzugangs hingegen überhaupt nicht. Die Mutter ließ nach dem ersten Bissen durchblicken, dass man "bisher immer genug Geld gehabt hat, um die einzelnen Komponenten einer Mahlzeit sauber zu trennen", und der Vater fügte mit spitzer Zunge hinzu, dass der Kommentar seiner Gattin "möglicherweise unberücksichtigt gelassen hat, dass der Matsch zwischen den zerkochten Teigwaren auch das Produkt einer spastischen Attacke sein könnte, in der seiner Tochter alles in den Häcksler geraten sei, was in der Küche so herumlag." Das entschuldige zwar einiges, erkläre aber auch, wie die zwischen den Zähnen knirschenden Eierschalen in den Braten geraten seien.

Ich weiß zwar nicht, was im Vorfeld alles vorgefallen sein mag, damit man so wird. Aber vor unbeteiligten Menschen derart über seine eigene Tochter zu pesten, passt in ein Familienbild, das durch mindestens eine psychische Erkrankung und Entscheidungen der Jugendbehörde mitgezeichnet wurde. Unser Frischling fing zu heulen an und bat die Eltern, zu gehen, Sofie setzte ein eindeutiges Zeichen, rollte zur Tür, öffnete diese demonstrativ und sagte zu Marias Assistentin: "Könnten Sie den Herrschaften vielleicht ein Bündel rohe Karotten und eine Flasche Mineralwasser, sauber getrennt, mit auf ihren Weg nach draußen geben?" - Worüber sich die Tochter plötzlich kiechernd amüsierte. Die Eltern gingen und ließen ihren dampfenden Auflauf und einen ratlosen Opa zurück, dessen zwei Hörgeräte anscheinend mehr auf einen direkten Dialog als auf eine größere Unterhaltung eingestellt waren, und der die mit zerknirschter Miene ebenfalls zurück gebliebene Oma mit gerunzelter Stirn fragte: "Was ist denn jetzt schon wieder los?"

Woraufhin die Oma laut antwortete: "Das erzähle ich dir später, lass uns essen."

Der Rest des Essens verlief ruhig und harmonisch. Anschließend schaute sich der Opa das Zimmer seiner Enkelin an und war wohl schwer begeistert. Er sprach auch mit Maria und bat sie, ob sie ihm auch ihr Zimmer zeigen könnte. Er erzählte, dass seine letzten Erinnerungen an Menschen, die ständig "untergebracht" seien, ihn in die 1960er Jahre zurück führten, als ein selbstmordgefährdeter Bruder lange Zeit in einer geschlossener Einrichtung gelebt habe. Maria erklärte ihm, dass hier niemand "untergebracht" sei, sondern alle Menschen hier freiwillig und aus persönlicher Überzeugung wohnen würden - und sich jederzeit auch eine eigene Wohnung suchen dürften und könnten. Sie seien halt nur von Pflege oder Assistenz abhängig. Beides lasse sich besser im großen Rahmen organisieren als für eine einzelne Person - wenngleich hier jeder seine Hilfen für sich selbst organisiere und Leute wie beispielsweise die Stinkesocke allenfalls hauswirtschaftliche Hilfen (Getränkekiste tragen, Glühbirne wechseln) abrufe.

Der Opa sagte, er habe sich das ganz anders vorgestellt. Selbst ein Zimmer, in dem jemand wohne, der ständig auf Hilfe durch andere Menschen angewiesen sei, unterscheide sich nicht von einem Zimmer in einer ganz normalen Familie mit nicht behinderten Menschen. Und niemand laufe in weißen Hosen herum. Als er gehört hatte, seine Enkelin werde in einer Einrichtung untergebracht, hätte er sich eine Anschlussbehandlung an den Klinikaufenthalt, so etwas wie eine Kurklinik, vorgestellt. Etwas stationäres. Hier würde man jedoch wohnen und leben. "Das gefällt mir ganz ausgezeichnet, das ist sehr gut für unser Mädchen", sagte er zur Oma und nahm sie in den Arm. Und fragte sie: "Ich finde, wir sollten uns erkundigen, ob wir ihr monatlich ein kleines Taschengeld zahlen können, was denkst du?" - "Das finde ich eine sehr gute Idee von dir, Vater, das unterstütze ich sofort!"

Sonntag, 4. August 2013

Zwei Tage Bayern

Ich bin wieder zurück in Hamburg von einem verlängerten Bayern-Wochenende. Und habe endlich, nach über einem Vierteljahr, meine beiden Halbschwestern Emma und Paula wieder gesehen. Es gibt morgens einen ICE, mit dem ich ohne Umsteigen von Hamburg bis fast vor ihre Haustür fahren kann, und da Emma noch bis 14.00 Uhr arbeiten musste, hatte ich mich zunächst nur mit Paula verabredet. Gemeinsam wollten wir bei einem Eis auf Emma warten und dann zusammen zu einem Badesee fahren. Und wie es der Zufall so will, gab es bereits vorher eine eher drollige Begegnung.

Während wir uns jeweils einen Pappbecher mit zwei Eiskugeln mitgenommen und uns unter einem großen, Schatten spendenden Baum auf den Rasen gesetzt hatten, um eben jene zu löffeln, wurde unsere Aufmerksamkeit auf zwei Leute gelenkt, die sich schräg gegenüber vor einer Bankfiliale zofften. Nicht um ihr Konto, sondern einer der beiden hatte seinen Opel Astra beim Einparken in die hintere linke Tür des VW Passats gelenkt und dort eine nette Beule hinterlassen. Worum es bei dem Streit genau ging, bekam ich nicht richtig mit, dafür war die Entfernung zu groß. Es dauerte jedenfalls nicht lange, bis ein grün-weiß lackierter BMW-Kombi aufkreuzte und Paula sagte: "Ich lach mich schlapp, wenn da jetzt Emma aussteigt. Das könnte durchaus sein."

Naja, wenn ich schon eine drollige Begegnung ankündige, war ja klar, wer aus dem Auto stieg. Wir beobachteten aus sicherer Entfernung das Treiben. Der Passatfahrer wurde immer ruhiger und versuchte, seine Papiere aus einer klebrigen Plastikhülle zu bekommen, während sich der Astrafahrer, der Verursacher der Beule, immer weiter aufregte. Und dann geschah etwas, was wir erst später, als Emma es uns erklärte, realisiert und verstanden haben. Plötzlich ging Emma, die vorher neben dem Mann gestanden hatte, blitzschnell einen Schritt auf ihn zu, drückte ihm ihren ausgestreckten Arm vor den Hals und stieß ihn quasi nach hinten um. Der Mann legte sich der Länge nach rückwärts auf das Parkett, ziemlich unsanft und laut schreiend, wenngleich Emma ihn so halb auffing. Eine Sekunde später saßen Emma und ihre beiden Kollegen auf ihm.

Wie Emma später aufklärte, hatte der Mann ein Messer aus der Tasche geholt und versuchte gerade, es auszuklappen oder zu öffnen oder ähnliches. "Und warum wirfst du den dann zu Boden?", wollte Paula wissen. - "Naja, das war die sanfteste Möglichkeit, seine Aktion zu beenden. Der Typ war ziemlich aggressiv, und wenn einer in Gegenwart der Polizei ein Messer zieht, dann warte ich bestimmt nicht ab, ob er damit losrennt, es durch die Gegend wirft oder sich selbst in den Bauch rammt." - Paula wollte unbedingt gezeigt bekommen, wie sie den Typen so schnell aufs Parkett gelegt hatte. Der Trick war denkbar einfach: Sie stand rechts neben ihm und hatte ihren linken Fuß hinter seine Füße gestellt und ihn gleichzeitig mit ihrem Arm vor seinem Hals zurückgedrängt. Dadurch musste er einen Schritt rückwärts gehen, was aber nicht ging, da dort ihr Fuß stand. So ist er rückwärts gestolpert und ins Fallen gekommen.

"Passiert das häufig, dass einer ein Messer rausholt? Ich dachte immer, Hamburg ist ein heißes Pflaster." - "Naja, ich weiß ja nicht, wie oft das in Hamburg passiert, aber hier ist das eher eine Ausnahme. Dass einer eins mitführt oder dass wir einem eins abnehmen, das gibt es öfter. Aber rausholen und einsetzen wollen ist eher selten. Zum Glück. Dafür hatte ich aber in der letzten Woche einen, der mir nachts bei einer Ruhestörung vollgekokst mit einem Hammer in der Hand die Wohnungstür geöffnet hat."

Na klasse. Ob ich das so gut finde, dass sie diesen Job macht?

Als Emma dann später mit gut einer Stunde Verspätung bei uns war, konnten wir endlich zu einem See fahren und schwimmen gehen. Dort trafen wir, eher zufällig, noch zwei Freundinnen von Paula, die sich zu uns auf den Rasen legten. Es war sehr nett. Abends gab es ein drastisches Wärmegewitter mit einer angenehmen kurzfristigen Abkühlung. Wir waren gerade beim Grillen, als das losging, allerdings war der Grill schon so weit, dass man ihn unter ein Carport stellen konnte, während wir uns auf eine überdachte Terrasse setzten.

Nachdem ich nachts total gut geschlafen habe, haben wir am Samstag eine ausgedehnte Radtour gemacht. Ich hatte trotz aller Widrigkeiten mein Vorspannbbike im Zug mitgenommen, und auch die Freundin von Paula, die ebenfalls im Rollstuhl sitzt, kam mit ihrem Handbike mit. Wir hatten eine etwas weiter entferntere Badestelle an einem Fluss zum Ziel. Die war fast noch etwas besser, da hier nicht so viele Leute waren. Auch am Samstagabend gab es Gewitter, erneut beim Grillen.

Es waren total tolle drei Tage. Wir haben uns, wie schon bisher, sehr gut verstanden und uns viel erzählt und vor allem sehr viel gelacht. Über unseren gemeinsamen Teil der Familie haben wir überhaupt nicht gesprochen, was für mich auch völlig in Ordnung war. Leider war das Wochenende viel zu schnell vorbei: Heute nachmittag fuhr mein Zug zurück nach Hamburg. Gerade so eben noch rechtzeitig vor einem heftigen Unwetter. Nun dauert es nicht mehr lange, bis wir uns im Norden wiedersehen. Ich freue mich schon!