Freitag, 31. Mai 2013

Kein Schwein

Das war mal wieder ein Abend zum Vergessen. Stundenlang, bis spät in die Nacht, sitzen wir in einem Konferenzsaal eines frisch renovierten Verwaltungsgebäudes mit Blick über die Dächer Hamburgs, folgen den Informationen, die man uns zur sportlichen Saison 2013 beziehungsweise 2013/14 geben möchte und lauschen einer angespannten Diskussion über die Vergabe von öffentlichen Geldern. Wollen im Anschluss an den öffentlichen Teil einen Funktionär noch persönlich sprechen und sind, da wir lange warten müssen, ziemlich die letzten, die das Haus verlassen.

Normalerweise halte ich mich von solchen Veranstaltungen fern, nicht zuletzt, weil ich von der ganzen Sportpolitik, die dort und anderswo betrieben wird, nicht genug verstehe, in diesem Fall hatte man mich aber vorher mit den nötigen Informationen versorgt und mich gebeten, vertretungsweise diesen Termin wahrzunehmen, nachdem derjenige, der üblicherweise dorthin fährt, anderweitig im Einsatz war. Ich wurde von Stefanie begleitet, eine Kollegin aus meinem Verein, die wegen einer Muskelerkrankung, bei der die Nervenfasern an den Extremitäten abgebaut werden, beginnend an den Zehen und Fingern und dann immer weiter zum Rumpf fortschreitend, im Rollstuhl sitzt. Das Sprechen ist auch betroffen, sie redet etwas heiser und etwas undeutlich, verwaschen. Stefanie hatte angeboten, mich von zu Hause mitzunehmen und auf dem Rückweg auch wieder dort abzusetzen, da das für sie ohne Umweg möglich ist. Ich habe das angenommen, ist ja nett, wenn ich mal nicht selbst fahren muss.

Wir verlassen also das Verwaltungsgebäude, es regnet mal wieder. Wir rollen zum Auto. Ich setze mich auf den Beifahrersitz ihres Passat Variant um, sie schiebt meinen Rollstuhl leer nach hinten, hebt ihn in den Kofferraum, setzt sich auf die Ladekante um, hebt ihren Rolli in einem Stück daneben und kann dann, wenn auch mühsam, sehr wackelig und mit Festhalten an der Dachreling, bis zur Fahrertür gehen. Schön einen Fuß vor den anderen, die Beine eher aus der Hüfte heraus angehoben ... sieht abenteuerlich aus, dauert gemessen am Wetter viel zu lange. In dem Moment, wo sie ihre Tür aufmachen will, rutscht sie mit der Hand vom nassen Türgriff ab. Da sie keine vernünftigen Greiffunktionen in den Fingern hat, passsiert sowas halt mal. Der Schwung, den sie eigentlich zum Öffnen der Tür verwenden wollte, reicht diesmal aus, um sie umzuwerfen. Bevor ich auch nur irgendwas denken kann, klatscht sie einmal lang hin und liegt bäuchlings auf dem nassen Asphalt.

Super. Nun konnte ich ja schlecht ihre Tür öffnen, nicht dass ich ihr die noch gegen den Kopf schlage. Sie bekommt sich aber relativ schnell wieder so gedreht und sortiert, dass sie sich auf den Po setzen und an die hintere Tür lehnen kann. Ich lehne mich mit dem Oberkörper auf den Fahrersitz rüber, öffne vorsichtig die Fahrertür und frage, ob alles in Ordnung sei. Sie antwortet: "Alles okay, bin nur abgerutscht. Einmal schön mit dem Gesicht in ein paar Scherben, aber zum Glück hab ich mich nicht verletzt. Die Hände bluten auch nicht, alles ist gut. Kannst Du mal gucken, unter deinem Sitz in der Schublade müsste ein Müllsack sein, kannst du den mal auf meinen Sitz legen, dass ich das nicht alles einsaue? Und im Handschuhfach ist eine Box mit Papiertüchern, die hätte ich auch gerne mal."

Ein Mann kommt angelaufen. Er hatte den Sturz gesehen und war mit seinem Auto angehalten, hält einen Schirm über Stefanie. "Kann ich Ihnen helfen? Ich möchte Sie nicht einfach so anfassen." - "Danke, das ist auch nicht nötig, ich komme alleine ins Auto. Ich bin am Türgriff abgerutscht." - "Aber sie wollen jetzt nicht so fahren, oder?" - "Das geht schon." - "Sie können so nicht fahren." - "Das ist wirklich kein Problem. Ich mach mich gleich noch etwas sauber und bis dahin habe ich mich von dem Schreck wieder erholt." - "Ich halte das wirklich für keine gute Idee. Soll ich nicht lieber einen Krankenwagen rufen?" - "Nein, bloß nicht, das ist okay so, ich bin nicht verletzt, ich habe mich nur etwas erschrocken. Vielen Dank." - "Na wie Sie meinen."

Stefanie machte die Autotür zu. Sie sah aus wie ein Erdferkel. Ich machte ihr mit den Papiertüchern das Gesicht und die Hände sauber, tupfte den gröbsten Schmutz von den Ärmeln der Jacke und ihren Knien ab, dann fuhren wir los. Das Auto des Mannes, der ihr geholfen hatte, stand noch immer mit Warnblinklicht am Straßenrand. Stefanie sagte erstmal kein Wort, ich habe sie in Ruhe gelassen, schließlich konnte ich mir vorstellen, wie genervt sie war. Das erste, was sie wieder sagte, war: "Der Typ fährt hinter uns her." - Ich drehte mich um. Das stimmte, aber es war eine achtspurige Straße, vier Spuren pro Richtung, vermutlich hatte er einfach denselben Weg.

Wir bogen ein paar Mal ab, fuhren am Hauptbahnhof vorbei, über eine Brücke. Ich fragte: "Und, ist er noch immer hinter uns?" - Stefanie nickte. Auf Höhe der nächsten großen Kreuzung wurde Stefanie plötzlich langsamer und hielt sich rechts. Ich fragte: "Was nu?" - Sie antwortete: "Lalülala von hinten." - Ich drehte mich um, unser "Verfolger" war immer noch hinter uns. Ein VW-Bus kam mit Blaulicht die Straße entlang gefahren. Stefanie wollte den VW-Bus passieren lassen, doch der wurde langsamer, fuhr in Schrittgeschwindigkeit an uns vorbei und scherte schräg vor uns ein, blieb stehen. Stefanie fragte erstaunt: "Und was soll das jetzt?"

Der Fahrer stieg aus, ging zu Stefanies Fenster und sagte: "Guten Abend! Würden Sie mal ganz kurz den Motor ausmachen, bitte?" - "Klar. Und was soll das werden?" - "Ganz kurz warten, bitte."

Wir warteten. Zwei, drei Minuten, dann kam von vorne ein weiterer Streifenwagen, diesmal eine E-Klasse-Limousine. Auch mit Blaulicht. Und keine dreißig Sekunden später noch eine von hinten. Die Beamten stiegen aus, unterhielten sich mit den Beamten aus dem VW-Bus. Die sagten: "Wir hatten das mitbekommen und haben das Fahrzeug zufällig gesehen und sofort gestoppt. Mehr haben wir noch nicht veranlasst."

Erst jetzt wurde mir klar, dass es tatsächlich um uns oder zumindest Stefanies Fahrzeug ging. War sie ohne Licht gefahren? War das Fahrzeug defekt? Als gestohlen gemeldet? Beschädigt worden, und wir hatten das beim Einsteigen im Dunkeln nicht gesehen? Hatte sie irgendwen geschnitten, übersehen oder was auch immer? Aufgefallen war mir nichts, nur dass dieser Mann, der Stefanie den Schirm über den Kopf gehalten hatte, uns hinterher fuhr und auch immernoch hinter uns stand. Dieser Mann war dann auch des Rätsels Lösung. Ein Streifenpolizist aus der ersten E-Klasse stellte sich vor und sagte: "So, die Kollegen der Bundespolizei hatten Sie eben angehalten und gebeten zu warten. Die Kollegen hatten eine Fahndungsmeldung unserer Leitstelle mitbekommen und Sie sind zufällig direkt an deren Streifenwagen vorbei gefahren. Ich hätte gerne mal Ihren Ausweis und Ihren Führerschein und die Zulassungspapiere des Fahrzeugs gesehen."

Ich kam mir vor wie in einem schlechten Krimi. Stefanie war kreidebleich und stammelte: "Können Sie mir mal erklären, was hier los ist?" - "Ja, sofort", antwortete der Beamte. Ich bekam Stefanies Portmonee in die Hand. "Kannst du das da mal bitte rausfummeln?"

Ohne Fingerfunktion geht das schlecht. Bevor ich was machen konnte, sagte der Polizist: "Geben Sie mal her, bitte. Sind die Papiere da drin?"

Ich gab das Portmonee raus und Stefanie sagte: "Können Sie mir jetzt bitte sagen, worum es geht?"

"Ja, sofort. Ausweisen müssen Sie sich so oder so. Eine Frage noch: Haben Sie vor Fahrtantritt Alkohol getrunken oder Medikamente eingenommen?"

Stefanie verneinte das. Der Polizist hatte seine Taschenlampe in der Hand und versuchte gleichzeitig, die Papiere aus Stefanies Portmonee zu holen. Als er endlich so weit war, sagte er: "Sie sind angehalten worden, weil wir den Verdacht haben, dass Sie alkoholisiert Auto fahren. Sie riechen auch ein wenig nach Alkohol, oder? Das Fahren unter Alkoholeinfluss wäre mitunter eine Straftat, also muss ich Sie darüber belehren, dass Sie keine Angaben vor der Polizei machen müssen, mit denen Sie sich selbst belasten würden. Möchten Sie was dazu sagen?"

"Ich hab nichts getrunken", antwortete Stefanie. Der Polizist sagte: "Sind Sie mit einem freiwilligen Atemalkoholtest einverstanden?"

"Sicher", antwortete Stefanie. Und fuhr fort: "Dass ich ein wenig undeutlich rede, liegt an meiner Behinderung. Und dass ich nach Bier rieche, muss daran liegen, dass ich vor meinem Auto gestürzt bin beim Einsteigen. Das liegt aber auch an meiner Behinderung." - Der Beamte sagte: "Ja ja, das wird sich alles aufklären. Können Sie einmal mit zum Streifenwagen kommen?"

"Dann müsste ich erstmal meinen Rollstuhl aus dem Kofferraum holen", antwortete sie. Der Polizist sagte: "Dann machen wir das anders. Können Sie sich mal bitte seitlich auf ihren Sitz setzen, die Füße nach draußen?" - Er öffnete die Tür, gab ihr ein Gerät in die Hand und sagte: "Tief Luft holen, das Mundstück mit den Lippen fest umschließen und so lange in das Gerät pusten, bis das akustische Signal aufhört."

Wie zu erwarten war: Null Komma Null. Der Polizist staunte, zeigte das Ergebnis seinem Kollegen, der direkt daneben stand. Der zog die Augenbrauen hoch. Dann sagte er: "Können Sie uns bitte nochmal erklären, warum Sie nach Alkohol riechen?" - "Darf ich meine Jacke eben ausziehen? Die riecht nach Bier, vermutlich habe ich mich in irgendwas reingepackt, als ich gestürzt bin. Ich bin auf dem Weg vom Kofferraum zur Fahrertür abgerutscht und gefallen und vermutlich war da irgendwas ausgekippt. Ich bin Rollstuhlfahrerin und kann nicht richtig laufen wegen einer Behinderung. Und deswegen spreche ich auch etwas undeutlich."

"Haben Sie einen Schwerbehindertenausweis dabei?" - "Ist mit in dem Portmonee." - "Das Auto ist umgebaut, oder?" - "Ja, ich fahre nur mit den Armen und dem Kopf." - "Mit dem Kopf?" - "Ja, blinken tu ich zum Beispiel mit dem Kopf, weil ich keine Fingerfunktionen habe. In der Kopfstütze ist eine Wippe eingebaut. Wenn ich mit dem Kopf links gegen die Kopfstütze drücke, blinkt es links und wenn ich rechts gegendrücke, blinkt es rechts, und wenn ich das wieder in die Mitte drücke, geht der Blinker aus."

"Der Herr hinter Ihnen hat offenbar beobachtet, wie Sie gestürzt sind und dachte, Sie wären alkoholisiert. Deswegen hatte er die Polizei gerufen." - "Der hatte mir doch noch wieder hoch geholfen. Da hätte er doch fragen können. Außerdem stand ich auf einem Behindertenparkplatz." - Der Polizist antwortete: "Zusätzlich riechen Sie nach Alkohol und, ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen, reden undeutlich. Bedenken Sie, dass Ihr Verhalten dem Mann merkwürdig vorkommen musste. Sie können ihm daraus keinen Vorwurf machen. Es hat sich ja nun geklärt." - "Heißt das, wir dürfen weiterfahren?" - "Es gibt keinen Grund, Sie länger aufzuhalten. Oder, Moment, der Herr möchte Ihnen noch was sagen?"

Der Mann stand plötzlich neben uns und sagte: "Das ist mir sehr unangenehm. Ich bitte Sie tausend Mal um Entschuldigung. Ich dachte wirklich, Sie wären sternenhagelvoll. Da habe ich einen richtigen Bock geschossen." - Stefanie sagte: "Kann ich jetzt zwar nicht so ganz nachvollziehen, aber das liegt vielleicht auch daran, dass ich täglich mit mir selbst zu tun habe und Sie nicht. Entschuldigung ist akzeptiert, dürfen wir dann jetzt endlich weiter? Ich möchte duschen."

Die nächsten fünf Minuten bis zu meiner Haustür sagte keiner auch nur ein Wort. Erst als der Motor aus war, nahm Stefanie ihre Hände vor das Gesicht und blieb einige Sekunden so sitzen, rieb sich die Augen. Dann schaute sie mich völlig fertig an. Ihr erster Kommentar, kopfschüttelnd: "Mir ist ja schon viel passiert. Aber sowas? Das glaubt uns kein Schwein."

Samstag, 25. Mai 2013

Nicht die Sonne


Ich wünsche mir, dass die Sonne endlich mal wieder ein bißchen mehr scheint und wir nicht nur Regen haben. Dieses Wetter geht mir so langsam auf den Keks.

Das auf dem Foto ist übrigens nicht die Sonne. Das ist der Vollmond zwischen einigen Wolken, wie er gestern abend über unserem Haus kurz nach Sonnenuntergang zu sehen war. Eigentlich beste Aussichten für ein wenig schönes Wetter - aber der Mondschein trügt.

Donnerstag, 23. Mai 2013

Nudelernte, Leierblase, Praktikum

Ich muss zurzeit ... nein, ich darf zurzeit mitlaufen. Ich will nicht "mitrollen" sagen, weil erstens fast alle anderen auch mitlaufen und meine Anleiterin auch nicht rollt. Und "hinterherrollen" stimmt auch nicht ganz, weil sie mich meistens vorturnen, also vorrollen lässt. Die Rede ist von praktischen Eindrücken, die man neuerdings bereits im vorklinischen Teil des Studiums bekommen soll.

Meine Gruppe besteht nur aus mir und einer Kommilitonin mit einem psychischen Knacks, wie sie selbst von sich sagt. Und eben der Anleiterin. Mitte 40, Fachärztin für Innere, sehr nett, sehr lustig, sehr entspannt. Bei Marie ist man auch zu dritt, ansonsten mindestens zu fünft. Zitat des Dozenten: "Gerade bei den Rollstuhlfahrern machen wir die Gruppen nicht zu groß, sonst sind einige Patienten damit überfordert." - Aha. Wie gut, wenn man nicht die erste Studentin im Rollstuhl ist.

Eigentlich soll dieser praktische Einschub den Schwerpunkt "innere Organe" haben. Die Betonung liegt auf "eigentlich", denn uneigentlich lerne ich zur Zeit eher, dass meine Vorstellungen von unserem Verwaltungsstaat zu eng gefasst waren. Und meine Vorstellungen davon, was für einen Unsinn manche Leute glauben. Und nicht zuletzt meine Erwartungen, wieviel Medikamente einige Leute nehmen.

Ich könnte jetzt bereits ein Dutzend Anekdoten erzählen, ich beschränke mich mal auf einen knackigen Dialog: "Sie haben hier 'Tüte Schipps' geschrieben. Sie essen jeden Tag eine Tüte Chips oder jede Woche?" - "Jeden Tag. Kartoffelchips sind gesund, schließlich haben meine Eltern den Krieg auch mit Kartoffeln überlebt." - "Mit Kartoffeln ja, aber da gab es die noch nicht geröstet und gesalzen aus Gebrüder Snackworlds Knistertüte." - "Salzkartoffeln, Bratkartoffeln, was meinen Sie, was meine Mutter früher alles aus Kartoffeln gezaubert hat?! Und sie war nie krank, nur mein Vater hatte offene Tuberkulose. Aber ich will Ihnen was sagen, er hatte bei der Armee auch immer nur diesen Fertigfraß bekommen. Als er nachher wieder Kartoffeln hatte, ging es ihm lange Zeit gut. Keine Kartoffeln, mehr Nudeln, das ist alles so ein neumodischer Kram und kommt aus Italien. Nur da wächst ja auch nichts anderes."

Falls ich also mal nach Italien komme, hat mir meine Anleiterin beim Mittagessen in der Kantine empfohlen, werde ich unbedingt in die Gegend fahren, wo man an der kultigen Nudelernte teilnehmen kann. Ich habe nur noch nicht nachgeschlagen, ob die Dinger nur am Baum wachsen (da komme ich ja schlecht dran) oder auch an Sträuchern. Der Mirabella-coli-Baum wird ja übrigens komplett verwertet, das ist eine Kreuzung aus ursprünglich zwei Pflanzen. Erst kommen die Nudeln ab und werden auf eine Länge gesägt, dann werden die eckigen Mirabellen gepflückt und zu Tomatenmark eingekocht, aus den Blättern häckseln sie die Würzmischung und aus dem Holzschnitt (Coli) den Parmesan-Ersatz. Der Mira-Bella-Coli-Baum ist ein Meisterwerk der modernen Argrarkultur und steht in Italien tausendfach auf den Feldern. Nur die mit geeichtem Füllstrich versehenen Multifunktions-Alubeutel und die bunten Pappkartons müssen noch industriell gefertigt werden.

Hey, ich habe nichts gegen Italien. Falls das nach dem letzten Absatz klargestellt werden musste. Aber vermutlich habe ich mir jetzt jede Chance verspielt, eines Tages mal die vier großen Buchstaben jenes Konzerns auf meinem Trikot zu haben, der den gleichen Namen hat wie ein Himmelskörper (nein, nicht der Mond) und neben einem halbfertigen Nudelgericht auch noch die leckereren mit Zucker umhüllten bunten Schokolinsen und das Lieblingsfutter für die Katze einer Sportkollegin herstellt. Dabei würde ich wetten, mindestens zwei Lesende (!) meines Online-Tagebuches haben beim nächsten Einkauf mal wieder etwas im Wagen, was sie schon lange nicht mehr gegessen haben.

Genug Unsinn gemacht, zurück zu meinen praktischen Eindrücken. Wie schon erwähnt, bin ich ehrlich erstaunt darüber, wievielen Menschen ich in dieser halben Woche bisher begegnet bin, die zum Teil Medikamente wie Schokolinsen in sich reinwerfen. Ich will es nicht ins Lächerliche ziehen, wenn jemand sehr krank ist und Medikamente braucht. Aber den Vogel hat eine Frau abgeschossen, die etwas gegen zu hohen und etwas gegen zu niedrigen Zucker regelmäßig nimmt. Also Tabletten, die die Bauchspeicheldrüse anregen, mehr Insulin zu produzieren, und Glukosebeutelchen, die ihr für den Notfall (also eine Unterzuckerung) empfohlen worden waren. Davon nahm sie regelmäßig bis zu zehn am Tag, der Apotheker hätte ihr auf die Frage der Maximaldosis gesagt, sie könne auch zehn am Tag nehmen, das mache nichts. Unter Garantie in irgendeinem Kontext, aber den hat die arme Frau wohl ebensowenig mitbekommen wie den eigentlichen Sinn der Übung. Und überhaupt: Sie nimmt täglich acht Tabletten eines bestimmten Kortisons in Daueranwendung gegen Schulterschmerzen, vier morgens und vier abends. Jede Tablette hat fünf Milligramm, jede nimmt sie mit einem großen Glas Wasser. Hat der Arzt gesagt. Mit dem Ergebnis, dass sie danach zehn mal aufs Klo müsste, wie sie mir dann erklärte, und deshalb habe sie eine "Leierblase", die mindestens noch eine halbe Minute nachträufelt. Statt 4 x 5 mg könnte sie übrigens auch 1 x 20 mg nehmen. Minus drei Gläser Wasser. Aber das nur so nebenbei, man soll ja viel trinken.

Meine Kommilitonin und ich waren bei der Aufnahmeuntersuchung dabei, mussten alles mitschreiben, was unsere Anleiterin in der Akte notierte. Hinterher hat sie das mit uns besprochen, das war schon sehr interessant und in vielen Bereichen nochmal völlig anders als das, was wir bisher gelernt haben, in einigen Bereichen aber durchaus ein Aha-Erlebnis. Heute nun waren drei Neuaufnahmen geplant - und eine davon war meine. Ein Mann, um die 70, ein ehemaliger Lehrer, wie er mir erzählte, sollte wegen Alterszucker behandelt werden, vermutlich muss er sich künftig regelmäßig Spritzen setzen, weil er mit verschiedenen Tabletten nicht den Erfolg erzielt hatte, den er sich versprochen hatte. Mein Job war es, die gesamte Krankengeschichte zu erfragen, also ihn zu interviewen, was er von Fuß bis Kopf schon alles gehabt hat, was noch besteht, welche Medikamente er nimmt, was er wiegt, ob er raucht, wieviel Sport er macht - bevor dann meine Anleiterin ihn untersucht hat. Beziehungsweise Blutdruck und Blutzucker und einen anderen Wert, den man aus dem Blutstropfen aus dem Ohrläppchen bestimmen kann, musste ich auch noch selbst messen. Meine Anleiterin war natürlich die ganze Zeit dabei, hat aber nicht einen Pieps gesagt. Nur am Anfang gefragt, ob er einverstanden ist, wenn eine Studentin den ersten Teil des Aufnahmegesprächs macht. Daraufhin meinte er: "Oh ja, sehr gerne, ich freue mich, wenn ich etwas für die Wissenschaft tun kann. Ich bin ja kein Notfall und habe alle Zeit der Welt."

Es ist eigentlich sehr gut gelaufen, von meiner Aufregung mal abgesehen. Ich habe natürlich erst zu wenig und dann zu viel von der durchblutungsfördernden Creme genommen, so dass ich den Schweinkram nach dem Einreiben des Ohrläppchens auch am Handschuh hatte und erstmal den Handschuh wechseln musste, um nicht alles vollzuschmieren, dann ist mir noch das Pflaster am Handschuh festgeklebt und dann habe ich beim Blutdruckmessen vergessen, nochmal alle Luft aus der Mannschette zu drücken, bevor ich sie anlege. Obwohl sie eigentlich leer war, soll man das trotzdem nochmal machen. Ich weiß das eigentlich auch, aber ... naja. Typischer Anfängerfehler. Aber ich habe sie richtig angelegt und hatte dann auch auf Anhieb dieselben Werte wie meine Anleiterin. Die schien recht zufrieden mit mir zu sein.

Und eine letzte Sache noch: Wir sind auf dem Weg zurück ins Dienstzimmer, als die Tür vom Besucherklo aufgeht und ein Patient rauskommt. Er spricht mich einfach so an: "Oh, gibt es in diesem Haus neuerdings auch Ärzte im Rollstuhl? Oder studieren Sie noch? Sie sehen noch sehr jung aus." - Ich antworte brav: "Vielen Dank. Ich studiere noch." - "Da gibt es doch aber geeignetere Berufe für Sie. Warum wollen Sie denn mit Ihrer Behinderung ausgerechnet Arzt werden?" - Bevor ich ein Wort sagen konnte, fauchte meine Anleiterin dazwischen: "Weil sie es kann. Und wenn ich Sie noch einmal beim Rauchen auf dem Klo erwische, können Sie Ihre Sachen packen." - Ich hatte Mühe, mir ein schadenfrohes Grinsen zu verkneifen.

Montag, 20. Mai 2013

Drei Elfen im Meer

Nachdem ich kürzlich, anlässlich meines 600. Posts bereits ganz viele statistische Werte festgehalten habe, erwähne ich nur noch kurz, dass vorgestern der Zähler die 1,75-Mio-Marke übersprungen hat.

Was ich auch noch kurz erwähnen möchte: In meiner Referrer-Liste tauchen neuerdings auch einzelne Besucher auf, die von einem Wikipedia-Eintrag hierher kommen. Ein User namens Schlurfrakete hat den angelegt. Falls mein Blog tatsächlich bedeutend genug ist, um einen Platz in jener großen Enzyklopädie zu finden, bedanke ich mich dafür.

Gestern haben Cathleen, Marie und ich zusammen mit dem Popo-Fetischisten aus unserem Triathlonverein endlich mal wieder etwas total verrücktes gemacht. Er hat uns schon vor zwei Monaten eingeladen, die diesjährige Badesaison in der Ostsee einzuläuten. Immer wieder kam etwas dazwischen, gestern war es nun endlich so weit. Weil die Ostsee gerade mal 12 Grad hat (und die Luft 15 Grad), waren wir natürlich im Neoprenanzug drin. Warum dieser Vorschlag (Baden im Neo) von ihm kam, war natürlich klar: Er steht auf Popos in Neos.

Vorweg genommen: Es war eine Mordsgaudi. Die Leute, die in ihren hoch geschlossenen Jacken über die Promenade flanierten und sich von diversen Pfingstfesten, Kunsthandwerker- und Flohmärkten unterhalten ließen, staunten nicht schlecht und trauten teilweise ihren Augen kaum. Da rutschen ein paar behinderte Leute durch den Sand, um sich dann in der spiegelglatten Ostsee unter anderem mit zwei aufblasbaren neongelben Luftmatratzen zu vergnügen. Einer fragte, ob wir zu einer Showeinlage gehörten, ein anderer, ob wir eine Wette gewinnen wollten, eine Frau, wofür wir demonstrieren.

Und unser Sportkollege? Der hatte wohl seinen bisher schönsten Tag dieses Jahres. Drei knackige Elfen *hust*, denen er in die Anzüge helfen durfte (und auch wieder raus), die er im Wasser etliche Male knuddeln durfte, um auszudrücken, wie sehr er sich freue, und die hinterher zusammen mit ihm heiß duschten. Der Raum mit der rolligerechen Dusche am Strand ist zwar groß genug, hat selbstverständlich aber nur eine Duschbrause (und nicht vier).

Zum eigentlichen Schwimmen: Die weißen Bojen zeigen das Ende des beaufsichtigten Bereichs an und befinden sich 120 Meter vom Strand entfernt, jeweils im Abstand von 100 Metern zueinander. Wenn die Zahlen stimmen, sind wir tatsächlich auch 1.480 Meter geschwommen.

Sonntag, 19. Mai 2013

Fünf Beine, zwei Köpfe

Als ich beim letzten Training auf dem Deich an ganz vielen Schafen vorbei gefahren bin, waren da auch bereits ganz viele kleine Lämmchen auf der Weide. Auch ganz viele schwarze. Am liebsten hätte ich sie alle einmal geknuddelt. Einzeln.

Es war kein Lamm mit fünf Beinen dabei. Auch keins mit zwei Köpfen. Und folglich lief dort auch keins herum, das fünf Beine und zwei Köpfe gleichzeitig hatte. Der Bauer hätte es getötet. Gegen die Wand geworfen und beseitigt. Bauern machen das so. Zumindest die britischen, wenn man einem Politiker aus North Cornwall glauben darf.

Aus Kostengründen. Es lohne sich nicht, ein missratenes Lamm durchzubringen. Und wenn man bedenke, dass die Assistenz für einen behinderten Menschen so viel Geld kosten kann wie der Unterhalt für zehn öffentliche Toilettenanlagen, sollte man auch schwer behinderte Kinder lieber einschläfern, befindet der gleiche Mensch. Ein entsprechender und einfach nur schockierender Bericht findet sich in den Dienstagsausgaben der britischen Zeitungen "The Independent" und "Daily Mirror".

Der Politiker wurde bereits von der Polizei vernommen. Er habe geäußert, dass er, müde von einer langen Sitzung, von einem Reporter zu dem Thema befragt wurde und provozieren wollte. Mehrere Vorsitzende politischer Parteien haben sich in einem offenen Brief bereits von diesen Nazi-Gedanken distanziert und ihn aufgefordert, sich zu entschuldigen.

Das reicht nicht. Da es bereits der zweite öffentlich berichtete Vorfall dieser Art in den letzten zwei Jahren ist, erwarte ich, dass diesem Menschen die Berechtigung entzogen wird, öffentliche Ämter zu bekleiden. Jemand, der sich für das Einschläfern bestimmter Menschen ausspricht, hat grundsätzliche Menschenrechte nicht begriffen und ist daher ungeeignet für die Führung eines politischen Amtes.

Samstag, 18. Mai 2013

Obszöne Tauben

Ich habe lange nichts Kurioses erzählt. Für meine Verhältnisse. Es ist mal wieder an der Zeit, wie ich finde.

Marie und ich wollten gestern abend kochen und haben beschlossen, einen Nudelauflauf zu machen. Vorher waren wir noch in jenem Supermarkt, von dem ich kürzlich bereits erzählt habe.

Gestern jedenfalls warten wir an der Kasse. Es sind kaum Leute im Laden. Aus den völllig überforderten Lautsprechern an der Decke plärrt "Ordinary Lives" von den Bee Gees. Plötzlich wird das Gedudel jäh von einem lautem, nahezu übersteuerten Jingle unterbrochen und eine betont freundliche Frauenstimme erzählt lächelnd, dass es wieder da ist, unser Einkaufsradio. Jetzt weiß ich, was mir gefehlt hatte.

Bald sei wieder Pfingsten, erzählt die freundliche Stimme, und Pfingsten sei ein christliches Fest, das seit etwa 130 nach Christi Geburt gefeiert werde. Pfingsten bedeute "der fünfzigste Tag", so dass Pfingsten immer 50 Tage nach Ostern gefeiert werde. Eigentlich feiere man mit dem Pfingstfest die Gründung der Kirche, denn nach der Apostelgeschichte sei am Pfingstag der Heilige Geist auf betende Jünger herabgekommen.

Gleichzeitig werde Pfingsten aber auch als Friedensfest gefeiert und trage sehr viel Symbolik in sich. Beispielsweise werde die Taube als Symbol des Friedens häufig im Bezug zum pfingstlichen Frieden verwendet. Nach christlicher Überlieferung hätte eine Taube das Ende der Sintflut angekündigt, als sie mit einem frischen Olivenzweig im Schnabel zu den auf Noahs Arche eingeschlossenen Lebewesen zurückkam.

In dem Moment sagt einer von zwei jungen Männern hinter uns, beide eher vornehm gekleidet: "Pass auf, der Kreis schließt sich gleich, indem auf die tiefgekühlten Taubenhälften für fünfneunundneunzig das Stück hingewiesen wird." - Worauf der andere der beiden erwiderte: "Die liegen gleich neben den Pferdepopos."

Die Stimme aus den Lautsprechern fährt fort: "So hatte man ab dem Jahr 1450 regelmäßig im Pfingstgottesdienst Tauben freigelassen."

Einer der beiden Männer sagt: "Besser wäre natürlich gewesen, sie hätten die Tauben gar nicht erst eingesperrt. Dadurch kamen die Kriege doch erst zustande!"

Ich gucke Marie an, sie machte eine gelangweilte Geste. War nicht gut, der Witz.

Der Dialog geht weiter: "Siehste, ich wusste es schon immer: Die Behinderten kriegen wieder für alles die Schuld." - "Die Behinderten?" - "Ja, die Tauben!" - "Das darf man nicht sagen, die heißen jetzt 'Gehörlose'. 'Taub' ist politisch unkorrekt." - "Aber eingesperrt hat man die Tauben trotzdem." - "Aber auch wieder freigelassen." - "Das stimmt. Aber nur zu Pfingsten."

Die Durchsage ist fertig, ein weiterer Jingle erklärt uns, dass wir mit dem Service unseres Einkaufsradios immer bestens informiert sind.

Wir sind endlich an der Reihe, als einer der beiden Männer den Kassierer anspricht: "Entschuldigung, aber dieser Radiosender ist politisch nicht korrekt. Da wird von Tauben gesprochen, obwohl man 'gehörlos' sagen müsste. Das ist diskriminierend."

Darauf sagt der Kassierer: "Das tut mir Leid, das dudelt hier den ganzen Tag, ich hör da gar nicht mehr hin. Aber wir können das nicht abstellen, das wird von unserer Zentrale automatisch eingespielt. Aber wenn Sie möchten, kann ich das mal aufschreiben und dort mal anrufen."

Das hätte er besser nicht angeboten. Der Mann sagt: "Wenn Sie das mal eben machen könnten ... haben Sie einen Stift da?"

Marie dreht sich um: "So, ihr Experten, jetzt haltet hier bitte nicht den ganzen Betrieb auf mit Eurem Klamauk. Es ist von Vögeln die Rede und nicht von gehörlosen Menschen."

Was sie besser nicht gesagt hätte, denn: "Ach was, von vögeln? Jetzt wird es auch noch obszön! Na, ob ich hier noch einmal einkaufen möchte..."

Donnerstag, 9. Mai 2013

Suche am Vatertag

Heute ist Vatertag. Ich bin noch nicht mal Mutter. Also genau der richtige Zeitpunkt, um sich mal wieder mit ungelösten Suchanfragen zu beschäftigen! Ja, genau, jene Suchbegriffe, die jemand in eine Suchmaschine eingegeben hat, bevor er auf meine Seite kam (externe Suche). Und auch jene Begriffe, die jemand mehr oder weniger erfolglos gezielt auf meiner Seite gesucht hat (interne Suche).

Die meisten Menschen suchen nach wie vor nach irgendwie sortierten Kombinationen aus Jule, Stinkesocke, Blog und Rollstuhl, landen auf meiner Seite und haben gefunden, was sie suchen.

Aber es gibt eben auch externe Anfragen, von denen wohl nur die Suchmaschine weiß, warum sie dazu meine Webseite empfiehlt, und interne Anfragen, die nicht immer zum gewünschten Ergebnis führen. Aber wer sucht und fragt, möchte schließlich Antworten. Hier sind sie:

Behindertenwitze findest du hier.

Hose runter Pampers ab am See habe ich gerade mal in einer Suchmaschine eingegeben und mich gewundert, dass mein Blog auf Seite 1 bei 2.090 Ergebnissen kommt. Nach diesem Beitrag vermutlich demnächst sogar noch auf Platz 1...

Gipsbein? Nee, Querschnittlähmung.

Rollstuhlfahrerin? Ja, richtig!

Jule nackt? Mindestens zwei Mal am Tag, stell dir mal vor. Im Sommer dafür aber nur einmal pro Nacht.

Beide Beine amputiert? Soll vorkommen. Hat den Vorteil, dass der Rollstuhl keinen Fußbügel braucht. Es soll sehr schwierig sein, mit zwei Prothesen zu laufen, allerdings kenne ich zwei Frauen aus Hamburg, die das problemlos hinbekommen. Problemhos heißt: Auf der Straße sieht man keinen Unterschied. Nur manchmal, wenn plötzlich jemand im Gedränge in den Weg läuft, bleiben sie nicht plötzlich stehen, sondern machen einen Schritt zur Seite, um den Schwung rauszunehmen. Was bei einer Freundin von mir etwas lustig aussieht, wenn man nicht weiß, warum sie das macht.

Berühmter Blog: Wow ... mein Blog steht (eher ungewollt) unter den ersten zwei Suchergebnissen!

20 Sätze, warum ich zum Ausflug mit darf. Soll ich sie dir jetzt schreiben? Hörma, die schreibst du schön selba, sonst bleibst du zu Hause.

Fingern durch Leggings? Kleiner Tipp: Mach es ohne Leggings, geht einfacher.

Ich trage gerne aufblasbare Windeln. Schön für dich. Ich trage lieber welche, die unter der Kleidung nicht sofort auffallen.

Kann man mit 16 noch mit professionellem Sprint anfangen? Ich möchte behaupten: Für Sport ist es nie zu spät und Versuch macht kluch.

Leckerer Auflauf? Gerne!

Leggings schwimmen? Ich tippe, sie gehen unter.

Pupsende Kühe gab es mal in einem Werbeslogan, aber warum sucht danach jemand?

Sklaven beim Urologen gequält? Wenn ich daran denke, wie Cathleen sich bei einem Harnleiterstein vor Schmerzen gekrümmt hat, finde ich diese Idee äußerst krank.

Supermarkt Kanister ausrutschen? Du meinst den Smash Prank, über den ich geschrieben habe? So ein Schweinkram!

Verursacht lange im Rolli sitzen Übelkeit? Bei mir nicht.

Werde ich gesucht? Am besten stellst du diese Frage auf der nächsten Polizeidienststelle noch einmal.

Womit schreibt man ein Brief an die Versicherung .. wegen eine kaputte Handy? Am besten, denke ich, mit deinem PC, oder?

Wie viele Windeln trägst du? Eine zur Zeit. Höchstens.

Wir lösen Fälle, ich blogge darüber und er hat seine Hose vergessen. Ist das einfache Aufgabenteilung oder schon Inklusion?

Hinter mir stand ein Stier. Kleiner Tipp: Rette sich, wer kann.

Laut gerülpst heute? Ich? Heute? Noch nicht.

Nette Rollstuhlfahrerin? Huhu! Winke winke!

Wie benimmt sich ein Star? Angeblich besser als eine Elster.

Gehst du mit deiner Unterhose ins Bett? Nicht, nachdem ich sie ausgezogen habe.

Fünf Wochen krank im selben Halbjahr bei 400-Euro-Job? Ich würde mal behaupten, damit bist du kurz vor Ende der Lohnfortzahlung.

Im Rolli vor mir fährt ein junges Mädchen, sie fährt allein und sie scheint hübsch zu sein. Ich weiß nicht ihren Namen und ich kenne nicht ihr Ziel, ich merke nur sie fährt mit viel Gefühl.

An meiner erfrorenen Hand trage ich ständig einen Lederhandschuh. Aha.

Anderes Wort für Schleimbeutelentzündung medizinisch? Meintest du Bursitis?

Dicke Frau isst Schokolade in der Sauna. Solange sie mit den schmierigen Fingern nicht überall hinfasst...

Ich habe mir auf die Hand gepinkelt beim Zurückhalten. Muss ich die Hand waschen? Du kannst sie auch ablecken.

Aufgeregt Klausur. Lehrer enttäuscht? Schreibst du die Klausur für dich oder für den Lehrer? Bist du sicher, dass du wichtiger bist als die anderen Schüler in deiner Klasse?

Ausreden sozialmedizinischer Dienst? Wegen ständiger Arbeitsunfähigkeit? Am besten gehst du wohl wieder zur Arbeit, wenn du schon Ausreden brauchst.

Auto falsch geparkt, keinen behindert. Widerspruch? Woher weißt du denn, dass du niemanden behindert hast?

Badeanzug drunter im Wasser? Wo drunter?

Badeanzug Hygienestreifen fehlt bei Rücksendung. Muss ich zahlen? Ich schätze: Ja.

Banane Fixierung Rollstuhl? Tu sie doch einfach in deinen Rucksack.

Behindert in ein anderes Bundesland ziehen. Scheiße. Wer hilft mir? Frag mal bei der Sozialberatungsstelle.

Beinderte wollen ein Teil der Gesellschaft sein. Behinderte sind ein Teil der Gesellschaft?

Behindertenparkplatz nicht für Lastwagen? Eher nicht.

Bei Blasenspiegelung sexuell erregt? Ich? Sicher nicht.

Bekomme ich Busgeld, wenn ich meine Hecke rode? Wenn du mit dem Bus zu deiner Hecke fahren musst, solltest du auf jeden Fall die Kettensäge sicher verstauen.

Beschreibe den Weg eines Signals, nachdem dein Fuß an einen Stein gestoßen ist. Welches Signal?

Mit dem BH an der Untersuchungsliege verheddert? Das ist mir noch nie passiert.

Bin so geil, muss mit Dildo ballern. Tu dir keinen Zwang an!

Wirfst du deinen Müll aus dem Fenster? Zuhause nicht und beim Autofahren nur dann, wenn neben mir ein Mülleimer steht.

Macht ihr in eure Reithosen rein? Mit Absicht zumindest nicht.

Gibt es Finderlohn bei Bombenfund? Ich schätze: Nein.

Bringen Sie mich bitte zu Jules Blog! Huhu! Hier!

Darf man ein Auto, wo auf einen Behinderten zugelassen ist, verleihen? Wenn das Fahrzeug steuerermäßigt oder steuerbefreit ist und das Verleihen nicht im Zusammenhang mit der Haushaltsführung des behinderten Menschens steht, nein.

Darf man mit Herzschrittmacher in der Waschanlage im Auto sitzen bleiben? Im Zweifel steigst du lieber aus.

Darmentleerung Triathlon? Lieber nicht.

Strafe wegen Zahnspange? Hast du sie wieder nicht regelmäßig getragen? Schäm dich.

Du bist so unwichtig wie eine Gurke auf dem Hamburger. Ich hab dich zum Fressen gerne.

Meine Ehefrau legt abends einen Katheterschlauch in meinen Mund. Deine Ehefrau ist ein Schwein.

Einmal gepupst, vier Mann drehen sich um? Sowas macht man auch nicht.

Mit Reitsachen schwimmen schönes Gefühl? Probiere es doch einfach aus!

Worauf muss man beim Fahrrad fahren achten, wenn man Spastiker ist? Diese Frage gebe ich mal an Sally weiter.

Ist Fetischismus eine Behinderung? Könnte klappen.

Gegen Bordstein gefahren, dann gelbes Dreieck mit Ausrufezeichen. Was soll das? Genau diese Frage möchte dir dein Auto in dem Moment stellen.

Jule ist gegen den Sozialstaat. Echt? Habe ich nie behauptet.

Gehen mit Querschnittlähmung? Das geht, wenn die Querschnittlähmung sehr tief und/oder unvollständig ist.

Mein Hund frisst meine Kacke aus dem Plumpsklo? Dann scheinst du dich ja nährstoffreich zu ernähren.

Gibt es einen deutschen Blog, wo es nur um Oralverkehr geht? Wird das auf die Dauer nicht langweilig?

Mastubierst du trotz Inkontinenz? Ja.

Habe einen Schwerbehindertenausweis mit freier Fahrt. Was kostet es mich, wenn ich mit dem ICE von Essen nach Bremen fahre? 71 Euro.

Hiermit kündige ich die Wohnung meiner Großmutter. Was bist denn du für einer?

Ich bin 67 Jahre alt, aber beim Sex hapert es nicht. Will ich das wissen?

Ich fahre behinderte Leute spazieren. Nett von dir!

Ich gehe in den Park, um vor Fremden zu pissen. Geh lieber zum Psychiater.

Ich habe Blut 148 zu 97 und Plus 126. Bin ich tot? Eindeutig nicht.

Ich suche eine Putzmaschine für meinen Elektrorollstuhl. Ist er so dreckig?

Ich werde beschuldigt, bei rot fast nicht angehalten zu haben. Solange du angehalten hast, ist doch alles kein Problem, oder?

Im See schmwimmen mit Feinstrumpfhose? Stehst du drauf?

Hat Jana einen dicken Arsch? Ich finde nicht.

Kann jemand mit Hirnschädigung trotzdem abführen? Natürlich!

Kann ich den Dildo nachts drinnen lassen? Das würde ich nicht machen.

Kann vor lauter Aufregung mein Blutzucker steigen? Soweit ich das im Studium gelernt habe, geht das nicht. Allerdings kann der Blutzucker bei Aufregung stärker steigen (aber auch stärker sinken) als wenn man nicht aufgeregt ist.

Hat Tatjana schon mal in den See gemacht? Soll ich sie das wirklich fragen?

Katzen starren sich gegenseitig an. Miau? Fauch?!

Können Mädchen mit kaudalem Regressionssyndrom Sex haben? Ja.

Klistier vom Nachbarn in seiner Mülltonne gefunden? Ich durchsuche keine Mülltonnen.

Los! Riech kräftig an unseren Stinkesocken! Wenn demnächst lauter Leute an mir schnüffeln, weiß ich, woran das liegt.

Ist masturbieren im Neoprenanzug schön? Ich behaupte, es ist sehr anstrengend.

Mein Dad ist an einem Rollstuhl gebunden und haben nun eine Behinderten gerechte Wohnung gefunden. Muss ich bei dem alten Vermieter trotzdem die 3monatige Frist einhalten? Sicherlich. Aber vielleicht akzeptiert er ja einen Nachmieter und entlässt euch früher aus dem Mietvertrag?

Hat Maries Mutter was dagegen dass ihr in ihren Pool pinkelt? Soll ich sie das wirklich fragen?

Meine Freundin trägt Gymnastikanzüge zum Schwimmen. Hat sie so viele davon? Oder ist das dein Fetisch?

Minderjähriges Mädchen wird von Mitschüler erwischt dass sie keine Unterhose unter ihrem Sommerkleid hat. Soll vorkommen, nur wieso guckt ihr der Mitschüler unter das Kleid?!

Muss ein Flur zum Notausgang leer sein? Ja!

Muss ich den Schwerbehindertenausweis in der Öffentlichkeit mitführen? Nein. Nur wenn man man Leistungen, die damit verbunden sind, in Anspruch nehmen möchte.

Nasse hautenge Leggings? Da stehst du drauf, oder?

Neoprenanzug erotisch? Finde ich jetzt nicht, aber ich weiß, dass viele drauf stehen.

Onaniert ihr im Trainingslager? Was die anderen machen, weiß ich nicht, aber ich konnte mich die wenigen Tage bisher beherrschen.

Pups die alte Stinkesocke kackte gerne in der Hocke mitten in den Rolli rein ach herrje das duftet fein! Horst, der eine Störung hat, guckt erschrocken auf das Blatt: Ja, dort ist es angepriesen, Horsti gehört eingewiesen.

Knicken bei Querschnittslähmung meine Beine ein? Ich fürchte, du wirst dich gar nicht erst hinstellen können.

Querschnittlähmung Zehe wackelt? Guckst du: Babinski-Reflex

Rennrollstuhl Preis? Für einen neuen festverschweißten nach Maß mindestens 5.000 €.

Sally ist dumm, glaub ihr nicht! Ich glaube dir nicht. Dumm, oder?

Ich bin 13, darf ich im Satinschlafanzug onanieren? Wer sollte es dir verbieten?

Sobald ich merke, dass ich pinkeln muss, entleert sich meine Blase sofort! Hast du das mal einem Urologen geschildert? Dagegen gibt es Tabletten.

Darf man wenn man 50% schwerbehindert ist bei 30 Grad die Klausur schwänzen? Wofür gehst du zur Schule? Um zu schwänzen? Dann mach es einfach und lass deinen Ausweis in der Tasche.

Tochter mit Spina bifida ist zwölf und trägt heimlich Windeln. Vielleicht redest du mal mit dem Kinderarzt, damit der mal mit ihr darüber spricht?

Weiß jemand wie es weitergeht, wenn ich meinen vorläüfig eingezogenen Führerschein zurück habe? Ich weiß es nicht.

Mittwoch, 8. Mai 2013

DC

Heute ist mir irgendwie nach DC. Nicht nach Gleichstrom, auch nicht nach dem schottischen Rennfahrer oder der Kreditkarte ... nee. Alles nicht. Mit "DC" meine ich die römische Zahl. Die beiden Buchstaben stehen für 600 und genau 600 mal habe ich bereits auf "Veröffentlichen" geklickt. Wie immer bei runden Zahlen ist es mal wieder Zeit für Statistik!

Zunächst ein Blick auf die Entwicklung der Besucherzahlen:

03/2008 - 0 Besucher
03/2009 - 6.500 Besucher
03/2010 - 12.000 Besucher
03/2011 - 15.500 Besucher
03/2012 - 22.500 Besucher
03/2013 - 47.500 Besucher

Im März 2013 wurde meine Seite 92.000 Mal aufgerufen. Pro Tag kommen durchschnittlich 1.500 (eindeutige) Besucher auf meine Seite. Die bisherigen Spitzenmonate waren der April 2012 mit rund 150.000 Seitenaufrufen (nach meiner Nominierung bei den BOBs) und der Februar 2013 mit rund 125.000 Seitenaufrufen (nach einer Verlinkung des BildBlogs).

Meine Besucher kommen zu 96% aus Deutschland. Weitere 3% kommen aus Österreich, der Schweiz, Schweden, den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich, der Türkei und aus den Vereinigten Staaten. Regelmäßige Besucher kommen darüber hinaus aus Irland, Finnland, Belgien, Mexiko, Dänemark, Frankreich, Indien, Island, Kanada und der Dominikanischen Republik. Vereinzelte Besuche sind aus Südafrika, Italien, der Tschechischen Republik, Spanien, Japan, Norwegen, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Portugal, Ägypten und Costa Rica verzeichnet. Die Reihenfolge spiegelt die Anzahl der Seitenaufrufe aus den genannten Ländern wieder.

Die meisten Besucher kommen übrigens -wen überrascht das- aus Hamburg, nämlich fast 8%. An zweiter Stelle steht Berlin mit 6,5% und an dritter München mit 5,5%. Die Plätze 4 bis 10 belegen Köln, Frankfurt/Main, Stuttgart, Hannover, Bremen, Essen und Bonn. Außerhalb Deutschlands sind die meisten Seitenaufrufe von geschätzten 48 Lesern aus Wien verzeichnet, rund 34 kommen aus Zürich. Geschätzte 15 Leser rufen aus Dublin meine Seiten auf.

Am häufigsten wird meine Seite mit einem Firefox-Browser aufgerufen (49%), mit einem Windowsrechner (63%) und einer Bildschirmauflösung von mindestens 1280 Horizontalpunkten (71%). Etwa 20% meiner Besucher rufen meine Seite vom Mobiltelefon oder Tablet-PC auf, deutlich mehr als 50% von ihnen mit einem iPhone oder einem iPad.

Bisher habe ich keinen Grund gefunden, mit dem Schreiben aufzuhören. Ich habe noch nicht mal versucht, einen zu finden. Mir macht das Schreiben Spaß und ich freue mich nach wie vor über jede Besucherin, die gerne mitliest und jeden Besucher, der gerne mitliest.

Übrigens: Mit den nächsten 100 Beiträgen habe ich schon begonnen, dieses hier ist Nummer 601...

Dienstag, 7. Mai 2013

Losbude

Hamburg feiert seinen 824. Hafengeburtstag. Das ist ein Volksfest anlässlich des 824jährigen Bestehens des Hamburger Hafens. Hafengeburtstag wird in Hamburg jedes Jahr gefeiert, meistens ist das Wetter schön. Als Rollstuhlfahrerin hat man kaum eine Chance, in dem Gedränge zu überleben. Spätestens an der nächsten Schlauchbrücke, also diese Plastikschwellen, die über Schläuche und Rohre gelegt werden, damit niemand über den Schlauch, sondern über das Plastikteil stolpert, gibt man auf, weil man nur mit Glück im Stuhl sitzen bleibt, wenn die Traube einen ungefragt drüber schiebt. Bei Regen, mit glitschigen Greifreifen, ist es völlig aussichtslos.

Da stellt man sich dann lieber an eine Losbude und investiert 10 € für 100 Lose. Ich werde mir einen Stand aussuchen, an dem es keine explizit gekennzeichneten Nieten gibt. Allerdings ist nicht jedes Los auch wirklich ein Gewinn.

Während ein Leblos vielleicht zur Unsterblichkeit verhilft und ein Mutlos zu jeder Menge Entschlossenheit, wären mir ein Endlos und ein Sexlos viel zu riskant. Wer weiß, was da zu Ende sein wird? Und woher soll ich wissen, wer mich da vergnügt? Und beim Maßlos hätte ich vorher wenigstens noch gewusst, welches Bier drinnen ist.

Das Achtlos wäre, genauso wie das Zahllos, eher etwas für den widerlichen Grafen aus der Sesamstraße, bei dem es immer blitzt und donnert und die Fledermäuse flattern - allerdings nur als ganzes und nicht als Achtellos. Und das Atemlos würde ich der Asthmatikerin in unserem Team geben wollen. Amelose wären nichts für mich, und überhaupt würde ich die ganzen Hilflose gerne an Bedürftige spenden. So fände ich Farblose für blinde Menschen sehr schön. Und Gehörlose für diejenigen unter uns, die nicht oder schwer hören. Ein paar Hoffnungslose möchte ich den psychisch kranken Menschen reichen. Und das Stufenlos gebe ich aus persönlichen Gründen auch gerne weiter.

Obdachlose und Wohnungslose möchte ich denen schenken, die nicht mehr in Notunterkünften und unter Brücken schlafen möchten. Und vielleicht noch ein paar Glückslose und Chancenlose dazu? Und wie wäre es mit einigen Arbeitslosen und Erwerbslosen?

Das Torlos gebe ich Raffi, denn wenn der noch ein paar Dinger reinknallt in den letzten beiden Spielen der Saison, fließt mehr Geld in meinem Sportverein und der elendige Sparzwang hätte ein Ende.

Ein Lieblos würde ich auch verschenken wollen, nicht weil ich schon lieb bin, sondern weil ich glaube, dass einige Menschen in meinem weiteren Umfeld das dringender nötig hätten als ich. Dem einen oder anderen würde ich auch noch ein Niveaulos dazu packen.

Kann man eigentlich mit einem Wertlos auch das Kino bezahlen und ist ein Ersatzlos sowas wie ein Joker?

Braucht die EU dringend ein Zinslos?

Ist ein Drauflos immer mit einem Drucklos verbunden oder können wir auch erstmal ein Sittenlos ziehen und mit einem Reibungslos in der Hand schlauchlos kuscheln?

Ist jemand, der ein Humorlos gefrühstückt hat, schlimmer als der Kollege mit einem Clown im Bauch?

Ist ein Kampflos nur etwas für Außenminister und ist ein Machtlos nicht eigentlich völlig wertlos in einer diktaturlosen Gesellschaft?

Möchte jemand freiwillig mein Makellos übernehmen?

Ist das Regellos so etwas wie eine Antipille?

Kommt man beim Öffnen des Zwangloses gleich in die Psychiatrie?

Ist ein Erfolglos ein Gewinn oder eine Niete?

Ist ein Folgenlos nur etwas für Serienfreaks?

Wer möchte in mein Fruchtlos beißen? Komm, besser als in mein Gräten- oder mein Staublos.

Das Kostenlos würde ich von Frank mal auf seine Rechtmäßigkeit prüfen lassen, immerhin habe ich beim Ziehen der Lose schon etwas bezahlt.

Ist ein Schlaflos was für Nachteulen? Und ein Schnurlos was für Stubentiger?

Ein Wunschlos ist sehr kostbar. Das bekommt man sonst nur bei Feen (und dort im Dreierpack günstiger).

Das Fleischlos ist für Vegetarier kein Freudenlos. Dafür ist das Fleckenlos dank der lustigen Fleckenteufel kein Problemlos mehr.

Dem Spinner, der mich aus einer Jugendgruppe heraus vorhin Spast genannt hat, schenke ich das Respektlos, das Hirnlos und das Gedankenlos. Und das Anstandslos. Die letzte Idee, ihn ein Schwanzlos ziehen zu lassen, hatte sich nicht als vorteilhaft erwiesen, da er vorher das Verantwortungslos noch nicht gezogen hatte.

Ist ein Fassungslos nur was für Elektriker?

Darf ich mein Ideenlos jetzt zum Fantasielos packen, bevor ich geräuschlos mein Selbstlos öffne?

Unterm Regenschirm

Ich musste heute durch den strömenden Regen fahren. Was schon völlig bescheuert ist, denn man hat keine Hand frei, um den Regenschirm festzuhalten. Noch beknackter ist es, an einer Fußgängerampel zu warten und sich wie unter einer Dusche vorzukommen. Und dann noch nicht mal eine Regenjacke dabei zu haben, weil ... wer rechnet denn damit?! Plötzlich hört der Regen auf. Ich wundere mich, gucke nach links, gucke nach rechts und sehe zwei japanische Frauen, die mich mit unter ihre Schirme nehmen. Allerdings ohne irgendein Wort und ohne irgendeinen mitleidigen Blick. Sondern als wäre das völlig normal. Das ist mir in den Jahren meines Rollifahrerdaseins ja noch nie passiert! Diese kleine, nette Geste hat mir unglaublich den Tag versüßt.

Sonntag, 5. Mai 2013

Erstes Outdoorschwimmen 2013

Heute ist der nationale Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen. Einige Aktionen haben in Hamburg stattgefunden, aber ob die gut besucht waren, kann ich schlecht sagen. Ich vermisse ein wenig den Biss solcher Veranstaltungen in Hamburg. Aber das ist nur meine persönliche Meinung, und meckern ist immer einfacher als besser machen. Wobei: Meckern über einen Meckertag hat auch was, oder?

Wir hatten heute unser erstes Outdoor-Schwimmtraining der Saison. Das Wasser hatte 13.8 Grad und ein Neoprenanzug war natürlich Pflicht. Wenngleich es einige todesmutige Kinder gab, die ohne Neo im See schwimmen waren. Die waren allerdings nur zwei Minuten drin, während wir fast zwei Stunden für die immerhin vier Kilometer lange Strecke gebraucht haben. Und außer an den Händen und im Gesicht war es angenehm in meinem neuen Neo.

Den Knüller lieferte eine ältere Frau, die mit ihrem Mann eine Radtour um den See machte und unseretwegen extra anhielt. Als sie zuguckte, wie Tatjana uns aus dem Wasser in die Rollstühle half, sagte sie zu ihrem Mann: "Guck mal, die scheinen vorher gewusst zu haben, dass die Mädchen hinterher nicht mehr laufen können." - Ihr Mann reagierte prompt: "Komm weiter jetzt."

Tatjana hätte mich vor Lachen fast fallen gelassen. Es kommt zwar nicht mehr häufig vor, aber das hat mir doch glatt mal wieder die Sprache verschlagen.

Samstag, 4. Mai 2013

Wer haftet für eine Behinderung?

Mit dieser Frage beschäftigen sich zur Zeit einige Experten. Und es ist aus meiner Sicht auch dringend notwendig, dass das diskutiert und klar bewertet wird.

Angenommen, jemand, der völlig gesund ist, wird plötzlich schwer krank. Braucht medizinische Behandlung, vielleicht regelmäßige Dialyse, vielleicht ein Spenderorgan. Da sind schnell Millionen Euro fällig. Wenn dieser Mensch eine Krankenversicherung hat, bleibt sein privates Vermögen unangetastet. Hat er keine, wird er sein gesamtes privates Vermögen einsetzen und danach, wenn es aufgebraucht ist, zum Sozialamt gehen müssen.

Angenommen, jemand, der völlig gesund ist, wird plötzlich schwer verletzt. Von einem Dritten, bei seiner Arbeit, beim Besuch einer Schule oder eines Kindergartens. Da können ebenfalls schnell Millionenbeträge fällig werden. Für die Kosten muss der Schädiger aufkommen, bei einem Arbeitsunfall die Berufsgenossenschaft, beim Schulbesuch die Landesunfallkasse. Auch in diesem Fall bleibt das private Vermögen unangetastet. Mehr noch: Kann der Betroffene künftig nicht mehr arbeiten, bekommt er diesen Nachteil durch eine Rente ausgeglichen. Ist er dauerhaft verletzt, bekommt er Schmerzensgeld. Für Pflege und Assistenz muss ebenfalls der Schädiger aufkommen.

Angenommen, jemand erkrankt oder kommt mit einer Krankheit oder Behinderung zur Welt, ohne dass ein Verursacher ausgemacht werden kann. Angenommen, er benötigt Pflege und Assistenz. Dann werden dafür im Laufe von Jahren ebenfalls Millionenbeträge fällig. Für die Kosten, die nicht durch die Pflegeversicherung abgedeckt sind (diese zahlt pro Monat maximal 1.918 €), muss der Betroffene selbst aufkommen. Mit seinem gesamten privaten Vermögen. Ist es aufgebraucht, wird er zum Sozialamt gehen müssen. Teilweise werden Angehörige in die Pflicht genommen. Versichern kann sich derjenige insbesondere bei angeborenen Krankheiten und Behinderungen nicht dagegen.

Immer mehr Menschen sehen in den Fällen, in denen so eine Erkrankung oder Behinderung ohne jedes Zutun des Betroffenen auftritt, eine Benachteiligung des Betroffenen, wenn er nicht nur mit einer Behinderung leben muss, sondern auch noch für seine Pflege und Assistenz mit seinem Privatvermögen haften muss. Er ist damit vor allem nie in der Lage, zu sparen, zu verreisen, sich ein Auto zu kaufen, teuer essen zu gehen oder andere Dinge zu tun, die jeder andere Mensch ohne eine Behinderung tun könnte, wenn er genug Geld verdient. Und es gibt Menschen, die, obwohl sie von Pflege und Assistenz abhängig sind, tatsächlich Geld verdienen...

Es ist die Rede von einer Ungleichbehandlung aufgrund der Behinderung. Der Mensch, der nichts für seine Behinderung kann, hat ein Leben lang mehr Ausgaben als Einnahmen, nur weil er lebt. Und zufällig eine Behinderung oder schwere Krankheit hat. Es gibt nicht wenige Forderungen, dass die Gesellschaft, also der Steuerzahler, für diese Kosten aufkommen möge, ohne dass das private Vermögen des Betroffenen oder das seiner Angehörigen angetastet wird.

Ich verfolge diese Diskussion nun schon seit einiger Zeit. Mich betrifft sie nicht persönlich und mir ist das Thema auch zu komplex, um dazu eine bis ins letzte durchdachte Meinung haben zu können. Allerdings finde ich es bereits schon jetzt unglaublich, wieviel Zündstoff hinter dieser Forderung steckt. Und wieviele Menschen sich gegen den Gedanken einer inklusiven Gesellschaft sträuben (vor allem, solange sie nicht selbst von Ausgrenzung betroffen sind). Und dass tatsächlich Menschen glauben, es wird auch nur ein gesundes Kind mehr geboren, wenn man der Bewohnerin eines Pflegeheims von den 300 €, die sie verdient, 240 € wegnimmt und sie in ihre Betreuung steckt, bevor sie sich davon ein paar vernünftige Schuhe kauft.

Ich bin nicht in der Lage, mit den entsprechenden Zahlen um mich zu werfen. In einem bin ich mir aber ziemlich sicher: Am Ende zahlt fast immer das Sozialamt. Und bei den meisten Menschen ist "am Ende" schon im ersten Monat. Die Kohle, die hier aufgewendet wird, geht zu 100% in Arbeitskraft. Ließe sich da nicht ein vernünftiges System aufbauen, das ohne das (oft wenige) Einkommen der Betroffenen auskommt?

Freitag, 3. Mai 2013

Kein Parkplatz

Ich bin von insgesamt vier meiner Leser auf ein Urteil aus Sachsen-Anhalt hingewiesen worden, mit dem ein oberschenkelamputierter Mann keinen blauen Parkausweis für Behindertenparkplätze bekommen hat. Unter anderem der Spiegel hatte in einem Artikel Beinamputierter darf Behindertenparkplätze nicht nutzen darüber berichtet, dass das Gericht zwar festgestellt hatte, dass der 71jährige Mann zum Aussteigen mit seinen Unterarmgehstützen viel Platz braucht und sich nur sehr eingeschränkt (rund 100 Meter) fortbewegen kann, ihm trotzdem aber eine Ausnahmegenehmigung für das Parken auf Behindertenplätzen versagt hatte. Als Begründung wurde zitiert, breite Behindertenparkplätze dienen lediglich dazu, die Berechtigten näher an sein Ziel zu bringen.

Normalerweise möchte ich solche Urteile gar nicht kommentieren, auch nicht, wenn ich, wie hier, mehrmals nach meiner Meinung dazu gefragt wurde. Denn Urteile werden oft falsch zitiert und den Einzelfall, der hier verhandelt wurde, kenne ich gar nicht. In diesem Fall möchte ich aber eine Ausnahme machen, und meine Gedanken dazu aufschreiben, weil ich über Frank direkten Zugang zum Urteil bekommen habe und nach dem Durchlesen das durchaus für korrekt halte. Was nämlich in dem Artikel (und in anderen) verschwiegen wird, ist, dass der Mann eine Prothese trägt und mit dieser Prothese laufen kann. Drei Gutachter, darunter namhafte Professoren, haben den Mann im Auftrag der Gerichte unabhängig begutachtet und sind zu dem Ergebnis gekommen, die Gehbehinderung sei nicht so stark, dass der Mann auf Schwerbehindertenplätzen parken müsse. Inzwischen hat auch das Bundessozialgericht sich mit dem Thema beschäftigt und die Klage abgewiesen.

Es gab zwar diverse Komplikationen mit der Prothesenversorgung, aber insgesamt seien dazu noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft und eine Prothese ist nunmal kein angewachsenes Bein. Und Behindertenparkplätze sind zwar (aus gutem Grund) breit, aber alleine die Tatsache, dass er einen breiten Parkplatz braucht, reiche nicht aus, um auf Behindertenparkplätzen parken zu dürfen. Es gäbe auch die Möglichkeit, am Auto eine Schiebetür einzubauen, die Kosten dafür würde ein vorhandener Haftpflichtiger zahlen müssen.

Wenn man nun allen Menschen, die mit einer Prothese laufen, einen blauen Parkausweis gibt, müsste man auch allen anderen, die ähnlich eingeschränkt sind, das Parken auf den Schwerbehindertenplätzen gestatten. Dann bräuchte man aber wiederum viel mehr dieser Plätze, was schwierig wird. Also hat man die Messlatte besonders hoch gehängt. Parken dürfen auf diesen Plätzen ausschließlich Menschen, die querschnittgelähmt sind, Menschen die beidseitig oberschenkelamputiert sind, und Menschen, die ähnlich schwer eingeschränkt sind, so dass sie eigentlich nur mit einem Rollstuhl mobil sind. Da gehört dieser Mann nunmal einfach nicht rein. Dass diese Gesamtsituation nicht befriedigend ist, wenn die Messlatte so hoch liegt, weil es genügend Leute gibt, die trotzdem nicht weit laufen können, unterschreibe ich sofort. Aber darum ging es hier nicht, das haben nicht die Richter zu verantworten, die bestehende Gesetze anwenden müssen.

Und auch aus der Tatsache, dass viele Menschen herumlaufen (im wahrsten Sinne des Wortes), die so einen Ausweis bekommen haben, obwohl sie noch einen halben Kilometer durch die Gegend rennen können, kann man lediglich ableiten, wie hoch hier der "Missbrauch" ist und wie wenig das kontrolliert wird, denn so vorgesehen ist das eben nicht. Und ich kenne auch genügend Leute aus meinem Sportverein, die mit zwei Dreipunktstützen oder einem Rollator ein paar Schritte wackelig gehen können und genau aus diesem Grund den blauen Parkausweis eben nicht bekommen. Wollte man das ändern, müsste man an anderer Stelle gemeinsam kämpfen und nicht einzeln vor Gericht.

Der Mann hat allerdings einen orangenen Parkausweis, mit dem er alle Rechte, die er mit dem blauen Parkausweis bekommen hätte, nutzen kann - bis auf das Parken auf den Behindertenparkplätzen. Er kann damit also beispielsweise auf allen Anwohnerparkplätzen, im eingeschränkten Halteverbot, in Ladezonen, an Parkscheinautomaten ohne Gebühr etc. parken.

Von daher habe ich zwar durchaus starkes Mitgefühl für diesen Mann und würde ihm auch wünschen, dass er, wenn schon die Amputation sein musste, wenigstens gut und ohne Schmerzen mit seiner Prothese zurecht kommt, aber einen Aufreger sehe ich hier nicht. Er persönlich hat sich mit Sicherheit einige Hoffnungen gemacht, aber wenn er ehrlich ist, wird er sein Gehvermögen nicht mit dem eines querschnittgelähmten oder beidseitig oberschenkelamputierten Menschen vergleichen wollen. Und so sind die Gesetze nunmal. Ich hätte in den sieben Jahren, in denen er durch die Instanzen geritten ist, andere, schönere Schwerpunkte in meinem Leben gesetzt und versucht, die beste Prothese und die beste Gehschulung zu bekommen - statt so einen blöden Parkausweis.

Donnerstag, 2. Mai 2013

Bismarck und der Kinderrollstuhl

Wenn man mit einer Tüte gebrannter Tonsillen in der Hand norddeutschlands größtes Volksfest, den Hamburger Dom, verlässt und die Helgoländer Allee in Richtung Landungsbrücken hinunter rollt, lädt der Alte Elbpark je nach Tageszeit mal mehr, mal weniger zu einem Besuch ein. Aber egal, ob man dorthin abbiegt oder nicht, selbst von der Helgoländer Allee sieht man das abends hell beleuchtete, knapp 35 Meter hohe Denkmal zu Ehren des Reichskanzlers Bismarck. Ob man das Ding als Denkmal oder als Mahnmal dort stehen lässt oder derzeit wartet, bis es wegen Baufälligkeit umkippt, möchte ich nicht diskutieren, Fakt ist, dass es dieser Typ war, der in Deutschland vor ziemlich genau 130 Jahren die gesetzliche Sozialversicherung eingeführt hat, wie uns unser Dozent auf einer Exkursion durch tonnenweise Hundekacke und Glasscherben erklärte. Angeblich mehr aus einer Not und aus seinem Streben nach Macht heraus als aus sozialer Fürsorge - aber letztlich ist sie da, wie noch heute fast jeder an seiner neuerdings mit Bildchen versehenen Plastikkarte in seinem Portmonee überprüfen kann.

Wir leben heute in einem Sozialstaat. Und das ist mit Sicherheit gut so. Manchmal ist dieser Sozialstaat aber auch zum Verzweifeln. Dann nämlich, wenn es jemandem so ergeht wie einer neuen Sportkameradin, die mit 14 Jahren mit dem Fahrrad gestürzt ist, als ein Autofahrer sie beim Abbiegen übersehen und umgebügelt hat. Der Autofahrer ist abgehauen, konnte auch nicht ermittelt werden. Der Vater der Sportkameradin ist privat krankenversichert, da er selbständig ist. Dadurch entgeht dem Kind, das natürlich nie gefragt wurde, wie es sich versichern möchte, sogar der Rollstuhl. Ja, richtig gelesen: Rollstühle sind in dem vom Vater gewählten Tarif nur minimal abgesichert, das heißt, von dem günstigsten auf dem Markt erhältlichen Aktivrollstuhl, der mit rund 3.000 € zu Buche schlägt, übernimmt deren private Krankenkasse gerade mal 20%. Und eigentlich bräuchte sie wegen ihrer sehr hohen Lähmung ein sehr leichtes Modell, für das die gesetzliche Krankenkasse in einer Einzelfallentscheidung locker 5.000 bis 6.000 € auf den Tisch legen würde. Sie muss also ihren Vater bitten, ihr einen Rollstuhl zu kaufen. Und was sagt der? Das Geld haben wir nicht.

Im Moment fährt sie mit Sofies altem Rollstuhl, der ihr aber nur mit ganz viel Fantasie passt.

Nur damit wir uns richtig verstehen: Mir ist sehr wohl bewusst, dass diese Familie nie in die gesetzliche Krankenversicherung eingezahlt hat. Folglich ist es auch richtig, dass sie keine Leistungen daraus bekommt. Wo ich aber sehr viel Nachbesserungsbedarf sehe, ist die Tatsache, dass es Kinder und Jugendliche in diesem Sozialstaat gibt, deren Grundbedürfnisse (und wir reden hier von einem Rollstuhl, der diesem Mädchen ermöglicht, das Bett zu verlassen) nicht befriedigt werden können, weil ein Vater den "falschen" Tarif gewählt hat.

Es gibt ja viele Diskussionen, ob die JAE-Grenze (die bewirkt, dass für monatlich maximal 4.350 € der Beitrag zu zahlen ist, egal wieviel jemand verdient) in dieser Form und dieser Höhe sinnvoll ist, ob private Krankenversicherungen überhaupt sinvoll sind, ob nicht alle Menschen grundsätzlich eine gesetzliche Grundversicherung haben sollten - das ist kaum zu überblicken und dazu habe ich wegen der Komplexität auch keine in wenigen Worten darstellbare Meinung. Aber zu einem habe ich sie: Ich bin der Meinung, Kinder und Jugendliche sollten bis zu ihrem 18. (oder bis zum Ende der ersten Ausbildung und damit der elterlichen Unterhaltspflicht) in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert sein, sofern sie noch nicht über die Eltern dort familienversichert sind. Mit dem Mindestbeitrag von 70 € monatlich, den die Eltern oder notfalls die Sozialhilfe zu zahlen hat.

Alternativ könnte ich mir vorstellen, dass der Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung für Kinder in privaten Krankenversicherungen verpflichtend ist. Wie dann die Beiträge angepasst werden müssen, würde sich zeigen. Was aber nicht sein kann, ist dass Kindern und Jugendlichen der Rollstuhl fehlt, weil das nicht versichert ist und der Vater kein Geld hat.

Mittwoch, 1. Mai 2013

Keine Sternschnuppe

Ich finde es traurig und ich wünsche einer Frau Mitte 40, die ich gestern bei einer Tanz-in-den-Mai-Feier locker kennen gelernt habe, dass sie noch bessere Erfahrungen macht. Sie war die Freundin einer Freundin von Jana, und eigentlich hatte ich mich auf einen ruhigen und entspannten Abend gefreut. Nach dem Fußballspiel sollte es mit Tanzen, lauter Musik und ein wenig Party in einer Kneipe in Hamburg locker in den Mai gehen, stattdessen gab so nervige Diskussionen, dass Jana und ich irgendwann die Örtlichkeit verlassen haben und spazieren gegangen gefahren sind.

"Ich brauche im Leben keine Männer", das war ihr Leitsatz. Den sie an dem Abend mindestens 20 Mal wiederholte, nämlich immer dann, wenn sie ein männlicher Partygast angesprochen, ihr einen Drink angeboten oder einfach nur nach der Uhrzeit gefragt hat. Ich weiß es nicht und ich will es auch nicht wissen, welche Erfahrungen sie mit Männern gemacht hat oder wer um Himmels Willen ihr diese Sichtweise eingetrichtert hat, aber ich kann und will diese Meinung für mich nicht teilen. Ich mag Männer, ich habe einige sehr intensive Beziehungen zu Männern. Sie gehören zu meinem Leben, sie haben dort Platz und ich möchte nicht, dass sie eines Tages nicht mehr da sind. ("Männer gehören eliminiert.")

Ich weiß nicht, warum ich das Bedürfnis habe, das klar zu stellen. Ich vermute, es liegt daran, dass jemand ernsthaft mit mir darüber diskutieren wollte, dass eine Welt ohne Männer möglich wäre. Dass mich das wütend gemacht hat. So wütend, dass ich mir eine Analogie, die weit unter der Gürtellinie eingeschlagen wäre, regelrecht verkneifen musste. Am Ende haben wir einen schönen Sternenhimmel gesehen. Leider keine Sternschnuppe. Ich habe mir aber trotzdem etwas gewünscht.