Samstag, 5. Mai 2012

Nur die Augen

Der heutige 05.05. ist ein Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung, an dem europaweit zur Teilnahme an verschiedenen Aktionen aufgerufen wird. So gibt es auch in Hamburg die eine oder andere Aktion, an denen ich mich allerdings aus verschiedenen Gründen nicht beteilige. Was aber nicht heißen soll, dass ich nicht gegen das eine oder andere protestiere.

Eine Teilnehmerin reiste heute morgen mit der Bahn an und verband ihre Hamburg-Reise damit, unter anderem Sofie wieder zu treffen, die sie von früher kennt und die sie, da sie rund 500 Kilometer von Hamburg entfernt wohnt, nur selten sieht. Sofie fragte mich, ob ich diese junge Frau auch kennen lernen möchte, was ich bejahte und mich mit Sofie auf den Weg zum Hamburger Hauptbahnhof machte, um sie dort abzuholen, ins Hotel zu begleiten und anschließend mit ihr etwas zu Mittag zu essen.

Die Frau war etwa in meinem Alter und hatte durch einen Sauerstoffmangel, den sie bei einer Geburtskomplikation erleben musste, eine Hirnschädigung erworben. Sie schafft es, mit zwei Fingern einen speziell angepassten elektrischen Rollstuhl zu steuern, kann aber sonst keine koordinierten Bewegungen durchführen. Wozu auch das Sprechen gehört. Allerdings schafft sie es, sich darauf zu konzentrieren, mit ihren Augen einen bestimmten Punkt für einige Sekundenbruchteile zu fixieren.

Und das war vor einigen Jahren der entscheidende Durchbruch: Eine schwedische Firma hat, ursprünglich zu Marktforschungszwecken, ein Gerät entwickelt, das den Benutzer eines PCs beobachtet. Und zwar misst dieses Gerät über eine Infrarotleiste die Bewegung der Augen und errechnet daraus auf den Millimeter genau, wohin derjenige, der vor dem Bildschirm sitzt, gerade guckt und was genau er fixiert. Damit sollte ursprünglich überprüft werden, wie sinnvoll Webseiten aufgebaut sind, wie lange ein Benutzer sucht, um einen Link zu finden oder ähnliches.

Bis irgendeiner auf die Idee kam, das Ding jemandem vorzusetzen, der seinen Körper nicht koordiniert bewegen kann. Inzwischen gibt es umfangreiche Software für diese Produkte. Ich habe so etwas zum ersten Mal gesehen und war absolut fasziniert. Die junge Frau hat einen 17-Zoll-Monitor an ihrem elektrischen Rollstuhl angebracht und kommuniziert über dieses Teil mit ihrer Umwelt. In einem speziellen Sprechprogramm kann sie, wie man es von einem Talker bereits kennt, entweder buchstabieren oder aus einer Liste häufig gebrauchter Wörter auswählen. Das funktioniert ähnlich wie bei diesen Worterkennungsprogrammen im Smartphone, die einem bei einer Nachricht auch immer schon nach drei Buchstaben die nächsten Wörter vorschlagen, allerdings ist es hier ausgereifter, zumal ja auch deutlich mehr Rechenleistung zur Verfügung steht und mehr Entwicklungs- und Anpassungsmöglichkeiten.

Ich habe dann mal hinter ihr gestanden und mal geschaut, was sie da konkret macht. Sie war so nett und hat es mir langsam für Anfänger vorgeführt. Als sie jedoch sich "normal" mit Sofie unterhalten hat, bin ich nicht mehr hinterher gekommen. Sie ist so schnell durch die einzelnen Menüs gesprungen, um Sätze zusammen zu bauen, dass ich irgendwann nur noch dachte: "Toll machst du das." - Und mich wieder auf die andere Seite gesetzt habe.

Naja, das Ding ist dann noch internetfähig, hat Musik drauf, die man über Kopfhörer oder Lautsprecher hören kann, Youtube, Fernsehen (sofern die Verbindung schnell genug ist), man kann fotografieren, filmen, Bücher online lesen (und blättern) ... alles, was man mit einem PC oder einem Smartphone auch tun kann. Nur dass sie das Ding ausschließlich über ihre Augen steuert.

Und der Hammer: Dieses Gerät kommuniziert auch mit diversen anderen Geräten. Dass man die Rolläden und das Licht im Zimmer automatisch steuern kann, ist ja nun nichts neues mehr. Aber via Bluetooth kann das Ding zum Beispiel auch einen entsprechend ausgerüsteten Aufzug steuern, also sich synchronisieren, das Rufknöpfchen drücken und in der Kabine das Ziel auswählen.

Früher hatte sie Familienangehörige oder einen Assistenten um sich herum, mit denen wurde auch über die Augen oder über Laute kommuniziert. Entsprechend hatte sie auch eine Assistenz für die Schule. Inzwischen studiert sie und braucht, von der Pflege abgesehen, keine weitere Hilfe. Zumindest eben nicht für so "einfache" Dinge wie die Kommunikation. Es war echt wieder so eine bewegende Geschichte, denn wie man sich vorstellen kann, haben viele Leute sie lange Zeit für geistig enorm eingeschränkt gehalten.

Und leider ist es auch genau das, was sie im Alltag wieder erlebt. Einige meiner Leute sagen ja immer, dass ich die schrägen Situationen anziehe wie ein rollender Elektromagnet. Nein. Ich habe das Gefühl, diese schrägen Situationen häufen und vermindern sich parallel zum Umfang der Behinderung, dem eigenen Umgang damit und den wiederum deshalb verwendeten Hilfsmitteln. Die Frau war natürlich die Attraktion im Hamburger Hauptbahnhof: Eine Rollstuhlfahrerin mit einem Bildschirm am Rolli! Wann sieht man so etwas schonmal. Und da es keine Tastatur gab, war das Ding wohl nur zum Fernsehen oder Computer spielen...

Wir haben natürlich schnell eine möglichst ungestörte Ecke in einer Gaststätte gesucht, was schwierig war, denn es war überall gut gefüllt. Als uns einer fotografieren wollte, meinte Sofie: "Sag mal, wir sind doch hier nicht in der Muppet-Show!" - Der Typ lachte und setzte dann tatsächlich seine Kamera an und begann zu knipsen. Als die Bedienung an unseren Tisch kam, bestellte unser Besuch natürlich über diesen Talker. Sie hatte sich vorher mit unserer Hilfe konkret durch die Speisekarte gefragt und dann bereits einen Text vorformuliert und den dann abgerufen. Was sagt die Kellnerin: "So, können wir das jetzt auch vernünftig klären ohne diesen Scheiß?"

Augenblicklich merkte ich meinen Hals anschwellen, aber bevor ich mich da einmischen konnte (und wollte), laberte ihre Kiste schon: "Bitte entschuldigen Sie, dass ich versäumt habe, Ihnen den Sinn dieses Gerätes zu erklären. Ich kann wegen meiner Behinderung nicht sprechen und bitte Sie höflich, mit mir über dieses Gerät zu kommunizieren. Sie können ganz normal reden, ich verstehe Sie sehr gut. Für mich redet mein Computer, den ich mit meinen Augen steuere. Vielen Dank für Ihr Verständnis." - Ein fertiger Text, der wohl permanent schnell greifbar ist.

Die Kellnerin hat es trotzdem nicht verstanden, meinte, sie lasse sich nicht verarschen und zog von dannen, wir zogen dann noch einmal um in einen anderen Laden, doch da erging es uns ähnlich. Als Sofies Freundin ihre Bestellung vorlesen lies, meinte der Kellner: "Haha, das ist ja lustig. Kannst du wirklich nicht sprechen oder willst du hier mit mir ein bißchen Quatsch machen?" - Die Frau lies das Ding wieder diesen vorprogrammierten Text erzählen, aber der Kellner ging mittendrin weg, redete mit seinem Kollegen und sagte dann: "So, wollen Sie jetzt was essen oder nicht?"

Sofie sagte: "Nein, wir haben es uns anders überlegt." - Und zogen zum dritten Mal, diesmal in unser Lieblings-Burger-Restaurant, um. Dort war es zwar auch endlos voll und in der Warteschlange hatten wir eine Dreiergruppe vor uns, die ebenfalls fasziniert von diesem Gerät war, die aber erstmal fragten und mit denen wir dann auch einige Minuten ins Gespräch kamen. Das war völlig okay. Und dann waren wir mit der Bestellung dran und die junge Frau hinter der Kasse bekam das problemlos geregelt und war sehr flexibel. Da es sehr laut war, konnte sie diesen Talker kaum verstehen, kam um den Tresen herum und stellte sich direkt vor diesen Computer, bediente dann die Tasten ihrer Kasse über den Tresen hinweg. Sie hatte auch sofort drauf, wie dieses Gerät bedient wurde: "Machen Sie das mit den Augen? Das ist ja genial. Tschuldigung, aber ich bin gerade völlig von den Socken."

Sie fragte dann: "Möchten Sie Ketchup oder Mayonnaise dazu?" - Und als sie dann merkte, dass sie in ihrem Ding erstmal umständlich blättern musste, sagte sie: "Ich frage anders: Es gibt Ketchup oder Mayonnaise zur Auswahl. Möchten Sie Ketchup? Es gibt Pommes oder Knoblauchbrot zum Burger im Menü dazu. Möchten Sie ein Menü? Möchten Sie Knoblauchbrot? Lieber Pommes? Das Getränk gibt es in 0,3 und in 0,5. Ist 0,3 in Ordnung? Nein, dann 0,5?"

Auch das Bezahlen klappte einwandfrei. Sie wurde aufgefordert, das Geld aus einer Seitentasche am Rollstuhl zu nehmen. Sie legte das Portemonnaie auf den Tresen vor ihr, schüttete die Münzen aus und nahm sich vor ihren Augen das Geld, was sie brauchte. Später erzählte Sofies Freundin, dass das oft irgendwo abseits mit zugewandtem Rücken passiere. Sie habe zwar noch nie erlebt, dass sie dabei betrogen worden ist, aber sie schaut trotzdem gerne selbst zu. "Bitte suchen Sie sich einen Tisch, ich stelle Ihr Menü zusammen und bringe Ihnen das Tablett an den Platz. Okay?" - In einem Burger-Schnell-Restaurant, wo man üblicherweise selbst für seine Tabletts verantwortlich ist.

Sofies Freundin wollte dann ihre Assistenz anrufen, die im Hauptbahnhof bummelte, um sich füttern zu lassen, aber Sofie meinte, dass sie das auch tun könnte. Am Nachbartisch nahm ein junger Mann Platz. Ohne was zu essen, halb hinter Sofies Freundin. Wir beide sahen ihn, Sofies Freundin sah ihn nicht. Stattdessen glotzte er. Er erschien mir irgendwie nicht geheuer. Plötzlich kam von dem Typen ein Kommentar: "Na, so gut möchte ich das auch mal haben. Fernsehen und sich dabei füttern lassen." - Ich war ohnehin schon so geladen, dass ich mich zusammenreißen musste, demjenigen nicht im hohen Bogen mein Getränk in die Visage zu kippen. Entscheidend war, dass ich ihn nicht treffen würde, ohne dabei auch Sofies Freundin zu duschen. Gut, dass ich es nicht gemacht habe. Sofies Freundin fing an zu lachen und drehte ihren Rollstuhl so, dass sie den Typen sehen konnte. Es war der Partner einer anderen E-Rolli-Fahrerin, der uns zufällig beim Reinrollen in den Laden von der anderen Straßenseite aus gesehen hatte. Seine Freundin, Sofies Freundin und er waren in einer halben Stunde verabredet und wollten gemeinsam zu einer dieser Aktions-Protestkundgebungen. Als ich ihm sagte, dass seine Aktion ihm beinahe eine Cola-Dusche beschert hätte, meinte er: "Dann habe ich ja wohl enormes Glück gehabt." - Hat er.

Kommentare :

Andrea hat gesagt…

Hi Jule, ich zweifel selbstverständlich nicht an, daß die Geschichte tatsächlich so passiert ist. Aber sind Menschen, in diesem Fall die Restaurantbedienungen, wirklich so dämlich ? Das grenzt an mein Vorstellungsvermögen und läßt mich fassungslos den Kopf schütteln.
LG
Andrea
PS: Im Fernsehen läuft gerade zum Thema des Tages ein Bericht über Barbara, die nach einem Unfall querschnittgelähmt ist, ihr Architekturstudium beendet hat und nun Expertin für barrierefreies Bauen in Graz ist. In dem Bericht hat sie Dublin besucht, das mustergültig für Rollstuhlfahrer sein sollen. Warst Du schon mal in Dublin ?

Anonym hat gesagt…

Das von dir beschriebene Problem, kenne ich leider nur zu gut. Ich betreue Menschen die auch nicht sprechen können und dafür einen Talker haben, aber einen den sie mit den Fingern bedienen können, das Augenmodell kannte ich auch noch nicht. Sowas wie auch bei Wo ist Fred. Und leider kennen die wenigsten so etwas und reagieren oft sehr verstört wenn plötzlich die Blechkiste das reden anfängt. Das hat also nichts mit der Augensteuerung zu tun sondern mit dem Talker an sich. Gibt sogar schon Aufkleber um das zu entspannen. "Ich rede jetzt" steht da drauf. Bringt aber auch nix.

sven hat gesagt…

Es scheint doch so, dass der überwiegende Teil des Service-Personals von gastronomischen Einrichtungen eher weniger populärwissenschaftliche Sendungen schaut.
Es gab in den letzten Jahren doch schon mehrfach Sendungen, in denen Stephen Hawking poträtiert bzw. über sein Leben berichtet wurde.
Die Ursache seiner Behinderung ist zwar eine andere, aber die Auswirkungen sind doch recht ähnlich, somit auch seine Kommunikationsmöglichkeiten mit der Umwelt.
Er ist bei seinen wissenschaftlichen Vorträgen auch auf ein solches Kommunikationsgerät angewiesen.
Aber warum bloß bei ihm keiner auf den Gedanken kommt, er wolle die anderen verarschen?

Anonym hat gesagt…

Deine Geschichten machen mich immer wütender! Es gibt immer mehr Technik, immer mehr wird nur noch online erledigt, sein gesamtes Leben im Internet ausgebreitet, aber ein bisschen Bildung wäre dabei doch auch nicht schlecht, oder? Warum zum Teufel schaffen es die Leute nicht, einfach mal zuzuhören und freundlich zu sein? Aufmerksam zu sein oder wenigstens Respekt vor anderen zu haben? Gucken ist ok, es ist ja was aussergewöhnliches. Das manche dabei starren, wissen sie ja selbst nicht, aber dann jemanden so herablassend zu behandeln, da könnte ich platzen!!! Es wird Zeit, das Inklusion wirklich mal vorangebracht wird, damit so eine Sche.. nicht ständig vorkommt!

B. hat gesagt…

Ich bin als Ergotherapeut an einer Sonderschule tätig. Wir arbeiten auch sehr viel mit Talkern, allerdings nicht mit der Augensteuerung, da unserer Klientel ein anderes ist. Leider hat sich in der Gesellschaft diese Möglichkeit, eigenes Sprechen durch ein Gerät übernehmen zu lassen, noch nicht so weit verbreitet wie es wünschenswert wäre. Wir beobachten das von dir beschriebene Verhalten insbesondere bei "einfach gestrickten" Menschen ständig.

Menschen, die extrem sichtbar eingeschränkt sind, lösen Angst aus, sobald so ein Gerät anfängt zu reden. Menschen, denen man die Behinderung nicht auf den ersten Blick ansieht, erzeugen Unverständnis. Das kann so weit gehen, dass es zu körperlichen Übergriffen zum Nachteil des behinderten Menschens kommt, weil sich das Gegenüber missverstanden und veralbert fühlt.

Hier muss sehr viel mehr Aufklärungsarbeit getan werden und ich danke dir von Herzen, dass du dieses Thema in deinem inzwischen recht berühmten Blog aufgegriffen hast.

ednong hat gesagt…

Unfassbar. Wirklich. Also die Reaktion der Kellner. Ich kann hier wirklich nur mit dem Kopf schütteln.

Spätestens mit der Erklärung von Sofies Freundin, warum sie mithilfe des Gerätes kommuniziert, wäre meiner Meinung nach eine Entschuldigung angebracht gewesen. Von seiten der Kellner. Ich faß es einfach nicht, wie man so rotzfrech in einem Dienstleistungsgewerbe reagieren kann.

Wahrscheinlich sind daran auch so Sendungen wie "Versteckte Kamera" mit dran Schuld, deren "Späße" manchmal doch arg weit gehen. Aber wie gesagt, spätestens bei der Erklärung wäre eine Entschuldigung nötig gewesen.

Ich komm aus dem Kopfschütteln einfach nicht raus.

Anonym hat gesagt…

Brief an die Geschäftsleitung. Mühsam aber leider nötig. Oft wirkungslos aber oft auch nicht. Die meisten Restaurantbesitzer sind ziemlich unerfreut, wenn sie mitbekommen, dass die Verkäufer Umsatz verhindern.

Dass es eine Sauerei ist steht außer Frage.

Irgendwie ist es mühsam und anstrengend und irgendwie auch ein Kampf gegen Windmühlen aber anderseits kann man ja doch einiges bewegen.

BigDigger hat gesagt…

Wäre ich Chef dieser Gastronomie"fachkräfte" gewesen und hätte das mitbekommen, hätte ich die Kellnerin hinter mir her zu Eurem Tisch geschleift und sie in aller Öffentlichkeit rund gemacht, einschließlich einer deutlichen Aufforderung, sich bei Sofies Freundin zu entschuldigen, einer mündlichen arbeitsrechtlichen Abmahnung - unter Ankündigung der schriftlichen Ausfertigung - und der deutlichen Ansage, sie im Wiederholungsfalle fristlos rauszuschmeißen.

Danach hätte ich sie zurück an die Arbeit geschickt und Eure Bestellung (Vorspeise, Hauptspeise, Nachtisch und pro Person zwei Getränke) aufs Haus gehen lassen.

Für solch ein Verhalten gibt es keinerlei Rechtfertigung und keinen Jota Nachsicht.

Anonym hat gesagt…

Ich kann nicht glauben, dass es einen Monitor gibt, den man nur mit Draufgucken bedient. Ich habe auch nichts im Internet darüber gefunden. Welche Firma stellt ihn her?

BigDigger hat gesagt…

@Anonym (01:59)

Ich hab keine zwei Minuten gebraucht, um was zu googlen. Muss nicht zwingend EyeGaze sein, aber das funktioniert nach dem gleichen Prinzip.
http://www.eyegaze.com/applications/disabilities-solutions/

Wäre damit Dein Horizont erweitert?

*seufz*

Anonym hat gesagt…

@anonym
Die schnellste Auswahl an solchen augengesteurten Systemen, die ich gerade ergoogelt habe, findest hier: http://www.cogain.org/wiki/Eye_Trackers

Anonym hat gesagt…

Wie hast du denn gesucht? Ich habe mal eben testweise die Schlagworte: - Behinderung steuern mit Augen - in Google eingegeben und das hier war der erste Treffer: http://www.myhandicap.de/augen-steuerung.html

Ich finde es auch krass wie die Kellner reagiert haben. Danke, dass du darüber aufklärst, Jule Da gibt es wohl noch viel Informationsbedarf. Ich habe vorher auch noch nie davon gehört und bin jetzt schlauer.

Susanne hat gesagt…

Ich fasse es nicht, wie unverschämt manche Leute sind... ich habe selbst jahrelang als Servicekraft gearbeitet und mir wäre es nicht im Traum eingefallen, Kunden so zu behandeln.

Übrigens habe ich beim STERN folgenden Artikel über die Barrierefreiheit in deutschen Großstädten entdeckt, vielleicht interessiert er dich ja. Hamburg kommt jedenfalls nicht gut dabei weg...
http://www.stern.de/wissen/mensch/leben-mit-behinderung-muenchen-ist-barrierefreiste-deutsche-grossstadt-1821768.html#utm_source=sternde&utm_medium=zhp&utm_campaign=wissen&utm_content=snippet-links

Brian Jones hat gesagt…

Let me google that for you:
http://bit.ly/J8U3pV

;-)

Ich geb aber zu, ich hätte auch erst mal fasziniert geguckt ... da kommt dann doch bei mir der Technik-Freak durch.

Anonym hat gesagt…

@ 6. Mai 2012 01:59 6. Mai 2012 01:59
http://www.computerbild.de/artikel/cb-Messe-CeBIT-Beitraege-Tobii-Computer-mit-den-Augen-steuern-2384275.html


google ist dein freund...



ansonsten, wie doof können die leute sein... wenn jemand mit einem rolli rein kommt ohne die arme zu benutzen, sich ansonsten auch wenig bewegt - wie kann dann die schlussfolgerung sein, dass man verarscht wird...

Anonym hat gesagt…

ps:

die technik nennt sich "Eye Tracking", gibts auch schon fürs iphone...

Anonym hat gesagt…

Wahnsinn, solche Leute... Jedwede Technik an Autos, Smartphones und Robotern wird bedenkenlos hingenommen, aber sobald ein körperlich eingeschränkter Mensch die gleiche Technik mal "unkonventionell" benutzt, benehmen sich die Leute wie die allerletzten Hinterwäldler! Okay, dass man da mal hinschaut, kann ich verstehen. Würde ich, zugegebenermaßen, wohl auch, weil ich soetwas noch nie live gesehen habe. Aber dann schaut man vielleicht kurz hin und dann ist gut. Oder wenn man neugierig ist und höflich nachfragt - meinetwegen auch das noch.. Aber sowas?! Da fehlen mir die Worte, echt! Wie kommen die Leute darauf, dass man sie veralbern will?! Was SOLL das??

Anonym hat gesagt…

Hallo Jule,

Dank dir habe ich seit Fr. nicht gearbeitet...
Musste mir deinen Blog von Post 1 bis heute einmal durchlesen.
Sehr netter schreibstil, hatte viel Spaß an deinem Leben teilhaben zu dürfen.

Drücke dir und eurer WG die Daumen das alles weiterhin klappt.

Viele Grüsse
Luis

Snake hat gesagt…

Es ist echt kaum zu glauben wie viele Menschen sind. Ich wäre wohl in den beiden Lokalen geplatzt und hätte mich beim entsprechenden Leiter der Schicht beschwert. Wie arrogant und hochnässig die Leute reagieren, trotz der Tatsache, dass man ihnen erklärt das das kein Gag ist, sondern die Wahrheit. Und dann diese Sache wenn jemand aus dem Raster fällt und irgendwie anders ist als die Allgemeinheit, wie er begafft wird und man net einfach die Tatsache annimmt das jeder anders ist, aber trotzdem ein Mensch.

Es ist was anderes wenn man mal kurz rüber schaut und sich vll. einen Eindruck macht, was z.B. der Bildschirm am Rolli macht, aber dann noch ne Kamera zücken und anfangen Fotos zu machen oder jemanden zu begaffen ist da schon was anderes.

Wenigstens gibt es aber auch Leute die sich freundlich und normal verhalten, wie die Frau an der Kasse von eurem Lieblings-Burger-Laden. Aber der Bekannte von Soife hatte schon mit dem Feuer gespielt, weil so geladen wie Du warst, kann ich mir gut vorstellen das du jede Sekunde explodiert wärst beim nächsten dummen Kommentar.

Aber imerhin schien der restliche Tag jut gelaufen zu sein.

Rike hat gesagt…

Über die Unmöglichkeit der Kellner haben sich ja schon einige Kommentatoren ausgelassen, aber ich finde es muss noch mal gesagt werden, auch der Typ mit der Kamera war ein Arschloch sondergleichen. Wenn man wildfremde Leute fotographieren möchte, fragt man gefälligts höflich und wenn die ablehnen, lässt man es bleiben. Basta!

Ich bin auf alle Fälle froh, dass ihr noch ein Restaurant mit netter Bedienung gefunden habt und diese Augensteuerungsgeschichte klingt faszinierend. Ist schon toll, was heutzutage mit Technik alles möglich ist.

Anonym hat gesagt…

Ich finde ja dass einige der Reaktionen hier ein wenig übertrieben sind und kann die Kellnerinnen ein Stück weit verstehen.

Im ersten Moment würde ich wohl auch erstmal stutzig werden und vermuten, dass mich hier jemand veräppeln will. Wie einige hier schon gesagt haben, man ist es einfach nicht gewöhnt, von einer Maschine angequatscht zu werden und da kann man Hawking noch so oft im Fernsehen gesehen haben.

ABER: Ganz egal ob sich meine Skepsis nach dem ersten Augenblick verflüchtigt oder nicht, ich hätte es ja trotzdem mit Kunden zu tun und selbst wenn die sich einen Spaß mit mir erlauben wollen, was solls!
Hätte sich die Kellnerin irgendwas abgebrochen, wenn sie es einfach hingenommen hätte, egal ob sie an einen Scherz glaubt oder nicht?

Ich hätte wirklich mal den Chef gefragt was der davon hält.

PS: Ich glaube ja, dass die Größe des Monitors da auch eine gewisse Rolle gespielt hat. Wie du (ironisch) gesagt hast, Jule: Es ist groß, es hat keine Tastatur, es muss ein Fernseher sein.

Florian Dehne hat gesagt…

Vielleicht ist es an der Zeit, den Burgerladen mal beim Namen zu nennen. Korrektes Verhalten muss auch mal belohnt werden...

Nobody hat gesagt…

Hallo Jule,

das ist mal wieder ein Tag zum Aufregen. Wie können Menschen nur so ein Verhalten an den Tag legen. Ich glaube deine Schlussfolgerung ist da leider richtig. Die Menschen verbinden noch immer Körper mit Geist.
Zu den Typen mit der Kamera sag ich mal nichts. Da gilt wohl noch mehrere Rollis auf einem Haufen = exotische Tiere in der Stadt.

Ich kenne diese Eyetracker nur von der normalen Verwendung. Um zu sehen wo man bei der Benutzung des Computerprogramms auf dem Bildschirm blickt.
Bislang dachte ich die "Hopkinssteuerung" sei zu teuer für Normalos, wie dich und mich.

Ruthy hat gesagt…

Zu den Kellnern sag ich lieber nix mehr, ist auch eigentlich alles gesagt.
Diese Kommunikationsart "kenne" ich von Sandra Schadek, die u.a. ihr Blog damit schreibt - sie hat seit Jahren ALS und kann praktisch außer den Augen nix mehr bewegen. Geschaut hätte ich vermutlich aber auch, weil live noch nie gesehen.

BigDigger hat gesagt…

@Nobody

Für Dich, mich und Jule ist eine Steuerung per Eyetracker inklusive Talker auch zu teuer. Für Menschen wie Sofies Freundin, die nur die Alternative hätte, auf andere angewiesen vor sich hin zu vegetieren und aufs Ableben zu warten, jedoch nicht. Als Zahler von Sozialbeiträgen finde ich das gut.

Anonym hat gesagt…

Liebe Jule,
(sorry dass der Kommentar nicht zum Beitrag passt)
angespült durch den BOB-Award habe ich heute fast Dein gesamtes Blog durchgelesen - von Anfang an.

Ich habe gelacht, geweint, war ergriffen und habe sehr viel mitgefühlt (hauptsächlich wegen der ganzen Sch**ße, mit der Du Dich so rumärgern musst, und damit meine ich NICHT die Querschnittslähmung an sich sondern hauptsächlich doofe Leute und doofe Umstände, Ignoranz etc. etc.).

Deine Einträge haben nich sehr berührt und meinen Horizont enorm erweitert. Vielen, viele Dank dafür!

Anonym hat gesagt…

Waaahhh, da lese ich Deinen ganzen Blog und schreibe Querschnittslähmung, dabei müsste ich doch jetzt wissen, dass es Querschnittlähmung heißt.
Tschuldigung!

...

Da ja ab und an die Frage nach den Kosten etc. angesprochen wird (ich denke da besonders an einen Beitrag, in dem es um Maria ging): Wir sind nicht umsonst eine Solidargemeinschaft. Ja, ich zahle von meinem Gehalt eine beträchtliche Summe an Sozialabgaben und klar, ich würde mir manchmal wünschen, es wäre weniger.
ABER: Es wird mit Verlaub gesagt mit öffentlichen Geldern so viel überflüssiger Mist finanziert, dass ich nicht verstehen kann wie man Menschen, die bestimmte Hilfsmittel zur Aufrechterhaltung ihrer menschlichen Würde brauchen diese irgendie "übel nehmen" kann bzw. sie teils auch noch so übel schikaniert werden und z.B. um jede Pampers kämpfen müssen.

Mike hat gesagt…

Ich muss ja zu meiner Schande gestehen, dass ich auch geglotzt hätte. Denn eine Benutzerin mit Sprachcomputer mit Augensteuerung sieht man nun doch nicht alle Tage in "freier Wildbahn"

Aber mal was zu dem "Zu Teuer"
So ein System sollte max. ein paar 10 000 Euro kosten. Hört sich nach viel Geld an, aber die Hardware dürfte etwas besser sein als das Übliche Kaufhausgedönse, hochwertige Komponenten, Staubschutz und Spritzwasserschutz müssten eigentlich dabei sein.
Und damit kommen wir schon zu quasi Milspec-Geräten, die einfach nicht so ganz billig sind (aber mit denen man zur Not auch Nägel in die Wand schlagen kann...)

Durch so ein System kann sehr viel an Assistenzleistung eingespart werden (= Personalkosten).
Das heisst in spätestens einigen Jahren hat sich die Anschaffung für den Kostenträger amortisiert!

Und Last but not least: Die User werden dadurch selbstbestimmter und unabhängiger.

Also eine Win-Win Situation.

Mike

Der Maskierte hat gesagt…

Zuallerst möchte ich mich für mein Kommentar ohne Bezug zum Artikel entschuldigen.

Und dann möchte ich dir, Jule, ein ganz herzliches Danke für dieses tolle Blog aussprechen. Ich habe nun jeden Beitrag vom Anfang bis dato regelrecht gefressen.

Deine Energie und Durchhaltevermögen, deine Warmherzigkeit und dein heller Geist nötigen mir allerhöchste Bewunderung und Respekt ab und lassen in mir nicht den leisesten Zweifel aufkommen, dass du weiterhin deinen Weg gehen wirst und das Studium meisterst. Auch bei allen Widrigkeiten des Lebens bin ich sicher, dass du dich von ihnen nicht unterkriegen lässt und uns Fußgängern ohne erhobenen Zeigefinger, dennoch effektiv den Spiegel vor Augen hälst und uns selbige öffnest. Dies mit ganz besonderem Hinblick zu deiner Aufforderung des BOB-Gewinns, den du mehr als verdient hast.

Vielen Dank dafür, dass wir an deinem Leben teilhaben und dadurch lernen dürfen.

Der Maskierte

Banane hat gesagt…

Würde ich einen solchen Umgang mit Gästen irgendwo mal erleben, würde ich das Lokal schnellstmöglich verlassen (evtl. Bestellung stornieren) und Sicherheit nie wieder einen Fuß in dieses Lokal setzen. - Und vermutlich würde mein Protest auch nicht gerade leise ausfallen, um möglichst viele Leute darauf aufmerksam zu machen.
So etwas kann doch wirklich nicht sein!

Sicherlich würde ich erst mal ein wenig verdutzt schauen, wenn jemand über einen Computer mit Augenbedienung mit mir spricht... und als technikaffiner Mensch wäre ich dann auch sicherlich irgendwie fasziniert von diesem Gerät.
Aber ich würde mir sicherlich nicht verarscht vorkommen, schreiend davon laufen, o.Ä.
Ich frage mich mal wieder, wie blöd manche Menschen sein können.

Aber ich finde es auch toll, dass es einen solchen Talker für Sofies Freundin gibt und dass er ihr sehr viel Würde und Lebensqualität gibt - trotz all den Idioten, die einen Teil der durch dieses Gerät entstehenden Möglichkeiten wieder zunichte macht.

Gruß
Banane

BigDigger hat gesagt…

@Mike

Ich vermute einfach mal ins Blaue hinein, dass Jule, Sofie und ihre Freundin einen Unterschied bei den Glotzern machen würden, ob es sich um sensationsgeile Gaffer handelt, die sich an dem Anblick weiden und fotografieren, oder um faszinierte Zuschauer, die versuchen zu verstehen, wie das funktioniert, weil es sie interessiert.

Oder liege ich da gänzlich falsch, Jule?

Jule hat gesagt…

@BigDigger: Der Schlüssel ist gegenseitiger Respekt und angemessene Distanz. Dieses Maß zu finden, fiel dem Fotografen schwer. Es hätte sicherlich niemand etwas dagegen, wenn sich jemand interessiert, fragt, guckt, redet.

BigDigger hat gesagt…

Ich wollte auch nicht den Fotografen als Positivbeispiel heranziehen. Der war genauso schlimm wie die Tellerträgerinnen...

philippfinck hat gesagt…

Hallo Jule,

Ja, wie viele andere bin auch Ich wie gesagt über Sash und die BOB´zu dir gekommen. Ich habe in der letzten Woche bis hutet deinen genzen Blog durchgekämpft und bin sehr sehr beeindruckt. Weiter so!

Nun aber zurück zum Thema: Auch Ich kann nicht verstehen wie man so mit zahlender Kundschaft umgehen kann. Auch Ich habe vor einiger Zeit mal in der Gastronomie gearbeitet. Und das konnte, zumindestens die Läden die Ich kennen lernen durfte, auch eine noch so kleine Dorfklitsche mit 3 Essen auf der Karte sein, eins war Sicher: "Der Kunde ist König!". Immer. Wenn der Kunde sagt spring aus dem Fenster, dann frag Ich nicht wieso, sondern ob Ich Ihm auch noch die Zeitung mitbringen soll. PUNKT. AUS. ENDE. Wenn Ich sowas lese kann Ich nur noch mit dem Kopf schütteln.

Davon abgesehen das sich gerade in der Gastronomie sowas sehr schnell in den betroffenen, ich sag mal "Kreisen" rumspricht und man sich so ganz schnell den Ruf versaubeutelt.

Sowas regt mich genauso auf, wie das Thema mit Maria z.B. Da werden Diskussionen über Selbstverständlichkeiten geführt.

Ich denke, dass hier wie so oft einige Faktoren zusammengekommen sind die eine solche Raktion zusztandekommen ließen. Womöglich die generelle unzufriedenheit des Servicepersonals mit der Arbeit, eine schlechte Motivation bedingt durch miese Bezahlung (1000 € oder weniger Brutto sind da auch für ausgelernte keine Seltenheit), überforderung, Stress, Leistungsdruck oder Existenzangst um nur einige zu nennen.

Das alles sind natürlich keine gründe für ein solches, wie Ich meine, unentschuldbares Verhalten, aber eine sicherlich mögliche Erklärung.

Da bleibt Ihr lieber bei "eurem" Burger, da weiss man was man hat.

Gruss

Philipp

jali hat gesagt…

@BigDigger: Wenn Du derartige software selber mal ausprobieren willst. empfehle ich einen Blick auf openEyes (http://thirtysixthspan.com/openEyes/software.html). Das Projekt hat freie Hardware und mit dem Starburst Algorithmus einen effektiven Algorithmus zur Augenbewgungssteuerung. Den Starburst-Algorithmus gibt es auch in einer Version für sichtbares Licht. Die Funktioniert dann auch mit einer stinknormalen Webcam im Notebook (Infrarot geht aber viel besser!). Damit kann man das selber ausprobieren, ohne zu löten oder teure Hardware zu kaufen.

jali hat gesagt…

Weil ich neugierig und ein Technik-Nerd bin: Funktioniert das Gerät deiner Freundin auch draußen und bei direkter Sonneneinstrahlung?
Die Algorithmen die ich kenne, kriegen nämlich schnell mal Probleme mit ambienter Infrarotstrahlung, weil man dann so viele Störungen hat, dass man die Pupillen nicht mehr findet.

requos hat gesagt…

Mich würden brennend die Namen besagter Lokale interessieren damit ich da in Zukunft keinen Fuß mehr reinsetzen kann. Ist es dir erlaubt die Namen zu veröffentlichen?

Jule hat gesagt…

@jali: Das kann ich dir nicht beantworten. Ich weiß es nicht.

@requos: Ich habe mich entschieden, nur von der Sache zu erzählen und sie dann auf sich beruhen zu lassen. Ich habe keine Lust, mich mit jedem persönlich auseinander zu setzen, der mich im Alltag nervt, anmacht oder herabsetzend behandelt. So etwas macht auf Dauer krank. Würde ich den Namen hier nennen, wäre eine juristische Auseinandersetzung mit dem Inhaber etc. vorprogrammiert - mein Anwalt hat mir davon abgeraten.

Hachja hat gesagt…

Wah, ich konnte den Text gar nicht zu Ende lesen, weil ich so unglaublich wütend wurde.

Niemand wirft anderen vor, wenn sie irritiert oder überrascht sind und dementsprechend schauen oder nach haken. Aber ein solches Verhalten ist wirklich unglaublich. Mit Gestarre hätte ich gerechnet, mit genervten Bedienungen und mit Kommentaren – mit so einem gehäuften Arschlochverhalten nicht, aber das zeigt mir auch vielleicht ganz gut, wie sehr ich doch noch in meiner behüteten Flauschekugel sitze und wie wenig vorstellbar Diskriminierung bleibt.

Am Schlimmsten finde ich die Vorstellung hier indirekt an 2-3 Stunden Leben teilgenommen zu haben und mir vorstellen zu müssen, wie viel Diskriminierung Sofies Freundin Tag für Tag ausgesetzt ist.

So begeistert war ich am Beginn deines Textes von den technischen Möglichkeiten, so wütend am Ende über die menschlichen Hindernisse.

Mkuh hat gesagt…

Hallo
du könntest uns aber den Namen nennen wo die so Hilsbereit waren.
Viele Güße und danke für din Blog

Mkuh

Anonym hat gesagt…

Hallo Jule,

ich hoffe, ich frage jetzt nichts ganzganz Dummes. Und ich spreche niemandem "Fähigkeiten", oder gar seine Selbstbestimmtheit ab (an dieser Stelle auch von mir: Wahnsinn, wie sensibilisiert du und deine Leser mich durch deinen Blog und die damit einhergehenden Diskussionsrunden in den Kommentaren, gemacht hast/haben).

Jedenfalls schreibst du, dass Sofies Freundin sich in dem Burgerrestaurant zu dem Beinahe-Opfer deines Beinahe-Cola-Angriffes umdreht und lacht. Hat sie selbst da gelacht? (Um es mal schön tollpatschig-unelegant zu formulieren)
Du beschreibst, dass sie in der Zeit vor ihrem Sprachcomputer auch über Laute kommuniziert hat. Was ich an dieser Passage so spannend finde, ist, dass sie ja eigentlich keine willentliche Steuerung ihrer Stimme hat (oder?). Zumindest kann sie nicht sprechen, obwohl sie dazu kognitiv ja einwandfrei in der Lage ist. Kann sie denn ein Lachen "steuern", im Sinne von hervorrufen? Ist ein Lachen eine mehr oder minder bewusste Lautäußerung, oder als Außdruck einer starken Emotion losgekoppelt vom bewussten Benutzen der Stimmbänder?

Was mich schlicht fasziniert, ist dieser Spagat zwischen psychologischer und biologischer Komponente, zwischen "bewusster Kontrolle" seiner Stimmbänder, und "Stimmbänder können von starker Emotion, trotz 'im Normalfall' fehlender 'Bedienmöglichkeiten', ausgelöst werden". Und zwar nicht nur "ausgelöst werden" im Sinne von "unartikuliert 'irgendwelche' Laute von sich geben", sondern ein unverkennbares Lachen erzeugen. Die volle Funktion entfalten können, in diesem freudig-emotionalen Augenblick.
Prinzipiell sind die Stimmbänder ja da und rein biologisch funktionsfähig. Und auch wenn man damit nicht sprechen kann, das reine Auslösen sollte doch jedem Möglich sein? Nur; schenkt die starke freudige Emotion ihr einen Moment, in dem sie ihre Stimmbänder auf genau die Art und Weise bedient, wie jemand, der das Glück hatte, bei gleichmäßiger Sauerstoffzufuhr geboren worden zu sein?

Im Endeffekt läuft das wohl auf die Frage hinaus, wie und warum Menschen lachen (können). Das wird auch kein Professor der Welt beantworten können. Aber kannst du dich noch an das Lachen von Sophies Freundin erinnern / es beschreiben?

Mit an 101%iger Wahrscheinlichkeit weiß ich - trotz der Lektüre deines bis hierher ganzen Blogs - noch viel zu wenig über die verschiedenen Facetten körperlicher Handicaps. Ich bin nicht baff, nur weil jemand mit Behinderung (vom physiologischen Aspekt her)lachen kann! Es wäre mir eine große Freude und Erleichterung, dank dir mehr zu lernen und zu verstehen. Deshalb diese Frage bitte nicht anmaßend oder in einer sonstigen Art und Weise negativ auffassen, ich verstehe es einfach (noch) nicht besser.

Und: DANKE FÜR DEINEN BLOG!

Melanie hat gesagt…

Ich bin erst vor kurzem über diesen tollen Blog gestolpert, aber jetzt fleißig am Lesen. Nun muss ich auch mal kommentieren, vielleicht ist es ja von Interesse.
Ich arbeite bei Hannover in einer kleinen, engagierten Firma, die solche und viele andere Hilfsmittel zur Kommunikation, Umfeldkontrolle oder zur PC-Ansteuerung vertreibt. Wir haben zahlreiche Hilfsmittel wie Augensteuerungen, einfache Kommunikationshilfen, PC-Zugänge, die z.B. komplett nur mit einem Finger oder dem Mund bedient werden können und bauen Sonderlösungen. Inzwischen ist eine Augensteuerung für mich Alltag - aber fasziniert auch immer wieder.

Diese Hilfsmittel werden von den Krankenkassen ohne Zuzahlung durch den Versicherten übernommen. Dafür braucht es eben ein Rezept und entsprechende Begründungen und dann geht es seinen Gang.

Augensteuerungen sind ein geniales Hilfsmittel, wenn der Nutzer sehr in seiner Bewegung eingeschränkt ist. Aber die Nutzung braucht definitiv Eingewöhnungszeit, da sich der Blick gaaaanz leicht ablenken lässt. Aber auch eine einzige willentlich reproduzierbare Bewegung kann ausreichen, um z.B. mit einem Muskelsensor ein Komminikationsgerät oder die Umfeldkontrolle für PC, Fernseher, Licht, Türöffner zu bedienen.

Lichteinfall kann bei Augensteuerungen wirklich schwierig sein, aber die Technik entwickelt sich weiter, so dass die Steuerungen immer genauer und toleranter werden. Unterschiedliche Lichtverhältnisse und veränderte Positionen von Kamera und Augen können immer besser ausgeglichen werden.
Hilfsmittel profitieren häufig von Entwicklungen für den normalen Markt, die dann eben noch viel sinnvoller eingesetzt werden können. Die Stimmen in den Geräten haben z.B. durch Navigationsgeräte ihren großen Entwicklungssprung gemacht.

Wir treffen auch immer wieder auf Kunden, die die Hilfsmittel schon vor Jahren hätten gebrauchen können, nur eben nicht wussten, dass es sie gibt oder sich nicht herangetraut haben. Deswegen versuchen wir die Hilfsmittel auch an Schulen für Therapeuten, bei Gruppen von Referendaren oder in Reha-Einrichtungen vorzustellen, damit möglichst viele Menschen eine Idee davon bekommen, dass es diese Hilfsmittel gibt. Leider ist das noch ein langer Weg, aber alleine durch diesen Blogeintrag haben ja schon wieder viele Leute von Augensteuerungen erfahren. Weiter so!
Alles Gute,
Melanie